
Im Jahr 1880 wurde die .500 2¾“ als Schwarzpulverpatrone geboren. Später folgte die längere 3“-Ausführung, die bis heute die gängige Hülsenlängenvariante und auch unter der Bezeichnung .500 Black Powder Express bekannt ist. Doch hier war noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht, denn es existiert auch eine .500 Nitro Express mit 3¼“ langer Hülse. Hinsichtlich der Ballistik sind beide .500 NE-Ausführungen, bestückt mit 570 Grains/36,9 Gramm schweren Geschossen, identisch. Die .500 NE 3¼“ offeriert den Minimalvorteil, dass der Gasdruck anstatt 2.800 nur 2.700 bar beträgt. Dennoch als Standard durchgesetzt hat sich, wie bereits erwähnt, die .500 Nitro Express mit 3“/76 mm langer Hülse, während in .500 NE 3¼“ eingerichtete Gewehre äußerst rar sind.


In der Schwarzpulver-Ära fand das Kaliber .500 nur wenige Anhänger. Denn die Büchsen waren angesichts ihrer ballistischen Leistungsausbeute viel zu schwer. So wurden leichtere Büchsen in kleineren Kalibern sowie Büchsen der .577“er-Klasse für die gefährlichen Situationen bevorzugt. Auf die Jagd auf Katzen (Löwe, Tiger, Leopard) hatte die mit Bleigeschossen geladene .500er-Schwarzpulverpatrone einen guten Ruf. Allerdings trauten sich damals die wenigsten, damit auf Großwild (Elefant, Nilpferd, Nashorn) zu jagen, da die Tieferwirkung äußerst bescheiden war, was aber an den verwendeten Geschossen lag. Ein weiteres Manko der damaligen Waffen: Die überlangen Läufe mit 68 cm oder gar 70 cm und das hohe Gewicht von 6,0 bis 6,5 Kilogramm. Entsprechend wenige Jäger wollten diese Masse an Eisen und Holz durch den Busch schleppen. Eine .577 NE war nicht viel schwerer und hatte bereits damals einen legendären Ruf als einzig wahre Stopper in der Not. Als Schwarzpulverwaffe war eine .500er damals regelrecht „Kleinkaliber“ und die Leistung gerade so ausreichend für die Jagd auf Antilopen oder Großkatzen. Dafür war die Tiefenwirkung völlig ausreichend.
Die moderne Patrone .500 Nitro Express

Im modernen Nitrokaliber gibt es Fabrikmunition von Barnes, Federal, Hornady, Kynoch, LFB, Norma und Swift. Beim Wiederladen der .500 NE ist die Anschaffung von Hülsen ein kostspieliges Unterfangen. 20 Stück von Norma kosten 148 Euro, das Stück also 7,40 Euro. Der Matrizensatz von Hornady kostet 181 Euro, RCBS berechnet stolze 283 Euro. Stabile 570-Grains-Geschosse im Diameter .510“ (12,95 mm) gibt es beispielsweise von Barnes, Degol, Hornady, Swift und Woodleigh. Northfork Technologies bietet monolithische 570 grs. Flachkopfprojektile an, denen eine sagenhafte Tiefenwirkung nachgesagt wird. Um den Gasdruck nicht zu beeinflussen, liegen nur die Führungsbänder der Geschosse am Lauf an. Aufgrund der Patronenlänge von maximal 95,25 mm wird als Presse ein Modell mit einer lichten Rahmenhöhe von mindestens 100 mm benötigt. Eine PräziPress 120 oder eine Lee Classic Cast erleichtern das Arbeiten ungemein. Wer eine kleinere Presse hat, muss bei jeder Patrone den Matrizensatz herausschrauben oder man arbeitet mit den Schnellwechseleinsätzen von Hornady.
Die Problematik mit dem richtigen Nitropulver

