HS Kuna im Test: Warum sich der ursprünglich für den professionellen Einsatz konzipierte Pistolenkarabiner mit verzögertem Rollverschluss für Sportschützen anbietet

Die Springfield Armory Kuna ist eine neue 9-mm-PCC, die mit nur minimalen Änderungen aus einer ursprünglich für den Einsatz bei Militär und Strafverfolgungsbehörden entwickelten Waffe hervorgegangen ist. In den USA wird sie von Springfield Armory vertrieben, international hingegen unter der Marke HS Produkt. 

Der Kuna setzt die erfolgreiche Partnerschaft zwischen HS Produkt und Springfield Armory fort, die bisher nicht nur Kurzwaffen wie beispielsweise die Echelon-Reihe, sondern auch Langwaffen wie etwa die Selbstladebüchse Hellion hervorgebracht hat. Während Springfield Armory die Waffe in den USA unter ihrem Logo vermarktet, wird sie in der EU zumeist unter der Marke des Herstellers HS in den Handel gebracht. Dennoch kann es auch hierzulande sein, dass der Käufer eine mit dem Springfield-Armory-Logo gebrandete Waffe aus der kroatischen Fertigung erhält. Neben der Militär und Behörden vorbehaltenen Vollautoversion gibt es inzwischen auch halbautomatische Varianten, die in den Lauflängen 5½ Zoll und 12 Zoll für den zivilen Markt angeboten wird.

Wir schauen uns nun die zivilen Varianten der ursprünglich für Beschaffungsprogramme des Militärs und der Strafverfolgungsbehörden, sprich den Law-Enforcement-Bereich, entwickelten Kuna hier einmal genauer an. Das ursprüngliche kompakte Behördenmodell wurde sowohl im Kaliber 9 mm Luger als auch im Kaliber .40 S&W mit Feuerwahlfunktion für Semi- und Fullauto angeboten. Die Militärversionen sind sofort an ihrem 6,5 Zoll-Lauf zu erkennen, der mit der bekannten 3-Warzen-Schnellbefestigung für Schalldämpfer ausgestattet ist, wie sie auch bei der legendären HK MP5 zu finden ist. 

Manche Marktbeobachter haben die Kuna schnell als eine bloße Kopie der Grand Power Stribog abgetan – ganz ähnlich wie jene Experten, die jede Pistole mit Schlagbolzenschloss als „Glock-Klon“ oder jedes schwarze Gewehr im Kaliber .223 als AR-15-Derivat bezeichnen. Zwar weist der Kuna durchaus einige äußerliche Ähnlichkeiten mit der Stribog auf, wie etwa das Verschlussdesign und die Hybrid-Visierung, doch eine genauere Betrachtung – und vor allem die Erfahrung am Abzug – macht einem schnell klar, dass es sich hier um eine eigenständige Waffe handelt. 

Der Vollständigkeit halber: „Kuna“ ist das kroatische Wort für Marder, das Nationaltier des Landes und Namensgeber der ehemaligen kroatischen Währung vor der Einführung des Euro. Wir hatten erstmals die Gelegenheit, den „Kuna“ in Form der Behördenversion von Springfield Armory auf der Enforce Tac 2025 zu sehen, wo sie ihre offizielle Premiere feierte. 

Video: Springfield Armory Kuna auf der Enforce Tac 2025

Das Herzstück des Pistolenkarabiners HS Kuna ist der verzögerte Rollenverschluss

Genau wie die Hellion wird auch der Kuna von der kroatischen Firma HS Produkt für Springfield Armory hergestellt, die ihn in den Vereinigten Staaten vermarktet. 

Beginnen wir mit dem charakteristischen technischen Merkmal der Kuna. Anstelle des einfachen Rückstoßsystems mit reinem Feder-Masse-Verschluss, das heute bei den allermeisten Pistolenkarbinern zu finden ist, arbeitet der Kuna als Rückstoßlader mit einem verzögertem Rollenverschluss. 

