Vier Suhler-Luftgewehre und eine Kleinkaliberbüchse − Sportwaffen aus DDR-Zeiten als Objekte für Sammler

Die Geschichte begann, als eine andere aufhörte. Am 9.  November 1989 läutete der Mauerfall das Ende der DDR ein, zirka ein halbes Jahr später besuchte der Autor als junger Student die Frankonia-Filiale in Darmstadt und erwarb dort für 100  Mark ein "DDR-Luftgewehr" in Seitenspanner-Ausführung und mit dem altehrwürdigen Markennamen "Haenel". Neu, originalverpackt und mit viel Zubehör. In der dortigen Filiale stapelten sich derartige Gewehre. Zuhause angekommen, wurde das Luftgewehr begutachtet und direkt auf dem örtlichen Schützenplatz zur Probe geschossen. Ein präzises Gewehr, wie sich herausstellte, mit stabiler Technik  –  leider nicht kompatibel mit Anschütz- oder Feinwerkbau-Zubehör. Trotz hervorragender Schussleistung wurde man belächelt oder belehrt: "Was hast du denn da? Ach, ein DDR-Luftgewehr, kauf dir ’n anständiges Feinwerkbau!" Oder: "Das Ding hat kein F im Fünfeck, damit schießt du hier nicht." So verschwand das Gewehr alsbald im Waffenschrank. Aufgrund der zu dieser Zeit zu Schleuderpreisen verkauften Haenel-Gewehre gesellten sich trotzdem rasch noch weitere Luftgewehre (natürlich unbenutzt) zu dem ersten Exemplar.

Die Modellreihe  310 (v.o.): Das einfache 310-3 (LL 409  mm, L  1054  mm, Gewicht 2,6  kg), unten die Sportausführung 310-4 (LL 420 mm, L  1030 mm, Gewicht 2,8  kg). Vorn Medaillen aus DDR-Zeiten, sogar im "Wendejahr" lief das Sportprogramm – zu erkennen an dem Band der Medaille "40 Jahre DDR".

Rechtssicherheit für die Gewehre ohne das "F"-Zeichen kam mit dem Einigungsvertrag. Demnach sind diese Waffen auch ohne dieses Zeichen frei ab 18 Jahren zu erwerben, sofern vor dem 2. April 1991 in der DDR hergestellt. Sprich:  Erlaubnisfrei  –  unabhängig davon, ob sie über 7,5  Joule liegen. Interessant wurde es dann, als der Autor gut 20  Jahre später seine heutige Ehefrau kennenlernte und sie beim Blick in den Waffenschrank spontan begeisternd sagte: "Das Gewehr kenne ich, damit habe ich als Thälmann-Pionierin über die GST mitgeschossen." Das Kürzel "GST" steht für "Gesellschaft für Sport und Technik". Das war eine Organisation, die unter anderem für Jugendliche einiges an Freizeitaktivitäten anbot, aber auch für die vormilitärische Ausbildung der Mitglieder zuständig war. Mit diesem Satz seiner Frau war aber der Dornröschenschlaf der vorhandenen Luftgewehre beendet und der nunmehr zu diesem Artikel führende Weg beschritten. Denn die Geschichte dieser DDR-Sportwaffen ist auch für ambitionierte Sammler hochinteressant. Handelt es sich doch um ein klar umrissenes Sammelgebiet ohne Reglementierung, zudem halten sich die Kosten selbst für gut erhaltene Stücke (noch) in Grenzen. Genug Gründe, um diverse Modelle aus der Fertigungszeit der DDR näher zu beleuchten. Im Einzelnen:

  • 4 Luftgewehre der Modellreihen 303-5, 310-3, 310-4, 312-1,
  • 1  Kleinkaliber-Gewehr der Reihe Suhler 150 Standard.

Bestandsaufnahme:

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren in der westlichen "Trizone" wie in der sowjetischen Besatzungszone jeglicher Waffenbesitz und Waffenbau unter Todesstrafe verboten. Vorhandene Fabrikationshallen wurden abgebrochen oder in die Sowjetunion verbracht. Mit Gründung der DDR änderte sich das jedoch und die Waffenstadt Suhl erwachte wieder. Streng reglementiert wurden zunächst Jagdwaffen und ab 1949 dann auch zur vormilitärischen Ausbildung Luftgewehre in Kleinstserie hergestellt. Weil es bei der ehemaligen Firma Haenel noch einiges an Maschinen gab, begann hier die Produktion unter dem Namen "VEB Ernst Thälmann Werk Suhl (ETW)". Nach dem späteren Zusammenschluss mit der Motorradproduktion lief das unter "VEB Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk Ernst Thälmann Suhl (FAJAS)". "VEB" steht hier für "Volkseigener Betrieb". Unter der Firmierung wurden Jagd- und Sportwaffen mit den wohlklingenden, weil im Waffenbereich bestens eingeführten Namen "Merkel" und „Haenel“ vertrieben. Und auch unter den renommierten Namen "Simson" entstanden neben deren Zweirädern Jagdwaffen. An der Stelle ein Detail: Diverse Federn aus dem Zweiradbau – etwa die Simson "Schwalbe" oder die bekannte S50 und S51, liebevoll "Simme" genannt – sind baugleich zu denjenigen der Luftgewehre und somit austauschbar. Die Planwirtschaft mit ihren Sparhaushalten machen es möglich. Heute würde man "Nachhaltigkeit" dazu sagen. Für alle Haenel-Luft- und -Kleinkaliber-Gewehre aus DDR-Zeiten gilt: Die Ersatzteilversorgung mit der vor über 40 Jahren eingestellten Produktion dieser Schätze ist gewährleistet durch spezialisierte Händler, etwa das Waffencenter Gotha aus Drei Gleichen, dessen Inhaber Enrico Rudolph beim Erstellen des Artikels wertvolle Tipps gegeben hat.

Die Testwaffen: Luftgewehre aus der DDR im Überblick

Das Modell 303: Länge 1.100  mm, Lauflänge 450  mm, Gewicht 3,3  kg, Kaliber 4,5  mm Diabolo. Hier eine originale Diabolo-Dose, darin ein Zettel "Schützt unsere Vögel"  – ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Hier zunächst aus der Baureihe 303 das Modell 303-5, wobei die Zusatzbezeichnung "-5" für einen speziellen Schafttyp sowie den werksseitig verbauten Riemenbügel plus Gewehrriemen steht. Hergestellt wurde dieser Typ von 1968 bis 1990 in acht Varianten, die sich teilweise nur in Kleinigkeiten unterscheiden. Der Volksmund kennt das als "Knicker". Da derlei fürs Kaliber 4,5 mm ausgelegt ist, lässt es sich mit normalen Diabolos füttern. Das Knicklaufgewehr hat einen einfachen Buchenschaft; Nussbaum sucht man bei allen Modellen vergebens. Als Visiereinrichtung gibt es ein Dachkorn mit Kornschutz sowie ein nur in der Höhe verstellbares Schiebe-Rast-Visier. Bei der Waffe mit der als Schieber ausgelegten automatischen Abzugssicherung handelt es sich um einen Schlagfeder-Verdichter mit einer Hebel-Spannvorrichtung samt Schubstange. Der 450-mm-Lauf hat 12 Züge. Markiert ist das Gewehr auf der Hülse mit dem "Haenel"-Pfeil unter dem Emblem des Suhler Waffenschmieds und der Bezeichnung "Made in GDR"; auf dem Lauf steht "Kal. 4,5 mm" und auf dem Gelenk die Waffennummer. Ferner gibt es eine Prismenschiene zur Aufnahme von Diopter oder Zielfernrohr. Fazit zu diesem Knicker: Zu haben für ungefähr 300,- bis 400,- Euro, sehr solide gebaut, unverwüstlich und präzise. Ein Schusstest verrät: Er hält problemlos die 10 der Luftpistolenscheibe mit RWS-Meisterkugeln, prima! 

Die Modellreihe 310, der Spannhebel in vorderer und hinterer Stellung, zu erkennen das Stoßrohr, hinten die auf Druck reagierende Sicherung.

