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Test: Kahr K9 Pistole in 9mm Luger

Die erste Kahr K9 war eine neunschüssige Waffe mit einreihigem Magazin, mit Lothar-Walther-Lauf und mit Spannabzug, der sich aber mit überraschend moderaten 3.000 g auslösen ließ. Hinter dem cleveren Konzept steckte der damals gerade 23-jährige koreanisch stämmige Amerikaner Justin Moon, dessen Vater Sun Myung Moon die Unification-Church-Sekte gegründet hatte. Von Kindesbeinen an von Schusswaffen fasziniert, suchte Justin Moon nach einer soliden, einfachen und gleichzeitig leistungsstarken Schusswaffe, fand aber nicht, was er wollte: Das führte zur Geburt der Kahr K9. Inzwischen baut das Werk acht Pistolenreihen in diversen Kalibern und Varianten; dazu gehört auch diese Kahr K9 in Stainless-Steel-Ausführung.

Test: Kahr K9 in 9 mm Luger
Die Kahr K9 kommt mit einer geschlossenen Steuerkurve in Manier der Pistole CZ-75.

Zum Test der Kahr K9


Repetierablauf/Sicherheit: Zwar weist die Kahr K9 keine manuelle Sicherung auf, es gibt nur eine Fallsicherung – was dem Zweck einer Taschenpistole entspricht. Beim Auswerfen flogen die Hülsen teils zu knapp am Kopf entlang (-1 Punkt). 

Bei der Abzugscharakteristik haben die Tester zirka 18 mm Abzugsweg festgestellt, davon fünf Millimeter ohne Kraftaufwand, die restlichen 13 mm Vorzug mit stetig zunehmendem Gewicht. Jedoch fehlt ein klarer Druckpunkt. Zudem fällt der Abzug nach dem Auslösen noch um gut zwei Millimeter durch (-3 Punkte). 

Das Abzugs-Griff-Design kann bei einer Taschenpistole gleichsam naturgegeben nur bedingt begeistern – hier muss man mit Einschränkungen leben: Ungefähr zweieinhalb Männerfinger finden Platz. Auch bieten die Gummi-Griffschalen guten Halt – nicht aber die sehr glatte Griff-Front (-1 Punkt). 

Die Bedienelemente waren Kahr-gemäß spärlich: Abzug, Verschlussfang und Magazindrücker. Magazindrücker und Verschlussfang ließen sich auch von kräftigen Fingern kaum einhändig bedienen, Fang und Magazinlöser zudem nur mit der rechten Hand. Der Magazinknopf lässt sich auch nicht auf die andere Seite umsetzen. Zerlegen kann man die Waffe leider nur mit Hilfe von Werkzeug (-3 Punkte). 

Test: Kahr K9 in 9 mm Luger
Kahr K9 im Test: Die Visierung besteht aus Trapezkimme mit ebenfalls trapezförmig umrissenem Ausschnitt, darunter dient ein weißer Strich als Orientierungshilfe.
Test: Kahr K9 in 9 mm Luger
Die Kahr K9 bietet ein seitlich verstellbares Balkenkorn – leider fehlt diesem Stück der weiße Dot, die Mulde ist da.

Taschenwaffengerecht ist die Visierung, bei der sich Kimme und Korn nur durch Klopfen seitlich versetzen lassen; wer ohne Geld eine Höhenjustierung wünscht, muss feilen. Die Kimme bietet unter ihrem Ausschnitt einen weißen Kontraststrich und die Korn-Rückseite eine Mulde, in welcher man eigentlich einen Dot, also eine Dämmerungsmarke, wähnt – in diesem Fall jedoch Fehlanzeige (-2 Punkte). Zur Verarbeitung lässt sich ausführen, dass die Prüfer nach dem Zerlegen im Inneren einige sehr feine Werkzeugspuren entdeckten und sich hier die berühmt-berüchtigten unsaubere Ecken fanden. Der Verschluss der Kahr K9 schlackerte mit etwas Spiel auf dem Griffstück, die Schließfeder bot nur an einem Ende eine zusätzliche Wicklung. Wäre am anderen Ende auch eine Wicklung, würde das für einen gleichmäßigeren Kraftaufbau sorgen und das Schaben auf der Führungsstange minimieren (-3 Punkte). Bei der Präzision aber überraschte die Kahr K9 mit einem Schussbild von 45 mm Durchmesser – das ist per se recht ordentlich und erst recht für eine derart kleine Waffe ihres Typs (-6 Punkte).