Wer jetzt direkt an das G3 oder die MP5 von Heckler & Koch denkt, ist sicher nicht allein mit diesem Gedanken. Es gibt jedoch einen wesentlichen Unterschied. Während die genannten HK-Modelle zwei seitlich angeordnete Rollen verwenden, setzt der Kuna auf eine einzige horizontal montierte Rolle – eine Lösung, die eher dem Grand Power Stribog ähnelt als dem klassischen HK-System. 

Die Rolle verzögert die Rückwärtsbewegung des Verschlusses nach dem Schuss kurzzeitig und beschleunigt gleichzeitig den Verschlussträger auf eine höhere Geschwindigkeit, sodass der Kammerdruck auf ein sicheres Niveau absinken kann, bevor der Verschluss durch den Träger in seiner Rückwärtsbewegung entriegelt wird. Da ein Teil des Rückstoßimpulses mechanisch verzögert wird, kommt das System mit einem deutlich leichteren Verschluss aus als eine herkömmliche Konstruktion, bei der  dem Impuls hauptsächlich die massebedingte Trägheit des Verschlusses entgegen wirkt, bevor dieser sich nach hinten gegen die Schließfeder bewegt und öffnet.

Das Ergebnis ist eine leichtere Waffe mit deutlich geringerem Rückstoß und Mündungsanstieg, einem ruhigeren Repetierzyklus, verbesserter Kontrollierbarkeit und hervorragender Kompatibilität mit Schalldämpfern. 

Leichtbau ohne Kompromisse − beim HS Kuna setzt der Hersteller insbesondere auch auf Aluminium und Polymer

In der EU sind zwei zivile Ausführungen des Kuna von HS erhältlich: das 5,5-Zoll-Pistolenmodell, das sich eng an die ursprüngliche militärische Ausführung anlehnt, und die Rifle-Variante, die mit ihrem 12-zölligen Lauf zur Langwaffe im Kurzwaffenkaliber, also zum Pistolenkarabiner, wird. In den USA bringt Springfield Armory dagegen lediglich eine Kuna-Pistolenversion mit einem 6 Zoll langen Lauf auf dem zivilen Markt erhältlich. 

Schon beim ersten "Befingern" vermittelt der Kuna den Eindruck, einer sehr solide gefertigten Waffe. 

Im Mittelpunkt der Konstruktion stehen zwei Hauptbaugruppen: ein Gehäuseunterteil (Lower Receiver) aus glasfaserverstärktem Kunststoff, das mit einem monolithischen Gehäuseoberteil (Upper Receiver) aus hartanodisiertem Aluminium (Typ-III-Eloxierung) verbunden ist. 

Das feldmäßige Zerlegen zum orientiert sich an der AR-Bauweise. Nachdem der hintere Demontagestift herausgedrückt wurde, lässt sich der Upper hochschwenken, während er über den vorderen Steckbolzen weiterhin mit dem Lower verbunden bleibt. Die Verschlussbaugruppe kann dann von der Rückseite her aus dem Gehäuseoberteil herausgezogen und dann problemlos weiter in ihre Hauptkomponenten zerlegt werden. 

Beim kompakten Pistolenmodell des HS Kuna legen viele Schützen die Unterstützungshand intuitiv um den Magazinschacht, insbesondere dann, wenn der kurze Handschutz mit Zubehörteilen belegt ist. 

Die Pistolengriffschnittstelle ist AR-15-kompatibel und der Griff des HS Kuna zeichnet sich durch einen relativ steilen Griffwinkel sowie eine markante Textur aus. Die gleiche Oberflächentextur findet sich auch rund um den Magazinschacht sowie an den abgerundeten Polymerblenden, die die zahlreichen M-LOK-Zubehörschlitze am vorderen Teil des oberen Gehäuses abdecken. 

