
Vor 70 Jahren stellte Winchester das neue Kaliber .458 Winchester Magnum zusammen mit der Zylinderverschlussbüchse Modell 70 African vor. Mit den gleichen Ansätzen, mit denen schon William Jackmann Jeffery 45 Jahre früher mit der .404 Jeffery ins Rennen ging (dazu mehr in einem der nächsten Teile diese Serie), entwarf das US-Unternehmen eine Ersatzpatrone für die immer rarer werdenden und bald nicht mehr verfügbaren englischen Großkaliber. Damit wollte Winchester die alten britischen Zöpfe endlich abschneiden. Vorbei waren die Zeiten, in denen immer teurere Doppelbüchsen wie Goldstaub gehandelt wurden und die Munition dazu noch schwerer aufzutreiben war. Der "neue" Jagdgast auf dem afrikanischen Kontinent führt eine Repetierbüchse, die Munition musste auf den Namen Magnum lauten und die Hülse, wie auch der Jäger, einen Gürtel tragen. Basta!
Die Rezeptur: Man nehme eine .375 H&H Magnum, weite diese auf den Durchmesser .458" (11,6 mm) auf und kürze die Hülse, bis die fertige Patrone in ein Standardsystem passt. Als Vorbild hinsichtlich der ballistischen Leistung sollte die .450 Nitro Express von Rigby dienen. Ursprünglich betrugen die Standardgewichte des Vollmantelgeschosses 500 Grains (32,4 Gramm) und des Teilmantelprojektils gar 510 Grains (33 Gramm). Somit ragte ein beträchtlicher Teil des Geschosses in die Hülse und reduzierte den Pulverraum, sodass für die 63,5 mm kurze Hülse ein ziemlich flottes Treibmittel gefunden werden musste. Mit einem feinen, gut dosierbaren Kugelpulver wurden die ersten Munitionslose gefertigt und in der Fachpresse gefeiert, hielt der stabile Repetierer dem höheren Gasdruck im Vergleich zu einer Doppelbüchse doch sehr gut stand.
Starker Wind oder laues Lüftchen? Die .458 Winchester Magnum im Detail

Die schweren Geschosse der .458 Win. Mag. (11,6 x 63,5 mm) sollten laut Herstellerversprechen aus einem 24"- beziehungsweise 610-mm-Lauf eine Geschwindigkeit von 622 m/s und somit 6.090 Joule Energie realisieren. Gemessen wurden stattdessen dünne 579 m/s. Doch Winchester hatte die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Im warmen Afrika stieg der Gasdruck spürbar an. Die beinahe zylindrische Hülse klebte zum Ärger der Jäger förmlich an der Patronenlagerwand fest. Doch damit nicht genug, die Fabriklaborierungen waren derartige Pressladungen, dass die Geschosse mit der Zeit aus den Hülsen herausgedrückt wurden. Wer nun glaubt, dies sei es gewesen, wird staunen. Das dritte Phänomen war, dass die gepressten Pulversäulen im Laufe der Zeit begannen zu verklumpen. Dagegen waren dann die Anzündhütchen machtlos. Häufig wurde von Nachbrennern und schlappen Schüssen bis hin zu völlig ungenügenden Tiefenwirkungen im Wildkörper berichtet. So schnell konnte Winchester gar nicht nachbessern wie zügig die hochgelobte .458 Win. Mag. in der Versenkung verschwand. Damals standen die Gewehre in diesem Kaliber wie Blei in den Regalen der Waffenhändler. In der Folge wurde das Geschossgewicht reduziert, um den Pulverraum in der Gürtelhülse zu vergrößern, wobei man sich letztendlich auch des originalen Geschossgewichtes der .450 N.E. von 480 Grains (31 Gramm) besann. Es dauerte viele Jahre, bis modernere Treibladungsmittel zur Verfügung standen, die dafür sorgten, dass die drei damaligen Startprobleme der Vergangenheit angehörten. Heute funktioniert jede Fabrikpatrone in Afrika, die es beispielsweise von Barnes, Federal, Hornady, Kynoch, LFB, Norma oder Swift gibt. Der schwedische Hersteller Norma führt die .458 Win. Mag. mit 500 Grains Vollmantelgeschoss aus monolithischem Messing, 500 Grains Swift A-Frame-Geschoss oder gar 550 Grains Woodleigh-Teilmantelgeschoss im Programm. Aus Gewehren in den Kalibern .458 Lott und .450 Ackley Magnum kann als Notbehelf auch die .458 Win. Mag. verschossen werden, sollte einmal ein Munitionsengpass bestehen. Ob dadurch das Patronenlager Schaden nimmt, wollten wir nicht austesten.

Wiederladen der .458 Win. Mag.
Um die Patrone mit zylindrischer Hülse und Gesamtlänge von 84,8 mm in Eigenregie herzustellen reicht eine simple Einstationenladepresse wie die RCBS Rock Chucker aus. Für den Großverbraucher bietet Dillon für die RL550-Progressivpresse sogar einen Kaliberumrüstsatz (Conversion Kit) für 125,- Euro an. Der dreiteilige Matrizensatz kostet bei RCBS 103,- Euro, Redding berechnet dafür 105,- Euro und Hornady nimmt nur 95,- Euro. Hülsen gibt es zum Beispiel von Hornady und Norma, wobei für ein Einzelexemplar 4,10 Euro fällig werden. Stabile Geschosse liefern Barnes, Degol, Nosler, Hornady, Federal, Swift und Woodleigh. Als Treibmittel sind offensive Sorten wie Norma 201 und 202, Vihtavuori N130, N133 oder Hodgdon H335 gut geeignet. Weitere Standard-Ladeausrüstung wie der günstige Hülsentrimmer von Lyman, dessen variable Spannzange die Gürtelhülse sicher für die Längentrimmung fixiert, kann ebenso wie der Pulvertrichter genutzt werden.

