Namen sind Schall und Rauch, in diesem Fall aber wörtlich genommen, denn es geht um Waffen: Kein Verschluss-System bei Einzel- und Mehrladegewehren dürfte weltweit einen derart legendären Ruf besitzen wie das "Mauser", sei es zunächst im militärischen Markt wie später im zivilen Sektor als unverwüstliches Jagd- und Sportgewehr, weil die Qualität der Fertigung wie auch die Zuverlässigkeit unübertroffen waren. Dieses Prestige basiert sicher auf den beiden "Top-Sellern" Mauser 98, dem Ordonnanzgewehr für das deutsche Heer ab 1898 bis in den Ersten Weltkrieg, sowie dem rund 14 cm kürzeren Nachfolger, dem Karabiner 98k, der 1935 zur Ordonnanzwaffe der deutschen Wehrmacht und damit zur Standardwaffe im Zweiten Weltkrieg wurde.

Die Brüder Peter-Paul und Wilhelm Mauser aus Oberndorf am Neckar schufen gemeinsam mit ihrem Chefkonstrukteur Fidel Feederle diesen Urtyp aller späteren Mauser-Gewehre, nachdem sie ab 1871 über zwei Jahrzehnte mehrere Vorgängermodelle mit Zylinderschloss nach und nach verbessert hatten: 1893 entwickelte Paul Mauser ein Mittelschaftmagazin, in dem die Patronen seitlich versetzt und damit kompakter lagen. So schloss das Magazin unten bündig mit dem Schaft ab. 1895 wurde das Patent auf ein selbstspannendes Schloss erteilt, ein wesentlicher Vorteil des Mauser-Systems (unten dazu mehr). Das schließlich 1898 offiziell eingeführte Gewehr 98 im Kaliber 8×57 (7,92 × 57 mm) und mit Fünf-Schuss-Magazin fiel mit 1.250 mm Gesamtlänge noch recht sperrig aus, was über die nächsten drei Jahrzehnte zu kürzeren Varianten als Karabiner führten (Karabiner 98, 98a und 98b). Erst der 1935 eingeführte Karabiner 98k (k steht hier für kurz) mit 1.111 mm Länge schloss die Baureihe vorläufig ab.
"Mauser" als Synonym für den weltweit erfolgreichsten Zylinderverschluss: über 100 Millionen Exemplare

Bei der weltweiten Verbreitung des 98er Systems halfen die Deutschen Waffen- und Munitionswerke (DWM), die über ihre Vorgängerfirma Ludwig Loewe & Cie schon um 1880 finanziell und später produktionstechnisch beim Mauser-Werk eingestiegen waren. Andere Länder hatten 98er bereits in den zehn Jahren vor 1898 (teilweise unter eigenen Bezeichnungen) importiert oder auch in Lizenz gefertigt, etwa Schweden ab 1894. Von A wie Argentinien bis Z wie Zypern reicht die Verbreitung in über 50 Staaten über die letzten 150 Jahre. Die Chinesen nennen pauschal alle Repetiergewehre "Mauser", so wie ein Papiertaschentuch bei uns halt ein "Tempo" ist – Experten schätzen die Gesamtmenge auf weltweit über 102 Millionen ordonnanzmäßig geführter Mauser-Modelle.
Der letzte Weltkrieg markierte bei den großen Staaten gleichzeitig das Ende der militärischen Mauser-Karriere, denn Selbstlader und Maschinenwaffen verdrängten die manuell zu repetierenden Gewehre. Nicht aber im zivilen Bereich, und so wurden 98er aller Arten, auch solche aus ausländischer Lizenzfertigung, zu Jagd- und auch Sportgewehren umgerüstet. Wettkämpfe mit Ordonnanzwaffen wurden populär, besonders präzise eingestufte Modelle wie etwa der "Schweden-Mauser" in 6,5x55 waren begehrt wie teuer, und mancher frischte gleichzeitig sein historisches Wissen mit dem Oldie auf.

Ein vor Jahrzehnten scheinbar noch schier unerschöpflicher Fundus, aber gegen Ende des letzten Jahrhunderts und nach der Öffnung zum Osten hin waren die Militärarsenale leer, andere Länder verboten die Ausfuhr von Ordonnanz-Rentnern oder vernichteten Altbestände im großen Stil. Das ließ die Preise für gut erhaltene 98er drastisch ansteigen. Der Ersatzteilmarkt für die überlebenden Exemplare ist dennoch riesig, und so kann manche Mauser eine beachtliche Geschichte mit zahlreichen Irrungen und Wirrungen aufweisen. Denn schließlich führten die zahlreichen Wünsche von ausländischen Kunden zu individuellen Verbesserungen, anderen Kalibern und Varianten. Was aber in diesem Beitrag nicht das Thema sein soll...
So funktioniert ein Zylinderverschluss am Beispiel Mauser

