Patronen für die Großwildjagd, Teil 10: .500 Jeffery vs. 12,7x70 Schüler – die verwirrende Geschichte der Kaliber

Für die professionelle Elfenbeinjagd kam die Patrone .500 Jeffery viel zu spät auf den Markt. Noch heute ist man sich nicht einig, wer denn diese Patrone überhaupt erfunden hat. Die deutsche Bezeichnung lautet 12,7x70 Schüler, oft auch fälschlicherweise als 12,5x70 Schüler bezeichnet. William Jeffery aus London machten daraus die .500 Jeffery Rimless. Vielfach wird behauptet, dass die beiden Kaliber absolut identisch sind und aus jeder Büchse in einem dieser Kaliber verschossen werden können.

Richard Schüler: Der Mann hinter der Patrone

Patronen für die Großwildjagd, Teil 10: .500 Jeffery vs. 12,7x70 Schüler – die verwirrende Geschichte der Kaliber
Die Büchsen von August Schüler schafften es ins Mauser-Buch (Foto). Ihr besonderes  Merkmal war das überstehende, einreihige Magazin mit untenliegender Verriegelung.

Friedrich Wilhelm Schüler, Sohn des Schäftermeisters Ernst Friedrich Schüler (1781-1829), gründete 1835 in der Judithstraße 22 in Suhl eine Waffenfabrik. Da der Firmengründer bereits 1850 verstarb, führte sein Bruder August Gottlieb (1819-1909) das Geschäft unter seinem Namen alleine weiter. Seine beiden Söhne Oskar und Richard waren ebenfalls im Unternehmen tätig. Bereits zur Jahrhundertwende zog man in die Roschstraße 13 in die heute nicht mehr existierenden Gebäude der ehemaligen Gewehrfabrik Stobbe um. 1913 verließ Oskar die Firma und der findige Entwickler Richard Schüler führte das Unternehmen allein weiter. Bereits 1908 wurde ein drehmomentfreier Kippblockverschluss von Schüler vorgestellt. Nach einigen technischen Änderungen wurde dieser 1910 dann als Herkulesverschluss bezeichnet. Technisch eine echte Innovation, nur leider aufwendig in der Umsetzung. Letztendlich konnte sich diese Konstruktion nicht durchsetzen. Schüler war natürlich auch nicht entgangen, dass es Jäger in die Ferne hinauszog, um dort starkes und stärkstes Wild zu bejagen. Folglich entstand ein Bedarf nach entsprechenden Waffen und Munition. Im Handel gab es bereits Stahlmantelgeschosse im Kaliber 11,2 mm. Schüler erkannte, dass lediglich eine starke Hülse fehlte, die eine satte Ladung rauchlosen Pulvers aufnehmen konnte und aus einem Repetierer verschossen werden sollte. Als Grundidee griff er auf die Mauserpatrone Modell 71 (11,15x60 R Mauser) zurück. Die Patronen 11,2 mm passten noch in Standard 98er-Systeme. Um die Modifikationen am System 98 nicht ausufern zu lassen, verpasste Schüler dieser Patrone einen hinterschnittenen Hülsenboden und erreichte damit, dass die Patronen mit einem 98er-Ladestreifen aufgenommen werden konnten. Er nannte die Patrone 11,2x60 Schüler und eine Randversion für Kipplaufwaffen folgte ebenfalls. Diese wurde mit dem Deutschen Reich Gebrauchsmuster Nr. 239 127 geschützt. Die Zuordnung der Patentnummern zum Ausgabejahr ergibt sich mit 1905. Somit ist die Einführung der ersten Schülerpatrone zeitmäßig belegt. Nur vier Jahre später stellte Westley Richards deren Entwicklung, die .425 Westley Richards, vor. Es kann purer Zufall sein, dass diese Patrone ebenfalls einen „rebated rim“ hat und auch zahlreiche andere Maßübereinstimmungen mit der 11,2x60 aufweist. Selbstverständlich bot Schüler auch Repetiergewehre für seine Patrone an. Dafür modifizierte er Mauser Repetierer 1898. Für die Schaffung eines passenden Magazinkasten für großkalibrige Patronen und der dazugehörigen Verschlusshülse, so der Patenttext, erhielt er am 30.01.1905 ein weiteres Patent mit Nr. 243214. Die nächste Patrone war die ebenfalls auch als Randversion erhältliche 11,2x72 Schüler, die in den Leistungsbereich der .416 Rigby und der .425 Westley Richards vorstieß. Die Firma Burgsmüller bot 1926 gleich drei Doppelbüchsen für den Großwildjäger mit den sehr lokal begrenzten, aber verheißungsvollen Namen „Jura“, „Karpathia“ und „Wetterstein“ an. Somit kann davon ausgegangen werden, dass Schüler die Randversion 1925 offiziell vorgestellt hat.

