
Der Bund Deutscher Sportschützen (BDS) hat Speed Steel vor einigen Jahren als offizielle Disziplin in sein Sporthandbuch aufgenommen. Die entsprechende Sportordnung wurde vom Bundesverwaltungsamt genehmigt (alle externen Links stehen wie gewohnt unter diesem Beitrag). Das Regelwerk erarbeitete der damalige BDS-Sportbeauftragte Tilmann Keith mit seinem Team, unterstützt wurde die Einführung maßgeblich von BDS-Präsident Friedrich Geppert. Die Grundidee war ebenso einfach wie überzeugend: Das beliebte Schießen auf reaktive Ziele sollte in eine genehmigte sportliche Disziplin überführt werden. Entstanden ist ein abwechslungsreiches Format, das Schnelligkeit, Präzision und Waffenhandling miteinander kombiniert.
Die wesentlichen Elemente einer Speed-Steel-Stage sind:
• schnelle und präzise Schussfolgen
• zügige Zielwechsel
• sichere Magazinwechsel, die zwingend vorgeschrieben sind
• unterschiedliche Zielgrößen
• eine abschließende Stopp-Patte zur Zeitnahme
Dabei geht es keineswegs nur darum, möglichst schnell zu schießen. Ein Fehlschuss auf ein kleines
Ziel kostet häufig mehr Zeit als eine kontrollierte Schussabgabe.
Präzisionslastige Speed-Steel-Stage mit kleinen Zielen

Der von uns geschossene Aufbau war bewusst präzisionslastig gestaltet. Die Ziele standen in einer Entfernung von rund 8,5 Metern. Das klingt zunächst wenig anspruchsvoll – allerdings befanden sich innerhalb des Fünfer-Arrays zwei lediglich drei Zentimeter große Trefferflächen. Zusätzlich mussten eine „Zehnerzunge“ und nach dem vorgeschriebenen Magazinwechsel das sogenannte Black Hole beschossen werden.
Bei diesem Ziel befindet sich die gelbe Stopplatte innerhalb eines schwarzen No-Shoot-Rings. Ein sauberer Treffer beendet den Durchgang und stoppt die Zeit. Gerade diese Kombination macht die Stage so anspruchsvoll: Der Schütze muss schnell zwischen unterschiedlich großen Zielen wechseln, kleine Trefferflächen präzise ansprechen, das Magazin wechseln und anschließend die Stopplatte sicher treffen.
Bushnell RXE-MR1: Es stehen drei Absehen zur Verfügung

- 3-MOA-Punkt: für ein relativ präzises Haltebild.
- 40-MOA-Kreis: besonders schnelle grobe Zielaufnahme auf kurze Entfernung.
- 40-MOA-Kreis plus 3-MOA-Punkt: verbindet schnelle Orientierung mit einem definierten Mittelpunkt.
Ein 3-MOA-Punkt bedeckt rechnerisch ungefähr Flächen von:
- 2,2 cm auf 25 m
- 4,4 cm auf 50 m
- 8,7 cm auf 100 m
Hinweis: Manche Händler nennen einen 30-MOA-Kreis oder schreiben „30/3 MOA“. Bushnell selbst nennt aktuell ausdrücklich 40 MOA. Das sieht eher nach übernommenen, veralteten oder fehlerhaften Händlerdaten als nach einer bestätigten zweiten Variante aus.
Tippmann-Selbstladebüchsen im Kaliber .22 l.r. im Praxiseinsatz

Für den Test standen verschiedene Tippmann-Selbstladebüchsen im Kleinkaliber zur Verfügung. Die Waffen orientieren sich hinsichtlich Bedienung und Ergonomie an modernen Selbstladebüchsen im AR-Stil. Bei Speed Steel ist diese Bauweise besonders interessant. Große, griffige Magazine, gut erreichbare Bedienelemente und eine vertraute Anordnung der Funktionen erleichtern schnelle Abläufe. Gleichzeitig ist das Kaliber .22 l.r. rückstoßarm und ermöglicht kurze Schussfolgen sowie eine gute Beobachtung der Zielreaktion.
Die Testwaffen waren unterschiedlich ausgestattet:
• klassische offene Visierung
• verschiedene Rotpunktvisiere
• zwei unterschiedliche Zielfernrohre
• verschiedene Lauflängen
• angepasste Hinterschäfte
• MK-Optiken und passende Montagen
• spezielle Griffe, Magwells und Handguards
Damit ließ sich unmittelbar vergleichen, welche Visierung auf kurze Distanz die schnellste Zielaufnahme ermöglicht und mit welcher Ausstattung sich die kleinen Trefferflächen am präzisesten beschießen lassen.