Beide europäischen Zivilmodelle sind aufgrund unterschiedlicher nationaler Vorschriften innerhalb der EU mit einem praktischen, in drei Positionen verstellbaren Schaft (und da wo erlaubt, zuzüglich auch mit vollständig eingeklappter Position) ausgestattet. Der Schaft sitzt tief genug, um beim Zielen über die werkseitige mechanische Visierung einen hervorragenden Wangenanschlag zu gewährleisten.  

Im Vertrieb von Springfield Armory in den USA ist dagegen nur eine Pistolenversion mit einem 6-Zoll-Lauf (in verschiedenen Ausführungen, sowohl in 9 mm als auch in .40 S&W) sowie mit der optionalen FSA-Schulterstütze von Strike Industries erhältlich. 

Beim 5,5-Zoll-Modell, das in der EU rechtlich ebenfalls als Pistole einzustufen ist, lässt sich der Schaft nach rechts anklappen, wodurch sich die Gesamtlänge der Waffe deutlich verringert. Bei der 12"-Karabinerausführung, die als Langwaffe eingestuft ist, ist der Schaft jedoch aufgrund des Laufs von über 30 cm in der ausgeklappten Position fixiert, um den gesetzlichen Anforderungen zu entsprechen − Langwaffen dürfen nicht kürzer als 60 cm sein.  An der linken Seite des Upper Receivers befinden sich an beiden Enden Schnellwechselösen für den Trageriemen. Interessanterweise finden sich beide von uns getesteten "EU-Modelle" trotzdem auf der Produktwebseite von Springfield Armory zum Kuna, wo sie als „International Only“-Waffen aufgeführt sind.  

Von den Bedienelementen her ist der HS Kuna ein beidhändig bedienbarer Pistolenkarabiner

Eine der größten Stärken des Kuna liegt in der Verarbeitungsqualität. Der Upper Receiver wird aus dem vollen Aluminiumblock gefräst, während der Lower Receiver aus glasfaserverstärktem Kunststoff gefertigt wird.

Der Sicherungshebel, der Magazinauslöser und der Verschlusshebel sind alle vollständig beidhändig bedienbar, durchdacht angeordnet und äußerst intuitiv zu bedienen. Ihre Anordnung wird Nutzern der AR-Plattform sofort vertraut vorkommen und erfordert nur eine minimale Umgewöhnung. 

Der wesentliche Unterschied besteht in dem hier nicht mitlaufenden, vorne angebrachten Spannhebel, der sich für Rechts- oder Linkshänder schnell umstecken lässt. Bei Nichtgebrauch lässt sich der klappbare Spannhebel nahtlos an den Verschluss anlegen, um das Risiko zu minimieren, dass er sich in der Ausrüstung oder Kleidung verfängt. 

Der einzige wirkliche Nachteil für Linkshänder ist das Auswurffenster, das sich auf der rechten Seite und nicht umgerüstet werden kann. 

Beide Modelle verfügen über zahlreiche M-LOK-Befestigungsschlitze für Zubehör. Wenn diese nicht genutzt werden, werden sie durch  Polymerplatten abgedeckt, die sowohl den Komfort als auch die Griffigkeit verbessern.  

Blick auf die Läufe und die hybride Visierung des HS Kuna

Die Pistolenvariante verfügt − wie bereits erwähnt − über einen 5,5" (140 mm) langen Lauf, während der Pistolenkarabiner mit einem 12" (301 mm) langen ausgestattet ist. Beide Läufe sind kaltgehämmert und weisen einen Drall von 1:10" auf. Überdies sind sie mit einer strapazierfähigen Melonite-Oberflächenbehandlung versehen, die für eine verbesserte Verschleiß- und Korrosionsbeständigkeit sorgen soll. 

