Patronen für die Großwildjagd Teil 2: Kaliber .416 Rigby – Eine Universalpatrone für starkes Wild

Nach der .375 H&H Mag. (9,5x72 mm) im ersten Teil geht es nun also um die mächtige .416 Rigby (10,5 x 73 mm). Als um 1860 das rauchschwache Pulver (Cordite beziehungsweise Axite) erschaffen wurde, waren die Zeiten vorbei, in denen Unmengen an Schwarzpulver in daumendicke Läufe geschüttet wurden. Auch der berüchtigte Gang um den Pulverrauch herum, wenn die Schwarzpulverschwaden die Sicht auf das Wild unmöglich machten, gehörte damit der Vergangenheit an. Die Mündungsgeschwindigkeit ließ sich bei Schwarzpulver, ganz gleich welche Menge eingefüllt wurde, nicht mehr steigern. Es blieb nur noch der einzige Parameter in der kinetischen Energieberechnung modular: Das Geschossgewicht. Da dieses aber lediglich linear und nicht wie die Geschossgeschwindigkeit quadratisch eingeht, war damit auch keine große Verbesserung zu erreichen. Mit Cordite ergaben sich für die Entwicklung der Innenballistik ganz neue Möglichkeiten und Ansätze. Kurz nach der Wende zum 20. Jahrhundert entwickelte sich ein Wettrüsten der Patronenentwickler, besonders auf der britischen Insel. Rigby, Jeffery, Gibbs, Holland & Holland sowie Westley Richards, um nur die Großen zu nennen, taten alles, um den Kunden und Jägern neue Produkte offerieren zu können. Viele damalige Kreationen existieren heute noch und das mit Recht.

Patronen für die Großwildjagd Teil 2: Kaliber .416 Rigby – Eine Universalpatrone für starkes Wild
Zwei Patronen in .416 Rigby: (v.l.) eine Norma African PH in Teilmantel- und eine in Vollmantelausführung, jeweils mit 450 grs schwerem Geschoss. Die.308 Winchester rechts daneben dient lediglich dem Größenvergleich.

Die .416 Rigby − geschaffen für das große Mauser-Magnum-System 

Die Firma Rigby in England war damals Generalimporteur für Mauser-Gewehre und -Systeme. Was lag also näher, als für das große Mauser-Magnum-System eine neue Patrone zu kreieren? Die Hülse konnte ruhig groß ausfallen, um möglichst viel Cordite unterzubringen. Da Cordite extrem temperaturempfindlich ist, lag der Fokus bei der Entwicklung neben der ballistischen Leistungsfähigkeit auch auf dem Gasdruck. In den Kolonien Afrika und Indien herrschten weit höhere Temperaturen als auf der Insel. 1911 wurde die .416 Rigby offiziell vorgestellt. Das Design war hervorragend. Kein lästiger Hülsengürtel, eine konische Form zur Vermeidung des Festbackens im Patronenlager und dazu ein niedriger Gasdruck. Großwildjägerherz, was willst du mehr? Einziges Manko aufgrund der Länge von über 95 mm war, dass diese  „Zigarren“ nur in Mauser-Magnum-Systeme passten. Die Rigby bildet den Verschlussabstand über die Schulter. Der Schulterwinkel beträgt fast 90°. Am 29. August 1912, einem denkwürdigen Datum bei Rigby, war es dann so weit. Die erste Büchse wurde an Colonel Sir Aubrey Wools-Sampson ausgeliefert. Die Büchse wog 4,6 kg und hatte einen 66 cm langen Lauf. Im Auftragsbuch (englisch „Ledger“) wurde notiert: Mauser Sporting Big Game.

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Vom Rand des Stoßbodens bleibt wenig übrig, wenn eine .416 Rigby darin Platz finden soll.

Fortan war nun immer „RIGBY’S SPECIAL 416 BORE BIG GAME“ auf den Hülsenkopf des Systems eingraviert. Die Patrone sollte ein echter Allrounder mit ausreichender Stoppwirkung für Großwild aber auch genügend Rasanz für den weiteren Schuss in der Steppe sein, um nicht nur das Trophäenzimmer, sondern auch die Bäuche der hungrigen Crew zu füllen. Wir hatten die Möglichkeit, einige originale Auftragsbücher von Rigby durchzublättern, in denen man das „Who is Who“ berühmter Jäger ebenso wie aristokratische Kunden entdeckt. So kann man in den Dokumenten den Repetierer im ungewöhnlichen Kaliber .369 Purdey für die damalige Queen Elisabeth II oder die Bestellung des schottischen Abenteurers und Elfenbeinjägers W.D.M. „Karamojo“ Bell vorfinden. Binnen kürzester Zeit genoss die .416 Rigby einen hervorragenden Ruf, was nicht nur am Kaliber, sondern auch an den verladenen Geschossen lag. Weil bei der Vollmantelkonstruktion die Wandstärke in Richtung Geschossnase stetig zunahm, waren die Projektile sehr stabil. Selbst frontale Treffer auf Elefantenschädel meisterten die Projektile. Damalige Mitbewerber kämpfen permanent mit verbogenen Geschossen, fehlender Tiefenwirkung oder Geschossabplatzungen bei besonders schusshartem Wild. Hier lieferte die .416 Rigby sehr zur Freude ihrer stolzen Besitzer ab. Berühmte Jäger, die ihre .416 Rigby überaus zu schätzen wussten, waren: Tony-Sanchez Arino, Harry Selby, John Taylor, Harry Manners und Buzz Charlton. Als in den 1960er Jahren die Firma Kynoch die Munitionsfertigung für dieses und andere Kaliber komplett eingestellt hatte, wurden noch verfügbare Packungen wie Goldstaub gehandelt. 

