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Polymerpistole im Kaliber 9 mm Luger im Test: Was kann die Walther Creed in der Praxis?

Die Walther Creed in 9x19 technisch betrachtet

Die Creed von Walther in zerlegtem Zustand.
Was zusammengehört: Verschlussgehäuse, Lauf mit Riegelblock und unten offener Kurve, Vorholfedereinheit gekapselt, Griffstück und Magazin (eins von zweien). Am Griffstück sieht man vorn über dem Abzug den senkrecht gestellten Zerlegehebel.

Der spornlose Hahn der Pistole im Kaliber 9 mm Luger sitzt versenkt im Schlitten, solange das Gerät nicht gespannt ist. Lädt man die Walther Creed durch, dann positioniert sich der Hahn bündig zur Rückfläche des Schlittens. Somit fungiert er auch als Spannanzeige. Beim Schuss dreht sich das Schlagelement schließlich für einen Moment um gut 8 mm nach hinten aus dem Schlitten heraus, ehe er nach vorn Richtung Zündhütchen geht. Wie bei der PPX gibt es ein Browning-Petter-SIG-System; die Creed hat dazu passend auch einen teilgespannten Spannabzug und den gerade erwähnten, versenkten Hahn. Konstruktionsbedingt hat der teilvorgespannte Double-Action-Abzug zwar den Luxus des für einen Spannabzug recht niedrigen Wertes, aber freilich auch ein Handicap: Löst der Schuss mal nicht aus, kann man anders als bei einem herkömmlichen, weil nicht vorgespannten DA-System noch einmal oder gar mehrfach aufs Züngel drücken – da tut sich jetzt nämlich nichts. Hier hilft nur, erneut den Schlitten manuell nach hinten zu ziehen und vorschnellen zu lassen. Auffällig das in dreiteiliger Weise ausgeführte Rohr: Patronenlager und Lauf bilden Teil 1, daran angesetzt ist der per MIM-Verfahren hergestellte Riegelblock (Teil 2), in dem sich wiederum eine polierte Zuführrampe (Teil 3) findet.

Die technischen Daten der Walther Creed im Detail:

Modell:
Walther Creed
Preis:
590,- Euro                                                               
Kaliber: 9 mm Luger
Kapazität:
16 + 1 Patronen
Lauflänge:
102 mm
Maße (LxBxH):
185 x 33 x 142 mm
Abzugsgewicht:
2.270 g
Gewicht:
755 g
Ausführung:
Polymer-Pistole mit Hahn-Schlagelement und teilvorgespanntem Abzug, Hahn versenkt im Verschluss, Drei-Punkt-Stahlvisierung, Kimme driftbar.

Die Creed von Carl Walther in der Wertung

Mündungspartie der Walther Creed.
Das von innen verschraubte Korn,
darunter die Front-Durchladehandhabe und die Picatinny-Montageschiene.

In den Kontrollabschnitten auf der Werkbank und an der Feuerlinie verlief es für die Walther Creed so: Der Top-Streukreis lag bei 57 mm (-10 Punkte). Sie verdaute alle ihr kredenzte Munition widerspruchslos. Auch sonst waren keine Auffälligkeiten in puncto Funktion zu notieren. Also gab es im Prüfabschnitt "Repetierablauf/Sicherheit" nichts abzuziehen (-0 P.). Hingegen registrierten die Tester bei den 3 seit dem Debüt des Modells Creed überprüften Stücken jeweils ein spürbares Abzugskriechen, verbunden mit leichtem Durchfallen. Der Abzugsauslösewert lag zwar bei den 3 gecheckten Versuchsmustern mit Werten von 2.270, 2.350 und 2.500 g deutlich unter dem vom Hersteller angegebenen Maß (2.900 g). Aber messen muss sich das mit den üblichen Schlagbolzenschloss-Pistolen, auch wenn das Werk von einem teilvorgespanntes DA-System spricht, wenn es einen sichtbar werkelnden Hahn gibt. Insgesamt fühlten sich die ermittelten Werte grenzwertig an (-2 P.). Der Griff der Creed war in Sachen Formgebung Walther-gemäß gut und ausgereift, auch lag er fest in der Hand, aber einem Tester kam die Griffstruktur zu glatt vor (-1 P.).

Heckansicht der Creed von Walther. Einlassung für den spornlosen Hahn sichtbar.
Unter der seitlich driftbaren Kimme mit den 2 weißen Marken erkennt man die Aussparung für den Hahn.

Die Creed ließ sich kinderleicht zerlegen: Magazin raus, Sicherheitscheck, Schlitten in den Fang setzen und links über dem Abzug den dreieckigen, ebenso bequem zu erreichenden wie benutzbaren Demontagehebel um 90 Grad runterdrehen. Dann ließ sich der Schlitten samt Lauf und Vorholfederelement in bekannter Weise nach vorn vom Griffstück abziehen. Das Arrangement auch der anderen gut zu betätigenden Bedienelemente gefiel, der Magazinknopf ließ sich von der linken auf die rechte Seite umstecken – nur in Sachen Schlittenfang schauten dann die Linkshänder in die sprichwörtliche Röhre (-1 P.). Die stählerne Visierung mit ihrer 3-Punkt-Markierung bot ein klasse Zielbild und die Möglichkeit, das jeweilige Ziel schnell aufzunehmen. Dafür sorgten der eckige Kimmenausschnitt (4,6 mm) und das Balkenkorn (3,6 mm). Einziger Wermutstropfen: nicht höhenverstellbar (-1 P.). Bei der Verarbeitung konstatierten die Tester minimale Werkspuren oben im Schlitten, unten am Abzugsbügel gab es einen wenig elegant versäuberten Gusskanalansatz. Insgesamt hatten Lauf und Schlitten aus Sicht aller Tester zu viel Spiel (-4 P.).

Walther Creed im Kaliber 9x19 − die Punkteverteilung

Bewertung Punkte
Präzision (max. 50 Punkte) 
40 Punkte
Repetierablauf/Sicherheit (max. 10 P.)
10 Punkte
Abzugscharakteristik (max. 10 P.) 8 Punkte
Abzug-Griff-Design (max. 5 P.) 
4 Punkte
Bedienelemente (max. 10 P.) 
9 Punkte
Visierung (max. 5 P.) 
4 Punkte
Verarbeitung (max. 10 P.) 
6 Punkte
Gesamtpunktzahl (max. 100 P.) 
81 Punkte
Testurteil 
Sehr gut
Prädikate 
5 von 6

Das Fazit zur 9 mm Luger-Polymerpistole von Walther

Das Fazit: Solide Waffe, einfach zu bedienen, brauchbare Treffleistung, dazu noch preisgünstig. Alles in allem ein Preis-/Leistungsverhältnis das stimmig ist. Die Creed kommt mit abschließbarem Koffer samt zweier Magazine und Bedienheft.

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