Im Gegensatz zu den Militärmodellen, die mit einer 3-Warzen-Schnittstelle für Schalldämpfer und Mündungsfeuerdämpfer ausgestattet sind, verfügen die beiden zivilen Versionen über das weitaus verbreitetere  1/2×28-Mündungsgewinde, auf das bei Bedarf auch ein Kompensator geschraubt werden kann, der bei der 12-zölligen Rifle-Variante bereits zum Lieferumfang gehört.

Die Bedienelemente sind vollständig beidhändig bedienbar, gut angeordnet und intuitiv zu bedienen. Bemerkenswert ist auch das flache Abzugszüngel, das hier Teil einer für eine Waffe militärischer Herkunft überraschend ausgefeilten Abzugseinheit ist. 

Obwohl der HS Kuna über eine durchgehende Toprail mit Picatinny-Taktung für die Montage von Zieloptiken verfügt, hat der Hersteller sie zudem noch mit einem der vielseitigsten mechanischen Visiersysteme ausgestattet, die derzeit bei PCCs zu finden sind. 

Anstelle einer simplen Notvisierung bringt der Kuna gleich zwei unterschiedliche Visiersysteme mit, die in dieselben Klappvorrichtungen integriert sind: Bei eingeklappten Visierelementen steht dem Schützen ein Korn mit weißem Kontrastpunkt in Kombination mit einer weiß eingefassten U-Kimme zur Verfügung. Diese Kombination bietet ein schnelles, instinktives Visierbild, das an das einer Dienstpistole erinnert und sich gut für den Einsatz auf kurze Distanz eignet. 

Klappt der Schütze die Visierelemente hoch, verwandelt sie sich in ein wesentlich präziseres System, das aus einem Dachkorn und einer Lochkimme (Diopter) besteht. Das Korn ist in der Höhe und das Kimme seitlich verstellbar, wodurch sie sich die Visierung für das Schießen auf größere Entfernungen präzise einstellen lässt.

Warum die modellspezifischen Magazine beim HS Kuna kein Manko sind 

Die halbtransparenten Polymermagazine sind mit einer Kapazität von 10, 20 und 30 Schuss erhältlich und verfügen über robuste Zuführlippen aus Stahl. Das Sportschützen hierzulande ohne Ausnahmegenehmigung nur 10-Schuss-Magazine verwenden dürfen, packt der Hersteller gleich drei Stück davon mit in den Karton seiner HS Kuna Rifle.

Für die Munitionsversorgung des Kuna hat der Hersteller je nach Nutzergruppe Magazine mit einer Kapazität von 10, 20 und 30 Schuss im Sortiment.

Die 10- und 20-Schuss-Magazine behalten das geradlinige Profil des ursprünglichen 30-Schuss-Modells im Kaliber .40 S&W bei, während das 30-Schuss-Magazin im Kaliber 9 mm das bekannte geschwungene Profil der Militärversion aufweist. 

Alle Magazine sind aus durchscheinendem Polymer geformt, sodass sich der verbleibende Munitionsvorrat auf einen Blick leicht erkennen lässt, während Zuführlippen aus Stahl für lange Haltbarkeit und zuverlässige Zuführung sorgen sollen. 

Auf dem europäischen Zivilmarkt wird die 5,5-Zoll-Pistolenvariante mit jeweils drei 20-Schuss-Magazinen ausgeliefert, während die 12-Zoll-Karabinerversion mit drei 10-Schuss-Magazinen zum Kunden kommt. Dies ist nicht nur aus rechtlicher Sicht, sondern auch aus praktischer Sicht sinnvoll, da das kürzere Magazin beim Schießen mit dem Karabiner von einer Schießauflage oder einem Zweibein aus wesentlich besser zu handhaben ist – und größere Magazine meist nur durch Behörden und bei einigen internationalen Schießsportwettkämpfen verwendet werden dürfen. 