Schülers Meisterwerk: Die 12,7x70 Schüler

Patronen für die Großwildjagd, Teil 10: .500 Jeffery vs. 12,7x70 Schüler – die verwirrende Geschichte der Kaliber
Schülergeschichten (von links): Als Vergleichsobjekt eine .308 Winchester sowie eine 11,2x72 Schüler, 12,7x70 Schüler und .500 Jeffery.

Schüler muss den Boom der Elfenbeinjagd verschlafen haben, denn sein Meisterstück in Gestalt der 12,7x70 Schüler kam viel zu spät auf den Markt. Da waren die Großwildjäger, die sich der professionellen Elfenbeinjagd gewidmet hatten, schon längst wieder zu Hause. Aus einem überlangen 700-mm-Lauf soll die Patrone (Laborierungsnummer 150) gewaltige 760 m/s mit einem 535 Grains (34,6 Gramm) schweren Geschoss bei über 10.000 Joule Energie geliefert haben. Da können sich die US-amerikanischen Gasdruckbomben à la Weatherby und A-Square warm anziehen. In Schüler-Anzeigen wurden alle anderen Hauskaliber mit metrischen Maßen versehen, nur das stärkste Kaliber wurde anglo-amerikanisch als .500 Schüler bezeichnet. Ein Marketing-Gag, Unwissenheit oder taktisches Spielchen? Hier bietet sich ein großes Spielfeld für Spekulationen. Das neue Kaliber wurde 1927 in der Zeitschrift "Der Waffenschmied" erstmals beschrieben. Nachweislich exportierte Schüler seine Büchsen in den Kongo. Dies ist in einem Brief vom 18.11.1928 dokumentiert. Doch Schüler lieferte nicht direkt dorthin. Das übernahm ein Hamburger Spediteur, der die Waffen an A. Heyer & Co. in Nairobi, Kenia, versandte. Von dort aus haben die Büchsen ihren Weg in den Kongo gefunden. Wenn bereits 1928 Waffen in diesem Kaliber verkauft und exportiert wurden, muss es auch Munition dafür gegeben haben. Es verwundert, dass die RWS erst 1940, also 12 Jahre später, Munition anbieten wollten. Bis vor WW II sind nur Patronen mit der Bodenaufschrift .500 oder Schüler .500 Gecado bekannt. Gecado war der Firmenname von G. C. Dornheim in Suhl. Der britische Munitionshersteller Kynoch behauptet, dass alle Patronen mit der Bodenaufschrift „.500“ von Kynoch stammen, die mit Cordite in England geladen wurden. Durch die doppelte Verwendung (bei Gecado und Jeffery/Kynoch) ließe sich auch die Aufschrift .500 ohne weitere Zusätze erklären. Die Firma Gecado arbeitete eng mit RWS zusammen. So eng, dass Gecado noch vor 1939 von RWS gekauft wurde. Dies führt zur nächsten Annahme: Eine RWS-Zeichnung aus dem Jahr 1940 konnte auf Basis der Gecado Produktion entstanden sein. Leider vereitelte der Zweite Weltkrieg die Fertigung dieser Patrone durch RWS. Gecado soll viele Patronen davon hergestellt haben, die heute für einen Stückpreis von 140 Euro gehandelt werden!

