Moderne Ballistiklösungen setzen häufig auf Apps, elektronische Rechner oder komplexe Absehen. Leupold verfolgt mit dem Custom Dial System (CDS) einen anderen Ansatz: Der Hersteller setzt hier auf einen individuell beschrifteten Höhenturm, dessen Skala auf eine bestimmte Waffen- und Munitionskombination und die dazugehörigen ballistischen Daten abgestimmt wird. Statt Klickwerte umzurechnen oder während der Jagd eine Ballistiktabelle zu konsultieren, stellt der Schütze den Wert für die ermittelte oder bekannte Schussentfernung einfach am Turm ein. Zeigt der Entfernungsmesser beispielsweise 250 Meter an, wird die CDS-Skala auf 2,5 gedreht. Anschließend muss der Schütze – neben den üblichen Sicherheits- und Schießgrundlagen – vor allem noch den Windeinfluss richtig beurteilen.

Wie arbeitet das Leupold Custom Dial System?

Das System ist simpel und funktioniert zuverlässig.
Grundlage des CDS ist ein austauschbarer Höhenturm mit kundenspezifischer Gravur. Seine Skala berücksichtigt die Flugbahn einer bestimmten Laborierung. Dazu werden die ballistischen Daten der Patrone sowie weitere Parameter erfasst und in die Berechnung einbezogen. Nach dem Einschießen des Zielfernrohrs wird der individuelle Turm montiert und auf die Nullstellung gesetzt. Viele CDS-Ausführungen verfügen über einen Nullanschlag: Nach dem Schuss lässt sich der Turm zurückdrehen, bis er wieder an der Ausgangsposition stoppt. Damit ist das Zielfernrohr erneut auf die zuvor festgelegte Einschießentfernung eingestellt. Der wesentliche Vorteil liegt in der unkomplizierten Bedienung. Die eigentliche Berechnung erfolgt bereits bei der Anfertigung des Turms. Im Revier benötigt der Jäger deshalb keinen elektronischen Ballistikrechner. Allerdings muss die tatsächliche Schussentfernung zuverlässig ermittelt werden.
Ein Entfernungsmesser ist auch für die Jagd mit dem Leopold CDS ein wertvolles Hilfsmittel.

Auch der präziseste Ballistikturm kann eine falsch geschätzte Entfernung nicht ausgleichen. Besonders nachts oder in strukturarmem Gelände können Distanzen erheblich täuschen. Was durch das Wärmebildgerät wie 120 Meter aussieht, kann tatsächlich deutlich weiter entfernt sein. Ein Laser-Entfernungsmesser, ein Fernglas mit integrierter Messfunktion oder ein Wärmebildgerät mit LRF schafft hier Klarheit. Bei Schüssen in steilem Gelände sollte das verwendete Gerät außerdem den Schusswinkel berücksichtigen. Leupold bietet hierfür Entfernungsmesser mit TBR-Technik an. Die Abkürzung steht für „True Ballistic Range“. Das System ermittelt nicht nur die reine Sichtlinienentfernung, sondern berücksichtigt – abhängig von der gewählten Ballistikgruppe – auch den Winkel und weitere ballistisch relevante Faktoren. Das ist insbesondere bei der Gebirgsjagd wichtig. Eine gemessene Sichtlinie von beispielsweise 520 Metern kann aufgrund eines ausgeprägten Schusswinkels eine andere ballistisch wirksame Distanz ergeben. Am CDS-Turm wird dann nicht zwangsläufig die reine Messentfernung, sondern der vom Entfernungsmesser ausgegebene Korrekturwert eingestellt.

Für welche Jagdszenarien eignet sich das CDS von Leupold?

Bei typischen Wald- und Kirrungsdistanzen spielt die Höhenkorrektur häufig nur eine untergeordnete Rolle. Interessant wird das System vor allem in offenem Gelände und im Gebirge, wo weitere Schüsse nötig sein können. Auch bei vergleichsweise moderaten Entfernungen kann das CDS sinnvoll sein, wenn eine Laborierung eine stark gekrümmte Flugbahn aufweist. Gerade bei schweren Geschossen in klassischen Jagdkalibern nimmt der Geschossabfall mit zunehmender Entfernung deutlich zu. Wie groß die Unterschiede ausfallen können, zeigt schon der Vergleich verschiedener Laborierungen desselben Kalibers. Geschossgewicht, Geschossform, ballistischer Koeffizient und tatsächliche Mündungsgeschwindigkeit beeinflussen die Flugbahn erheblich. Zwei Patronen im gleichen Kaliber können deshalb auf 300 Meter vollkommen unterschiedliche Treffpunktlagen erzeugen. Der individuelle Turm erlaubt es, eine bewährte Laborierung weiterzuverwenden und deren Geschossabfall gezielt auszugleichen. Er erweitert jedoch weder die persönlichen Schießfertigkeiten noch die vertretbare jagdliche Einsatzentfernung der Munition. Ein weiter Schuss bleibt nur dann waidgerecht, wenn Schütze, Waffe, Munition, Auflage und äußere Bedingungen ihn sicher zulassen.
Diese Daten werden für den Leupold CDS-Turm benötigt:
Je genauer die Ausgangsdaten sind, desto zuverlässiger kann die Einteilung für die Skala am CDS-Turm berechnet werden. Besonders wichtig ist die tatsächliche Mündungsgeschwindigkeit aus der verwendeten Waffe. Herstellerangaben liefern zwar einen Anhaltspunkt, werden aber häufig mit anderen Lauflängen und unter definierten Testbedingungen ermittelt.
Idealerweise wird die Mündungsgeschwindigkeit daher mit einem Geschwindigkeitsmessgerät, wie es sie etwa von Garmin, aber auch Magneto Speed oder Caldwell gibt, direkt an der eigenen Waffe bestimmt. Zusätzlich werden für die Bestellung eines CDS-Turms unter anderem noch folgende Angaben benötigt:
- Modell des Leupold-Zielfernrohrs
- Seriennummer
- Kaliber und genaue Laborierung
- Geschossgewicht und Geschosstyp
- ballistischer Koeffizient
- gemessene Mündungsgeschwindigkeit
- Lauflänge
- Einschießentfernung und Treffpunktlage
- durchschnittliche Einsatztemperatur
- typische Höhe über dem Meeresspiegel
Fehlt der ballistische Koeffizient, lässt sich in der Regel anhand der exakten Geschossbezeichnung ermitteln. Temperatur und Höhenlage spielen auf kurzen Distanzen meist eine geringere Rolle, können bei weiten Schüssen aber die Präzision der Berechnung beeinflussen.
Auch ein gewünschter Hochschuss auf 100 Meter kann berücksichtigt werden. Entscheidend ist, dass die tatsächliche Treffpunktlage vom Einschießen korrekt angegeben wird.