Offene Visierung, Rotpunkt oder Zielfernrohr?
Der direkte Vergleich zeigte, wie stark die Visierung den Ablauf beeinflusst. Ein Rotpunktvisier ermöglicht auf kurze Entfernung eine sehr schnelle Zielerfassung und erleichtert den Wechsel zwischen mehreren Platten. Ein Zielfernrohr kann bei kleinen Zielen Vorteile bieten, sofern Vergrößerung, Sehfeld und Parallaxeeinstellung zur kurzen Schussdistanz passen. Eine zu hohe Vergrößerung kostet dagegen Zeit und erschwert die Orientierung innerhalb der Stage. Die größte Herausforderung stellte die offene Visierung dar. Auf 8,5 Metern klingt ein drei Zentimeter großes Ziel zunächst beherrschbar. Unter Zeitdruck, nach schnellen Transitionen und in Verbindung mit einem Magazinwechsel verlangt diese Trefferfläche jedoch eine saubere
Visieraufnahme und kontrollierte Abzugsbetätigung. Die Optiken wurden von Bushnell zur Verfügung gestellt, die Montagen kamen von Leupold.
Abzugssysteme von MAK für Tippmann-Selbstladebüchsen

Gezeigt wurden außerdem spezielle MAK-Abzugssysteme für Tippmann-Selbstladebüchsen, die über die Helmut Hofmann GmbH erhältlich sein sollen. Die Abzüge verfügen über ein einstellbares Abzugsgewicht von etwa 1.200 bis 2.600 Gramm. Auch der Resetweg lässt sich anpassen. Ein kurzer und klar definierter Reset kann bei schnellen Schussfolgen einen spürbaren Vorteil bieten. Da die Tippmann im Kaliber .22 l.r. nur einen geringen Rückstoß erzeugt, lässt sich der Reset sehr kurz einstellen, ohne dass die Waffe dadurch unkontrolliert wirken würde.
Für Speed Steel bedeutet das:
• kurze Abzugswege
• klar wahrnehmbarer Reset
• schnelle kontrollierte Folgeschüsse
• geringere Gefahr des Verreißens-
• individuelle Anpassung an den Schützen
Das rote Abzugszüngel dient gleichzeitig als optisches Erkennungsmerkmal der vorgestellten
Ausführung.
Neuer, leichter Handguard für schnelle Zielwechsel

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem neu entwickelten Handguard. Die leichte Konstruktion verändert die Balance der Waffe und erleichtert schnelle Wechsel zwischen den Zielen. Der Vorderschaft kann klassisch von unten oder weiter vorne umfasst werden. Durch die große Grifffläche lässt sich die Waffe kontrolliert führen, ohne unmittelbar an heiße Bauteile zu greifen.
Ein weit vorne angesetzter Stützarm kann besonders schnelle Transitionen ermöglichen. Denn bei Speed Steel wird die entscheidende Zeit häufig nicht bei der eigentlichen Schussabgabe verloren, sondern beim Wechsel von einem Ziel zum nächsten. An der Unterseite des Handguards befinden sich außerdem Befestigungsmöglichkeiten für eine Picatinny-Schiene. Daran kann beispielsweise ein Zweibein montiert werden. Das macht die Waffe auch für Disziplinen auf 100 oder 120 Meter interessant.
Speed Steel als Alternative und Ergänzung zu IPSC