Romey & DCL: Fabrikpatronen in .500 Jeffery

Von 1989 bis 1994 waren Romey und Little ein Team. Romey stellte Patronen her, die dann Little mittels seiner Firma DCL Sporting Guns vertrieb. DCL steht für David C. Little, dem jetzigen Besitzer von Kynamco Ltd. Im Februar 1991 bestellte Little bei Romey eine überschaubare Anzahl von Patronen in .500 Jeffery. Romey konnte weder auf CIP-Unterlagen noch auf andere Maßtafeln zurückgreifen. Nach Fertigstellung des Loses erfolgte am 12. Juli 1991 die Beschussprüfung im Beschussamt in Birmingham. Neun Patronen aus diesem Los wurden im dort vorhandenen Messlauf geschossen, die Geschwindigkeit und der Gasdruck gemessen. Das Beschussamt führte das Kaliber mit .500 Jeffery auf. Die gemittelte v0 lag bei 692 m/s, der Gasdruck lag im Mittel bei 13,8 TPSI (max. erlaubt waren 16 TPSI; tons per square inch). Die Messungen wurden mittels Kupferstauchzylinder durchgeführt. Alle Testpatronen passten ins Lager des Messlaufes, der mit .500 Jeffery gekennzeichnet war. Alle Hülsen ließen sich ohne merkliche Anstrengungen nach dem Schuss aus dem Lager entnehmen. Auch konnten keine Verformungen an den Hülsen festgestellt werden. Um die Daten festzuhalten, sollte Little mit dem Zuständigen im Beschussamt Birmingham die Patrone für die CIP zulassen. Doch dazu kam es nicht. Eine Langzeiterkrankung des Bearbeiters verhinderte dies. Zudem endete die Zusammenarbeit zwischen Romey und DCL. Vom ursprünglichen Los von 7.500 Patronen mit Hülsenbodenstempel WR = Wolfgang Romey erwarb DCL 3.000 Patronen und 1.000 Hülsen für Wiederlader. Diese 3.000 Patronen wurden, nachdem Little die Namensrechte von Kynoch erwarb, ab 1994 unter diesem Label vertrieben. Die Hülsen verlud Little bis 1998 und verkaufte diese als .500 Jeffery. Auch diese geladenen Patronen wurden in Birmingham mit zehn Patronen erfolgreich geprüft.

Verwirrung pur: Die Geschichte der Kaliber .500 Jeffery und 12,7x70 Schüler

Plötzlich tauchte eine auf den 21.08.1928 datierte Kynoch-Zeichnung auf. Interessant hierbei, dass in den Kynoch-Produktionslisten nie eine .500 Jeffery aufgeführt war. Über Jahrzehnte wurden einige Büchsen in diesem Kaliber gefertigt. Nach welchen Abmessungen, wenn die Patrone nicht standardisiert war, hatten die Manufakturen dann die Patronenlager geschnitten? Griffen diese auf fertige DCL-Patronen zurück und hatten diese vermessen? Folgende Firmen fertigten Waffen in .500 Jeffery: Westley Richards, Purdey, Holland & Holland, Hartmann & Weiß und Ritterbusch. Auch in Belgien, USA, Südafrika, Namibia und Frankreich wurden Büchsen hergestellt. Ziel der CIP war es, beide Patronen zu einer einzigen Patrone zu vereinheitlichen. Ähnliches wurde bereits bei der .404 Jeffery und der 10,75x73 mm durchexerziert. Nach der CIP Zulassung häuften sich die Beschwerden, dass die DCL/Romey-Patronen in manchen Waffen, deren Lager nach .500 Jeffery geschnitten wurden, nicht zu laden seien. Der Beschusslauf in Birmingham existiert nicht mehr. Angeblich war dieser schon sehr alt, häufig genutzt und wurde deshalb ausgesondert. Diese Aussagen sind merkwürdig, da lediglich 25 Büchsen (21 von Jeffery, 3 von Gibbs und 1 von Westley Richards) auf der Insel hergestellt wurden. Lächerliche 25 Gewehre plus einige Exemplare von Schüler und Krieghoff entkräften die Behauptung, dass der Messlauf aufgrund von Überbeanspruchung ausgeschossen war. Auf jeden Fall decken sich die Abmessungen der Romey-Patronen nicht mit den .500-Jeffery-Abmessungen, die auf der IWA plötzlich mittels Zeichnung von Kynoch aufgetaucht waren. Zwar steht auf der Kynoch-Zeichnung das Datum 21.08.1928, doch Papier ist bekanntlich geduldig. Es fällt eine Anmerkung auf der Zeichnung links oben ins Auge. Dort hat jemand am 10.11.1928 die (frei übersetzte) Anmerkungen eingetragen: "Die Abmessungen der Schulter wurde geändert und deshalb muss auch die Schulterlehre modifiziert werden."

