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Oberklasse-Pistole im Test: Phoenix Redback Carry Shield im Kaliber 9mm Luger

Die 9mm-Pistole von Phoenix in zerlegtem Zustand.
Der Redback-Lauf verriegelt über das Patronenlager. Die Schließfeder lässt sich leicht austauschen, eine Wechselfeder gehört zum Lieferumfang.

Im Schweizerischen Matten bei Interlaken entstehen sie unter der Ägide von Armin Landolt und seinem Team: Grundsätzlich erinnern die neuen Phoenix-Selbstlader technisch durchaus an die Sphinx-Pistolen vergangener Zeit, die wiederum in weiten Teilen auf dem Konzept der tschechischen Ceska Zbrojovka Modell 75 basierten. Das ist nichts Schlechtes, denn die CZ 75 mit all ihren Ablegern ist nach wie vor nicht nur als Original sehr erfolgreich, ihr Konzept wurde und wird von Herstellern aus aller Herren Länder immer wieder aufgegriffen. Zudem eignet sich ihr Design durchaus auch für Waffen mit Polymergriffstück, auch diese sind heute bei mehreren Firmen im Angebot, nicht nur bei CZ selbst. Reinrassige Polymer-Rahmen gibt es bei Sphinx nicht; die eher zum Führen gedachten Varianten der Serie "Fusion" mit Sicherung oder alternativ Entspannhebel verbinden einen Dural- Rahmen mit einem Griffbreich aus Kunststoff. Die Preise für die Phoenix Fusion starten bei 839 Euro für das Kompaktmodell mit driftbarer Kimme. Für einen ersten Blick auf die neuen Phoenix- Pistolen aus der Schweiz stand aber keine Fusion zur Verfügung, sondern eine Variante aus der sportlich ambitionierten Baureihe Redback.

Die Phoenix Redback Carry-Serie im Detail

Der Griff der Redback Carry.
Die Pistole in schussbereitem Zustand mit gespanntem Hahn.

Das vorliegende Exemplar stammt von der Firma STP-Pistols, die hierzulande den Vertrieb und Verkauf der Phoenix- Pistolen übernimmt. Die Rotrücken von Phoenix stellen dabei gegenüber den erheblich günstigeren Fusion-Modellen die Premiumklasse dar. Namenszusätze verraten die Modellausstattung: Carry, zu Deutsch in diesem Fall eine Pistole führen, heißen die Redbacks mit ab Werk für ein kleines Reflexvisier (MRDS) ausgefrästem Schlitten. Shield steht für das Mini Red Dot Sight des gleichnamigen englischen Herstellers – alternativ zum Shield gibt es die Carry-Modelle auch als Variante "Trijicon" mit deren Reflexvisier RMR. Kommt noch ein "Light" oder ein "Ultralight" hinzu, gibt dies Aufschluss über das Material des zweiteiligen Griffstücks. Denn Phoenix bietet den Redback-Rahmen zwar immer mit mündungslangem Dustcover samt Picatinny- Schnittstelle an. Der untere, über Schrauben befestigte Griffbereich nimmt dabei aber nur das Magazin samt um- steckbarem Druckknopf, die Griffschalen und das Schlagfedergehäuse samt Feder auf. Alle anderen Kleinteile setzen im oberen Rahmenbereich an und dort findet sich auch die Seriennummer. Normalerweise alles aus Stahl gefertigt, verwendet man bei den Light-Modellen einen Griffbereich aus Dural. Bei den Redback Ultralights wird zusätzlich auch der obere Rahmenteil aus dem Leichtmetall gefertigt. Die Unterschiede machen sich im Preis bemerkbar, vor allem aber auf der Waage: Die Redback Carry Shield wiegt über 1300 Gramm, eine Lightversion (2892 Euro) dagegen knapp unter 1200 Gramm, die Ultralight (2499 Euro) nur noch 920 Gramm. Dazu gibt es dann noch diverse Optionen bezüglich Material und Finish, etwa rost- trägen Edelstahl oder alternativ zu dem DA-/SA-Abzugssystem auch einen reinen Single Action-Abzug.

