Die Flintendisziplinen Skeet und Trap gehören zu den olympischen Schießwettbewerben, wobei es bei Trap über ein halbes Jahrhundert gedauert hat, bis es 1956 in Melbourne offiziell ins Programm aufgenommen wurde (bei der Premiere 1900 in Paris wurde es nur optional angeboten). Bis ins Jahr 2000 starteten Damen und Herren in der gleichen Wertung, erst seither sind die Geschlechter getrennt. Die Regeln für Trap variieren je nach Land und Kontinent etwas, bei Olympia und den Wettkämpfen der Internationalen Schießsport-Föderation ISSF (der auch der Deutsche Schützenbund angeschlossen ist) wird aber natürlich nach einem einheitlichen Regelwerk geschossen, das wir hier in kompakter Form vorstellen.


Seit den Olympischen Spielen 2000 in Frankreich (die Schießwettkämpfe waren außerhalb, in Chateauroux) werden auch Mixed-Wettbewerbe ausgetragen, mit je einem weiblichen und einem männlichen Starter pro Team – das sind übrigens die einzigen Mannschaftswettbewerbe der Schützen bei Olympia. Da die Gesamtzahl der olympischen Schießwettbewerbe laut den Vorgaben des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) nicht steigen soll, wurde dafür ab 2020 die noch junge, aber schon recht beliebte Wurfscheiben-Disziplin Doppel-Trap nach nur sechs Olympia-Auftritten wieder gestrichen. Auch bei den Mixed-Wettbewerben wechseln sich Skeet-Mixed (im Jahr 2024 dabei) und Trap-Mixed ab (2028 erstmals). National wird Doppel-Trap aber weiterhin ausgetragen.
Der Ursprung vom Trap-Schießen liegt in der Jagdsituation auf lebende Tauben. Im 19. Jahrhundert wurden dann zunächst farbige Glaskugeln als Wurfziele verwendet. Die dafür benötigen Wurfmaschinen hießen "Ball Traps" ("Kugelfallen") und gaben der späteren Sportart ihren Namen.
Trap-Schießen mit der Flinte – die Grundregeln

Die Waffen: Für das Trap-Schießen kommt eine doppelläufige Bockflinte im Kaliber 12/70, selten kleiner, zum Einsatz. Da im Voranschlag gestartet und so der Schuss aus einer bereits eingenommenen Position abgegeben wird, ist sie mit einem geraden Hinterschaft und meist auch mit einer dämpfenden Schaftkappe ausgestattet. Die Flinte darf nur mit zwei Patronen geladen werden, Vorderschaftrepetierflinten sind nicht zulässig. Der Weltverband ISSF untersagt Selbstladeflinten generell, aber der Deutsche Schützenbund lässt sie zu, sofern man nicht mehr als zwei Patronen laden kann (eine im Patronenlager, eine im Magazin).
Trapflinten verfügen typischerweise über 760 bis 810 mm lange Läufe und einen Drei-Viertel-Choke an der Mündung des oberen Laufes, der die Schrotgarbe zusätzlich bündelt – das ist notwendig, da die Trap-Tontauben auf recht weite Distanzen von mindestens 32 bis 35 Metern getroffen werden müssen. Für den zweiten Lauf wählen die Schützen meist einen Voll-Choke, hier soll die Schrotgarbe etwas länger "zusammen bleiben", weil bei einem notwendigen zweiten Schuss (wenn der erste verfehlt hat) die Wurfscheibe schon weiter entfernt sein wird. Zur Verdeutlichung: Diese Würgebohrungen verengen den Laufdurchmesser an der Mündung um etwa 0,65 mm (3/4) und 0,85 mm (Voll-Choke). Die Chokes sind entweder direkt im Lauf eingearbeitet oder es handelt sich um einschraub- und auswechselbare Wechselchokes, die eine flexiblere Nutzung der Flinte erlauben.

Munition: Verschossen werden Patronen mit einer Vorladung von maximal 24,5 Gramm Schrot und einer Mündungsgeschwindigkeit von etwa 400 bis 430 m/s. Für Trap- und Skeet-Patronen ist zwar eine Schrotgröße von maximal 2,6 mm zugelassen, Trap-Schützen nutzen aber meist solche mit einer Korngröße von 2,4 mm (US-Größe 7,5). Auch beschichtete Schrote und Eisenschrot ist je nach den Vorgaben der Veranstalter möglich, sofern die Flinten einen entsprechenden Stahlbeschuss aufweisen.

