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Test aus VISIER Zeitschrift: Arsenal Firearms Strike One in 9 mm Luger

Auffällig ist an der Arsenal Firearms Strike One ist nicht nur der im Querschnitt breit anmutende Schlitten, sondern überhaupt ist vieles anders als sonst: Statt des sonst im Bereich der als „Tupperware guns“ bespöttelten Polymerpistolen allgemein üblichen Browning-Petter-SIG-Systems (BPS) fand sich hier eine Verriegelung, bei welcher der Lauf nicht kippt. Außerdem integrierte Arsenal Firearms eine neuartige Abzugssicherung und ließ sich zum dritten auch die beidseitige Magazinauslösung patentieren.

Herzstück der Strike One ist ihre Verriegelung. Der Lauf läuft beim Entriegeln nur auf gerader Linie zirka vier Millimeter mit nach hinten, insgesamt bewegt sich der gesamte Oberbau nur auf verhältnismäßig kurzer Strecke. Dafür sorgt ein gabelförmiger Block, welcher senkrecht auf- und abgeht und von unten in eine Ringfuge im Rohrbodenstück eingreift. An den beiden „Zinken“ der Gabel sitzen zwei rechtwinklig abgehende Riegelflächen. Sie stehen bei verriegeltem Verschluss jeweils formschlüssig vor den Führungsschienen im Verschluss. Quer durch den Gabelfuß verläuft eine Steuerkurve, in die wie beim BPS der Rohrhaltebolzen eingreift. Nur findet darüber eben beim Schlittenrücklauf keine Abkippbewegung des Rohres statt, sondern das Absenken des Riegelblockes. So kann der Verschluss nun durch den abgesenkten Riegelblock laufen. Geht der Schlitten wieder vor, hebt sich der Block, seine Riegelflächen stellen sich wieder vor die Führungsschienen. Die Vorteile des Prinzips: Nicht abkippende, gerade hin- und her laufende Läufe gelten als präziser in der Trefferleistung, weil sich logischerweise der Austrittswinkel des abgefeuerten Geschosses nicht verändert. Zudem fehlt beim Vor und Zurück des Schlittens das Laufgewicht, was einen geringeren Rückstoß erhoffen lässt. Auch sorgte diese Konstruktion dafür, dass man den Platz zum Rauf und Runter des Laufs nicht brauchte und somit das Rohr so tief wie möglich im Schlitten anordnen konnte – mit dem Vorzug einer sehr nahe zur Hand liegenden Laufseelenachse: Gut fürs Zielen und dafür, dass die Patronen in flachem Winkel vom Magazin ins Lager finden. Zudem senkt der Arsenal Firearms-Entwurf die Teilezahl und damit auch die Kosten. Und was kann das?

Die Arsenal Firearms Strike One in 9 mm Luger im zerlegten Zustand
Arsenal Strike One: Unter dem Schlitten der Lauf mit dem vor dem Verriegelungsblock befestigten Gabelstück, an dessen Unterende die geschlossene Steuerkurve sitzt. Darunter die Vorholfeder und das Griffstück.

Zum Test der Arsenal Firearms Strike One:

Das Abzugs-Griff-Design lässt sich wegen des Vorgenannten als gelungen bezeichnen. Hinzu kommt ein Griffstück-Ende, welches die Haut gegen die scharfen Schlittenunterkanten abschirmt. Was fehlt: Man kann sich den Griff nicht anpassen (-1 Punkt). Die Bedienelemente waren bei den geprüften Stücken nur einseitig ausgelegt (-1 Punkt), die Visierung nicht höhenverstellbar (-1 Punkt), aber mit klarem Visierbild. 

Die Kimme der Arsenal Firearms Strike One in 9 mm Luger
Arsenal Strike One im Test: Die Kimme ist eine Verlängerung der Verschlussplatte. Tritt aus dieser der Bolzen hervor, ist die Waffe gespannt.
Der Schlitten und das Korn der Arsenal Firearms Strike One in 9 mm Luger
Arsenal Strike One: Vorne oben im Schlitten sitzt ein seitlich driftbares Balkenkorn mit einer weißen Dämmerungsmarke.