Die technischen Daten zur Phoenix Redback Carry Shield

Modell:

Phoenix Redback Carry Shield
Preis:3701,- Euro (UVP DE)
Kaliber: 9 mm Luger
Kapazität:17 + 1 Patronen
Maße (L x B x H):210 x 45 x 159 mm
Lauflänge:
115mm
Visierlänge
166mm
Abzugsgewicht:1.650 g
Gewicht:1.320 g
Ausführung:zweiteiliges Stahlgriffstück, Shield-MRDS, vier Magazine, DA-SA-Abzug mit Triggerstopschraube.

Ausstattungfeatures der Redback Carry Shield

Mündungspartie der Redback Carry Shield.
Qualität und Anspruch der Fertigung werden an jedem Teil sichtbar. Hier die Mündungspartie.

Armin Landolt und sein Phoenix-Team pflegen seit Jahren den engen Kontakt zu Topschützen. Kein Wunder, dass die Redback alle gängigen Merkmale mitbringt, die sich bei komplett aus Metall gefertigten Pistolen für dynamische Disziplinen wie IPSC Production oder die Production Optic Division durchgesetzt haben: Die Lauflänge von rund 4,5 Zoll samt massivem Dustcover für eine optimierte Balance und geringen Hochschlag, ein angetrichterter Magazinschacht, beidseitige Sicherungsflügel, langes High-Grip-Griffhorn, Checkering von Griff-Vorderseite und Griffrücken, Durchladerillen vorn im Schlitten, ein skelettierter Hahn, getunter Abzug mit Triggerstop. Wer ein konventionelleres Visier bevorzugt, der kann die Redback auch mit Kimme im BoMar-Stil ordern, passend dazu mit schwarzem Match- oder mit rotem Fiberglaskorn. Bei dem vorliegenden Exemplar passte das sehr niedrige Korn in seiner Höhe gut zu der Notkimme im Duralgehäuse des MRDS von Shield Sights: Bei dem hier eher sportlich orientierten Konzept wird durch Kimme und Korn wenig verdeckt, aber es bleibt noch in der Peripherie des Visierbildes erfassbar, um die Augen zu leiten und im Notfall das Reflexvisier zu ersetzen. Auch das Zubehör kann sich sehen lassen: In dem Nylonfutteral fanden sich gleich drei (beschichtete) Ersatzmagazine mit Bodenplatte aus Kunststoff, ein Werksschussbild, Putzzeug sowie je eine zusätzliche Schlag- und Schließfeder zur Feinabstimmung.

Technik und Verarbeitung: Überzeugt die Pistole von Phoenix?

Montiertes Reflexvisier von Shield.
Das auf einer Montageplatte befestigte Reflexvisier stammt von Shield aus England und verfügt über eine Notkimme.

Technisch unterscheidet sich die Phoenix Redback in einigen Details von dem gewohnten Bild. So besitzt der Lauf zwar die typische, geschlossene Steuerkulisse, verriegelt bei den Schweizern aber nicht über Kämme vor dem Patronenlager, sondern direkt im Auswurffenster. Im Griffstück läuft der Schlitten im Schuss auf einen U-förmigen Polymer-Puffer auf. Das soll den Schlittenimpuls zähmen, der gerade bei den Ganzmetallpistolen den Reflexvisieren im Schlitten derb zusetzen kann. Eine automatische Schlagbolzensicherung hat die Redback nicht, für Sportpistolen nicht ungewöhnlich.

Zerlegte Redback mit sichtbarem Kunststoffpuffer.
Direkt vor dem Riegelblock sitzt im Rahmen ein Kunststoffpuffer. Er schützt auch das Red Dot.