Während die mechanische Bearbeitung der Hülse trivial erscheint, erwartet einen bei der Auswahl der richtigen Pulversorte eine ganz andere Hürde, die genommen werden muss. Auch die Fabrikhersteller tun sich mit der .500 NE schwer. Norma bestätigte uns gegenüber, dass dieses Kaliber in der gesamten Professional Hunter (PH)-Reihe am schwierigsten war.
In den einschlägigen ballistischen Tabellen wird die Geschwindigkeit mindestens mit 2.100 fps (640 m/s) angegeben, viele schreiben die Geschwindigkeit mit 2.150 fps (655 m/s) einfach blind ab. Trotz dieser im Vergleich zu modernen Hochleistungskalibern moderaten Geschwindigkeiten werden mit der .500 NE Energiewerte im Bereich von bis zu 8.000 Joule realisiert. Wird dann die Patrone aus einer Büchse verfeuert, tritt schnell Ernüchterung ein. Das liegt daran, dass damals wie heute zur Ermittlungen der ballistischen Werte „andere“ Läufe verwenden werden. Damals wurden überlange 71 bis 76 cm lange Läufe aus Messing verwendet, um so den letzten Meter pro Sekunde herauszuquetschen. Wir haben Fabrikpatronen aus Waffen mit 60, 61 und 65 cm gemessen. Aus den kürzeren Läufen brachte ein sehr bekanntes Munitionsprodukt magere 587 m/s. Bei Pulverchargen von 100 bis 115 Grains (6,4 bis 7,4 Gramm) wirkt sich jeder Zentimeter an Lauf auf die Leistung aus. Während aus 65 cm langen Läufen die Sollgeschwindigkeit von 655 m/s eher erreicht wird, muss man bei nur 4 cm kürzeren Läufen mit 630 bis 640 m/s zufrieden sein.

In langen Testreihen mit hunderten von verfeuerten Patronen erprobten wir folgende Treibladungsmittel: Accurate Arms 4350, Alliant Reloader 17 und 19, Hodgdon H-380 und H-4350, IMR 4831, Norma 203-B, URP und MRP, Swiss Reload RS60 sowie Vithavuori N550 und N560. Die Präzision überzeugte bei allen Pulversorten, doch nur drei überzeugten auch hinsichtlich der Leistung mit Geschwindigkeiten von 640 bis 655 m/s: Hodgdon H-4350, Norma MRP und Swiss Reload RS60. Alle Patronen wurden mit Federal 215M-Zündern geladen.
Selbstverständlich ist die Zielvorgabe mit 655 m/s mit vielen Pulvern erreichbar. Leider steigt mit der Mündungsgeschwindigkeit unvermeidbar aber auch der Druck. Die Messungen unserer Laborierungen ergaben Drücke von 3.200 bis 3.400 bar und somit deutlich zu hoch. Unsere Versuche, Entlastungsrillen in die Geschosse einzudrehen mündeten in einer Sackgasse. Weder der Druck ließ sich damit senken, noch die Geschwindigkeit steigern.
Darf’s ein bisschen mehr sein? Auch die Büchse muss für die .500 Nitro Express an Gewicht zulegen

Um Doppelbüchsen dieser Kaliberklasse perfekt kontrollieren und einen zweiten Schuss schnell und präzise antragen zu können, muss das Waffengewicht bei mindestens 5 kg liegen. Die Waffen der deutschen Hersteller Heym, Merkel und Krieghoff sind mit 4,5 kg dagegen zu leicht. Wenn die Waffe täglich im Busch getragen und in den seltensten Fällen auch geschossen wird, geht das in Ordnung. Für einen angehenden Großwildjäger, der damit auch trainiert, artet das Schießen mit solch leichten Waffen schon zur Tortur aus. Um es auf den Punkt zu bringen: Eine .500 NE mit 4,5 kg ist nur etwas für Hartgesottene. Wir schossen intensiv mit einer Krieghoff Classic mit Handspannsystem und einer Heym 88. Die eher für ein Zielfernrohrgewehr geeignete Schäftung der Krieghoff Classic mit Tropfnase am Vorderschaft, zu niedriger Senkung und vor allem einer negativen Pitch trägt nicht gerade zu einem hohen Schießkomfort bei. Hätte man sich hier an den idealen Schaftformen britischer Doppelbüchsen, wie einer Halliday von 1930 oder einer Jeffery von 1929 orientiert, wäre das Ergebnis weitaus besser ausgefallen.
Es dauerte auch viele Jahre, bis Krieghoff die Classic als Neuheit endlich mit Ejektoren ausrüstete. Zur Info: Das Patent Nr. 14526 für Ejektoren wurde Anson & Deely bereits am 3.11.1884 erteilt. Das Originalpatent liegt bei Westley Richards in Birmingham. Bei manchen dauert es halt ein weniger länger. Die Heym 88 Doppelbüchse mit Anson-Schlossen punktet durch kaltgehämmerte Läufe. Leider messen diese nur kurze 61 cm in Standardlänge. Hier wären 65 cm oder gar 66 cm angesagt. Heym bietet dies auf Kundenwunsch an. Die paar Gramm mehr an Gewicht an der Mündung lässt diese weniger springen, zudem hat die mächtige Pulvercharge mehr Lauflänge zur Umsetzung übrig. Die Schäftung und Balance der Heym 88 begeistert. Beides ist hervorragend ausgeführt. Der Ejektor arbeitet ebenso zuverlässig. Selbstverständlich offerieren Premiumhersteller wie Bartholot, Max Ern, Hausmann & Co, Holland & Holland, Purdey, Rigby sowie Westley Richards und Ziegenhahn .500 NE-Einzelanfertigungen nach Kundenwunsch.
Die Qual der Wahl: Doch .470 oder lieber .500 NE?
Für den Durchschnittsjäger, der einmalig oder vielleicht gelegentlich auf Safari geht, ist die .470 NE bestens geeignet, den Job zu erledigen. Waffen- und Patronenauswahl sind ausreichend gegeben. Zudem ist eine .470er bei gleichem Gewicht und gleicher Schäftung deutlich angenehmer zu schießen als eine .500er. Es mag seltsam erscheinen, aber die 70 Grains mehr Geschossgewicht und die höhere Pulvercharge sorgen für einen bleibenden Eindruck. Wer die Gelegenheit hat, beide nacheinander Probe zu schießen, wird diese Erfahrung machen. Bezüglich der Wirkung im Ziel ist es schwer, hier belastbare Ergebnisse miteinander zu vergleichen.


