Erster erkennbarer Unterschied zum Vorgänger C1 Pro ist die Farbe des Xero C2. Er krabbelt in einem modisch modernen Grau mit einer leichten, kaum wahrnehmbaren grün-Note aus seiner Verpackung. Ebenfalls beiliegend ist eine passende Abdeckung aus Silikon, die den Garmin-Chronographen selbst und vor allem das Display gegen Schmauch und sonstigen Schmutz und Beschädigungen schützen soll. Das Display zeigt sich in gewohnt klarer und kontrastreicher Darstellung aller Informationen. Deutlich angenehm fällt jedoch die Trennung der einzelnen Werte durch Linien auf. Das neue Display-Design ist mit Bezug auf die Wahrnehmung der Werte ein klarer Pluspunkt der neuen Generation.

Die Einstellungen wie Maßsystem, helle oder dunkle Darstellung sind schnell erledigt und es kann losgehen. Wer den Garmin Xero C1 Pro kennt, weiß, dass dieser wie auch sein neuer Bruder Xero C2 als Stand Alone-Gerät ohne weitere Geräte eine wertvolle Hilfe zur Ermittlung von ballistischen Daten ist. So richtig komplett und komfortabel wird es erst in Verbindung mit Hilfe der kostenlosen Garmin App „Shot View“. Hiermit können über eine Bluetooth-Verbindung alle Messwerte und deren direkte Ableitungen übertragen, sehr komfortabel dargestellt und auch in weitere Formate zur Verarbeitung auf einem Rechner exportiert werden. Doch dazu etwas später mehr.
Neu beim Xero C2 ist die Möglichkeit, kompatible Garmin-Smartwatches zu verbinden. Andere Uhren sind zumindest derzeit nicht kompatibel. Damit Uhr und Xero miteinander kommunizieren, mussten seltsamerweise zunächst alle bekannten Verbindungen auf dem Chronographen gelöscht werden. Die Verbindung konnte dann aber ohne weitere Probleme hergestellt werden. Im Test wurden alle Werte einer Testserie angezeigt, ein Import der Messwerte auf die Uhr gelang jedoch trotz viel Kreativität leider nicht. Auch das Starten einer Live Session, also das Setup definiert auf der Uhr und dann an den Garmin gesendet, wollte nicht so ganz funktionieren. Übrig blieb daher nur die reine Anzeige. Dies mag der Software-Version oder dem Uhrenmodell geschuldet sein. In Verbindung mit der Kopplung an ein Smartphone ergibt sich eine weitere neue Möglichkeit zur Nutzung. Die Werte können nicht nur in die hauseigene App „Shot View“ übertragen werden, sondern auch unter der Bezeichnung Applied Ballistics in der App „AB Quantum“ verarbeitet werden. Diese App ist ein Ballistikrechner und fokussiert sich auf das Long Range-Schießen. Hierbei werden die Geschwindigkeitsinformationen direkt in die App übertragen und für die entsprechenden Profile von Waffe und Munition verarbeitet. Ergänzt werden die Informationen des Chronographen um Wind, Entfernung zum Ziel, Standort und Grundeinstellungen von Waffe und Munition. Ziel ist es, dem Schützen noch präzisere Informationen und damit exaktere Treffer auch auf größere Entfernung zu ermöglichen. Diese Anbindung ist dem Xero C2 vorbehalten.
In der Praxis: Geschwindigkeitsmessgerät Garmin Xero C2