Die 12,7x70 Schüler ist nach Faktenlage ein Kind von Schüler, was folgende Beweise untermauern: Der Vorgänger in Form der 11,2x72 Schüler stammt von Schüler. Die 12,7x70 Schüler verfügt ebenfalls über den zurückgesetzten Hülsenboden. Aufgrund der geringen Hülsenlänge kann die Schüler-Patrone überhaupt nicht mit Cordite versorgt werden, da das Fassungsvermögen derart klein ist. Nicht umsonst haben die Nitro-Express-Patronen die gewaltigen Hülsenlängen von 76 mm, 82,5 mm und 88,9 mm. Zudem gab es Deutschland zu dieser Zeit kein Cordite als Treibladung. Belegt ist, dass Schüler bereits 1928 Waffen dafür eingerichtet hat und die Patrone mit 118 Grains (7,6 Gramm) Blättchenpulver geladen wurde. Deshalb muss es auch dafür Munition gegeben haben, sonst hätte ein Export nach Kenia und in den Kongo wenig Sinn gemacht. Stellt sich nur die Frage, woher Schüler die Geschosse im Diameter .510 hatte. Aus Jagdberichten ist zu entnehmen, dass die Wandstärke der Projektile der Schüler-Patrone dünn war und somit beim Aufprall auf Großwild nicht die gewünschte Leistung entwickelte. Mit diesem Problem hatten einige andere Munitionshersteller ebenfalls zu kämpfen. Während die Patrone eine sehr gute Performance ablieferte, konnten die damaligen Geschosse, gerade bei höheren Auftreffgeschwindigkeiten, nicht mithalten. Es ist schade, dass damals niemand auf die Idee kam, die .416-Rigby-Geschosse einmal durchzusägen und die Wandstärken zu messen. Dieses Ergebnis hätte die Entwicklung positiv beeinflusst. So hat es lange gedauert, bis adäquate Geschosse zur Verfügung standen. Jeffery, exakter formuliert der Büchsenmacher Lennard Fischer, fertigte 21 Waffen vor dem WW II und ließ weitere drei davon bei Gibbs in Bristol komplettieren.

Patronen für die Großwildjagd, Teil 10: .500 Jeffery vs. 12,7x70 Schüler – die verwirrende Geschichte der Kaliber
Die Wandstärke einer .500-Jeffery-Hülse ist beachtlich.