Testfazit zur Kahr K9 Pistole:

Die Kahr K9 ist im besten Sinne "old fashioned". Entgegen dem allgemeinen Trend zu immer leichterem Schießgerät liefert ihr Hersteller aus Worcester in Massachusetts/USA hier eine Taschenwaffe aus solidem Stahl. Eine, die funktioniert. In Mitteleuropa ist die Kahr K9 ideal für Jäger, die etwas Zuverlässiges für Fangschuss und Jagdschutz wünschen. Und die dabei lieber auf probates Material setzen als auf etwas, das sie nicht nur an ihren Büchsen und ihren Flinten haben wollten.

Die Kahr K9 Stainless Premium ist in Deutschland bei Waffen Ferkinghoff für 1.159,- Euro (Stand: 9.12.2016) zu bekommen. 


VISIER-Bewertung der Kahr K9 in 9 mm Luger:

VISIER-Bewertung Punkte
Präzision (max. 50 Punkte)
44 Punkte 
Repetierablauf/Sicherheit (max. 10 Punkte)
9 Punkte 
Abzugscharakteristik (max. 10 Punkte)
7 Punkte 
Abzugs-Griff-Design (max. 5 Punkte)
4 Punkte 
Bedienelemente (max. 10 Punkte)
7 Punkte 
Visierung (max. 5 Punkte)
3 Punkte 
Verarbeitung (max. 10 Punkte)
7 Punkte 
Gesamtpunktzahl (max. 100 Punkte)
81 Punkte 
Testurteil
sehr gut
Prädikate
5 von 6 

Schießtest: Kahr K9

NrFabrikpatroneStreukreisv2E2
1.95 grs TopShot Vlm.84 mm351 m/s379 J
2.100 grs Sellier & Bellot SP62 (32) mm365 m/s432 J
3.115 grs Remington UMC JHP45 mm330 m/s406 J
4.124 grs GECO Hexagon53 mm295 m/s350 J
5.124 grs GECO FMJ56 mm309 m/s

384 J


Hinweise: Streukreis = 5-/4-Schuss-Gruppen, geschossen über 15 m Distanz von der Sandsackauflage, angegeben in Millimetern, gemessen von Einschussmitte zu Einschussmitte. 

v2 = Geschossgeschwindigkeit zwei Meter vor der Laufmündung, in Meter pro Sekunde. E2 = Geschossenergie zwei Meter vor der Mündung, in Joule. 

Geschoss-Abkürzungen: Vlm. = Vollmantel, SP = Soft Point, FMJ= Full Metal Jacket . JHP = Jacketed Hollow Point.


Zusätzlich finden Sie bei all4shooters.com von Kahr noch die Kahr MK 9 Pistole im Test.


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Kahr K9
Technische Daten

Kahr-K9-in-9mm-LugerMichael Schippers



HerstellerKahr
ModellK9 / K9093A
TypHalbautomatische Pistole
Kaliber9 x 19 mm
SystemModifiziertes Browning-System
AbzugDouble Action Only
SicherungAutomatische Fallsicherung
Kapazität8 + 1 Patronen
Lauf8,7 cm / 3,4 Zoll
VisierungSeitlich driftbare Kimme (3,8 mm) und Korn (3,6 mm), Kimme mit weißem Kontraststrich
Gesamtlänge15,6 cm
Gewicht744 g (mit leerem Magazin)
Material / OberflächenfinishEdelstahlgriffstück und -verschluss mit mattem Finish. Gummigriffschale.
Anmerkungen7-Schuss-Magazin mit verlängertem Magazinschuh
Preis999,- Euro - Kahr K9 (UVP des Herstellers einschließlich MwSt.)
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