Teil 7 der Serie über Patronen für die Großwildjagd: Die extreme Power der .458 Lott bedeutet auch eine extreme körperliche Belastung für den Schützen

Patronenparade mit identischem Geschossdiameter (von links): .458 Lott, .45 Blaser, .458 Winchester Magnum, .458 African Express, .450 Ackley, .450 Rigby, .450 Watts, .450 Dakota und .460 Weatherby Magnum.

Schwache zielballistische Leistung, ungenügende Geschwindigkeit an der Mündung, Nachbrenner und aus der Hülse wandernde Geschosse machten schnell die Runde und ließen die .458 Win. Mag. in keinem guten Licht erscheinen. Nur wenige Jahre später, um 1959, brachte P. O. Ackley (1903-1989), ein erfolgreicher Wiederlader, Patronenentwickler und Fachautor, seine verbesserte Version als .450 Ackley Magnum heraus. Anstatt die Originalhülse massiv plastisch zu verformen, griff er auf die .375 Holland & Holland Magnum-Hülse zurück, ließ sämtliche Abmessungen identisch und weitete lediglich den Hülsenhals so weit auf, dass darin das .458er Geschoss Platz fand. Fast fertig. Aufgrund der Länge der Hülse und des schweren Projektils brachte er noch eine winzige Schulter ein. Durch die lange Hülse stand endlich der benötigte Pulverraum zur Verfügung. Ackley verlud darin die gesamte Bandbreite von damals verfügbaren Geschossen von 300, 400 über 500 bis sogar 600 Grains. Es existierten weitere Patronenentwicklungen als Konkurrenten des Serienkalibers .458 Win. Mag. wie beispielsweise die in den 1950er Jahren von Watts und Anderson entwickelte, für 500-Grains-Geschosse konzipierte, Patrone .450 Watts. Hier wurde tatsächlich einfach die Hülse der .375 H&H Magnum als Basis genommen, die Länge absolut identisch beibehalten und der Hülsenmund auf .458 aufgeweitet.

Jack Lott: Die Geschichte der .458 Lott

Wieder war es ein Schreiberkollege, der den Anstoß für ein neues Kaliber lieferte. Jack Lott, Mitarbeiter bei Guns & Ammo, frönte seiner Leidenschaft und war auf Büffeljagd in Tansania und Botswana. Er führte eine .450 Ackley Magnum. Angeblich nahm ihn der Büffel an. Anders ausgedrückt, trotz guter Trefferplatzierung rannte der Büffel in Richtung des Schützen und brach erst wenige Schritte vor dem zur Salzsäule erstarrten Jäger zusammen. Dass die verwendete Patrone viel zu schwach war und deutlich mehr Dampf benötigte, war seine erste Analyse während seiner Rückreise aus Afrika in die USA. Anstatt sich etwas mit Statistik, Stichprobengröße und Wahrscheinlichkeitsrechnung zu befassen, setzte er sich an die Wiederladebank und fing an zu experimentieren. Auf der Suche nach einer geeigneten Hülse blieb er, welch ein Zufall, ebenfalls bei der .375 Holland & Holland Magnum hängen. Damit er aber seinen vorhandenen Matrizensatz in .458 Win. Mag. nutzen konnte, blieb die Hülse ohne Schulter. Lediglich die Hülse kürzte er um 1,27 mm. Das nun zusätzlich vorhandene Volumen lieferte Stauraum für mehr Pulver. Die Einsatzberichte der neuen Patrone waren durchweg positiv. Lott stellte seine Patrone .458 Lott bereits 1971 vor.

Neben dem Vorreiter Hornady offerieren wieder mehr Hersteller .458 Lott-Fabrikmunition.

Den wirklich großen Schub erhielt die Patrone als Ruger die hauseigene Repetierbüchse M77 Mark II Express Magnum neben .375 Holland & Holland und .416 Rigby auch in .458 Lott einrichtete. Branchengigant Hornady lieferte dazu die Munition. So gesehen war dies die erste Safaripatrone von Hornady, die verkaufsmäßig einschlug wie eine Bombe. Fabrikmunition gibt es heute darüber hinaus beispielsweise von Barnes, Norma, Swift, Federal, Kynoch und LFB.

Selbst ans Werk: Wiederladen der .458 Lott

Der Wiederlader stößt bei der .458 Lott auf keine Herausforderung. Hülsen gibt es von Hornady (Stückpreis 2,36 Euo) und Norma (Stückpreis 4,50 Euro). Sobald Hülsen verfügbar sind, ist das Wiederladen dieser Zigarre ziemlich simpel. Der dreiteilige Matrizensatz kostet bei Hornady günstige 95 Euro. Stabile Geschosse, und die sind bei diesem Kaliber enorm wichtig, liefern Barnes, Degol, Nosler, Hornady, Federal, Swift und Woodleigh. Aufgrund der Gesamtlänge von maximal 91,4 mm reicht für diese Patrone gerade so noch eine Standardpresse aus. Als Treibmittel sind offensivere Sorten wie Norma 203-B, Vihtavuori N140 oder N540 geeignet. Aufgrund der Pulversäule von bis zu 90 Grains sind Magnum-Zündhütchen, wir arbeiteten mit Federal 215M, Pflicht. Es empfiehlt sich, um sich in der Schießpraxis an dieses leistungsstarke Kaliber stufenweise zu gewöhnen, eine moderate Trainingslaborierung zu entwickeln. Dazu wurde von uns das eigentlich für die .45-70 Government gedachte 405 Grains leichte Teilmantel-Flachkopf-Geschoss von Remington verladen. Für unsere Zwecke war die erreichte Präzision völlig ausreichend.