Nun folgt eine gewagte Theorie. Was spricht gegen die Annahme, dass Schüler respektive der Munitionshersteller Gecado seine Hülsen ohne eingezogene Schulter auf die Insel exportierte, dort Jeffery oder Kynoch diese mit Cordite füllten, als Abschluss eine Scheibe hinzufügten, die die Stränge Richtung Patronenboden drückten, anschließend den Hülsenhals umformten und abschließend das eigene Geschoss setzten? Bereits vollkalibrierte Hülsen erlauben nicht das Laden der Patrone mit Cordite. Romey ist der Ansicht, dass dies nicht der Fall war, denn nach der Umformung am Hülsenhals und der Schulter musste dieser Bereich erwärmt werden. Mit Cordite in der Hülse ist das ein gefährliches Unterfangen. Es wird gemutmaßt, dass Gecado rund ⅔ des Loses mit Blättchenpulver hergestellt hat, das restliche Drittel ging nach England und wurde dort mit Cordite befüllt. Kynoch dagegen versuchte durch Vergleich der beiden Waffen den Unterschied zu erklären. Schüler-Büchsen, auch solche aus Krieghoff-Fertigung, verwendeten ein Standard 98er-System. Es gab schlichtweg keinen Magazinkasten, der diese dicken Patronen aufnehmen konnte. Deshalb wurden die Patronen in den Jumbo-Büchsen einfach übereinandergelegt. Der einreihige Magazinkasten mit Kapazität für drei Patronen stand auf der Unterseite des Schaftes über. Damit die Kammer die Patrone nach Verlassen des Kastens sicher zuführte, wurde an der rechten Hülsenwand eine federbelastete Klammer eingesetzt, die die Patrone führte. Erst beim Verriegeln schnappte der Auszieher über die Rille des Patronenbodens. Es war auch eine Auskehlung auf der rechten Seite des Patronenlagers eingebracht, um dem Auszieher ausreichend Raum zu bieten. Sobald die Kammer die Patrone über die Rampe ins Lager schiebt, senkt sich diese am Stoßboden ab. Ohne die Klammer würde die Kammer über die Patrone rutschen und diese sich im Schacht verkeilen. Für diese geradlinige Zuführung war ein steiler Schulterwinkel kein Nachteil. Deshalb hatte die Schüler-Patrone einen Schulterwinkel von 47°.

Jeffery verwendete ausschließlich Mauser Magnum-Systeme. Folglich kamen die Mauser-Magazinkästen mit der zweireihigen Anordnung der Patronen zum Einsatz. Um die Zuführung so geschmeidig wie möglich zu gestalten, wurde der Schulterwinkel auf flache 25° reduziert. Die Fertigungsbücher von Jeffery befinden sich alle bei Holland & Holland. Demzufolge verkaufte Jeffery die erste .500-Jeffery-Büchse bereits 1927. Die erste Aufzeichnung von Schüler für dessen Patrone datiert auf den 18.11.1928. Die Kynoch-Zeichnung BK82/132 der Patrone .500 Jeffery stammt vom 21.08.1928, während die RWS-Zeichnung Nr. M466 am 18.07.1940 erstellt wurde. Trotz Zeichnungen von Kynoch gibt es weltweit keine einzige Hülse aus dieser Zeit mit einem Bodenstempel Kynoch. Es gibt nur welche mit .500 oder Schüler .500 Gecado.

Um dem ganzen Durcheinander Einhalt zu gebieten, entschied sich die CIP zur Homologation beider Kaliber. Die 12,7x70 Schüler wurde am 27.01.1998 standardisiert, die .500 Jeffery folgte am 12.01.1999.