Patronen für die Großwildjagd Teil 2: Kaliber .416 Rigby – Eine Universalpatrone für starkes Wild
Bei einer Patronenänge von 91,5 mm der fertigen .416 Rigby, ist eine Presse mit ausreichend Platz im Rahmen nötig. Hier eine Lee Classic.

Wiederladen der .416 Rigby 

Ein Loch in die Wiederladekasse reißt die Anschaffung neuer Hülsen: 50 Stück von Norma kosten 263 Euro, das Stück also 5,26 Euro. Geschosse in .416 gibt es in 350 Grains und 400 Grains von namhaften Herstellern wie Barnes, Degol, Hornady, Nosler, Federal, Swift und Woodleigh. Der Matrizensatz ist im Vergleich zu den übrigen Safari-Patronensätzen deutlich günstiger, sie starten bereits ab rund 90 Euro. Dazu gibt es gleich mehrere Anbieter wie Lyman, Hornady, RCBS und Triebel. Als Presse wird ein Modell mit einem Arbeitsfenster von mindestens 100 mm benötigt. Eine Rock-Chucker reicht hier nicht, wir setzen unsere Lee-Classic-Cast dafür ein. Als Treibladungsmittel eignen sich progressiv abbrennende Sorten, die eine hohe Ladedichte erreichen.

Patronen für die Großwildjagd Teil 2: Kaliber .416 Rigby – Eine Universalpatrone für starkes Wild
Stabile .416 Rigby-Geschosse: links das Hornady Vollmantel, rechts das Swift A-Frame und dazwischen drei aus Kaffernbüffeln geborgene Swift A-Frame-Projektile mit Restgewichten von 91 bis 99%.

Norma empfiehlt MRP und das leider nicht mehr verfügbare MRP2, jetzt als 217 bezeichnet. Vihtavuori hat die Sorten N160 und N165 dafür im Programm. Von Hodgdon bieten sich RL 19, H-4350 und H-4831 an. Bei 90 Grains Pulverchargen und mehr empfehlen sich starke Zündhütchen wie CCI 250 oder Federal 215 M.

Fabrikmunition im Großwildkaliber .416 Rigby

Federal war Mitte der 1980er der erste Anbieter mit frischer .416 Rigby-Munition und erzielte damit traumhafte Einkünfte. Sukzessive folgten viele weitere Anbieter wie Barnes, Norma, Hornady, Swift, Federal und LFB. Alle aufgeführten Hersteller verladen die 400/410-Grains-Version, außer Norma. Hier wird bunt gemischt. Während die Jahre vorher für Teil- und Vollmantel von Woodleigh im gleichen Gewicht (450 grs.) verladen wurden, kommt heute nur noch das schwere 450-Grains-Teilmantel von Woodleigh zum Einsatz, in der Vollmantelversion setzt Norma auf das eigene Solid mit 400 Grains.

Die .416 Rigby in unserer Testwaffe Ruger M77 Mark II Express Magnum

Patronen für die Großwildjagd Teil 2: Kaliber .416 Rigby – Eine Universalpatrone für starkes Wild
Die von einem Büchsenmacher überarbeitete Ruger M77 Mark II Express Magnum in .416 Rigby.
Patronen für die Großwildjagd Teil 2: Kaliber .416 Rigby – Eine Universalpatrone für starkes Wild
Der Mauser Zylinderverschluss mit langem Auszieher der Ruger M77 Mark II Express Magnum. 