Wir konnten einen Berufsjäger ausfindig machen, der beide Kaliber jahrelang geführt und damit auf Großwild schießen musste. „Die Stoppkraft der .500er im Nahbereich ist gewaltig. Egal ob Elefant oder Hippo, die Wirkung lässt jede Kreatur stoppen. Für den Gastjäger ist die .470 NE eine sehr gute Wahl. Sollte es wirklich mal brenzlig werden, gibt’s ja noch den Berufsjäger mit seiner .500 NE für alle Fälle.“
Selbst der erfahrene Elefantenjäger Buzz Charlton (Simbabwe) hat nach vielen Jahren seine .416 Rigby in Rente geschickt und führt nun eine Heym 88 in .500 Nitro Express. Auf unsere Rückfrage, warum er gewechselt hat, gab er an: „Wir jagen auf kürzeste Distanz bei maximal schlechter Sicht, da ist oft keine Zeit mehr zu repetieren.“
Unser Fazit zur Großwildpatrone .500 Nitro Express:
Die .500 NE hat in den letzten Jahren ein echtes Comeback erlebt. Für viele Berufsjäger ist es die Lebensversicherung, wenn in dichtester Vegetation ein Stück nachgesucht werden muss. Mittlerweile führen sehr viele Jagdführer dieses Kaliber mit vollster Zufriedenheit. Uns sind zwei Berufsjäger bekannt, die führen sogar auf Großkatzen die .500 NE. Beide bestätigen unabhängig voneinander: „Ich habe schon Bleikugeln aus Flinten am Schädel eines Leoparden abprallen sehen“, so deren Beweggründe, warum sie sich lieber für den Stopper entschieden haben. Mit Degol-Vollmantelgeschossen wurden bereits komplette Durchschüsse von quer zur Schussrichtung stehenden Elefanten dokumentiert. Nicht umsonst war es unter anderen auch das Lieblingskaliber von John Hunter. Sein Motto: Alles unter Kaliber .50 hat auf der Großwildjagd nichts verloren. „Walk slowly and carry a big stick“. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.
Dieser Artikel stammt aus der Zeitschriftenausgabe caliber 5/2026, die Sie bequem im VS Medien Shop als gedruckte oder digitale Ausgabe kaufen können.
Die bisherigen Teile der Serie:
- Teil 1: Kaliber für die Großwildjagd – .375 Holland & Holland Magnum als Allround-Patrone für die Jagd in Afrika
- Teil 2: Kaliber für die Großwildjagd – .416 Rigby als Universalpatrone für schweres Wild
- Teil 3: Kaliber für die Großwildjagd – .416 Remington Magnum: von der Wildcat zur Fabrikpatrone
- Teil 4: Kaliber für die Großwildjagd – .460 Weatherby Magnum