Manche Schützen fragen sich vielleicht, warum sich HS Produkt beim Kuna für ein eigenes, waffentypisches Magazin entschieden hat, anstatt auf ein bereits vorhandenes Modell zurückzugreifen, wie beispielsweise die Colt-SMG-Magazine, die auch im beim Springfield Armory SAINT Victor PCC zum Einsatz kommen. Glücklicherweise bietet diese Entscheidung kaum Grund zur Kritik: Die Kuna-Magazine sind leicht verfügbar und vergleichsweise günstig zu haben. 

Auf dem Schießstand mit dem auch von Springfield Armory angebotenen Pistolenkarabiner HS Kuna in 9 mm Luger

Wir konnten beide Kuna-Varianten auf dem Indoor-Schießstand des italienischen Vertriebspartners Bignami mit 124-Grains-FMJ-Munition von Sellier & Bellot im scharfen Schuss testen. 

Das für diesen Test verwendete Pistolenmodell des HS Kuna mit 5,5-Zoll-Lauf verfügt über einen nach rechts klappbaren Schaft, wodurch sich seine Gesamtabmessungen auf kaum mehr als die einer Full-Size-Pistole reduzieren. 

Eines gleich Vorweg: Angesichts seiner militärischen Herkunft war der Abzug des Kuna für uns eine der größten Überraschungen bei den beiden Testwaffen. Obwohl der Trigger naturgemäß einen etwas längeren und weicheren Abzugswiderstand aufweist als ein spezieller Wettkampfabzug, weist er einen sauberen Abzugsweg, einen hervorragenden Reset und ein gut gestaltetes, flaches Züngel aus Aluminium auf, das ein schnelles und präzises Schießen bemerkenswert einfach macht. 

Der 12-Zoll-Karabiner war mit einem Viridian RFX44 Green-Dot-Visier ausgestattet, während die 5,5-Zoll-Pistole hauptsächlich mit ihrer werkseitigen mechanischen Visierung geschossen wurde. Schon nach wenigen Magazinen griffen wir auf die aufgerichtete Konfiguration der Visierung zurück, da sich die eingeklappte Visierung im Pistolenstil für das präzise Zielschießen als etwas zu grob erwiesen. 

Der Schaft lässt sich – zusätzlich zur vollständig angeklappten Position – ausgeklappt in drei Stufen verstellen, sodass er sich ergonomisch auf die individuellen Bedürfnisse von Schützen unterschiedlicher Körpergröße anpassen lässt.

Das per Rolle verzögerte Verschlusssystem funktionierte genau wie vorgesehen, dämpfte den Rückstoß spürbar und machte die Waffe deutlich leichter zu kontrollieren als einen herkömmliche PCC mit reinem Feder-Masse-Verschluss. Zugegeben, die 9-mm-Luger-Patrone ist auch aus solchen Waffen körperlich nicht besonders fordernd. Dennoch verringert sich beim Kuna in diesem Kaliber die Anstrengung für den Schützen spürbar, sodass er nicht so schnell ermüdet und sich besser auf die Schießgrundlagenrundlagen konzentrieren kann. Dadurch machen auch ausgedehnte Trainings- und Wettkampf Sequenzen deutlich mehr Freude. Und: Wie bereits erwähnt macht das Schießen mit dem Kuna sowieso schon extrem viel Spaß.

Vor allem das kompakte 5,5-Zoll-Modell wollten die italienischen Tester kaum aus der Hand legen. Dieses gehört einfach zu den Waffen, bei denen man sofort den Wunsch verspürt, selbst eine zu besitzen – vor allem angesichts des vergleichsweise erschwinglichen Preises. Allerdings sei hier gleich angemerkt, das hierzulande nur  Inhaber einer entsprechenden roten WBK oder Jägern die kompakte Pistolen-Variante des HS Kuna erwerben dürfen.

