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Dynamisches Kurzwaffenschießen und IPSC-Schießtechniken: die Abzugskontrolle

Die richtige Griff - und Körperhaltung haben Sie bereits in Teil eins und zwei unserer Serie "Perfektes Pistolenschießen" kennengelernt. Jedoch kann durch falsche Schussauslösung die beste Haltung zunichte gemacht werden . Aus diesem Grund möchten wir Ihnen in diesem Teil die richtige Abzugskontrolle vermitteln.

Die richtige Abzugskontrolle beim dynamischen Pistolenschießen

Nun möchten wir einen Abstecher in das Reich der Feinmotorik machen und uns ansehen, welche Herausforderungen das IPSC-Schießen an die Abzugskontrolle stellt. Denn gerade die Komplexität der von Stage zu Stage unterschiedlichen Zielaufbauten macht eine variable Abzugskontrolle beziehungsweise unterschiedliche Abzugstechniken zu einem unentbehrlichen Werkzeug im Repertoire eines jeden IPSC-Schützen. Ziel ist es, den Abzug zügig betätigen zu können ohne hierbei das Visierbild zu stören .

Zwei unterschiedliche Möglichkeiten zur Abzugskontrolle

Grundsätzlich haben sich zwei Techniken herausgebildet . Bei der ersten und wohl am weitesten verbreiteten Technik , der sogenannten "Pin and Reset"-Methode , geht es darum, während des gesamten Abzugsvorganges mit dem Finger Kontakt zum Abzug zu wahren und die Bewegung des Fingers auf ein Minimum zu reduzieren . Daher wird diese Methode auch von vielen als die schnellste, präziseste Methode angesehen. Nachdem der Schuss ausgelöst worden ist, verbleibt der Abzugsfinger auf dem Abzug und lässt diesen anschließend nur so weit nach vorne, wie es für die Rückstellung des Abzugssystems erforderlich ist. Bei der anderen, weit weniger populären Technik , dem sogenannten "Trigger Slapping", wird der Finger nach der Schussauslösung vollständig vom Abzug genommen . Vor der nächsten Schussabgabe muss dann erst wieder Kontakt zur Abzugszunge aufgebaut und der komplette Vorzug überwunden werden. Für welche der beiden Methoden man sich letztlich entscheidet, ist eher eine Geschmacksfrage als eine solche von eindeutigen Vor- beziehungsweise Nachteilen. Vielfach wird von Befürwortern der erstgenannten Methode eingewandt, dass sich das "Trigger Slapping" nur effektiv bei Pistolen mit leichten Single-Action Abzügen umsetzen lässt. Wohingegen die Anhänger aus letztgenanntem Lager insbesondere anführen, dass durch das "nicht vollständige Nachvornelassen" des Abzuges der sogenannte "Trigger Freeze" begünstigt wird (hierbei wird der Abzug nicht weit genug nach vorne gelassen, um das Abzugssystem zurückzustellen und als Folge lässt sich der nächste Schuss nicht abgeben). Unter den Topschützen finden sich jedenfalls Anhänger beider Methoden und letztlich ist die Wahl für die Wahrung der Abzugskontrolle unerheblich.

Sowohl mit der "Pin and Reset"- als auch "Trigger Slapping"-Technik lässt sich bei richtiger Anwendung der Schuss auslösen, ohne dass die Waffe infolge der Abzugsmanipulation vom Haltepunkt wegbewegt wird. Genauer gesagt, ist es für die Abzugskontrolle sogar unerheblich, ob der Abzugsfinger nach dem Schuss vom Abzug genommen wird oder den Abzug weiter zurückhält. Denn zu diesem Zeitpunkt wurde der Schuss bereits abgegeben. Maßgeblich ist allein, dass man in der Lage ist, den Abzug gerade nach hinten zu ziehen, ohne dabei das Visierbild zu stören!

Wann wird welche Methode angewendet?