Das bewährte Funktionsprinzip eines Zylinderverschlusses mit Kammerstängel findet sich noch heute in zahlreichen, auch neuen Konstruktionen. Der Zylinder ("die Kammer") läuft in einer mit dem Lauf verbundenen Verschlusshülse vor und zurück, mit Hilfe des Kammerstängels: Zum Öffnen des Verschlusses bewegt man den in einer Aussparung wartenden Kammerstängel zuerst um seine Längsachse senkrecht nach oben. Dabei wird gleichzeitig über eine Spannkurve der Schlagbolzen vorgespannt, ein wesentlicher Vorteil des Mauser-Prinzips, weil andere Konstruktionen das Schloss erst beim Schließen spannen, was mehr Kraft erfordert. Beim Zurückziehen wird die abgeschossene Hülse am Rand durch die Auszieherkralle gepackt, aus dem Lager gezogen und gegen einen seitlich im Schlosshalter fest installierten Auswerfer gepresst: sie dreht sich dadurch nach rechts und wird aus dem Fenster geworfen.

Beim Vorschieben des Kammerstängels wird die nächste Patrone in das Patronenlager geschoben. Bei Einzelladern eine direkt aus der Lademulde, bei Mehrladern wird die oberste Patrone aus dem Magazin geschoben und vorwärts bewegt. Durch das Herabschwenken des Stängels an der vordersten Position, eine Drehbewegung der Hand, verriegeln die beiden Verschlusswarzen in ihren Gegenlagern in der Hülse, der Schlagbolzen wird bei der Abwärtsbewegung vollständig gespannt: Die Waffe ist sicher verriegelt und schussbereit, sobald die Sicherung gelöst und der Abzug betätigt werden kann. Sollte der Schütze den Kammerstängel nicht ganz nach rechts bis zum Anschlag drehen und trotzdem den Abzug betätigten, dann schließt eine Kurve auf dem Verschlusskörper über die Nase des vorschnellenden Schlagbolzens den Verschluss vollends und sichert so die Lage der formschlüssigen Verriegelung.
Die Konstruktion hat ihre Stärken wie Schwächen, die je nach Hersteller auch zu Abwandlungen des Prinzips führen. So erfordert der Repetiervorgang große Handbewegungen, die wegen des Verschlussrücklaufs oft ein Anheben des Kopfes erfordern – man kann also nicht durchgehend zielen, es kostet zudem Zeit (einer der wesentlichen Nachteile gegenüber einem Geradzugverschluss). Zahl und Lage der Warzen können je nach Kaliber variieren, denn die addierte Auflagefläche muss schließlich auch den Druck ultrastarker Ladungen sicher abfangen. Die Länge des Verschlusses korrespondiert mit der Gesamtlänge der gewünschten Patrone: der Verschluss muss ja ihre gesamte Länge "zurückfahren", um die Hülse sicher auszuwerfen und bei der Vorwärtsbewegung die nächste Patrone zuzuführen. Daher werden schon seit über 100 Jahren sogenannte Magnum-Systeme mit 15 mm längerem Spielraum für etwa Großwild-Patronen angeboten. Hier gab wohl die englische Firma John Rigby den Anstoß, die bis 1912 britischer Mauser-Vertreter und einer der führenden Lieferanten für Großwildbüchsen war.
Moderne Sportgewehre mit kurzem Zylinderverschluss – entfernte Verwandte für höhere Ringzahlen

Die Schweizer Gewehrschützen Chiara Leone gewann 2024 Olympia-Gold im KK-Dreistellungskampf 3x20 Schuss. Im Liegendanschlag mit ihrem Walther KK500 mit einem Carbon-Schaft (!) erkennt man das nach beiden Seiten offene Verschlussfenster (bei geöffnetem Kammerstängel). Das Fenster sitzt fast oberhalb des Abzugs und damit gut 5 cm weiter zurück als bei konventionellen Modellen. So kann ohne Kopfbewegungen nachgeladen werden, was Zeit spart und Fehler bei ungewollten Armbewegungen ausschließt.

