

Zeit ist eben relativ: "Ein Vierteljahrhundert Field Target in Deutschland" sollte anlässlich der Deutschen Meisterschaft 2026 am 20. und 21. Juni 2026 in Dorsten gefeiert werden, aber die genauen Start-Daten liegen knapp zwei Jahre auseinander. Also, der Reihe nach: Beim 1. Schießsport-Festival, das im Mai 1999 auf dem Gelände der Leipziger Schützengesellschaft stattfand, stand zum ersten Mal in Deutschland ein Wettkampf für Luftgewehre im „Field Target“ auf dem Programm. Der Bochumer Biologie-Professor Volker Blüm (*1937-†2024), bis dato nach seiner eigenen Einschätzung „der einsamste deutsche Field Target-Schütze“, hatte den ersten Parcours konzipiert und sich zuvor Anregungen aus dem FT-Mutterland England geholt. Sogar den typischen britischen Landregen hatte man für einige Stunden importiert, und die trotzdem begeisterten ersten Teilnehmer hatten mehr mit der ausgelegten Plastikfolie als mit nicht umklappenden Stahltierchen zu kämpfen. Die benötigten Luftgewehre waren Leihgaben von Anschütz, Diana, Feinwerkbau, Walther und Weihrauch, dazu hatten RWS und H&N Diabolos gestiftet. Viele Erststarter brachten aber auch ihre 10-Meter-Matchluftgewehre oder Opas Knicklauf-Modell mit.
Schon im Herbst 1999 reiste dann eine deutsche Delegation zur „Midland Game Fair“ nach England, darunter neben Blüm und dem Schreiber dieser Zeilen noch BDS-Präsident Friedrich Gepperth, die Firmenchefs Jochen Anschütz, Gerd Walther (Firma Lothar Walther) und Hans-Hermann Weihrauch jr. sowie Konstrukteure von Walther und Diana. Die Einladung kam von der englischen Waffenhersteller-Vereinigung und viele Kontakte aus dieser Zeit bestehen bis heute. Auf der Game Fair wurde jährlich eine "Europameisterschaft Field Target" ausgetragen, de facto waren aber nur englische, irische und walisische Schützen am Start. Das sollte sich aber rasch ändern:


Volker Blüm, auch ein begeisterter Großkaliber-Gewehrschütze, konnte danach Fritz Gepperth überzeugen, Field Target als damals erste Druckluft-Disziplin ins Programm des eher auf Großkaliber-Wettbewerbe ausgerichteten Verbands Bund Deutscher Sportschützen (BDS) aufzunehmen, was der Sache eine waffenrechtliche Grundlage gab. Und im Herbst des Jahres 2000 wurde der 1. Deutsche Field Target Club 2000 e.V., gegründet, mit Sitz in Düsseldorf, mit Martin Müller als Präsident und Volker Blüm als Vizepräsident. Die Trainingstage wurden zunächst auf der Schießanlage Schröpplenberg bei Hagen abgehalten, dann ging es nach Dorsten: Weil die Flintenschützen dort sonntags aus Lärmschutzgründen nur bis 12 Uhr schießen durften, konnten danach die relativ lautlose Luftgewehr-Jagd auf Stahl-Klappziele beginnen.
In der DFTC-Satzung war bereits die „Schützen-Hilfe“ für weitere zu gründende Vereine und Abteilungen verankert: Der BDS hatte sie finanziert und Blei-Spezialist H&N 50 der schweren Stahltierchen aus England importiert. Sie wurden nun "just in time" und in kleinen Gruppen als Leihgaben kreuz und quer durch Deutschland geschickt, wenn neue Interessenten anfragten. Die Regeln ließen sich als Download abrufen, und die Waffenhersteller dachten zaghaft über eigens konstruierte FT-Gewehre nach, denn bisher wurden nur bestehende Modelle durch eine Prismenschiene und gekürzte Ladehebel für den Einsatz mit Zielfernrohren modifiziert. Das Anschütz-Pressluftgewehr 2020 FT war wohl das erste deutsche Field-Target-Luftgewehr, dann folgten Walther und Feinwerkbau.