Die Schrotgarbe, die man sich wie eine große, langgezogene Wolke vorstellen kann, zerschlägt die meist aus gepresstem Tonmaterial geformten Wurfscheiben problemlos. Diese haben einen Durchmesser von 110 mm, eine Höhe von 25 mm und ein Gewicht von 105 Gramm. In der Finalrunde werden spezielle „Flash Clays“ genutzt: Diese erzeugen beim Treffer eine gut sichtbare farbige Staubwolke, was den Moment für Publikum, Fotografen und Kamerateams optimal in Szene setzt. Der Begriff "Tontaube" erinnert an den jagdlichen Ursprung der Disziplin, alternativ sind auch Wurftaube oder das neutralere Wurfscheibe gebräuchlich.

Wurfmaschinen: Etwa 15 Meter vor der Schützenlinie verläuft ein Graben, in dem für jede Schießposition eine Gruppe von drei Wurfmaschinen mit einem Wurfscheiben-Vorrat steht. Sie schleudern auf manuellen Abruf des Schützen eine dabei rotierende Scheibe vom Schützen weg, leicht nach links, leicht nach rechts oder auch geradeaus. Die Flugweite beträgt dabei maximal 76 Meter (+- 1 m). Für Trap-Wettkämpfe gibt es für die Voreinstellung neun mögliche Wurf-Schemen zur Auswahl, von denen je ein Schema pro Dreier-Maschinengruppe per Los bestimmt und in Wurfhöhe, -weite und -winkel einjustiert wird.
Der Ablauf eines Trap-Durchgangs mit der Flinte



Jede Flinten-Disziplin hat ihre spezifischen Schwierigkeiten. So weiß der Schütze beim Trap nicht, in welche Richtung, wie hoch und wie schnell die Scheibe fliegt. Ihm bleiben nur etwa 0,6 bis 0,8 Sekunden Zeit, um das Ziel zu erkennen, die Flugbahn auszumachen, das Vorhaltemaß zu bestimmen und die Scheibe zu treffen. Als Ausgleich dürfen die Trap-Schützen im Gegensatz zu ihren Skeet-Kollegen vor dem Abruf in den Voranschlag gehen (man zielt dabei auf den Rand des Maschinengrabens) und einen zweiten Schuss abfeuern, sollte der erste das Ziel verfehlt haben. Das gilt allerdings nicht in einem Finale der besten acht Sportler aus dem Vorkampf; hier darf nur je eine Patrone geladen werden.



Beim Trap können maximal sechs Schützen in einer Rotte starten. Allerdings schießen die Teilnehmer nicht nacheinander auf ein und demselben Stand, sondern nebeneinander, wie das Bild weiter oben zeigt. Dabei darf der Schütze seine Position nicht verlassen, bis der Starter zu seiner Rechten eine Scheibe beschossen und der Schiedsrichter das Ergebnis bekanntgegeben hat. Eine Ausnahme bildet nur der ganz rechts außen liegende Stand 5, von dem sich der Schütze unmittelbar nach der Schussabgabe wieder nach links hinter Position 1 begibt (rechts herum, also vom Nachbarschützen abgewandt, mit leerer, geöffneter Flinte). Innerhalb von zwölf Sekunden, nachdem der Standnachbar zur Linken auf eine reguläre Wurfscheibe geschossen oder der Richter das Signal "Start" gegeben hat, muss der Schütze seine nächste Position einnehmen, zwei Patronen laden und in den Voranschlag gehen, indem er die Schaftkappe an die Schulter presst und den Rand der Grube auf Höhe "seiner" Maschinengruppe anvisiert – denn dort wird die "Taube" unmittelbar herausfliegen (die Mitte der Maschinengruppe wird deshalb oben auf dem Grabenrand sichtbar markiert). Sobald er oder sie sich bereit fühlt für den nächsten Schuss, ruft man die Tontaube mit einem einfachen Laut, etwa "Oh" oder "Pull". Wichtig ist, dass der Ruf laut genug ist, um vom Mikrofon erfasst zu werden, das den Tontaubenwerfer auslöst.
Eine Wettkampfrunde geht über 25 Tauben (also fünf Durchläufe), der gesamte Qualifikationswettkampf über 125 Scheiben (Mannschaftswertung 3 x 25, also 75 Scheiben). Die weltbesten Trap-Schützen treffen durchaus 125 von 125 möglichen Scheiben; die Entscheidung fällt dann erst in einem Finale der besten acht (früher sechs) Schützen, in dem nach aktuellem Regelwerk erst 10 Scheiben geschossen werden, nach denen die Plätze 7 und 8 ausscheiden. Nach weiteren fünf Scheiben stehen die Plätze 5 und 6 fest, nach weiteren fünf der 4. Platz. Die drei dann schon sicheren Medaillengewinner schießen weiter bis zur 25. Scheibe, dann steht der Bronze-Gewinner fest. Über die zunächst letzte Fünfer-Serie wird dann entscheiden, wer Gold und wer Silber bekommt – bei Gleichstand wird unmittelbar bis zur Entscheidung gestochen.
Doppel-Trap: Spannende Dubletten, kurze olympische Karriere