Der Abzug mit der neuen Sicherung und seinen gut 2.300 Gramm Gewicht löste gut, aber mit leichtem Kriechgang aus (-1 Punkt). Bei der Verarbeitung überzeugte die mehr als nur ordentliche Passung von Schlitten und Griffstück, aber es fanden sich ein paar „vergessene“ Werkspuren im Inneren (-1 Punkt). Bei der Präzision schlug sich die Strike One mit einem Best-Wert von 60 mm gut (-11 Punkte), leistete sich aber bei Repetierablauf/Sicherheit eine Auswurfstörung und einige nicht abgeschlagene Patronen (-2 Punkte).


Testfazit zur Arsenal Firearms Strike One:

Eine clevere, durchdachte Bereicherung des Pistolenmarkts. Inzwischen gibt es Variationen: So hat Arsenal Firearms auf SHOT Show und IWA 2015 das Sportmodell Speed mit erleichtertem Schlitten vorgestellt.


VISIER-Bewertung der Arsenal Firearms Strike One in 9 mm Luger:

VISIER-Bewertung Punkte
Präzision (max. 50 Punkte)
38 Punkte 
Repetierablauf/Sicherheit (max. 10 Punkte)
8 Punkte 
Abzugscharakteristik (max. 10 Punkte)
9 Punkte 
Abzugs-Griff-Design (max. 5 Punkte)
4 Punkte 
Bedienelemente (max. 10 Punkte)
9 Punkte 
Visierung (max. 5 Punkte)
4 Punkte 
Verarbeitung (max. 10 Punkte)
9 Punkte 
Gesamtpunktzahl (max. 100 Punkte)
82 Punkte 
Testurteil
sehr gut
Prädikate
5 von 6 

Schießtest: Arsenal Firearms Strike One

NrFabrikpatroneStreukreisv2E2
1.124 grs GECO FMJ SX70 mm365 m/s451 J
2.124 grs GECO Hexagon83 mm335 m/s443 J
3.124 grs Sellier & Bellot FMJ60 mm328 m/s414 J
4.124 grs MEN NATO Ball FMJ78 mm366 m/s538 J
5.147 grs Winchester FMJ65 mm289 m/s

398 J


Hinweise: Streukreis = 5-Schuss-Gruppen, geschossen über 25 Meter Distanz von der Sandsackau flage, angegeben in Millimetern, gemessen von Einschussmitte zu Einschussmitte.
v2 = Geschossgeschwindigkeit zwei Meter vor der Laufmündung, in Meter pro Sekunde.
E2 = Geschossenergie zwei Meter vor der Mündung, in Joule.
FMJ = Full Metal Jacket, SX = Sintox, schadstoffarm.



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Arsenal Firearms Strike One
Technische Daten

Lesen Sie hier unseren Test der Arsenal Firearms Strike One in 9 mm Luger.



HerstellerArsenal Firearms
ModellStrike One
TypHalbautomatische Pistole für den Law Enforcement-Bereich
Kaliber9x19 mm
SystemRückstoßlader mit Vertikalblock-Verschlusssystem
AbzugDouble-Action-Only
SicherungAbzugs-und Schlagbolzensicherung
Kapazität17 + 1 Patronen
Lauf12,8 cm
VisierungRampenkorn mit weißer Punkteinlage und nicht verstellbare Kimme mit zwei weißen Punkten.
Gesamtlänge21,0 cm
Gewicht914 g
Material / OberflächenfinishPolymerpistole mit Stahlschlitten

AnmerkungenPicatinny-Schiene am Dustcover

Preis700 € - Arsenal Firearms Strike One (UVP des Herstellers einschließlich MwSt.)
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