Das zarte FT-Pflänzchen fand also erste Wurzeln, aber bis heute nur in wenigen Nischen bundesweit, die aber wiederum viel Eigeninitiative zeigen. Field Target war bis kurz nach der Jahrtausendwende noch ein auf britisches Umfeld, genauer auf England, Schottland, Irland und Wales, begrenzter Sport, der als Jagd-Simulation und -Training in den 1980er begann. Die Briten dürfen mit Luftgewehren bis zur Mündungsenergie von 16,3 Joule (12 britische Foot-Pounds) frei auf Kaninchen, Ratten, Vögel und kleineres Raubzeug jagen. In Deutschland läge eine 1:1-Adaption der originalen FT-Regeln also über dem 7,5-Joule-Limit für freie Druckluftwaffen, aber durch die Aufnahme von FT ins BDS-Sporthandbuch konnten Sportschützen erstmals eine gelbe Waffenbesitzkarte für stärkere Luftgewehre beantragen und diese legal kaufen. Dennoch wurden unter Leitung von Volker Blüm, der der erste BDS-Bundessportleiter FT wurde und das Amt bis 2018 innehatte, schon in der ersten deutschen Regelfassung neben den beiden international üblichen „starken“ Klassen für Pressluftgewehre (Klasse 1) und Federdruckgewehre (Klasse 2) drei weitere Klassen für frei erwerbbare Luftgewehre unter 7,5 Joule eingeführt. Sie sollten eine Einstiegshilfe für Besitzer von Match- und Freizeitluftgewehren bilden, die diese oft recht einfallsreich mit Montageringen und Zielfernrohren bestückten. Neuester Zugang ist „Hunter Field Target“, eine wieder auf die Ursprünge von FT zurückgehende Disziplin mit fester Zielfernrohr-Einstellung (man muss also die Distanz und Flugbahn schätzen) und mit jagdlich anmutenden Anschlagsarten wie etwa liegend statt sitzend. Hier finden mittlerweile sowohl deutsche wie internationale Wettkämpfe statt.

Geeignete Schießplätze für Field Target sind in Deutschland weiterhin selten
Der Mangel an geeigneten Schießplätzen besteht bis heute. Man benötigt eine freie Fläche im offenen Gelände, die aber dennoch ein sicheres Schießen in verschiedene Himmelsrichtungen erlaubt. Typische Schießbahnen mit Hochblenden und Zuganlagen sind aus mehreren Gründen ungeeignet, und mit unberührter Natur oder gar mit Gefälle und Hügeln ist da nichts. Inzwischen sind die deutschen Schießstand-Sachverständigen mit den besonderen Bedingungen vertraut, so dass neben den Ur-Zentren Dorsten in Westfalen und Ebern bei Coburg noch ein paar weitere Plätze entstanden, etwa in Starnberg oder im Norden in Dänischenhagen.


Volker Blüm, der vor acht Jahren aus Altersgründen seine Position als Bundessportleiter an Andreas Hack übergab, konnte diesem auch einige international gewürdigte Leistungen mit überreichen. Das erste BDS-Team nach der Gründung fuhr schon 2002 zur Weltmeisterschaft nach Norwegen. Seither belegt ein BDS-Team, entweder mit Pressluft oder auch mit dem Federdruckgewehr, regelmäßig Plätze auf den Siegertreppchen. Andreas Scholz holte sich 2004 den ersten Weltmeister-Titel in der seitdem extra gewerteten Federdrucklasse, 2025 wurde der Hamburger Jan Homann schon zum zweiten Mal Federdruck-Weltmeister, während Bianca Müller aus Düsseldorf bei der letzten Weltmeisterschaft in Nordirland Pressluft-Weltmeisterin in der Damenklasse wurde. Solche Erfolge zeigen, dass sich die langjährige Aufbauarbeit in den Vereinen bezahlt gemacht hat.
In den Jahren 2004 und 2013 richtete der BDS selbst FT-Weltmeisterschaften aus, beide Male in Ebern. 2017 gab es noch eine gut besuchte Europameisterschaft in Marienberg in Thüringen, aber wegen der erneuten Verschärfung des deutschen Waffenrechts und einem EU-Kuriosum wird sich wohl kein internationaler Wettkampf mehr in Deutschland durchführen lassen: Die Behörden verlangen von den einreisenden Teilnehmern zwingend einen Europäischen Feuerwaffenpass, weil der (wie auch eine gelbe Waffenbesitzkarte) für Druckluftwaffen über 7,5 Joule hierzulande notwendig ist. Nur brauchen Schützen etwa aus England so etwas nicht, weil deren Luftgewehre bis 16,3 Joule als Sportgeräte und nicht als „Feuerwaffen“ zählen, und Druckluftwaffen per Waffenrechts-Definition von heißen und kalten Gasen eigentlich eh nicht. Aber so dürfen auch die oft bei grenznahen Wettkämpfen etwa in NRW startenden Niederländer oder Belgier nicht mehr einreisen, und die Briten mussten schon zu Wettkämpfen fliegen, weil die Reise auf dem preiswerteren Landweg durch die „verbotene“ Zone Deutschland geführt hätte. Wir Deutschen fühlen uns dadurch natürlich auch sicherer, na sicher…
Welches Luftgewehr und welche Ausrüstung brauchen Sie zum Einstieg ins Field Target?