Dieser Prozess zog sich einige Jahre hin, da anfangs keine Einigung wegen des maximal zulässigen Gasdrucks bestand. Wie wir wissen, wurde auf der Insel jeher mittels Kupferstauchzylinder gemessen, und zwar am Stoßboden. Die CIP verlangt aber eine Messung mittels Piezodruckaufnehmers am Umfang der Hülse. Auch wurde viel diskutiert über die Schulterwinkel und die Konizität der Hülse. In einem Brief der CIP am 22.10.1998 an die „Mitstreiter“ Wolfgang Romey, Birmingham Proof House und David C Little wurde darüber informiert, dass der zulässige Gasdruck für beide Patronen mit 3.300 bar identisch sein wird. RWS schlug einen Durchmesser von 12,94 bis 12,98 mm vor, während in England das Maß der .500 NE mit einem Diameter von 12,954 mm (also .510“) favorisiert wurde. Der Kompromiss war 12,96 mm. Somit wären die Abmessungen für Patrone und Patronenlager manifestiert. .500-Jeffery-Patronen können in Lagern einer 12,7x70 Schüler abgefeuert werden. Umgekehrt ist das jedoch nicht möglich. David Little von Kynamco ist ein cleverer Geschäftsmann und hat jedem nicht-CIP Land erzählt, dass die einzig wahre Patrone die .500 Jeffery sei und freundschaftlich sofort seine Zeichnungen übermittelt. Deshalb gibt es heute in den USA, Namibia und Südafrika ausschließlich .500-Jeffery-Büchsen und -Munition. Die Schüler-Version kennt dort niemand. Der belgische Büchsenmacher Harald Wolff (1950-2022) erschuf in den 1990 Jahren eine .500 Jeffery Improved. Die Verbesserung bestand darin, dass die Hülse keinen zurückgesetzten Boden mehr aufwies. Durchgesetzt hat sich dieser gute Ansatz leider nicht. Jenseits des großen Teichs hatte Ed Plummer, Redakteur bei American Hunting Rifles, die gleiche Idee. Waffen für dieses Kaliber basieren auf den CZ 550-Systemen. Ihr war das gleiche Schicksal beschieden wie der .500 Jeffery Improved.

Büchsen in .500 Jeffery & 12,7 Schüler 

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Energiegeladen: Der bildhübsche Repetierer Hausmann & Co in .500 Jeffery in der anderen Seitenansicht.

Von den originalen Schüler-Büchsen, die häufig mit einem Deutschen Stecher (!) ausgestattet waren und unter dem Begriff Jumbo vertrieben wurden, sollen zwischen 100 und 150 Stück gebaut worden sein. Die originalen Vorbilder der .500 Jeffery beziehungsweise 12,7x70 Schüler wiegen alle über 5 kg, manche sogar bis 5,5 kg. Manch eifriger Büchsenmacher musste schnell feststellen, dass es der hinterschnittene Hülsenboden in sich hatte. In der Regel wird der Fehler begangen, indem man ein Standard 98er-System verwendet, das zwar die .500 Jeffery aufnimmt aber nicht die nötige Länge bietet, um vom Magazinschacht während der Repetierbewegung perfekt hinter den nicht rotierenden Auszieher zu gleiten. Gottfried Prechtl charakterisiert dies so: "Die .500 Jeffery braucht Weg, um vernünftig zugeführt zu werden." Die nächste Stolperstelle ist die Rampe hoch zum Patronenlager. Oft zu sehen sind links und rechts im System sitzende Klammern, die verhindern, dass die oberste Patrone im Magazinschacht herausspringt. Die Zuführung ist damit sicherer, da die Patrone höher zu liegen kommt. Nicht ohne Grund berechnet Büchsenmachermeister Prechtl einen Aufpreis, wenn dieses Kaliber auf dem Bestellzettel steht. "Da sind viele Stunden ins Land gegangen, bis ich die Zuführung und die Rampe so perfektioniert hatte, dass der Repetiervorgang dauerhaft zuverlässig funktioniert. Wenn der Kunde es wünscht, lege ich mich in der Werkstatt auf den Rücken und repetiere das ganze Magazin durch die Büchse", sagt Prechtl und grinst dabei über das ganze Gesicht. Oft wird als Notbehelf der L-förmige Zubringer im Magazin gegen einen in U-Form getauscht. Neben Sako führt auch Blaser den Geradzugrepetierer R8 Safari Kilombero in diesem Kaliber im Programm. Ansonsten ist die Liste der Custom-Manufakturen lang: Prechtl, Hartmann & Weiß, Westley Richards, Max Ern, Hausmann & Co, um nur einige zu nennen. Die Nobelschmiede Westley Richards in Birmingham fertigte sogar eine Doppelbüchse. Die Herausforderung war es, zuverlässige Auszieher dafür anzufertigen. Basierend aus Erfahrungen im Kaliber .425 WR wurden die Auszieher einfach maßstabsgetreu vergrößert. Dies dürfte die einzige Doppelbüchse in diesem Kaliber weltweit sein.

