

Roy Edward Weatherby (4.9.1910 - 4.4.1988), ein Farmersjunge aus Kansas, zog im Alter von 35 Jahren nach Hunting Park in Kalifornien und gründete dort 1945 die Firma Weatherby, Inc. Der Geschäftsmann und „Wildcatter“ (also ein Wiederlader, der eigene Patronenkreationen entwickelt) strebte nach Höchstleistungen im Reich der Gewehrkaliber und somit nach maximalen Geschossgeschwindigkeits- und Energiewerten. im Jahr 2019 hat der aktuelle Firmenchef Adam Weatherby das Unternehmen nach Sheridan in Wyoming verlagert.
Zu den Weatherby-Erzeugnissen zählen unter anderem die Weatherby Magnum (WM)-Patronen in chronologischer Reihenfolge: 7 mm WM (1944), .270 und .375 WM (1945), .257 und.300 WM (1948), .378 WM (1953), .460 WM (1958), .340 WM (1962) sowie .224 und .240 WM (1963). Sein Sohn Ed Weatherby ergänzte diese prominente Reihe im Jahre 1989 durch die .416 WM. Die bei allen Weatherby-Patronen anzutreffende Schulter mit Doppelradius soll durch den sogenannten „Venturi-Effekt“ die Strömungsgeschwindigkeit der Pulvergase und damit die ballistische Leistung erhöhen. Den Titel der weltstärksten .30er-Fabrikpatrone musste die .300 Weatherby Magnum erst im Jahre 1996 an die .30-378 aus eigenem Hause abtreten. Die Repetierer von Weatherby und anderen Herstellern für die Hochleistungskaliber besitzen einen langen, flachen Übergang vom Patronenlager in das gezogene Laufprofil. Dieser „Freebore“ soll den kurzzeitig gasdrucksteigernden Geschosseintritt in die gezogene Laufpartie verzögern, um dem Projektil mehr Anlaufzeit ohne Reibungsverlust im Laufprofil zu verleihen. Aktuellste Weatherby-Kaliber wie die 6,5 Weatherby Rebated Precision Magnum (RPM) von 2019 und .338 Weatherby RPM von 2022 weisen nicht die typischen Markenzeichen wie Gürtel oder Doppelradiusschulter auf und die Gewehre müssen auch nicht mit „Freebore“ ausgestattet sein.

Die Patrone .460 Weatherby Magnum im Detail

Die mittlerweile 67 Jahre alte .460 Weatherby-Magnum befindet sich zwar im besten Rentneralter, hat aber von ihrer enormen Leistungsfähigkeit bis heute nichts eingebüßt und bringt aufgrund ihres brutalen Schussverhaltens auch routinierte Schützen an ihre Grenzen. Mit der .460 WM, bei der es sich um eine auf den Geschossdurchmesser .458“/11,6 mm aufgeweitete und mit einem 500-Grains-Geschoss versorgte .378 WM handelt, erklomm Weatherby den Thron der stärksten Patrone, die bis dato serienmäßig hergestellt wurde. Er verwies damit die aus dem Jahre 1903 stammende .600 Nitro Express auf den zweiten Platz. Die .460 WM (11,6x74 mm) mit einem maximalen Gebrauchsgasdruck von 4.400 bar beschleunigt ein meistens 450 Grains/29 Gramm bis 500 Grains/32 Gramm wiegendes Projektil auf rund 800m/s Anfangsgeschwindigkeit und produziert dabei Energiewerte um die 9.000 bis 10.000 Joule. Wie schon bei der fünf Jahre zuvor erschienenen .378 WM hielten die bei der Markteinführung vorhandenen Voll- oder Teilmantelgeschosse den Belastungen nicht stand und verbogen sich oder platzten beim Auftreffen auf schusshartes Wild, was der Reputation nicht gerade zuträglich war.
Das Wiederladen der Patrone .460 Weatherby Magnum