Das müssen Sie machen, um Ihren Leupold CDS-Turm anzufordern:
Zunächst wird das Zielfernrohr fachgerecht montiert und die Waffe mit der ausgewählten Jagdmunition eingeschossen. Ob der Schütze auf 100 Meter Fleck oder mit einem leichten Hochschuss einschießt, kann er entsprechend seinem jagdlichen Einsatzbereich festlegen. Danach werden die erforderlichen Daten in das CDS-Bestellformular eingetragen. In Deutschland erfolgt die Abwicklung über den zuständigen Leupold-Importeur, die Helmut Hofmann GmbH. Dort werden die Angaben und die Seriennummer geprüft, bevor der individuelle Turm angefertigt wird. Je nach Zielfernrohrmodell lässt sich der CDS-Turm werkzeuglos oder mit wenigen Handgriffen wechseln. Dadurch können für eine Waffe auch unterschiedliche Türme verwendet werden – beispielsweise für verschiedene Jagdlaborierungen. Beim Wechsel der Munition muss allerdings immer sichergestellt werden, dass tatsächlich der dazugehörige Turm montiert ist.
Kontrollschüsse sind vor dem ersten jagdlichen Einsatz eines neu montierten Leupold CDS-Turms ein Muss.

Auch wenn der Turm anhand präziser Daten berechnet wurde, ersetzt die theoretische Ballistik niemals den praktischen Test. Nach der Montage muss die Nullstellung auf dem Schießstand kontrolliert werden. Anschließend sollte der Schütze die Skala nach Möglichkeit auch auf mehreren Entfernungen überprüfen. Abweichungen können beispielsweise durch eine ungenau ermittelte Mündungsgeschwindigkeit, wechselnde Umweltbedingungen oder eine nicht exakt reproduzierte Treffpunktlage entstehen. Wenn das Gesamtsystem auf dem Schießstand bestätigt wurde, kann der Jäger den Angaben auf dem Turm vertrauen. Ebenso wichtig ist regelmäßiges Training. Das sichere Ablesen des Entfernungsmessers, die Wahl des richtigen Korrekturwerts und das Zurückstellen des Turms müssen auch unter Zeitdruck funktionieren.
Unser Fazit zum Leupold CDS:
Das Leupold Custom Dial System reduziert die Höhenkorrektur am Turm auf einen leicht nachvollziehbaren Ablauf: Entfernung zuverlässig messen, den individuellen Turm auf den entsprechenden Wert stellen und den Schuss unter Beachtung aller äußeren Faktoren sauber ausführen. Seine Stärken liegen in der einfachen Bedienung und der rein mechanischen Arbeitsweise. Der Ballistikturm benötigt weder Akku noch Funkverbindung oder Smartphone. Das macht ihn besonders für Jäger interessant, die ein robustes, jederzeit verfügbares Hilfsmittel für weitere Schussdistanzen suchen. Damit CDS seine Vorteile ausspielen kann, müssen jedoch die Ausgangsdaten stimmen. Eine gemessene Mündungsgeschwindigkeit, korrekt angegebene Umgebungsparameter sowie ein sorgfältiges Einschießen des Zielfernrohrs sind die Voraussetzungen für eine verlässliche Skala. Und auch dann gilt: Das System korrigiert die Geschossbahn – Verantwortung, Training und eine realistische Einschätzung der eigenen Fähigkeiten nimmt es dem Jäger nicht ab.
Weitere Informationen finden Sie auf der Interpräsenz der Helmut Hofmann GmbH und auf der Homepage von Leupold.
Hier gibt's unseren Beitrag mit Video, in dem Waffenexperte Jens Tigges das Leupold CDS im Einsatz zeigt.