Konrad "Conny" Wirnhier aus Pfarrkirchen, Olympia-Sieger im Skeet 1972 auf "seiner" fast heimischen Schießanlage in München-Hochbrück, gilt als der Erfinder des Doppel-Trap, einer Trap-Variante, bei der ausschließlich Dubletten geschossen werden. Der Büchsenmacher mit eigenem Ladengeschäft auf der Schießanlage plante die Disziplin in Zusammenarbeit mit der ISSF (die damals noch UIT) hieß. Der erste internationale Wettkampf fand im Mai 1988 in Hochbrück statt, schon 1996 war Doppel-Trap dann (bis 2016) olympische Disziplin. Die ISSF führt durchaus noch internationale Wettkämpfe im Doppel-Trap durch, ebenso der Deutsche Schützenbund, allerdings nur für Herren.
Das Wettkampfprogramm geht statt über 125 wegen der Doppel-Scheiben über 150 Ziele (fünf Serien mit je 15 Dubletten). Beide Wurfscheiben werden zeitgleich geworfen, was schon den hohen Schwierigkeitsgrad beim Treffen andeutet. Verwendet werden nur die Wurfmaschinen der Gruppe 3 (also 7, 8 und 9), die so justiert werden, dass die Wurfscheiben nach einem den Schützen nicht bekannten Muster entweder genau geradeaus fliegen oder um fünf Grad nach links oder nach rechts. Da die Schützen von den Positionen 1 bis 5 wie bei Trap schießen, die Scheiben aber nur aus der mittleren Maschinengruppe geschleudert werden, ergeben sich daraus anspruchsvolle Winkel. Die Flugweite der Scheiben bei Doppel-Trap beträgt maximal 55 Meter.
Bisherige Folgen unserer Reihe "Know-how mit all4shooters":
- Start der Reihe: Beschussrecht in Deutschland
- Folge 1: Kaliber für Gewehre, Kurzwaffen und Flinten, metrisch und in Zoll
- Folge 2: Infos über die KK-Sportpistole, die Olympische Schnellfeuerpistole und die Standardpistole
- Folge 3: "Liste B" des Deutschen Schützenbundes − über 500 alternative Disziplinen
- Folge 4: Die anerkannten deutschen Schießsportverbände und die Schwerpunkte ihrer Sportprogramme
- Folge 5: Von Kimme und Korn über Zielfernrohre bis zum Red Dot – wie und womit zielt man?
- Folge 6: Das Zielen auf Stahlziele
- Folge 7: IPSC-Schießen mit Pistole, Revolver, Büchse und Flinte
- Folge 8: Optische und elektronische Geräte, die das Sehen und Zielen für Jäger und Schützen erleichtern
- Folge 9: Alle Infos zum Biathlon bei den Olympischen Winterspielen 2026
- Folge 10: Leistungsmessung im Schießsport
- Folge 11: Klappmesser und ihre Verriegelungsarten
- Folge 12: Gelebte Inklusion im Sportschiessen – der Para-Schießsport wird in die ISSF integriert.
- Folge 13: Long Range – der sportliche Reiz, mit Klein- und Großkalibergewehren Ziele auf weite Distanzen zu treffen
- Folge 14: Was ist eigentlich der "Ballistische Koeffizient"?
- Folge 15: Skeet-Schießen als sportlicher Flintenwettbewerb