.500 Jeffery im Praxistest: Sako 85 Brown Bear 

Wir konnten eine Sako 85 Brown Bear in .500 Jeffery auf 50 m im stehend aufgelegten Anschlag schießen. Die nur 4,1 kg leichte Büchse mit kurzem 56-cm-Lauf und noch kürzerem Hinterschaft (lediglich 34,5 cm) verteilte anständige Ohrfeigen. Die Belastung an der Schulter und vor allem im Kopf war enorm. Das Haupt wird derart stark beschleunigt, dass die Augenlider automatisch zufallen. Es wird im wahrsten Sinne des Wortes dunkel beim Abdrücken. Dieses Gewehr ist für den Berufsjäger gedacht, der die Büchse mehr trägt als schießt. Für einen einmaligen Ausflug nach Afrika wird der Otto-Normal-Jäger damit nicht glücklich werden. Wichtig für eine solche Büchse ist, dass die Teilmantel- und Vollmantellaborierung zusammenschießen, was der Fall war. Die realisierte Ballistik enttäuschte jedoch, lag sie auf dem Niveau einer sich spürbar weicher schießenden .416 Rigby.

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Leichte Finnländerin: Die Sako 85 Brown Bear in .500 Jeffery tritt wie ein Muli.

Wir haben nach dieser schmerzhaften Erfahrung einen Mauser Magnum-Repetierer von Gottfried Prechtl zum Test erhalten, den sich ein erfahrener Jäger hatte anfertigen lassen. Und siehe da: Vernünftiges Gewicht mit 5,17 kg, eine hervorragende Balance, ein 65 cm langer Lauf und ein perfekter Schaft ließen das Probeschießen zur puren Freude werden. Selbst nach 20 verfeuerten kräftigen Eigenlaborierungen waren keine Ermüdungserscheinungen spürbar. Anstatt eines kräftigen Schlags kam nur ein kraftvolles Schieben an der Schulter an, ohne hierbei Schmerzen zu verursachen. Bei perfekter Funktion wurden Gruppen auf 35 m, 50 m und 100 m über die offene Visierung geschossen. Damit wurde nachgewiesen, dass die Expressklappen wirklich korrekt gefeilt wurden. Selbst auf 100 m lagen die 3er-Gruppen zwischen 50 und 70 mm beisammen.

Munition in .500 Jeffery & 12,7x70 Schüler 

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Bei Fabrikmunition in .500 Jeffery offerieren Norma und LFB sowohl Teil- als auch Vollmantelpatronen.

Fabrikmunition ist dünn gesät und gibt es von Kynoch, Labor für Ballistik (LFB), Norma und Swift. Während sich alle an das Originalgewicht von 535 Grains halten, verlädt Norma die von der .500 NE abstammenden 570 Grains Woodleigh-Geschosse. Für Wiederlader gilt: Sämtliche Hersteller von Hülsen und Matrizensätzen orientieren sich an den Jeffery-Abmessungen. Wie unsere Recherchen ergeben haben, ist der Unterschied zwischen beiden Patronen der Industrie durchaus bewusst. So bietet Triebel die passenden Reibahlen und Matrizensätze für beide Kaliber an. RCBS liefert grundsätzlich die .500-Jeffery-Variante beim Matrizensatz. Wer nachfragt, erhält ohne Aufpreis auch die Schüler-Variante. Der Geschossdiameter ist mit .510“ für beide Patronen identisch. Stabile Geschosse, und die sind bei diesem Kaliber und der Geschwindigkeit enorm wichtig, liefern Barnes, Degol, Hornady, Swift und Woodleigh. Hülsen gibt es bei Bell (9,78 Euro pro Stück) oder Norma (7,10 Euro pro Exemplar).