Die .458 Lott in der Praxis auf dem Schießstand 

Ein realisierter 35-mm-Streukreis bei drei Schuss auf 100 m und über 8.000 Joule Energie an der Mündung.

Als Testwaffe diente eine Mauser M03 mit einem 60 cm Safarilauf. Das verwendete Treibmittel Norma 203-B ließ die Projektile im Mittel mit 666 m/s die Mündung passieren. Für den realen Einsatzzweck auf massives Großwild ist das 405-Grains-Projektil aber viel zu weich. Nun wurde es sportlich, denn wir stiegen in die 500-Grains-Liga ein. Mit einer Ladeleiter sollte die Zielvorgabe erreicht werden, sprich mit einem 500-Grains-Geschoss sollte die 8.000-Joule-Marke erreicht oder überschritten werden. Parallel dazu sollte neben der Leistung auch die Präzision auf 100 m mittels ZF überprüft werden. Im ersten Ansatz eigentlich eine gute Kombination. Auch hier kam das 203-B zum Einsatz. Bei 690 m/s und platten Zündhütchen stellten wir das Testschießen ein, da wir die Maximalladung erreicht hatten, jedoch nicht unser gestecktes Ziel in punkto kinetischer Energie. Als zweite Pulversorte kam Vihtavuori N540 zur Anwendung. Auf jeder Stufe der Ladeleiter wurden drei Schuss sitzend aufgelegt abgegeben. Nach ungefähr 40 verschossenen Patronen stellte sich erstes Unbehagen, gepaart mit Kopfschmerzen, ein. Das leicht taube Gefühl in der rechten Schulter ignorierten wir noch. Trotz korrekter Schießhaltung kam bei jedem abgegebenen Schuss der Gummiring des Okulars immer näher an die rechte Augenbraue. Beim erneuten Einrichten für den nächsten Schuss stieß dann das Okular an die Braue. Stopp – jetzt musste Ursachenforschung betrieben werden! Wie konnte es sein, dass das Okular nun plötzlich am Kopf anlag? Ein Blick von der Seite auf die Waffe samt Zielfernrohr brachte Aufschluss. Das Zielfernrohr mit Schiene war trotz verklebter Montage in der Montage rund 25 mm nach hinten gerutscht. Eigentlich ist dies unmöglich. Flugs wurde die Montage an Ort und Stelle in alle Einzelteile zerlegt und siehe da, die Zähne der Schiene des Zielfernrohrs hatten die Zähne in der Montage vollständig abgerissen. Es kamen nur noch Metallbrösel zum Vorschein. Dies verdeutlicht eindrucksvoll, welche Kräfte hier vorherrschen und was Mensch und Maschine abkönnen müssen. Neu montiert, ging es wieder auf den Schießstand, es waren noch einige Stufen der Leiter zu erschießen. Das erreichte Ergebnis erfreute. Mit einem Mittelwert von 705 m/s hatten wir das Ziel mit satten 8.059 Joule aus einem 60-cm-Lauf bei 35-mm-Streukreis erreicht. Die Patrone .458 Lott hat richtig Dampf, unbestritten. Mit einer solchen kinetischen Energie und bei Verwendung von stabilen Geschossen ist die Penetrationsleistung dieser Patrone enorm. Es wäre nicht das erste Mal, wenn damit ein Büffel beschossen wurde und danach zwei am Anschuss lagen, weil das Projektil den ersten komplett durchschlagen und den dahinter verdeckt stehenden ebenfalls noch erlegt hat.

Die starke .458 Lott fordert dem Schützen einiges ab

Die hohe Leistung wird auch mit einem herzhaften Rückstoß erkauft. Anstatt eines Schiebens kommt hier ein kurzer, trockener und heftiger Schlag an die Schulter. Stehend auf dem Dreibein aufgelegt ist das machbar. Sitzend aufgelegt, so wie wir das getan haben, ist das keinem empfohlen. Neben der .378 Weatherby Magnum ist die .458 Lott unsere unangenehmste Schießstanderfahrung überhaupt. Alles andere, auch viel größere Kaliber wie .500 Nitro Express, .577 Nitro oder gar .700 Nitro Express kommen nicht an den subjektiv gefühlten, ruppigen Rückstoß dieser beiden Kaliber heran. Von dem vielzitierten gebrochenen Schlüsselbein waren wir weit entfernt, aber Übelkeit, massive Kopfschmerzen und leicht verschobene Wirbel im Halsbereich gehören nach so einer Schießstandtortur dazu. Für unsere verehrten Leser geben wir alles. Auch wenn’s manchmal weh tut. Eine weitere Ladeleiter in .458 Lott zu schießen, hat uns der Orthopäde allerdings untersagt.