Der Neuling nimmt auf dem Schießstand direkt neben seinem Vorgängermodell Platz und muss nun zeigen, was er mehr kann. Die beiden stehen nebeneinander, als der Schuss bricht und sofort wird eines klar: Der Garmin Xero C2 hat einen deutlich schnelleren Prozessor! Während der Xero C1 Pro noch überlegt, wartet der Neuling bereits auf die nächste Aufgabe, während die gerade eben erfassten Messwerte schon auf dem Display zur Verfügung stehen. Eine weitere Neuerung: Im „Rapid Fire“ erfasst der C2 bis zu zehn Schuss pro Sekunde – beim Vorgänger undenkbar. Interessant ist, dass die Werte im Vergleich beider Geräte konstant mit 0,5 m/s auseinanderliegen.
In der Praxis existieren zwei grundsätzliche Pfade, das Gerät zu benutzen: Zum einen werden die Einstellungen direkt am Garmin Xero vorgenommen und die Messwerte abgelesen. Mit ein wenig Übung ist dies über die vier Tasten schnell erledigt. Nach den Messungen könnten diese dann auf das Smartphone zur weiteren Nutzung übertragen werden. Der zweite Weg: das Smartphone direkt zu nutzen und sämtliche Einstellungen dort vorzunehmen. Damit kann eine „Live Sitzung“ noch deutlich einfacher und schneller vorbereitet werden und auch weitere Informationen wie etwa die Benennung einer Sitzung lassen sich unmittelbar direkt mit eintragen. Damit bleibt der Überblick auch bei umfangreicheren Testszenarien erhalten. Bis hierhin ist dies bei beiden Xero-Generationen in dieser Form möglich. Beim neuen Modell besteht darüber hinaus die Möglichkeit, eine Messreihe auch nach einer Pause fortzusetzen. Dies ist zum Beispiel bei Testserien mehrerer Waffen sehr sinnvoll, wenn zwischenzeitlich Waffen abkühlen und im Wechsel mit anderen geschossen werden – ein sinnvolles Gimmick für Schützen, die umfangreichere Probeserien an einem Termin abarbeiten möchten. Der Garmin Xero C2 nimmt bis zu 200 Sitzungen auf, bevor eine Synchronisation mit dem Smartphone erforderlich wird, ohne Daten zu verlieren. Dem Xero C1 Pro geht hier bereits bei 50 Sitzungen à maximal 100 Schuss die Puste aus.
Die Software zum Garmin Xero C2: Garmin App Shot View
Ein Wort zur Garmin App Shot View. Aus Sicht der Tester ist diese im Laufe der Zeit sehr erwachsen geworden und ein umfangreicher Werkzeugkasten mit vielen Funktionen, nein, besser: Informationen. Eine Freude, damit zu arbeiten. Es werden neben der v0 auch weitere Werte sofort zur Verfügung gestellt. Wichtig ist hierzu die Eingabe des Geschossgewichtes in Grains. Damit lassen sich dann auch die E0 ebenso ableiten und darstellen, wie auch die hier „Leistungsfaktor“ genannte Größe. Alle Werte sind als Einzelwerte oder als Durchschnitt abrufbar, zudem die Streuungen, also die maximalen Abweichungen von den Durchschnittswerten. Alles in allem ein respektables Paket an Werten und in einer denkbar einfachen Art und Weise abrufbar.

Die App speichert auf dem Smartphone eine schier unendliche Anzahl an Sitzungen, die wiederum die oben genannten Werte enthalten und übersichtlich in Tabellenform gut aufbereitet und einfach verständlich darstellt. Einfacher und übersichtlicher geht es nicht. Oder doch? Nun ja, wer lieber in Microsoft Excel unterwegs ist, kann seit einiger Zeit die Messwertesammlung der einzelnen Sitzungen auch neben einer csv-Datei ebenso im Excelformat exportieren und dann dort nativ ohne weitere Konvertierung von Daten weiterarbeiten. Mit ein paar Excel-Kenntnissen lassen sich damit eine Vielzahl an Auswertungen erstellen, je nach Aufgabenstellung. Zum Beispiel ist mit ein paar Handgriffen ein Protokollblatt für Wettkämpfe zur Faktorermittlung denkbar.
Der Garmin-Chronograph kann mit Hilfe seines Standard-Gewindes nicht nur auf das mitgelieferte Mini-Dreibein, sondern auf nahezu jedes andere Stativ mit entsprechender Schraube montiert werden. Soll die Montage unmittelbar an einem Gewehr erfolgen, bietet Garmin eine entsprechende Halterung an, allerdings für geschmeidige knappe 200 Euro. Diese Halterung wird an einer Picatinny Rail der Waffe befestigt. Beim Vorgängermodell würde dies technisch theoretisch auch funktionieren, aber aufgrund des verstärkten Gehäuses des Garmin Xero C2 ist dies nur beim aktuellen Modell vorgesehen. Leider ist nach wie vor der verbaute Lithium-Ionen-Akku nicht tauschbar. Ein kleiner Wermutstropfen, wenngleich dieser voll aufgeladen bis zu sechs Stunden durchhält, was laut Garmin in etwa 2.000 Messschüssen entspricht.
Fazit: Lohnt sich das Garmin Xero C2?
Der immer noch verfügbare Garmin Xero C1 Pro ist derzeit beim Hersteller für 500,- Euro zu bekommen. Wer Wert auf die neuen Funktionen des Garmin Xero C2 legt, muss 200,- Euro mehr investieren. Für die meisten Nutzer sollte der Garmin C1 Pro durchaus ausreichen, wenn die Geschwindigkeit und Berechnung der Messung oder die erweiterten Funktionen keine große Rolle spielen. Anwender, die regelmäßig umfangreichere Tests durchführen, dies eventuell auch mit mehreren Waffen, sind mit dem neuen Modell eindeutig besser beraten.
Insgesamt bleibt festzuhalten, dass Garmin mit seinen Chronographen Maßstäbe gesetzt hat. Die Messwerte sind denkbar einfach auch von Laien zu ermitteln. Wer einen kompakten, leistungsfähigen und einfach bedienbaren Ballistik-Chronographen sucht, findet sowohl im Garmin Xero C1 Pro als auch im neuen Xero C2 eine hervorragende Lösung.
Text: Jessica und Frank Stock
Redaktion: Hamza Malalla
Dieser Test erschien in der VISIER, Ausgabe 04/2026. Das Heft können Sie im VS Medien-Shop online kaufen. Dort steht es auch als ePaper zur Verfügung.
Weitere Informationen zum Garmin Xero C2 erhalten Sie direkt auf der Webseite des Herstellers.


