Nach einem Jahr Pause fand die KNIFE, die jährliche Messer-Verbraucherausstellung am 9. und 10. Mai erneut in Solingen statt, jetzt in der Eissporthalle, deren Platzangebot der wachsenden Aussteller- und Besucherzahl Rechnung tragen soll. Klar, in den beengten Gängen des Deutschen Klingenmuseums war keine Expansion mehr möglich, auch im edlen Theater-Ambiente der Klingenstadt drängten sich die Besucher oft auf unschöne Weise. Mehr Platz, das zeigte sich bald nach den eingehenden Anmeldungen vor Beginn (gut 250 Aussteller aus 28 Nationen), bedeutet nicht unbedingt ausreichend Platz: So wurde parallel zur Längsseite der Halle zusätzlich ein großes Messezelt errichtet, in dem gut 50 der Aussteller ihre Schmuckstücke zeigten – von modernen Klappmessern über historisch anmutende Dolche und Schwerter bis hin zu Materialien für den Messer-Selbstbau, vom Damaststahl über Griffschalenmaterial bis zu Schärfgeräten. Dazwischen lag der Cateringbereich, mit viel Auswahl und Sonne gratis, aber wer nicht gerade über den Zeltbereich und den Nebeneingang in die Messe gekommen war, entdeckte diese Zelt-Aussteller nicht unbedingt von allein (auch die sanitären Anlangen waren im Vergleich zum Theater eher "rustikal"). Der Shuttle-Busbetrieb zwischen dem geräumigen Parkplatz und der Halle oder auch weiter zum Klingenmuseum, das wie immer mit eigenen Aktionen eingebunden war, klappte hingegen reibungslos. Nach Ende der zweitägigen Knife 2026 meldete der Veranstalter mit insgesamt 3.000 Besuchern ein respektables Ergebnis.
Knife 2026: Stimmt die Mischung aus Custom-Messermachern, Messer-Fachhändlern und industrieller Produktion?



Es allen recht zu machen, meint der Volksmund, ist eine Kunst, die niemand kann. Folglich gab es auch gemischte Stimmen unter den Ausstellern: Einige Mitglieder der Deutschen Messermacher-Gilde sehnten sich ein wenig nach den exklusiven Treffen früherer Jahre zurück. Dabei beklagten sie insbesondere, dass es gegenüber den Kunden immer schwieriger würde, zu vermitteln, wo denn der preisliche wie qualitative Unterschied zwischen einem komplett handgemachten Jagdmesser und einem aus asiatischer Industriefertigung liegt. Andererseits kann man das auch als Herausforderung sehen, wenn man den Kunden beim Vorführen "mitnimmt" und die vielen Details zeigt, an denen sich die Kunst vom einfachen Handwerk oder industrieller Massenware unterscheidet. Die Nachfrage nach einem individuellen, einzigartigen und entsprechend kostspieligen Jagd- oder auch "Gentlemen"-Messer für den, der etwa auch Uhren und Schreibgeräte sammelt, die ist weiterhin spürbar. Insofern zeigte das Stimmungsbild unter Besuchern wie Ausstellern auch ganz gut, wie vielschichtig das Messer-Hobby sein kann.


Auch bei den Jagdmessern sind Trends erkennbar: Früher ging nichts ohne Hirschhorngriffschalen, dann folgten Jahre mit "um Gottes Willen, kein Hirschhorngriff!", weil diese etwa von der Reinigung problematisch sein können. Heute gibt es einzelne Hersteller, die bewusst Hirschhorn mit modernem Messerdesign kombinieren. Und Damaststahl in seinen vielfältigen Formen hat einen festen Platz unter den Klingenmaterialien eingenommen – kaum ein Messermacher verzichtet auf dieses "Hingucker-Metall", und so waren auch bekannte Schmiede wie Uwe Heieck mit seiner "Messergarage" auf der Knife 2026 dabei oder das Familienunternehmen Balbach, inzwischen Weltmarktführer bei den industriellen Damaststählen wie auch im traditionellen Manufakturbetrieb aktiv. Bei den Griffschalen sind die stabilisierten Sorten beliebt, aus Kombinationen mit Holz und Metall- und/oder Harzeinlagen oder komplett synthetisch produziert. Sie erlauben optisch ansprechende Oberflächen und sind daher auch bei Hobby-Messermachern oft zu finden.
Knife 2026: Die Solinger Messer-Hersteller zeigten sich dem Publikum vor heimischer Kulisse präsent und mit neuen Ideen
Natürlich wurde der Standort Solingen für die Knife-Messe nicht zufällig gewählt: Die Klingenstadt im Bergischen Land hat einiges an weltweit bekannten Herstellernamen zu bieten, auch wenn viele Firmen im Trubel der letzten Jahrzehnte verschwanden oder auch umfimierten. So hatte Böker kurzerhand eine Hausmesse am Vortag organisiert, auf der einiges an kommenden Neuheiten präsentiert wurde, auch Puma zeigte als Hauptsponsor Präsens, aber ebenso kleinere Betriebe wie die Rasierwaren-Spezialisten Giesen & Forsthoff (100 Jahre alt), Eikaso mit Fleisch- und Metzgermessern (ebenfalls 100 Jahre alt) oder Dovo (vor 120 Jahren gegründet). Das Unternehmen Friedrich Herder kann mit dem Gründungsjahr 1727 fast 300 Jahre Solinger Handwerksgeschichte vorweisen, dafür brachten die jungen Verkäufer am Messestand mit ihren einzigartigen Helmen aber frischen Wind in die Messehalle und kamen mit jedem direkt ins Gespräch. Die beliebten Gemüsemesserchen, hier "Zöppken" genannt, wurden als geeignetes Mitbringsel von der Knife angepriesen. Übrigens: Dass Messer von Politik wie manchen Medien seit Jahren als "gefährlich" eingestuft und in Waffenverbotszonen eingesammelt werden, das war auf der Knife 2026 kein Thema (außer in einem obligatorischen wie juristischen Info-Vortrag zum Thema "Paragraph 42a"). Hier gehen verantwortungsbewusste Messer-Sammler und -Nutzer mit dem Kulturgut "Messer" um, und auch das Fernsehteam des WDR (Sendetermin siehe ganz unten) hatte keinerlei Berührungsängste und stellte bei seinem Bericht die handwerkliche wie lokale Komponente in den Vordergrund.
Der Termin für die nächste, dann "Knife 2027", steht bereits fest: am 8. und 9. Mai 2027, wieder in der Eissporthalle Solingen.
Bildergalerie: Impressionen von der Knife 2026 in Solingen
Weitere Links rund um die Knife 2026 in Solingen




