Speed Steel enthält zahlreiche dynamische Elemente, die auch aus dem IPSC-Sport bekannt sind. Dazu gehören schnelle Zielwechsel, Magazinwechsel, Zeitdruck und – abhängig vom jeweiligen Stage-Aufbau – Bewegungen zwischen unterschiedlichen Schießpositionen. Ein wesentlicher Unterschied besteht im niedrigeren organisatorischen Einstieg. Speed Steel kann ohne den beim IPSC erforderlichen Sicherheits- und Regeltest geschossen werden. Die Sicherheitsanforderungen bleiben selbstverständlich bestehen, der Aufbau der Disziplin ist jedoch einfacher zugänglich. Typischerweise werden die Schießboxen so angeordnet, dass sich die Entfernung zu den Zielen durch die Bewegung des Schützen nicht verkürzt. Der Schütze wechselt beispielsweise von einer Box in die nächste, bleibt aber stets auf derselben Distanz zu den Stahlplatten. Das Regelwerk lässt grundsätzlich auch unterschiedliche Entfernungen und Stellungswechsel zu. Denkbar sind daher kniende oder liegende Anschläge. Solche Varianten erhöhen allerdings den organisatorischen Aufwand.
Schneller Aufbau und flexible Trainingsmöglichkeiten
Ein großer Vorteil von Speed Steel ist der vergleichsweise unkomplizierte Stage-Aufbau. Während umfangreiche IPSC-Parcours teilweise mehrere Tage für Auf- und Abbau benötigen, können Speed- Steel-Stages meist wesentlich schneller eingerichtet werden. Auch Schießstände ohne Stahl-, Mehrdistanz- oder Multidistanzzulassung können für das Training genutzt werden. Beim sogenannten „Paper Steel“ werden die Stahlplatten durch entsprechend große Papierziele ersetzt. Alternativ lassen sich durchdringbare Kunststoffziele verwenden. Die typischen Abläufe können damit auch auf einem herkömmlichen 25-Meter-Stand trainiert werden. Die Zielgrößen werden dafür einfach an die jeweilige Entfernung angepasst: Ein drei Zentimeter großes Ziel auf acht Metern entspricht hinsichtlich der Winkelgröße ungefähr einem zwölf Zentimeter großen Ziel auf 25 Metern.
Damit lassen sich nahezu alle wichtigen Bestandteile trainieren:
• Anschlag und Zielaufnahme
• Zielwechsel
• Magazinwechsel
• Abzugsbetätigung
• Schussrhythmus
• sichere Waffenhandhabung
Unser Fazit zum Speed-Steel-Schießen mit der Tippmann

Speed Steel ist deutlich mehr als möglichst schnelles Schießen auf große Stahlplatten. Die Disziplin verlangt eine gelungene Kombination aus Präzision, Geschwindigkeit, sicherem Handling und taktisch sinnvoller Zeiteinteilung. Die getesteten Tippmann-Selbstladebüchsen im Kaliber .22 l.r. erwiesen sich dafür als interessante Plattform. Ihre griffigen Magazine, die gut erreichbaren Bedienelemente und die zahlreichen Möglichkeiten zur individuellen Konfiguration kommen den Anforderungen der Disziplin entgegen. Mit einem passenden Rotpunktvisier, einem sauber eingestellten Abzug und einem leichten Handguard lassen sich schnelle und dennoch kontrollierte Abläufe realisieren. Gleichzeitig bleibt Speed Steel vergleichsweise leicht zugänglich und kann auf vielen Schießständen zumindest in Form von Paper Steel trainiert werden. Der besondere Reiz entsteht schließlich durch die unmittelbare Reaktion der Ziele: Es klingelt, die Platten bewegen sich – und gelegentlich platzt sogar ein Ballon. Genau diese Mischung aus sportlichem Anspruch und sichtbarem Trefferfeedback macht Speed Steel zu einer spannenden BDS-Disziplin mit hohem Spaßfaktor.
Die Tippmann-Modelle und die Bushnell-Zielgeräte werden vom Großhändler Helmut Hofmann importiert und an den Waffenfachhandel vertrieben.
Weiterführende Links zur BDS-Disziplin Speed Steel und zu den Tippmann-Gewehren:
- BDS-Disziplin Speed Steel, Einführung und
- Disziplinenvideo von Tilmann Keith
- Komplettes Regelwerk Speed Steel (Auszug aus dem BDS Sporthandbuch)
- Übersicht Tippmann M4-Selbstladegewehre bei all4shooters.com
- Test des Tippmann M4-22 Elite GS bei all4shooters.com