Die früher oft verwendeten britischen Pressluftgewehre von Air Arms, Daystate oder Ripley haben auf deutschen FT-Plätzen heute (leider auch dank Brexit) Exotenstatus. Stattdessen sind inzwischen weltweit und auch in den Top-Platzierungen oft Steyr-Pressluftgewehre zu finden. Viele Schützen schwören aber auch auf deutsche Weihrauch-Modelle, sowohl im Pressluft-Segment mit dem LG 110 wie seit eh und je bei den Federdruck-Luftgewehren. Das Weihrauch HW 97 etwa ist ein häufig in den Klassen 2 und 4 geschossenes Luftgewehr mit unter dem Lauf befestigtem Spannhebel. Aber auch viele für den 10-Meter-Sport ausgemusterte Matchluftgewehre von Anschütz, Diana, Feinwerkbau und Walther mit Presslufttanks können hier in der freien Klasse 3 durchaus konkurrenzfähig ein Comeback starten.
Field Target wird immer mit Zielfernrohren geschossen, und daher kommt der Auswahl des ZF und der Montage ein hoher Wert zu. Hier starten die meisten Schützen mit ZFs von Hawke, Nikko-Stirling oder Sightron, oft aber werden auch Rohre der Top-Anbieter wie March, Kahles oder Schmidt & Bender montiert. Solche ZF’s übersteigen mit bis zu 8.000 Euro den Kaufpreis des Gewehrs oft um ein Vielfaches. In die Entwicklung des deutschen Modells Schmidt & Bender ZFs 12,5-50 x 56 FT2 flossen auch viele Tipps und Erfahrungen der deutschen FT-Schützen mit ein, ebenso wie sie auch stets mit neuen Ideen im Kontakt mit den europäischen Waffenherstellern stehen. Praxiswissen ist eben nie durch theoretische Berechnungen zu ersetzen.
Geschossen wird wegen der notwendigen Präzision grundsätzlich mit Blei-Diabolos im Kaliber 4,5 mm, weil sie auf Distanzen bis 50 Meter die besten ballistischen Eigenschaften für eine flache Flugbahn aufweisen – je flacher die Kurve, desto weniger Korrekturen sind für die ZF-Einstellung erforderlich. Die Field-Target-Diabolos, zum Großteil vom tschechischen Hersteller JSB, haben vorn keine flache Platte wie für Papierscheiben, sondern einen gerundeten Linsenkopf.
Zum Jubiläum im Juni 2026 wurde die 24. Deutsche Meisterschaft im Field Target ausgetragen, diesmal in Dorsten


Bundesreferent Andreas Hack hatte nicht nur zu den jährlichen Titelkämpfen auf die Anlage des 1. DFTC 2000 e.V. nach Dorsten-Lembeck eingeladen, sondern auch einige "Veteranen" aus der Startzeit angerufen. So trafen der langjährige, nun ehemalige DFTC-Vorsitzende Martin Müller und Gerhard Einwag, sozusagen die gute Seele der Field Target-Schützen in Ebern/Bayern mit dem Schreiber dieser Zeilen zusammen. Nach einem kurzen geschichtlichen Überblick nach dem Motto "Was bisher geschah..." bekam jeder von Andreas Hack ein individuell beschriftetes Klappziel aus der extra für diesen Anlass aufgelegten Sonderserie überreicht.
Das ist daher jetzt ein Disclaimer: Seit 1991 habe ich die Entwicklung des Field Target als Journalist begleitet, dann als Sportschütze 1999 auch das erste FT-Match anlässlich des VISIER Schießsport-Festivals gemeinsam mit Volker Blüm organisiert und später den DFTC mitgegründet.
Ohne die einzigartige Antriebsenergie von Volker Blüm aber, der zwei Jahrzehnte lang unermüdlich in den Vereinen wie auch international für "seinen Sport" geworben hatte, wäre dieses Zusammentreffen in Dorsten nicht möglich gewesen. Nicht zuletzt durch seinen Einsatz sind inzwischen 48 Nationalverbände weltweit im Dachverband WFTC aktive Mitglieder. Volker Blüm hat es nicht mehr miterlebt, aber er hätte sich sehr gefreut.
Bildergalerie: Impressionen "25 Jahre Field Target in Deutschland"
Weitere Infos zum Field Target-Schießen in Deutschland:

Gute Anlaufstellen für Infos und auch Trainings- und Wettkamptermine sind das fieldtarget-forum.de und die Vereins-Website des 1. Deutschen Field Target Clubs 2000, während Offizielles wie Regelwerk und Termine auf der BDS-Website zu finden sind.