Aus der Fabrik: Serienwaffen in .458 Lott

Eine unserer Testwaffen in Gestalt der Sauer 202 Hatari in .458 Lott. Die Großwild-Büchse macht vor allem auch durch die wunderschöne Maserung eine sehr gute Figur.
Das an der Schaftunterseite überstehende, einreihige Kastenmagazin der S202 Hatari in .458 Lott besitzt ein Fassungsvermögen für vier Patronen.

Für weitere Erprobungen lag die, in diesem Artikel gezeigte, Sauer 202 Hatari im Kaliber .458 Lott vor. Der Safari-Schaft mit beeindruckender Maserung, ausgeführt nach englischem Vorbild, lieferte eine hervorragende Balance. Für eine rasche Munitionsbevorratung wurde die Waffe mit einem Einsteckmagazin mit Kapazität für vier Patronen ausgestattet. So kann das stabile Deformationsgeschoss im Magazin in der Waffe bleiben, während das mit Vollmantelpatronen bestückte Ersatzmagazin in der Tasche auf seinen Einsatz wartet. Eine Magazinsicherung hält den Tank an Ort und Stelle. Durch die hohe Kapazität steht das Magazin über, ein Tragen auf der Schulter entfällt somit. Ein großes Plus besteht darin, dass die Riemenbügelbasen eingelassen sind. Der massive, an der Mündung wuchtige 22,2 mm messende Lauf liefert ordentlich Gewicht und zwar genau da, wo der Rückstoß entsteht. Warum Sauer allerdings den Lauf bereits bei 60 cm beschnitten hat, ist bei der großen Pulversäule der .458 Lott unverständlich. Hier hätten 5 cm mehr nicht geschadet. Dieses kleine Stück mehr an Metall hätte auch dem Gesamtgewicht von nur 4.434 Gramm gut getan. Der Abstand zwischen Schaftkappe und Abzugszunge (Length of Pull; LOP) ist mit 375 mm perfekt. Die Schiebesicherung lässt sich absolut lautlos und ergonomisch bedienen. Der ansonsten bei einer Sauer 202 nach innen geformte Kammerstängel ist hier gerade ausgeführt, ließ sich sehr gut greifen und die Büchse damit äußerst zügig repetieren. Eine weite Expresskimme mit einem weiteren, aufklappbaren Kimmenblatt für den präzisen Schuss auf weitere Entfernung korrespondiert mit dem 2 mm messenden Messingperlkorn. Wohl aus nostalgischen Gründen wurde ein Holland & Holland Klappkorn mit 4 mm weißer Kunststoffkugel verbaut. Optisch sehr gelungen, doch haben diese Körner die dumme Angewohnheit sich immer im ungünstigsten Augenblick von selbst aufzustellen. Entweder durch den Rückstoß oder wenn man damit an einem Ast hängen bleibt. Es gibt Jäger, die kleben das schwenkbare Korn einfach fest, um somit immer freie Sicht zum Messingperlkorn zu haben.

Der angedeutete Ebenholzabschluss der S202 Hatari, vorne sieht man die dort platzierte Riemenbügelbase.

Auch nostalgisch war der angedeutete Ebenholzabschluss am Vorderschaft. Hier ging Sauer bereits einen nachhaltigen Weg. Anstatt Tropenholz zu verwenden, wurde hier auf Kunststoff zurückgegriffen. Die Anzahl von Fabrikgewehren ist äußerst überschaubar. In Deutschland gibt es zwei Hersteller. Heym liefert das Modell Express mit einem 3-Patronen-Magazin und 61-cm-Lauf mit 18 mm Außendurchmesser. Das Gewicht pendelt, je nach Holz, zwischen 4,2 und 4,4 kg. Als Geradzugrepetierer kommt die R8 Safari Kilombero mit 60-cm-Lauf und 22 mm Außendurchmesser aus dem Hause Blaser hinzu. Die Sauer 202 und Mauser M03 gibt es nur noch auf dem Gebrauchtwaffenmarkt. Das gilt auch für die Zylinderverschlussbüchsen Ruger M77 Mark II Express Magnum und CZ 550.

Unser Fazit zur starken .458 Lott 

Eine .458 Lott liefert ordentlich Leistung, teilt dafür nach physikalischen Grundgesetzen aber auch heftig aus. Wer die Leistung benötigt und damit umgehen kann, findet hier eine mächtige Patrone. Für die meisten Jäger ist die Patrone viel zu stark und entsprechend rückstoßintensiv. Sollte dennoch eine Büchse in diesem Kaliber in die engere Wahl fallen, ist doch mehr als nur ein Probeschuss auf dem Schießstand empfohlen. Die beiden Vorgänger .450 Ackley Magnum und .450 Watts sind mittlerweile völlig verschwunden und wurden durch den Siegeszug der .458 Lott verdrängt.