Fabrikmunition mit Hornady Voll- und Teilmantelgeschossen gibt es nicht viel, in Reichweite vor allem von Norma aus Schweden. Dem Vernehmen nach soll jede „Fabrikpatrone“ handgeladen sein, weil die jährliche Produktionsrate für die maschinelle Fertigung einfach zu gering ist. Auch Weatherby bietet auf der Website drei .460er Laborierungen an, einmal mit einem 450-grs-Barnes-Geschoss und zwei 500 grs-Hornady Projektile, alle drei aktuell aber auch nicht lieferbar. Die original beschriftete Weatherby-Hülsen sind zum Beispiel über den deutschen Weatherby-Importeur Helmut Hofmann zu bekommen.
Aufgrund der Patronenlänge von 94,5 mm wird beim Wiederladen eine Ladepresse mit entsprechend lichter Höhe innerhalb des Rahmens benötigt. Unsere Lee Classic Cast leistete hier gute Dienste. Aber auch die Modelle Big Boss oder Ultramag aus dem Hause Redding sind gut dafür geeignet. Matrizensätze der üblichen Verdächtigen (Lee, Hornady, RCBS, Redding) liegen im Preis zwischen 126 bis 157 Euro. Eine Hülse von Norma kostet stolze 6,80 Euro. Aufgrund des gängigen Diameters von .458“ kann auf eine Vielzahl von Premiumgeschossen zurückgegriffen werden: Barnes, Degol, Federal, Hornady, Nosler, Swift und Woodleigh sind hier zu nennen. Als Treibmittel bieten sich Sorten wie Hodgdon H4831, H4350 und H380, IMR 4831, Norma 203 und 204, Reloader RL 19 sowie Vihtavuori N150 und N160 an. Als Zündhütchen empfiehlt sich das Federal 215 M. Ein langer Einfülltrichter sorgt dafür, dass die hohen Pulverchargen gut die Hülse füllen.
Die Großwildbüchse Weatherby Mark V im Detail



Es ist bekannt, dass Weatherby-Gewehre oder Hauptbauteile von unterschiedlichen Herstellern gefertigt wurden. Anfänglich baute Roy Weatherby Custom-Gewehre auf Basis von Mauser-98-Systemen unterschiedlicher Hersteller nach Kundenwunsch. 1956 ging er eine Kooperation mit Schultz & Larsen aus Dänemark ein und nutzte das Modell 54-System als Fundament für seine Büchsen in .378 Weatherby Magnum. Nach vorangegangenen Jahren der Entwicklungsarbeit konnte er zwei Jahre später sein hauseigenes, robustes Mark-V-Zylinderverschlusssystem vorstellen, das einem Gasdruck von bis zu 7.000 bar gewachsen war. Zuerst wurde das Mark-V-System vom Zulieferer Pacific Founders, Inc. in den USA produziert. Aufgrund der steigenden Nachfrage nach kompletten Mark-V-Büchsen schloss er sich mit J. P. Sauer & Sohn in Deutschland zusammen, wo dann die Gewehre gefertigt wurden. Aufgrund gestiegener Herstellungskosten verlagerte Weatherby in den frühen 70er Jahren die Produktion nach Japan. Dort, bei Howa, entstand auf Basis des simpleren Howa-1500-Zylinderverschlusses die preisgünstige Weatherby Vanguard-Gewehrbaureihe.