Wir konnten eine vom Büchsenmacher überarbeitete Ruger M77 Mark II Express Magnum in .416 Rigby als Testwaffe bekommen. Das Magnum-System mit langem Auszieher wurde poliert und repetierte nun seidenweich. Die horizontale 3-Stellungs-Sicherung blieb erhalten. Über den Lauf wurde ein Sockel mit auswechselbarem Korn und Kornschutz gezogen. Ebenso ein Ring mit Riemenbügelöse. Die ab Werk montierte Kimme wurde durch ein aus dem Vollen gefrästes Express-Modell ersetzt. Die Flanken wurden bewusst getrimmt, um links und rechts vom Zielpunkt ausreichend Sicht zu haben. Dazu gab es noch zwei Klappen für zwei weitere Entfernungen. Diese wurden nicht an das neue Korn angepasst und blieben somit reine Zierde. Mit 4.880 Gramm hat die Ruger beinahe das Idealgewicht von 5 Kilo. Mit einer Recknagel-Schwenkmontage wurde ein 4-12x50 AV von  Swarovski  montiert. Wie bei allen Büchsen aus Nordamerika sind die Hinterschäfte immer viel zu kurz. So auch bei diesem Exemplar mit bescheidenen 345 mm Schaftlänge. Hier muss noch ein 1"-Zwischenstück eingebracht werden. Ruger stattete die Büchse ab Werk bereits mit einer Querstollenverschraubung aus. Wir konnten mit unserer Testwaffe (Ruger M77 Mark II Express Magnum mit 61-cm-Lauf) mit N160 und 400 grs Swift A-frame Projektilen im Schnitt 721 m/s erreichen und waren noch unter dem zulässigen Gasdruck von 3.200 bar. Dagegen war die Geschwindigkeit bei N560 marginal langsamer. Noch ein Quäntchen mehr an Leistung lässt sich mit N165 herauskitzeln. Damit die Pulversäule von 93 Grains sauber zündet, kamen Magnum-Zünder CCI 250 zum Einsatz. Um ein Wandern der Projektile zu verhindern, empfiehlt sich ein kräftiger Rollcrimp. Natürlich spürt man einen Schuss mit einer .416 Rigby in der Schulter, wobei das Schussverhalten aber keinem Tritt, sondern eher einem erträglichen Schub nach hinten gleichkommt. Bezüglich der Geschossverträglichkeit und Präzision ist die .416 Rigby unempfindlich. Egal, ob Teilmantel oder Vollmantel, ob 400 grs oder 410 grs schwer, die Treffer liegen auf 100 Meter zusammen. Für ein Üben am Schießstand bieten sich 350-grs-Geschosse an. Für die Jagd sollte auf einen Geschossgewichtsmix verzichtet werden, da erfahrungsgemäß just in dem Moment, wo es benötigt wird, sich garantiert das falsche Projektil im Patronenlager befindet. Mit etwas Übung am Schießstand ist eine .416 Rigby von jedem präzise zu schießen. Selbst ein Einschießen des Zielfernrohrs auf 100 m im Sitzen ist möglich, ohne Blessuren davonzutragen. Nach Auffassung des Verfassers ist es wirklich das Allroundgewehr, wenn auf starkes Wild gejagt wird. Der Berufsjäger freut sich, wenn der Jagdgast mit seiner Waffe geübt hat und damit vertraut ist. Lieber etwas weniger Leistung und dafür platzierte Treffer als hunderte von Joule mehr an der Mündung und damit nur Luftlöcher zu produzieren.

>>> Alle im Artikel genannten Ladedaten ohne Gewähr. Jeder Wiederlader handelt eigenverantwortlich! <<<

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Die Ruger Big-Bore-Büchse besitzt die vorteilhafte, horizontale Drei-Positionen-Sicherung. In der vorderen Position ist die Waffe entsichert, in der Mittelstellung ist der Abzug blockiert und die Kammer kann geöffnet werden und in der hinteren Position sind Abzug, Schlagbolzen und Kammer blockiert.

Fazit: Die Jagd mit der .416 Rigby

Die .416 Rigby produziert je nach Geschossgewicht Energien von rund 6.300 bis 6.900 Joule, verfügt über ausreichend Reserven, schießt präzise und bringt Wild – platzierte Treffer vorausgesetzt – sicher zur Strecke. Die Vielseitigkeit der Patrone erlaubt es, auf starke Braunbären, Großkatzen, Büffel und noch stärkeres Großwild zu waidwerken. Fabrikneue Repetierer von Großserienherstellern sind allerdings nicht auf dem Markt vorhanden. Hier bleibt nur noch der Gebrauchtwaffenmarkt oder der Gang zu etablierten Manufakturen und Büchsenmachern. Das Angebot an Fabrikgewehren in .416 Remington Magnum ist hier größer, weshalb wir uns im nächsten Teil dieser Serie der vergleichsweise jungen Patrone widmen werden.


Dieser Artikel erschien auch in der caliber, Ausgabe 6-7/2025. Er enthält zusätzlich noch weitere Zeichnungen und einen sehr interessanten Exkurs zur .378 Weatherby Magnum. Sie können das Heft im VS Medien-Shop online kaufen. Dort steht es auch als ePaper zur Verfügung.