Während unseres gesamten Tests präsentierten sich beide Kuna-Modelle in Sachen Funktion überaus zuverlässig, es traten keinerlei Störungen auf. Unsere geschossen Testgruppen bestätigen dem Kuna eine hervorragende Eigenpräzision. Diese geht unseres Erachtens in jedem Fall über das hinaus, was der Schütze mit der werkseitigen offenen Visierung oder – auf größeren Entfernungen – sogar mit dem Leuchtpunktvisier allein vom Optischen her realisieren kann. Sportschützen sollten daher gleich in Erwägung ziehen, den 12 zölligen PCC mit einem nicht allzu hoch vergrößernden Leuchtpunkt-Zielfernrohr (Low-Power-Variable-Optic, kurz LPVO) auszustatten, um das Präzisionspotenzial dieser Waffenplattform voll auszuschöpfen. 

Die Wahl der richtigen Optik hängt aber letztendlich immer davon ab, wie der HS Kuna letztendlich eingesetzt werden soll. Für dynamische Schießübungen auf kurzwaffenschießständen oder im Schießkino ist ein Leuchtpunktvisier die naheliegende Wahl, da es das schnelle Beschießen mehrerer Ziele auf kurze Distanz ermöglicht. Für das konventionelle Schießen auf kurze bis mittlere Distanzen profitiert der 12-Zoll-Karabiner jedoch wohl am meisten von einer hochwertigen LPVO, mit deren Vergrößerung und Absehen der Schütze die hohe Eigenpräzision der Waffe voll ausschöpfen kann. 

Als hinteres Visierelement bietet der HS Kuna  eine U-Kimme mit weißer Einfassung, die beim Hochklappen zu einer Lochkimme mutiert. Das Visierelement ist seitlich verstellbar. 
Die HS Kuna Rifle im Test war mit einem Viridian RFX44 5-MOA-Grünpunktvisier ausgestattet. Wer die volle Präzision des Pistolenkarabiners ausreizen möchte, sollte aber eine LPVO montieren.
Beide Läufe sind mit einem Mündungsgewinde versehen. Die 5,5-Zoll-Version ist mit einer Überwurfmutter ausgestattet, während der 12-Zoll-PCC serienmäßig über einen Comp mit mehreren Öffnungen verfügt.  

Wofür ist der Kuna gedacht? 

Getreu ihren militärischen Wurzeln stellt auch der 5,5-Zoll-Kuna eine hervorragende persönliche Verteidigungswaffe (PDW) für Polizei und Sicherheitskräfte dar. Kompakt, leicht und außerordentlich zuverlässig eignet er sich ideal für den Einsatz in engen Räumen, lässt sich gut im Fahrzeug verstauen und erfüllt kurz um alle Aufgaben, die von einer modernen PDW erwartet werden. 

In den Vereinigten Staaten vermarktet Springfield Armory die Waffe als ideale Fahrzeugwaffe für Situationen, in denen mehr Leistung erforderlich ist als bei einer Handfeuerwaffe zum verdeckten Tragen. In Europa ist die Rifle-Variante des Kuna jedoch auch eine ausgezeichnete Wahl für das sportliche Schießen und bietet zudem einen weiteren wesentlichen Vorteil: Der PCC regt zu regelmäßigem Training an. Und das liegt nicht nur daran, dass es richtig Spaß macht mit ihm zu schießen. Im Vergleich zu Zentralfeuer-Gewehrkalibern ist das Schießen mit der 9-mm-Luger-Patrone deutlich kostengünstiger, und viele Schießstände, die großkalibrige Büchsenpatronen verbieten, lassen Pistolen-Kaliber ohne Weiteres zu. Ein weiterer Vorteil: Mit der 9-mm-Luger darf man auf vielen Schießständen auch auf Stahlziele schießen. 

Klappvisier: Vorne kann der Schütze zwischen einem flachen White-Dot-Korn für schnelle Schüsse und einem höhenjustierbaren Dachkorn für präziseres Schießen wählen. 

