
An ihr erstes Taschenmesser werden sich die meisten von uns wohl immer wieder zurückerinnern. Wahrscheinlich war es ein knallrotes Victorinox, das legendäre "Schweizer Offiziersmesser". Die Signalfarbe Rot hilft nicht nur beim Suchen eines verlegten Messers, sondern infiziert den Besitzer oft auch mit dem "Messer-Sammelvirus", sodass in den folgenden Jahren und Jahrzehnten immer wieder andere Exemplare hinzukommen. Wichtigste Diagnose, dass man infiziert ist, dürfte das empörte Leugnen sein: "Ich sammle doch keine Messer!!"

Für Messer, die man unterwegs dabei haben möchte (waffenrechtliche Fragen klammern wir heute mal aus), bieten sich die diversen Klappmesser-Variationen an. Beim Transport, etwa als Taschenmesser in der namensgebenden Hosentasche oder bei größeren Exemplaren in einem Holster am Gürtel, ist die Klinge sicher im Gehäuse geparkt. Zum Gebrauch lässt sie sich je nach Konstruktion mehr oder weniger einfach ausklappen. Klinge und Griff werden durch eine Drehachse verbunden. Damit die ausgeschwenkte Klinge im Einsatz auch nicht bei schon geringer seitlicher Belastung wegklappt und den Benutzer verletzt, haben sich findige Entwickler zahlreiche Mechanismen einfallen lassen, um die ausgefahrene Klinge zu arretieren, sodass sie nicht unbeabsichtigt nachgibt. Die große Anzahl unterschiedlicher Mechanismen entstand nicht zuletzt auch, weil die beliebtesten Techniken halt durch Patente geschützt waren und nicht ohne weiteres kopiert werden konnten. Oftmals aber auch, weil sich auch Gutes ab und zu noch verbessern oder vereinfachen lässt. Und weil man sich, um im Bild zu bleiben, als Hersteller auch ein neues Stück vom Käufer-Kuchen abschneiden kann...
Wichtige Fachbegriffe rund um das Klappmesser

Auch wenn das genaue Erscheinungsdatum der ersten Verriegelungen bei Klappmessern nicht festgelegt werden kann, dürfte die Einschätzung "im Mittelalter" realistisch sein (zur Geschichte der Klappmesser hat all4shooters.com bereits hier einen Auszug veröffentlicht). Es gibt wie schon geschildert fast unzählige, ebenso knifflige wie erstaunlich simple Lösungen, von denen wir hier die bekanntesten kurz auflisten:

Beispiele für einhändig bedienbare Verriegelungen:

- Liner Lock – eine gebogene Blattfeder im Griffinneren schnappt unter die Klingenbasis. Weit verbreitet, einhändig bedienbar, günstig herzustellen. Die bekanntesten Modelle dieser Technik wurden durch den amerikanischen Custom-Messermacher Michael Walker in den 1980er Jahren vorgestellt.
- Mit dem Linerlock verwandt ist die Frame Lock-Verriegelung, mit einem vereinfachten und weniger Teile erfordernden Bauprinzip, da die obere Griffschale (üblicherweise die linke) selbst die Feder bildet. Bekannt wurde diese Verriegelung durch den Messermacher Chris Reeve und sein "Sebenza"-Messer.
- Axis Lock – Ein quer verlaufender Stift wird mit Daumen und Zeigefinger nach hinten gezogen – von beiden Seiten des Griffs erreichbar, auch für Linkshänder ideal. Sehr smooth und sicher (Beispiel siehe Benchmade Grizzly Ridge im Bild ganz oben).
- Compression Lock – Spyderco-Gründer Sal Glesser erfand das typische Daumenloch, in das die Daumenkuppe greift, dann lässt sich die Klinge ohne Umgreifen und ohne zweite Hand öffnen. Erst dann greift der Compression Lock ein: Die Feder greift von oben in die Klinge. Entriegelung erfolgt mit dem Daumen über einen Knopf/Hebel im Griffrücken, aber die Hand bleibt sicher außerhalb der Klingenbahn.
- Beim Button Lock befindet sich die Ver- und Entriegelung praktisch als gefederter Knopf über der Klingenachse, was eine sehr intuitive Bedienung ohne Umgreifen erlaubt.
Beim Öffnen von Einhandmessern werden verschiedene Hilfsmittel eingesetzt, neben dem Spyderco-Daumenloch auch aufgeschraubte Stift oder auf dem Klingenrücken befestigte runde Mini-Teller (dadurch sind diese Modelle auch für Linkshänder nutzbar).
Meist nur beidhändig bedienbare Verriegelungen:


- Der Griff-Drehring Virobloc stützt die Klinge und blockiert den Verwahrschlitz im Griff, ist das Messer geschlossen, lässt sich die Klinge im Griff auch sichern (aber eben stets mit beiden Händen). Ersonnen hat das Prinzip 1955 der französische Messerhersteller Marcel Opinel, entsprechend sind Opinel-Messer, aber auch andere französische Fabrikate mit diesem Ring ausgestattet.
- Back Lock (auch manchmal Lock Back) – mit einem sehr langen Hebelarm, meist in der Mitte des Messer-Rückens oder gar am hinteren Messer-Ende einzupressen, arbeitet diese schon jahrhundertealte Verriegelungsart. Die Hand muss deutlich umgreifen oder am Griff entlanggleiten. Sehr sicher und robust, aber für schnelle Einhändbedienung unbequem. Neben dem Buck 110 gehört auch das Vollmetallmesser Mercator aus deutscher Herstellung zu den bekanntesten Vertretern.
- Slip Joint – eine leichte Verriegelung ohne manuellen Hebel oder Knopf: Die Klinge wird von der anderen Hand gegen einen Federwiderstand geschwenkt und rastet in der Endposition ein. Zum Wieder-Einklappen ist etwas Kraft zum Überwinden der Feder notwendig. Typisch für traditionelle Taschenmesser, etwa bei den einfacheren Victorinox "Offiziersmessern".
Bei manchen Slip Joints, aber auch bei anderen Konstruktionen wird die Klingenposition auch durch unterstützende gefederte Kugeln ("Ball Detents") gehalten. Auch Kugellager sind zur Verbesserung der sanften Öffnung im Einsatz.


Bisherige Folgen unserer Reihe "Know-how mit all4shooters":
- Start der Reihe: Beschussrecht in Deutschland
- Folge 1: Kaliber für Gewehre, Kurzwaffen und Flinten, metrisch und in Zoll
- Folge 2: Infos über die KK-Sportpistole, die Olympische Schnellfeuerpistole und die Standardpistole
- Folge 3: "Liste B" des Deutschen Schützenbundes − über 500 alternative Disziplinen
- Folge 4: Die anerkannten deutschen Schießsportverbände und die Schwerpunkte ihrer Sportprogramme
- Folge 5: Von Kimme und Korn über Zielfernrohre bis zum Red Dot – wie und womit zielt man?
- Folge 6: Das Zielen auf Stahlziele
- Folge 7: IPSC-Schießen mit Pistole, Revolver, Büchse und Flinte
- Folge 8: Optische und elektronische Geräte, die das Sehen und Zielen für Jäger und Schützen erleichtern
- Folge 9: Alle Infos zum Biathlon bei den Olympischen Winterspielen 2026
- Folge 10: Leistungsmessung im Schießsport