Der Karlsruher Waffenhändler Walther Gehmann (1912 bis 2012) war vor dem Zweiten Weltkrieg nicht nur Welt- und Europameister im Gewehrschießen, sondern er wurde später auch Gewehr-Nationaltrainer beim Deutschen Schützenbund und hielt über 110 Patente im Waffenbau. Für Mauser entwickelte er den Teleskop-Verschluss des Mauser 66, der bei kurzer Bauweise die Verwendung von Großwild-Patronen erlaubte. Im Sportwaffensektor geht das von der Ulmer Firma J. G. Anschütz erfolgreich vermarktete Kleinkaliber-System Match 54 auf Gehmann zurück. Das Zylinderschloss verriegelt hier über den viereckigen Ansatz des Kammerstängels, also ohne Warzen vorn am Verschlusskopf. Der im Vergleich zu Großkalibergewehren kurze Verschluss für die Randfeuerpatrone .22 long rifle reicht aus, um die leere Hülse des Einzelladermodells "im Handumdrehen" auszuwerfen.
Die Nachteile des Match 54 und ähnlichen (früheren) Systemen von Carl Walther, Diana und vielen Schweizer Herstellern von Wettkampf-KK-Gewehren seit den 1960er Jahren bestanden aber darin, dass die sportliche Entwicklung im olympischen Gewehrschießen über die Jahrzehnte zu einer veränderten Schießtechnik führte. Als die Scheiben im KK-Schießen noch per Zuganlage zum Ziel und zurück transportiert wurden, musste sich der Schütze im Liegend- und Kniendanschlag ohnehin bewegen, auch wenn er meist einen Scheibenwechsler als Helfer hatte. Mit dem Einzug der elektronisch auswertenden Zielanlagen konnte der Schütze quasi in diesen beiden Anschlagsarten in der Schießposition bleiben – möglichst wenig Bewegungen beim Laden führen zu besseren Ergebnissen. Daher wurde beim neuen Walther-Topmodell KK500 der Verschluss stark verkürzt, sodass man bequemer laden kann. Und das wahlweise von links wie rechts mit je einem Auswurf- und Ladefenster. Der Kammerstängel des Verschlusses lässt sich dafür werkzeuglos von rechts nach links verlegen. Auch die zum Öffnen der Kammer notwendige Kraft wurde optimiert; das lässt sich bequem mit Zeige- und Mittelfinger erledigen. Die Ausführung des KK500 mit Carbonschaft und Elektronik-Abzug liegt allerdings preislich auch bei knapp 10.000 Euro.

Sowohl bei Repetiergewehren für die Jagd auf heimisches Wild wie exotisches Großwild, bei Ordonnanzgewehr-Wettkämpfen wie auch beim olympischen Sportschießen führt auch 150 Jahre nach dem ersten Zylinderverschluss-System der Brüder Mauser kaum ein Weg vorbei. Es sei denn, man verwendet die technisch nur entfernt verwandten Geradzug-Verschluss-Systeme, die es auch schon seit fast 150 Jahren gibt. Moderne Hersteller wie Beretta, Blaser, Haenel, Heym oder neuerdings auch Walther mit dem Modell RS3 haben hier individuelle Lösungen gefunden. Die gibt es übrigens seit einigen Jahrzehnten auch im Sport, nämlich bei den Geradzugverschlüssen, die zuerst der Allgäuer Büchsenmacher Peter Fortner für die deutschen Biathleten entwickelt hat.
Die verschiedenen Geradzug-Konstruktionen militärisch, jagdlich und sportlich, einst wie jetzt, stellen wir Ihnen in einer der nächsten Know-How-Folgen vor.
Weiterführende Links rund um den Zylinderverschluss
- Test des Longrange-Scharfschützengewehrs AX50 ELR von Accuracy International in .50 Browning bei all4shooters.com
- Test Mauser 18 Long Range Chassis bei all4shooters.com
- Haenel Jaeger EVO – Test mit Video des Repetierers aus Suhl
- Vorstellung des neuen Match-KK-Gewehrs CZ 457 Target bei all4shooters.com
- Der Wert historischer Ordonnanzgewehre, u.a. ein Mauser 98 und ein Schweden-Mauser (mit Video, bei all4shooters.com)
- Vorstellung mit Video des Walther KK500 mit Carbon-Schäftung (bei all4shooters.com)
Bisherige Folgen unserer Reihe "Know-how mit all4shooters":
- Start der Reihe: Beschussrecht in Deutschland
- Folge 1: Kaliber für Gewehre, Kurzwaffen und Flinten, metrisch und in Zoll
- Folge 2: Infos über die KK-Sportpistole, die Olympische Schnellfeuerpistole und die Standardpistole
- Folge 3: "Liste B" des Deutschen Schützenbundes − über 500 alternative Disziplinen
- Folge 4: Die anerkannten deutschen Schießsportverbände und die Schwerpunkte ihrer Sportprogramme
- Folge 5: Von Kimme und Korn über Zielfernrohre bis zum Red Dot – wie und womit zielt man?
- Folge 6: Das Zielen auf Stahlziele
- Folge 7: IPSC-Schießen mit Pistole, Revolver, Büchse und Flinte
- Folge 8: Optische und elektronische Geräte, die das Sehen und Zielen für Jäger und Schützen erleichtern
- Folge 9: Alle Infos zum Biathlon bei den Olympischen Winterspielen 2026
- Folge 10: Leistungsmessung im Schießsport
- Folge 11: Klappmesser und ihre Verriegelungsarten
- Folge 12: Gelebte Inklusion im Sportschiessen – der Para-Schießsport wird in die ISSF integriert.
- Folge 13: Long Range – der sportliche Reiz, mit Klein- und Großkalibergewehren Ziele auf weite Distanzen zu treffen
- Folge 14: Was ist eigentlich der "Ballistische Koeffizient"?
- Folge 15: Skeet-Schießen als sportlicher Flintenwettbewerb
- Folge 16: Trap und Doppel-Trap mit der Flinte