Bei einem Startpreis von 2500 Euro für eine Redback Ultralight darf man qualitativ sehr hohe Ansprüche stellen. Tatsächlich wirken Passungen, Finish und Detailverarbeitung der Redback Carry Shield dann aber auch sehr gediegen. Griff und Rahmen passen nahezu nahtlos zueinander. Der Lauf bot in verriegeltem Zustand kein fühlbares Spiel, der Schlitten lief nahezu saugend auf den Griffstückschienen. Die Testwaffe quittierte dann auch das Hantieren und Repetieren mit passender haptischer und klanglicher Untermalung – wie bei einer teuren Custom- 1911er kann man die Qualität der Passungen fühlen und hören. Auch die Linienführung gefällt: Die Redback zeigt Kanten, wo es das Auge freut, und ist dort sorgsam verrundet, wo es das Handling fördert. Das gilt auch für manchmal etwas vernachlässigte Bereiche wie die Bedienhebel: Die Sicherung links ist nicht nur größer als der rechte Flügel, ihre Kanten wurden wie auch die des Verschlussfanghebels sorgfältig gebrochen, ohne rundgeschleckt zu wirken. Die Taste des Magazinauslösers bot oben scharfe Rillen, war aber seitlich leicht abgerundet, der Hahnsporn ebenso. Die Grifffront bot ein aggressives, blitzsauber geschnittenes Checkering; das Muster findet sich auch an beiden Flanken des Rahmens wieder. Dort ist der Effekt nicht allein kosmetisch, die angeraute Fläche dient dem Abzugsfinger als Indexpunkt und für den Daumen der zweiten Hand als Andockfläche für einen rutschfesten Sitz der Pistole. Auch im Inneren fanden sich keine vernachlässigten Werkzeugspuren. Unter dem Strich wird die rundum piekfeine Verarbeitung der Redback dem durchaus gehobenen Preis absolut gerecht.

Das leistet die Phoenix Redback in 9mm Luger auf dem Schießstand

Phoenix Redback Carry Shield mit gespanntem Hahn.
Die Pistole in schussbereitem Zustand mit gespanntem Hahn.

Ein (wahrscheinlich schützenbedingter) Ausreißer öffnete bei mehreren Sorten die Trefferbilder mit aufgelegter Pistole von rund 25 mm auf Werte um 45 mm und mehr. Aber mit einer Kombination von Vihtavuori-Pulver N340 und dem 121-Grains-Matchgeschoss von Hornady lief alles wie am Schnürchen, hier lagen alle fünf Treffer appetitlich auf 20 mm zusammen. Hielt man die Redback Carry Shield zaghaft nur mit Daumen und Mittelfinger, dann wirkte bei schwachen Laborierungen wie der PPU-Vollmantel oder der 140-Grains-Patrone von S & B die Schlittenbewegung etwas behäbig, der Hülsenauswurf matt. Störungen leistete sich die Waffe trotzdem keine einzige und schmiss den Testern nie Hülsen um die Ohren – auch nicht mit schlappen Minor-Faktor-Ladungen. Die Redback schlug sich schnell auf wechselnde Distanzen oder gemütlich auf 25 Meter geschossen hervorragend: Schussverhalten, Handling, Präzision und Funktion waren tipptopp, das Schießen ein reiner Genuss ohne Reue. Sowohl der angenehm trockene Abzug wie auch das Shield-Reflexvisier mit randscharfem Rotpunkt von 4 MOA (Winkelminuten) helfen beim schnellen und präzisen Schießen ungemein.

Das Test-Fazit zur Redback Carry Shield der PHX Phoenix AG

Deutlich teurer als ähnlich konzipierte Modelle von CZ oder Tanfoglio, versöhnt die Phoenix Redback durch das schicke Design, die gediegene Verarbeitung bis ins Detail und natürlich die exzellente Schussleistung. Auch beim Zubehör hat Phoenix nicht gespart – ein sympathisches Komplettpaket.


Mehr Informationen über die Phoenix Redback Carry Shield finden Sie beim Hersteller sowie beim deutschen Importeur.

Dieser Testbericht stammt aus der VISIER Ausgabe 5/19. Diese kann auch bequem digital bezogen werden.

Für Freunde von Pistolen im Kaliber 9x19: Über 30 Pistolen in 9mm Luger wurden im  VISIER Special 92 getestet. Das VISIER Special 92 Pistolen 9 mm Luger Vol. V kann im  VS Medien Onlineshop  bestellt werden.

Aus diesem Special hat all4shooters.com auch schon Tests folgender Pistolen veröffentlicht:

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