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Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an Geschossen im Kaliber .510 (12,9 mm).

Aufgrund spärlicher Ladedaten entwickelten wir mit Hilfe von Brömel Quickload Eigenlaborierungen mit Vihtavuori N550 und Reload Swiss RS60. Diese Pulversorten erlauben eine hohe Schüttdichte bei einer sehr guten Umsetzung, ohne in der Hülse beim Geschosssetzen komprimiert zu werden. Die Hülsen stammen von Jamison und wurden mit Federal 215M M-Zündern und 535 Grains Degol VM-Geschossen bestückt. Um wandernden Geschossen aufgrund des massiven Rückstoßes vorzubeugen, wurde ein kräftiger Rollcrimp angebracht. Die entsprechende Lee Factory Crimp-Matrize kostet stolze 249 Euro, der RCBS D-Klasse-Matrizensatz sogar 398 Euro, zuzüglich des Hülsenhalters #37 für 15 Euro. Wird nun das ⅞“-14 Bushing aus der Presse ausgedreht, stellt man überraschend fest, dass die Matrize durch das größere 1¼“-12 Gewinde fällt. Ein Blick in den RCBS Katalog lüftet das Geheimnis. Hinter dem Kaliber .500 Jeffery ist ein winzig kleines Sternchen abgedruckt. Die Legende gibt an, dass dafür ein spezieller 1“-Adapter nötig ist. Alle RCBS-Matrizen gibt es im Standardgewinde ⅞“-14 und für ganz große Kaliber in 1¼“-12. Einzig für die .500 Jeffery und .505 Gibbs nutzt RCBS ein 1“-Gewinde. Der Adapter hierfür kostet weitere 50 Euro. Die Berechnung mit Software ist immer eine Näherung und thermodynamische Abweichungen sind zu erwarten.

Im ersten Ansatz lagen wir mit unseren Daten ein bisschen hoch. Der im Beschussamt München ermittelte Gasdruck lag bei rund 3.700 bar und damit 400 bar über dem gesetzlich zulässigen. Während sich die US-Gasdruckbomben von Weatherby bei 4.400 bar tummeln und in Realität selten in den fünfstelligen Energiebereich vordringen, erreichte unsere .500 Jeffery fast die 11.000-Joule-Marke! Daraufhin wurden die Ladungen reduziert und wir erreichten nun im sicheren, zulässigen Druckbereich beeindruckende 9.400 Joule.

Fazit zu den Großwildkalibern .500 Jeffery und 12,7x70 Schüler:

Die Flugbahn der 12,7x70 Schüler und .500 Jeffery mit 535 Grains schweren Projektilen ist sehr gestreckt. Bei korrekt platziertem Treffer bieten diese Patronen aufgrund des Geschossgewichts und -diameters eine ausgezeichnete Stoppwirkung gegenüber starkem und stärkstem Großwild. Allem Anschein nach liegt hier wirklich eine deutsche Entwicklung zugrunde, die lediglich von Jeffery übernommen wurde.

Auch heute noch nutzen einige Berufsjäger dieses Kaliber als Lebensversicherung im afrikanischen Busch. Es sind Berichte von Augenzeugen als auch Filmaufnahmen bekannt, die selbst bei schwerstem Großwild (weißes Nashorn, Nilpferd, Elefant) die beeindruckende Wirkung dieser Patrone bestätigen und die Erlegung mit nur einem Schuss nachweisen. Auf dem Papier übernahm erst die 1957 vorgestellte .460 Weatherby Magnum den Thron der stärksten Büchsenfabrikpatrone, bis sie 1993 durch die mächtige .577 T-Rex abgelöst wurde.