Dabei behält der speziell für den zivilen Markt entwickelte 12-Zoll-Karabiner praktisch alle Eigenschaften bei, die den kompakten Kuna so attraktiv machen. Der einzige wirkliche Kompromiss ist die vergrößerte Gesamtlänge, die dem aus rechtlichen Gründen erforderlichen starren Schaft und der für eine Langwaffe erforderlichen Mindestlauflauflänge von 301 mm geschuldet ist. Bei nur 300 mm auch der 12" zöllige Kuna eine Kurzwaffe. Dieser 1 mm macht's also aus!

Damit füllt die längere Kuna-Version eine wichtige Nische. Sie ist eine hervorragende Wahl für Schützen, die eine Schulterwaffe bevorzugen und gleichzeitig die Munitionskompatibilität mit ihren 9-mm-Handfeuerwaffen beibehalten möchten, oder für diejenigen, die aufgrund örtlicher Schießstandbeschränkungen praktisch auf Pistolen-Kaliber beschränkt sind. 

Man könnte darüber diskutieren, ob eine Mündungsbremse bei einem 9-mm-Luger-Karabiner wirklich notwendig ist, aber unabhängig davon trägt sie in jedem Fall  dazu bei, den Mündungsanstieg zu verringern. 

Das Zubehör bestimmt den Einsatzzweck 

Einige der Schussgruppen, die wir im Rahmen unseres Tests des HS Kuna im Kaliber 9 mm Luger mit der offenen Visierung auf der 25-m-Bahn geschossen haben.

Wie die meisten modernen PCCs ist auch der Kuna von Haus aus als hochgradig modulare Plattform konzipiert. 

Neben der durchgehenden Picatinny-Schiene auf seiner Oberseite verfügt der Handschutz über zahlreiche M-LOK-Befestigungsschlitze, sodass, da wo dieses erlaubt ist die Schützen die Waffe an eine Vielzahl von Einsatzzwecken anpassen können.  Bei der 12-Zoll-Karabinerausführung ist so eigentlich reichlich Platz für Zubehör vorhanden.  Für den deutschen Sportschützen ist das Entfernen der Abdeckungen von den M-LOK-Slots allerdings Tabu, da der PCC ohne den komplett geschlossenen Handschutz den Anschein einer Kriegswaffe hervorrufen könnte und der für diese Waffe erteilte BKA-Feststellungsbescheid somit seine Gültigkeit verlieren würde.

Beim kompakten 5,5-Zoll-Modell erfordert es jedoch eine etwas sorgfältigere Planung, um die nutzbare Grifffläche des kurzen Handschutzes nicht unnötig einzuschränken. Ein Handstopp oder ein vertikaler Vordergriff könnte hier vorteilhaft sein, da diese verhindern, dass die Stützhand zu nahe an die Mündung rutscht. Alternativ finden es viele Schützen aber vielleicht auch bequemer, mit ihrer Stützhand einfach um den Magazinschacht zu greifen. 

Technische Daten HS Kuna / Springfield Amory Kuna in 9 mm Luger

Modell:

HS Kuna Pistol

HS Kuna Rifle

Kaliber:

9 mm Luger

Magazinkapazität:

20 Patronen

10 Patronen

Lauflänge:

5,5" (140 mm) 

12" (301 mm) 

Drall:

1:10" (1:254 mm)

Visierlänge (BUIS):255 mm415 mm
Abzugswiderstand:

25 bis 35 N

Breite:

55 mm  

Höhe (ohne Magazin):

197 mm 

Länge:360 mm (Schaft angeklappt),  546 bis 591 mm (ausgeklappt)743 bis 788 mm  

Gewicht:

2,2 kg  

2,8 kg 

Preis (UVP):1.449,- Euro1.499,- Euro

Weitere Informationen in englischer Sprache zu den hier vorgestellten Kuna-Modellen erhalten Sie auch auf der Webseite von Hersteller HS Produkt und auf der Kuna-Produktwebseite von Springfield Armory.

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