Beim IPSC-Schießen begegnen uns Ziele in den unterschiedlichsten Dimensionen und Entfernungen. Dementsprechend erfordern akzeptable Treffer mal mehr mal weniger Abzugskontrolle. So sind die Anforderungen bei einem A-Zonen-Treffer auf eine nur wenige Meter entfernt stehende IPSC-Scheibe deutlich geringer als bei einer auf 25 m stehenden, lediglich 20 cm messenden Stahlfallscheibe . Mithin ist die Fähigkeit, seine Abzugstechnik den gegebenen Umständen anzupassen, immens wichtig. Andernfalls vergeudet man Zeit und/oder Punkte auf einer Stage. Das mag zwar kompliziert klingen und erfordert einen hohen Trainingsaufwand, doch ohne eine variable Abzugskontrolle kann man nicht so schnell wie möglich, aber so präzise wie nötig sein!

Grundsätzlich kann man die Abzugskontrolle in drei Kategorien einteilen:

Drei Techniken bei unterschiedlichen Präzisionsanforderungen

Kategorie 1 Die Betätigung des Abzuges wird nicht am Druckpunkt gestoppt; der Abzug wird einfach in einer Bewegung zügig durchgezogen. Der visuelle Fokus liegt zwar auf der Visierung, aber nachdem die Aufwärtsbewegung der Visierung im Schuss beginnt, wendet man sich bereits dem nächsten Schuss/Ziel zu. Diese Art der Abzugskontrolle genügt vollkommen für nahe Ziele.

Kategorie 2 Bei Zielen in mittlerer Entfernung oder wenn bereits eine gewisse Präzision benötigt wird, nimmt man den Abzug zunächst bis zum Druckpunkt auf und anschließend wird der Abzugsvorgang unter Überwindung des Druckpunktes zügig fortgesetzt.

Kategorie 3 Ist größtmögliche Präzision gefordert, wird wie bei Kategorie 2 der Abzug bis zum Erreichen des Druckpunktes aufgenommen. Beim anschließenden Überwinden des Druckpunktes liegt jedoch das Hauptaugenmerk auf der Visierung und Ziel ist es, den Schuss ohne jegliche Bewegung/Irritation im Visierbild auszulösen. Der Schlüssel zum Erfolg liegt hier in einer verzugsfreien, geradlinigen Abzugsbetätigung. Die oben genannte Aufteilung ist nicht abschließend und kann individuell angepasst werden. Entscheidend ist, dass man sich ein an der Schwierigkeit des Schusses ausgerichtetes System zurechtlegt. Für die Entwicklung eines solchen Systems raten wir dringend an, die Priorität zu Beginn auf die Präzision zu legen. Erst wenn die notwendigen Grundfertigkeiten (saubere Abzugsbetätigung, Aufrechterhalten eines möglichst kleinen Halteraums, Ansagen des Schusses, etc.) beherrscht werden, sollte man sein Augenmerk der Erhöhung der Geschwindigkeit widmen und ausloten, wie viel Abzugskontrolle im Einzelfall ohne Treffereinbußen aufgegeben werden kann.

Diese Tipps rund um die korrekte Abzugskontrolle sind wie immer nicht nur für passionierte Sportschützen interessant, sondern sondern richten sich an alle Kurzwaffenschützen, die ihre Fähigkeiten verbessern möchten. Probieren Sie es einfach aus. Denn Übung macht bekanntlich den (Schützen-)Meister!


Hier finden Sie die weiteren Teile unserer Serie zum Dynamischen Kurzwaffenschießen:

Weiterführende Informationen zum Thema Dynamisches Kurzwaffenschießen:

Welche IPSC-Klassen gibt es im Bereich Kurzwaffe? Wir bieten Ihnen einen kurzen Überblick zu den Handgun Divisions .

Das Heft im Heft "Perfektes Pistolenschießen von A bis Z" wurde mit der  caliber 7-8/2018  veröffentlicht. Diese und weitere Ausgaben können Sie ganz bequem im VS Medien Online-Shop bestellen.

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