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Selbstverteidigung und waffenlose Abwehr Teil 9 - Fortgeschrittene Stock-Techniken

Die Überschrift "Waffenlose Abwehr" passt auch diesmal nicht so ganz, geht es doch nochmals um die Verteidigung mit einem Spazierstock. Eine Sache, die man oft in traditionellen Kampfkünsten sieht, ist das Parieren eines Schlages mit dem Schaft oder Mittelteil des Stocks. Denken wir kurz drüber nach: Der Angreifer ist nah genug an uns, um einen Schlag landen zu können. Unsere Abwehr besteht darin, den Stock vom Boden aus in einem weiten Bogen nach oben zu führen, um seinen Schlag zu blocken. Selbst wenn wir über außergewöhnlich gute Reflexe und stabile Handgelenke verfügen würden, wären unsere Chancen gering, den Angriff des Aggressors rechtzeitig abwehren zu können. Ist man darüber hinaus auch nicht mehr der Jüngste und benötigt den Gehstock auch wirklich als Gehhilfe, schwinden die Chancen der erfolgreichen Defensive noch mehr.

Die Abwehr mit dem Spazierstock anpassen

Parieren eines Schlages.
Wenn der Angreifer zuschlagen will, nutzen wir die fegende Bewegung unserer linken Hand, um seinen Schlag zu parieren.

Erinnern wir uns nun wieder an die im letzten Teil erläuterte MCC Ausgangs- beziehungsweise Schutzstellung und passen wir sie an die Gegebenheiten an: Wir bewegen unsere linke Hand von links nach rechts vor unseren Körper. Diese fegende Bewegung ist sehr instinktiv und in der Körpermechanik der klassischen Abwehr eines Boxers sehr ähnlich. Wenn der Schlag also kommt, leiten wir ihn mit der fegenden Bewegung unserer linken Hand ab.

Schlag mit Stock in Unterleib des Angreifers.
Zeitgleich heben wir mit der Rechten den Stock in Richtung unserer linken Hand, so als wollten wir die beidhändige Schutzstellung mit dem Stock einnehmen. Wir schlagen ihm aber mit dem Stock in den Unterleib.

Zeitgleich führen wir mit der rechten Hand den Stock nach vorne und weil wir ohnehin schon nah am Gegenüber sind, wird er nun unserem Stock im Wege sein. Gut so, denn wir setzen einfach die Bewegung fort und schlagen ihm mit dem Stock in den Unterleib.

Nun ziehen wir den Stock zurück und nehmen unsere Schutzposition wieder ein, um für weitere Aktionen gewappnet zu sein. Setzt der Aggressor erneut zu einem Schlag an, vollführen wir aus der "Guard Position" heraus einen beidhändigen Stoß mit der Stockspitze zu seiner Brust. Kraft und Reichweite dieses Stoßes werden dafür sorgen, dass seine Schlagbewegung nicht nur ins Leere läuft, sondern vorzeitig abgebrochen wird. Diese Taktik ist einfacher zu lernen und  unter Stress auszuführen als ein Abwehrblock und im Normalfall besser dazu geeignet, das Problem schnell zu lösen.

Standardstellung mit dem Gehstock zur Abwehr.
Die mit der hier nochmals gezeigten Schutzstellung startenden Bewegungsabläufe des MCC bieten eine Basis für eine sehr praxisbezogene Schlagabwehr. Haben wir die Möglichkeit, unsere Schutzstellung so schnell einzunehmen, bevor uns der Angreifer mit seinem Schlag erwischen kann, dann vollführen wir einfach einen beidhändigen,...
Stock prallt auf die Brust des Angreifers.
...geraden Stoß mit der Stockspitze in seine Brust während seiner Schlagbewegung. Diese  "Stoppstoß"-Taktik ist die einfachste und effektivste Verteidigung gegen einen Faustschlag. Umso härter er schlägt, desto schmerzhafter ist es für ihn.

Der beidhändige Stoß mit dem Gehstock

Falls es notwendig sein sollte, kann man den beidhändigen, geraden Stoß durch einen Vorwärtsschwinger mit dem Stock auf Schienbein oder Knie des Gegenübers abschließen. Im Bewegungsablauf entspräche dies dann Teil 2 bis 4 unserer im letzten Teil erläuterten MCC Standardsequenz. Die MCC Ausgangs- und Schutzstellung eignet sich auch bestens zur Abwehr eines Angreifers, der versucht, uns mit beiden Händen zu würgen oder am Kragen zu packen. Ist es dem Aggressor bereits gelungen, uns mit beiden Händen zu packen, und wir haben die nötige Bewegungsfreiheit, nach hinten auszuweichen, dann machen wir einen Schritt nach hinten, nehmen unsere "Guard Position" ein und führen sofort unseren beidhändigen Stockspitzenstoß aus, um seinen Griff auszulösen und ihn rückwärts zu treiben. Abgeschlossen wird unverzüglich mit einem Schlag gegen Schienbein oder Knie.

Abfolge Stoß bei Würgeversuch.
Bei einem beidhändigen Würgegriff weichen wir, wenn möglich, nach hinten aus, um Distanz zu schaffen und die Schutzstellung einnehmen zu können. Dann stoßen wir mit dem Stock nach vorne gegen seine Brust oder seinen Halsbereich, um den Griff aufzulösen.

Alternativen für besondere räumliche Umstände

Haben wir aber nicht die Möglichkeit, nach hinten auszuweichen, dann bewegen wir unsere linke Hand über seine Arme und den Stock mit der rechten Hand so weit nach oben, dass wir ihn mit der linken Hand umklammern und mehr oder weniger unsere beidhändige Schutzstellung einnehmen können. Nun befinden sich seine Arme unterhalb unseres linken Armes und des Stocks. Die rechte Hand pressen wir an unsere Hüfte und mit der Kraft der Rückenmuskulatur ziehen wir unseren linken Ellbogen zurück zu unserem Oberkörper. Durch diesen Bewegungsablauf wird der Stock schmerzhaft über die Radialnerven seiner gefangen gehaltenen Unterarme gezogen, was seinen Würgegriff auflöst. Zudem ziehen wir ihn bei geneigtem Oberkörper noch näher an uns heran. Sobald sein Griff aufgelöst ist, stoßen wir ihm den Stockmittelteil beidhändig ins Gesicht. Falls nötig, wird wiederum mit einem kraftvollen Schlag auf Schienbein oder Knie des Aggressors abgeschlossen.

Sequent zur Abwehr eines Würgeangriffs mit dem Gehstock.
Sequent zur Abwehr eines Würgeangriffs mit dem Gehstock.
Sequent zur Abwehr eines Würgeangriffs mit dem Gehstock.
Sequent zur Abwehr eines Würgeangriffs mit dem Gehstock.
Sequent zur Abwehr eines Würgeangriffs mit dem Gehstock.
Sequent zur Abwehr eines Würgeangriffs mit dem Gehstock.
Sequent zur Abwehr eines Würgeangriffs mit dem Gehstock.

Einige Gedanken über den Stock zum Schluss

Auch wenn der Spazierstock ein sehr wirkungsvolles Verteidigungswerkzeug mit großer Reichweite ist, sollte man auch wissen, wie man ihn bei begrenzten Räumlichkeiten im absoluten Nahbereich einsetzt. Das Geheimnis hierbei ist, das Potential der Bewegungen unserer MCC Standardsequenz durch Training zu entdecken, um sie mit einem wachen Geist situationsbedingt effektiv anwenden zu können. Trainiere hart und geh immer auf Nummer sicher.

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