Zur Modellreihe 310, also den "Repetier-Luftgewehren". Im Test stehen zwei Gewehre, systemseitig identisch, aber äußerlich sehr verschieden: das einfachere Modell 310-3 und das Modell 310-4 als "Match-Waffe". Letztgenannte stammt aus dem Besitz einer DDR-Sportschützin, die uns dieses Gewehr, diverse (selbst errungene) Orden und sonstiges Material dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt hat. Konzeptionell handelt es sich um einen Mehrlader, ausgeführt als Schlagfeder-Verdichter mit Stoßrohr. Der Spannhebel ist wie ein Kammerstengel gestaltet. Ferner gibt es einen internen Verschluss als Stoßrohr. Das 310-3 hat einen einfachen Buchenschaft, darin eingeschlagen "GST" als Eigentumsnachweis. Als Visierung dienen auch hier ein Schiebe-Rast-Visier und ein Balkenkorn, ausgelöst wird via Druckpunktabzug. Das luxuriösere 310-4 hatte eine voll verstellbare Kimme und einen komfortableren Schaft – das hier gezeigte Stück bietet zudem eine besondere Geschichte: Dieses Gewehr durfte unsere nicht näher genannte DDR-Meisterschützin mit Erlaubnis der GST zum Training mit nach Hause nehmen. Im Zuge der "Wendezeit" fand sich niemand mehr, dem sie es hätte zurückgeben können. So blieb es bis heute in ihrem Besitz. Die oben abgebildeten Meisterschaftsmedaillen nebst Geschichte stammen auch aus ihrem Besitz. Neben dem Gewinn der DDR-Meisterschaft gab es als Belohnung eine Reise nach Moskau. Freilich verzichtete die Schützin auf diese Reise zugunsten des Preises für den Zweitplatzierten: ein Fahrrad. 

Diese Repetierer hatten das Kaliber 4,4 mm Punkt- oder Rundkugel. Damit wurden für die jüngeren Schützen Wettkämpfe ausgetragen als Vorstufe auf die „besseren“ Gewehre, dies freilich auf eine recht kurze Distanz von vier Metern. Weiterhin durften die Schützen diese Gewehre für Trainingszwecke mit nach Hause nehmen. Organisiert wurden die Wettkämpfe vom Deutschen Schützenverband der Deutschen Demokratischen Republik (DSV DDR), einer Unterorganisation der GST, die auch die Sportgewehre stellte. Zu erkennen sind diese Gewehre an dem im Schaft eingeschlagenen Eigentumsstempel "GST" oder im Fall des weiter unten vorgestellten KK Suhler 150 Standard an einem GST-Aufkleber. 

Die Magazine für die „Repetierluftgewehre“, hier 6- und 8-schüssig (es gibt auch 12-schüssige), eingerichtet für die 4,4-mm-Punktkugel, schön zu sehen ist im Bild der Magazinschacht mit der Arretierung.

Für das Haenel 310 gibt es drei Arten von Magazinen, die sich aber nur in der Kapazität für die Punktkugeln unterscheiden: 6-, 8- und 12-Schuss-Magazine. Das 6er Magazin schließt bündig mit dem LG ab. Originale DDR-Punktkugeln gibt es immer noch, so stellt etwa die Haendler & Nattermann Sport GmbH derlei unter der Marke H&N her. Das Haenel 310 neigt aber zu Munitionsfühligkeit, daher probiere man ein paar Kugelsorten aus, um die beste zu finden. Das Haenel 310 ist sicher kein Wunder an Präzision. Mit etwas Übung kann man aber auf Distanzen bis 15 Meter noch gute Gruppen erzielen. Spaß macht das Gewehr auf jeden Fall – allein durch die schnelle Schussfolge, wodurch sich dieses Modell von anderen gängigen Luftgewehren unterscheidet. Jedem Freizeit- oder Hobbyschützen lässt es sich nur empfehlen, zumal es sich für Zimmer, Keller oder (wo möglich) Garagen sehr gut eignet. Da auch ein gewisser Sammlerwert besteht und man mit etwas Glück eins dieser Stücke zu (noch) annehmbarem Preis zwischen 300,- und 400,- Euro erwerben kann, gehört es in jede ordentliche LG-Sammlung. Die Haenels sind durch die Bank ordentlich verarbeitet und an sich sehr robust. Hält man sich an die Vorgaben zu Gebrauch und Wartung, sind sie langlebig und es treten wenig Probleme auf.

Die DDR-Luftgewehr Baureihe 312-1: Für Ambitionierte Sportschützen

Das Modell 312-1: Länge 1075  mm, Lauflänge 435  mm, Gewicht 4,7  kg, Kaliber 4,5 mm Diabolo, mit Anschussscheibe. Sogar das Schächtelchen fürs Zubehör trägt die Waffennummer 130 000.

Bei der Baureihe 312-1 handelt es sich weniger um ein "Freizeitmodell" als vielmehr um das bevorzugte Modell für ambitionierte Wettkampfschützen der DDR. Hergestellt wurde es von 1967 bis 1990. Wir haben einen Einzellader mit Kolben-Feder-System, Seitenspanner, eingerichtet für Diabolo-Kugeln in 4,5 mm. Das Gewehr ist prellschlagreduziert mittels eines zusätzlich angebrachten Gummipuffers am Widerlager. Der massive Buchenschaft hat einen Pistolengriff mit Backe, breitem Vorderschaft sowie einer in der Höhe verstellbaren Gummischaftkappe. Außerdem kann man die Schaftlänge noch durch zusätzliche einzuschraubende Einlagen vergrößern. Der Abzug zeigt sich verstellbar in Höhe und Abzugskraft. Als Visiereinrichtung dienen ein voll verstellbarer Diopter sowie ein Korntunnel, der sich mit diversen Einsatzkornen beschicken lässt (wie gesagt: nicht austauschbar mit Feinwerkbau-/Anschütz-Kornen). 

Das Gewehr hatte der Autor nach der Wende neu erworben. Mit dabei war auch diverses Zubehör und die Original-Anschussscheibe, die eingestempelt die Seriennummer des Gewehres 130 000 trägt. Diese attestiert dem (gebraucht zwischen 400,- und 600,- Euro teuren) Gewehr eine Schussleistung, die nicht geringer ist als die der westlichen Feinwerkbau- oder Anschütz-Modelle. Eingespannt konnte der Autor diese Schussgruppen – richtige Diabolos vorausgesetzt – mehrfach wiederholen. Auch hier verriet die ungenannte Meisterschützin im Interview Folgendes: "Für das 312er hat unser Trainer uns – und das auch nur für Wettkämpfe – aus dem Westen RWS-Meisterkugeln besorgt, die 500er Dose. Die habe ich mir dann zusätzlich auf Anraten des Trainers in eine gelbe RWS-Munitionsbox umgefüllt, damit ich die Diabolos einzeln entnehmen konnte." Über welche Kanäle die "Westware" zu den DDR-Wettkämpfen gekommen ist, konnte die Schützenfreundin leider nicht sagen. Zum Training wurden die Schönebecker Diabolos aus DDR-Fertigung benutzt. 

Kleinkaliber-Matchgewehr aus der DDR: Das Suhl 150 Standard

Das Suhler Modell 150 Standard, Länge 1140  mm, Lauflänge: 662 mm, Gewicht 4,9  kg, Einzellader .22 l.r., extra starker 22-mm-Lauf, verstellbarer Druckpunktabzug, punzierter Pistolengriff, UIT-Schiene, Schaftkappe verstellbar.

Die KK-Büchse im Test, ein ehemaliges DDR-Sportgewehr, das unter mehreren Namen bekannt ist: Suhl 150 Standard, Suhl M 150 oder Haenel Suhl 150. Es gehört neben den hier vorgestellten hochwertigen DDR-Luftgewehren als "nächste Stufe" definitiv dazu: Wir haben hier einen sehr hochwertigen und präzisen Sport-Einzellader, beliebt bei Kennern und Sportschützen aus West und Ost. Er wurde seit Anfang der 1970er als Modell 150 in Suhl hergestellt. Der starke 22-mm-Lauf liegt gestiftet im System. Verbaut ist ein sehr fein verstellbarer Druckpunktabzug mit 300 Gramm Auslösegewicht, der sprichwörtlich "wie Glas" bricht. Ferner gibt es brünierte Stahlteile, eine Kammer aus poliertem Stainless Steel und einen Schaft aus hellbraunem, lackiertem Buchenholz mit punziertem Pistolengriff, Backe und verstellbarer Schaftkappe. Die jüngere Variante M 150-1 zeichnete sich unter anderem durch einen verstellbaren Schaft aus. Dieses Suhler Gewehr diente ebenfalls als Basis für das SSG 82 (Entwicklungsjahr 1982). Das Suhler 150 Standard ist unter Schützen für exzellente Präzision bekannt und gilt oft als Geheimtipp für präzises (und günstiges) Kleinkaliberschießen – wer eine solche Büchse will: ungefähr ab 450,- Euro für sichtlich Benutztes, das Doppelte für sehr gut Erhaltenes.


Text: Frank Helmut Neis
Redaktion: Matthias  S. Recktenwald

Dieser Artikel erschien auch in der VISIER, Ausgabe 08/2026. Dort sind auch weitere Informationen zu den Schießwettkämpfen in der DDR enthalten und Sie erfahren, was es mit der ominösen Marke Q1, die auch auf den vorgestellten Waffen eingeschlagen ist, auf sich hat. Das Heft können Sie im VS Medien-Shop online kaufen. Dort steht es auch als ePaper zur Verfügung.