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Dynamisches Kurzwaffenschießen und IPSC-Schießtechniken: der Magazinwechsel

Gerade angesichts der Magazinkapazitätsbegrenzung in der Production Division (15 Patronen) oder der ohnehin begrenzten Kapazität bei den einreihigen 1911er-Pistolen in der Classic Division handelt es sich beim Magazinwechsel um eine wichtige Fertigkeit. Und auch in der Standard oder Open Division ist das Magazin irgendwann einmal leer und will zügig gewechselt werden. Für einen schnellen Magazinwechsel wird mit dem Daumen der Schusshand der Magazinauslöseknopf gedrückt und gleichzeitig greift die Nichtschusshand zum neuen Magazin am Gürtel. Anschließend wird das neue Magazin eingeführt und die Nichtschusshand zurück zur Waffe geführt. Grundsätzlich also kein Hexenwerk.

Grundüberlegungen zum Magazinwechsel

Doch erstens wird das Magazin aus Gründen der Zeitersparnis selten in einer statischen Position gewechselt, so dass es einige Dinge für den Magazinwechsel in der Bewegung zu beachten gibt. Zweitens sollte der Magazinwechsel nicht isoliert betrachtet werden; die unmittelbar davor und danach abzugebenden Schüsse bergen nämlich reichlich Fehlerpotential in sich. Insbesondere der letzte Schuss vor dem Magazinwechsel wird gerne überhastet abgegeben, um möglichst schnell mit dem Magazinwechsel zu beginnen. Stattdessen muss die Schussabgabe erst vollständig abgeschlossen sein; es darf weder der Griff gelöst werden, noch dürfen die Arme abgesenkt werden. Gleiches gilt für den Folgeschuss. Dieser wird häufig überhastet abgegeben (ohne hinreichendes Visierbild oder mit einem schlechten Griff).

So wird das Magazin schnell gewechselt

Hier nun einige Tipps für einen erfolgreichen, schnellen Magazinwechsel: Zuallererst sollte der Blick während des Magazinwechsels immer auf die Waffe gerichtet sein. Zu sehen, was man tut, ist der Schlüssel für Konstanz. Als nächstes muss der Magazinauslöser so früh wie möglich betätigt werden. Wenn man Schwierigkeiten hat, den Knopf oder Hebel mit dem Daumen der Schusshand zu erreichen, kann die Waffe hierfür in der Schusshand eingedreht werden. Beim Auswerfen des Magazins sollte die Waffe so vertikal wie möglich gehalten werden, damit die Schwerkraft das Magazin beim Herausfallen unterstützen kann. Sobald das Magazin vollständig aus der Waffe gefallen ist, muss diese für das Einführen des neuen Magazins in die richtige Position gebracht werden. Vielen Schützen fällt es leichter, wenn die Waffe etwas in Richtung Körper gezogen wird. Ob sie dabei auf Augenhöhe oder tiefer gehalten wird, ist Geschmackssache. Nach unseren Erfahrungen ist es aber gerade bei Magazinwechseln in der Bewegung vorteilhaft, die Waffe etwas abzusenken, da sie dadurch ruhiger liegt. Bei der Wiedereinführung ist vor allen der Winkel der Magazinschachtöffnung kritisch. Eine gute Daumenregel ist es, die Magazinschachtöffnung in Richtung der Magazintasche zu orientieren. 

Als nächstes kommen wir zur Nichtschusshand. Diese muss ohne Zögern bei Einleitung des Magazinwechsels das neue Magazin aus der Magazintasche ziehen. Wichtig ist, es gleich so zu greifen, dass es sofort eingeführt werden kann. Am einfachsten lässt sich dies bewerkstelligen, wenn der Magazinboden am Handballen der Nichtschusshand abgestützt wird und der Zeigefinger entlang der Magazinvorderseite gelegt wird. Hierdurch kann man das Magazin förmlich in die Waffe zeigen. Nachdem das neue Magazin vollständig eingeführt wurde, wird die Nichtschusshand wieder an die Waffe zurückgeführt. Hier kann man sich der beim Ziehvorgang beschriebenen Technik bedienen. Zudem sollte man auch bei dieser Tätigkeit auf überflüssige Bewegungen verzichten. Ein Klassiker ist hier etwa das Ausdrehen der Waffe beim Auswerfen des alten Magazins.

Schütze im Anschlag beim dynamischen Sportschießen. Auf der Pistole befindet sich ein Leuchtpunktzielgerät.
Die Ausgangsposition vor dem Einleiten des Wechselvorgangs.
Ein Magazin fällt aus der Pistole. Der Schütze greift ein neues Magazin am Gürtel.
Der Magazinwechsel wird durch Drücken des Magazinknopfs mit dem Daumen der Schusshand eingeleitet (1). Gleichzeitig löst sich die Nichtschusshand von der Waffe und greift ein neues Magazin vom Gürtel (2).
Schütze führt ein neues Magazin in den Griff einer Pistole ein.
Um den Magazinauslöser leichter erreichen zu können, kann die Waffe auch leicht in der Hand gedreht werden. Beim Auswerfen des alten Magazins sollte die Waffe möglichst senkrecht gehalten werden. Während des Magazinwechsels wird der Blick auf die Waffe gerichtet (3). Für ein leichteres Einführen des neuen Magazins wird die Magazinschachtöffnung in Richtung der Magazintasche gedreht (4). Zudem empfehlen wir, die Waffe hierbei etwas in Richtung des Körpers zu ziehen und leicht abzusenken. Das neue Magazin sollte mit der Nichtschusshand so gegriffen werden, dass es sofort eingeführt werden kann. Hierzu ruht der Magazinboden auf dem Handballen und der Zeigefi nger liegt an der Magazinvorderseite an (5).
Schütze kurz bevor er mit der Pistole wieder in den Anschlag geht.
Auf diese Weise kann man das Magazin förmlich in die Waffe zeigen. Nachdem das neue Magazin vollständig eingerastet ist, wird die Nichtschusshand wieder an die Waffe zurückgeführt (6) und diese in den Anschlag gebracht.
Schütze befindet sich mit einer Pistole im Anschlag.
Der Schütze befindet sich am Ende des Vorgangs wieder in der Ausgangsposition und kann mit "frischem" Magazin fortsetzen.

Training mit Dummypatronen

Am besten lassen sich Magazinwechsel zu Hause im Trockentraining üben. Hierbei sollten die Magazine unbedingt mit Dummypatronen bestückt sein, damit man sich an das Gewicht gewöhnt. Unsere Empfehlung hier: Laden Sie sich Hülsen mit Originalgeschossen (aber ohne Pulver und Zündhütchen) und kennzeichnen diese eindeutig als Dummies; die im Handel erhältlichen Dummy-/Exerzierpatronen aus Aluminium oder Kunststoff sind hierfür zu leicht.


Hier finden Sie die weiteren Teile unserer Serie zum Dynamischen Kurzwaffenschießen:

Weiterführende Informationen zum Thema Dynamisches Kurzwaffenschießen:

Welche IPSC-Klassen gibt es im Bereich Kurzwaffe? Wir bieten Ihnen einen kurzen Überblick zu den Handgun Divisions .

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