Der Mark-V-Verschluss mit seinem niedrigem Öffnungswinkel und den drei Gasentlastungsbohrungen weist für die leistungsstarken Kaliber wie .378 Weatherby Magnum neun Verriegelungswarzen und in verkleinerter Ausführung für Varmint-Kaliber wie .224 Weatherby Magnum sechs Verriegelungswarzen auf. Der Howa 1500/Weatherby Vanguard-Verschluss besitzt hingegen nur zwei Verriegelungswarzen. Vor acht Jahren siedelte Weatherby von Paso Robles, Kalifornien, nach Sheridan, Wyoming, um.
Obwohl der Lauf unseres Testwaffe in Gestalt einer Weatherby Mark V in .460 WM eine Länge von 660 mm aufweist, um die Leistung umsetzen und das Mündungsfeuer in Grenzen halten zu können, beträgt die Länge des effektiven, gezogenen Laufinnenprofils nur 615 mm. Denn der Rest des Laufes wurde auf einen Innendurchmesser von 12,15 mm an der Mündung aufgebohrt und hinterdreht, um auf diesen 45 mm noch mehr Volumen für den Integralkompensator zu schaffen. Der weist pro Seite 30 Bohrungen zu je drei Reihen mit 10 Bohrungen mit einem Durchmesser von 2,2 mm auf. Zusätzlich befinden sich beidseitig drei Bohrungen vor dem Kornsockel. Summa summarum insgesamt 66 Bohrungen, die Prallflächen für die reichlich vorhandenen, heißen Pulvergase bieten. Bei examinierten Büchsen aus den 1980er Jahren betrugen die Bohrungsdiameter noch 1,3 mm. Hier hat man offensichtlich nachgebessert und für mehr Prallfläche gesorgt. Dennoch wird damit aus der Raubkatze noch kein Schmusekätzchen. Typisch für Weatherby-Büchsen ist die Monte-Carlo-Schäftung mit obligatorischer weißer Zwischenlage am Vorderschaft und Raute auf der Unterseite des Pistolengriffs.
Das Schießen mit der Patrone .460 Weatherby Magnum
Das Schießen mit originalen Weatherby-Büchsen in .460 WM ist eine Tortur, wobei man im stehend freihändigen Anschlag eine dicke Jacke, viel Erfahrung und Mut benötigt. Ein sitzend aufgelegtes Schießen sollte prinzipiell unterlassen werden. Der Monte-Carlo-Schaft besitzt einen kurzen Abstand zwischen Kappe und Abzug (LOP; Length of Pull) von nur 355 mm, was für uns 20 mm zu wenig sind. Anstatt die vordere Riemenbügelbase mit einem Ring über den Lauf zu ziehen, wird bei der Mark V eine Schraube simpel und günstig im Vorderschaft platziert. Wer seine Büchse nicht mit einem Riemen führt, tut gut daran, die Schraube zu entfernen, um sich vor schmerzhaftem Kontakt im Schuss zu schützen. Die bei Seriengewehren je nach Fertigungsstandort und -jahr nicht immer vorhandene mechanische Visierung eignet sich mit breitem, mattschwarz brüniertem Kimmenblatt und Balkenkorn zwar fürs Scheibenschießen, aber weniger für die Jagd. Bei Zielfernrohren sollte man nur Optiken mit vergrößertem Augenabstand wie das nur noch auf dem Gebrauchtmarkt verfügbare Leupold 2,8-8x32 EER (Extended Eye Relief) nutzen. Aufgrund des enormen Rückstoßes ist es nicht gerade einfach, jeden Schuss sauber und präzise abzugeben. 3-Schuss-Gruppen anstatt der sonst üblichen 5er-Gruppen sind hier völlig ausreichend. Die Konzentration lässt bei diesen Belastungen doch ziemlich zügig nach. Bei der Jagd auf wehrhaftes Großwild liefert die Patrone auch auf 100 Metern immer noch mehr Leistung als manch anderes Großwildkaliber an der Laufmündung.
Dieser Artikel erschien auch in der caliber, Ausgabe 2/2026. Sie können das Heft im VS Medien-Shop online kaufen. Dort steht es auch als ePaper zur Verfügung.
Den Vertrieb von Weatherby-Büchsen an den Fachhandel hat die Firma Helmut Hofmann inne (der Link geht direkt zur Endverbraucher-Preisliste). Weitere Infos zu Weatherby, dem US-Unternehmen und seinen Produkten liefert die englischsprachige Weatherby-Website.
Die bisherigen Teile der Serie:










