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Dynamisches Kurzwaffenschießen und IPSC-Schießtechniken: der Ziehvorgang

Um  Griff- und Körperhaltung  sowie die Abzugskontrolle ging es in den ersten drei Teilen unserer Serie "Perfektes Pistolenschießen". Der vierte Teil beschäftigt sich mit dem wichtigen Thema des richtigen Ziehens und warum dies entscheidend für gute Zeiten ist. 

Eine andere Sichtweise auf das Ziehen der Waffe im Wettkampf

Bei nahezu jeder IPSC-Stage wird das Ziehen der geholsterten Waffe gefordert und es ist daher elementar wichtig, die Waffe mit einem sicheren, konstanten Griff ziehen und schnell auf das Ziel richten zu können. Obgleich die reine Ziehzeit, gemessen an der Gesamtzeit, in einem Parcours in der Regel nur einen Bruchteil ausmacht, hat diese nach unserer Erfahrung dennoch einen großen Einfluss darauf, wie schnell man allgemein schießen kann. Das macht umso mehr Sinn, wenn man mal eine andere Betrachtungsweise für den Ziehvorgang wählt. Man blickt auf ein Ziel, greift seine Waffe und richtet diese sodann auf das Ziel. Im Grunde genommen handelt es sich also hierbei nur um eine komplizierte Form des Zielwechsels. Zielwechsel hingegen kommen sehr häufig vor, so dass sich ein schneller Ziehvorgang in schnellen Scheibenwechseln niederschlägt und wer schnell Ziele aufnehmen kann, wird auch entsprechend schnell auf der Stage sein. Bei der mittlerweile am häufigsten gelehrten Methode vollzieht sich der Ziehvorgang wie folgt:

Die 5 Schritte des richtigen Ziehens:

Schritt 1 Nach dem Ertönen des Startsignals wird die geholsterte Waffe mit der Schusshand vollständig gegriffen.

Schritt 2 Während die Schusshand den Waffengriff umschließt, wird die Nichtschusshand in Richtung Holsterseite geführt.

Schritt 3 Sobald die Schusshand die Waffe vollständig gegriffen hat, wird die Waffe aus dem Holster gezogen und in den Anschlag gebracht.

Schritt 4 Bei dem "In den Anschlag gehen" wird die Nichtschusshand zur Waffe geführt; man vervollständigt den Griff.

Schritt 5 Wenn sich die Waffe auf Augenhöhe beendet, wird mit dem Zielvorgang begonnen und der Schuss ausgelöst, sobald man hierzu bereit ist.

Um ein besseres Gefühl für den eben beschriebenen Vorgang zu erlangen, empfehlen wir, den Ziehvorgang in umgekehrter Reihenfolge im Trockentraining einzustudieren . Statt mit geholsterter Waffe startet man mit der Waffe im Anschlag und holstert diese wieder.

Erster und zweiter Schritt des Ziehens einer Kurzwaffe. Die Schusshand befindet sich am Griff der Pistole, nicht Nichtschusshand in der Nähe am Körper.
Mit Ertönen des Startsignals wird die Schusshand zur geholsterten Waffe geführt (1). Gleichzeitig bewegt sich die Nichtschusshand hinüber zur Holsterseite (2).
Schritt drei des Ziehvorgangs einer Kurzwaffe. Die Waffe befindet sich gezogen auf Hüfthöhe, die Nichtschusshand noch nah am Körper.
Die Waffe sollte mit der Schusshand bereits vollständig im Holster gegriffen werden, ehe diese gezogen wird. Die Waffe wird auf direktem Weg in den Anschlag gebracht (3).
Vierter Schritt des Ziehvorgangs einer Kurzwaffe: Die Waffe befindet sich beidhändig auf Brusthöhe des Schützen, die arme sind noch angewinkelt.
Wobei auch die Nichtschusshand zur Waffe geführt wird und den Griff komplettiert (4).
Abschlussstellung nach dem Ziehvorgang. Die Waffe ist vollständig im beidhändigen Anschlag. Der Schütze sucht das Ziel.
Es ist darauf zu achten, dass die Nichtschusshand nicht zu früh nach vorne genommen wird und so womöglich von der Waffe überstrichen wird ("Sweeping"). Hier ist das richtige Timing gefragt. Sobald die Waffe auf Augenhöhe erscheint, wird mit dem Zielen begonnen und der Schuss vorbereitet (5).