Seriengewehre für die .458 Winchester Magnum
Nach unserem Wissen sind nur die Blaser R8 Safari Kilombero und Winchester 70 als neue, serienmäßige Repetierer in .458 Win. Mag. auf dem Markt verfügbar, die CZ Classic II-Baureihe lässt immer noch auf sich warten. Anders sieht es auf dem Gebrauchtwaffenmarkt aus, auf dem man beispielsweise Büchsen wie die Frankonia Favorit sowie von Mauser, Remington oder Ruger entdeckt. Wer damit auf schwergewichtiges Wild jagen will, dem sei dringend ans Herz gelegt, damit auch ausgiebig auf dem Schießstand zu trainieren. In unseren Schießkursen für Auslandsjäger und auch bei Wettkämpfen für angehende Großwildjäger, in denen auf die „Big Five“ in Form von Papierscheiben Jagd gemacht wird, sehen wir oft die Unzuverlässigkeit von immer den gleichen Herstellern. Die Probleme sind zumeist identisch: Es mangelt an der störungsfreien Zuführung, dem sicheren Auswerfen oder Zielfernrohrmontagen lockern sich im Schuss. Alles Mankos, die von einem kompetenten Büchsenmacher aus der Welt geschafft werden können.
Die Testwaffe zur .458 Winchester Magnum: Mauser 66


Wir konnten mit unserer Mauser 66 mit Teleskopverschluss und 25" (650 mm) langem Lauf, Baujahr 1970, bei Verwendung von Hodgdon H335 und 500 grs schweren Hornady Vollmantelgeschossen eine gute Präzision erzielen. Empfehlenswert ist auch das Vihtavuori N530. Bei Pulverchargen von 60 bis 75 Grains sind Magnum-Zündhütchen ein probates Mittel, um die Energie zu entfachen. Um ein Rutschen der Projektile im Magazin zu verhindern und für eine gute Umsetzung der Pulversäule empfiehlt sich ein kräftiger Rollcrimp. Das bündig mit der Schaftunterseite abschließende Magazin nimmt drei dicke Pillen in versetzter Anordnung auf. Laden und Zuführung ließen keine Klagen aufkommen. Um den Rückstoß etwas zu dämpfen, wurden links und rechts vom Kornsockel je zwei „MagnaPort“-Schlitze in den Lauf erodiert. An den Prallflächen stoßen die heißen Pulvergase und zähmen dadurch etwas den Rückstoß. Doch der daraus entstehende Nachteil ist das deutlich lautere Schussereignis. Die durchschnittlich 3 bis 6 dB mehr mögen auf den ersten Blick wenig erscheinen, 10 dB bedeuten aber eine Verdopplung der Lautstärke! Viele Jagdhelfer in Afrika haben durch Big-Bore-Gewehre mit Kompensatoren einen Tinnitus davongetragen. Unsere Empfehlung: Lieber ein kleineres Kaliber sicher schießen und handhaben, anstatt mit solchen „Hilfsmitteln“ zu arbeiten und dabei umstehende Beteiligte zu gefährden. Bedingt durch ihre nicht optimale Schäftung tritt die 66er aus Oberndorf kräftig aus. Von mit Metallkugeln gefüllten Rohren im Hinterschaft halten wir überhaupt nichts. Diese erhöhen zwar das Waffengewicht, ruinieren aber die Balance. Einige versierte Wiederlader setzen bei der Drückjagd auf Schwarz- und Rotwild reduzierte .458 WM-Ladungen mit 350 Grains Geschossgewicht mit großer Zufriedenheit ein. Fluchtstrecken gibt es selten, die meisten Stücke liegen am Platz, so die Rückmeldungen.
Das Fazit zur .458 Winchester Magnum
Die .458 Winchester Magnum hat ein gutes Comeback hingelegt und bietet ausreichend Leistung, um bei sauber platzierten Schüssen auch das schwerste Großwild zu erlegen. Mit leichteren Geschossen kann diese Patrone sogar auf heimischen Drückjagden verwendet werden. Auf der Basis der .458 Win. Mag. haben sich etliche Wildcats etabliert, eine einzige davon hat den Durchbruch wirklich geschafft: die .458 Lott. Dieser kräftigen Patrone widmen wir uns in der nächsten Folge unserer Safari-Reihe.
Dieser Artikel stammt aus der caliber 11+12/2025. Dort sind zusätzlich zwei Exkurse zum Wildhüter Ron Thompson und einem langgedienten 98er aus Ostafrika enthalten. Das Heft können Sie im VS Medien-Shop online kaufen. Dort steht es auch als ePaper zur Verfügung.
Im Artikel erwähnte Ladedaten ohne Gewähr. Jeder Wiederlader handelt nach dem Gesetz eigenverantwortlich!
Die bisherigen Teile der Serie:
- Teil 1: Kaliber für die Großwildjagd – .375 Holland & Holland Magnum als Allround-Patrone für die Jagd in Afrika
- Teil 2: Kaliber für die Großwildjagd – .416 Rigby als Universalpatrone für schweres Wild
- Teil 3: Kaliber für die Großwildjagd – .416 Remington Magnum: von der Wildcat zur Fabrikpatrone
- Teil 4: Kaliber für die Großwildjagd – .460 Weatherby Magnum
- Teil 5: Kaliber für die Großwildjagd – .500 Nitro Express