Diese Fehler werden häufig gemacht

Es gibt wahrlich eine Flut von überflüssigen und zeitraubenden Dingen, die Schützen während des Ziehens tun. Zu den gängigsten Problemen gehört zum Beispiel das langsame Reagieren auf das Startsignal. Wer hier wartet, bis dass das Startsignal vollständig ertönt ist, vergeudet wertvolle Zeit. Bereits beim ersten Ertönen des Signals hat sich die Schusshand augenblicklich zur Waffe zu bewegen. Ein weiteres, gar nicht mal so seltenes Problem ist, dass die schussstarke Hand mit zu viel Kraft zur Waffe geführt wird und die Waffe zunächst im Holster nach unten gedrückt wird, ehe sie nach oben bewegt wird. Auch das verschwendet nur Zeit. Schneller ist es, einfach die Waffe sauber zu greifen und direkt aus dem Holster zu lupfen. Ein guter Tipp ist, darauf zu achten, ob man spürt, wie sich das Holster in Richtung Hüfte/Bein bewegt.

Viele Schützen vernachlässigen ferner die Position ihrer Nichtschusshand beim Ziehen. Wird die Nichtschusshand nicht frühzeitig zur Holsterseite hinüber bewegt, hinkt diese bei zunehmender Ziehgeschwindigkeit der Waffenhand hinterher. Ein wahrer Klassiker unter den Ziehproblemen ist darüber hinaus das Bewegen des ganzen Körpers. Eigentlich müssten sich nur die Arme während des Ziehvorganges bewegen, doch stattdessen verwinden und verwerfen sich Schützen nur allzu gerne. So wird sich von der Waffe weggeneigt, klein gemacht usw. Es ist wichtig, jede unnötige Bewegung zu vermeiden. Und auch hier hilft es wieder, den Ziehvorgang in umgekehrter Reihenfolge zu absolvieren, um etwaige überflüssige Bewegungen zu entlarven. Zudem kann das Trockentraining vor einem großen Spiegel wahre Wunder bewirken.

Ein nicht zu unterschätzender Zeiträuber lauert zudem auf dem Weg in den Anschlag, indem die Waffe nicht auf dem direkten Weg in Richtung Ziel geführt wird. Nur allzu gerne wird das Ziel mit der Waffe nach oben überschwenkt und dann die Waffe wieder auf das Ziel abgesenkt (sogenanntes "Fishing") oder die Arme werden vor den eigenen Füßen zusammengeführt um dann mitsamt der Waffe auf das Ziel geschwenkt zu werden (sogenanntes "Bowling"). Beide Wege sind äußerst ineffektiv. Vielmehr muss die Waffe auf direktem Wege in den Anschlag gebracht werden. Ob wir hierbei effektiv zu Werke gehen, lässt sich relativ einfach durch einen Blick auf die Visierung ermitteln. Im Idealfall sieht man, wie die ausgerichtete Visierung in der Zielmitte erscheint. Steht das Korn oder der Leuchtpunkt hingegen hoch auf dem Ziel und muss erst in die Zielmitte gedrückt würden, ist das ein Hinweis auf "Fishing". Abschließend sei angemerkt, dass die Schwierigkeit des Schusses keinen Einfluss auf die Ziehgeschwindigkeit haben sollte. Für das reine Ziehen der Waffe ist es irrelevant, ob das zu beschießende Ziel auf 5 oder 50 Meter steht. Wenn sich die Erstschusszeit erhöht, dann nur, weil für das weiter entfernte Ziel sorgsamer gezielt werden muss.

Diese Tipps rund um die korrekte Abzugskontrolle sind wie immer nicht nur für passionierte Sportschützen interessant, sondern sondern richten sich an alle Kurzwaffenschützen, die ihre Fähigkeiten verbessern möchten. Probieren Sie es einfach aus. Denn Übung macht bekanntlich den (Schützen-)Meister!


Hier finden Sie die weiteren Teile unserer Serie zum Dynamischen Kurzwaffenschießen:

Weiterführende Informationen zum Thema Dynamisches Kurzwaffenschießen:

Welche IPSC-Klassen gibt es im Bereich Kurzwaffe? Wir bieten Ihnen einen kurzen Überblick zu den Handgun Divisions .

Das Heft im Heft "Perfektes Pistolenschießen von A bis Z" wurde mit der  caliber 7-8/2018  veröffentlicht. Diese und weitere Ausgaben können Sie ganz bequem im VS Medien Online-Shop bestellen.

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