Know-how mit all4hunters.com: Optische und elektronische Geräte, die das Sehen und Zielen für Jäger und Schützen erleichtern

Swarovski Optik Fernglas EL range 12x42
Das EL Range 12x42 von SWAROVSKI OPTIK, ein Hightech-Fernglas mit Stirnstütze zum ruhigen Halten, Laser-Entfernungs- und Winkelmesser und Tracking Assistant mit App zur Ballistikberechnung.
SWAROVSKI APP
Ohne Smartphone geht's kaum: Die individuelle Konfiguration der Ferngläser der EL Range-Baureihe mit Ballistikdaten erfolgt über die Hunting App von SWAROVSKI OPTIK, die auch mit den  Zielfernrohren des Herstellers kooperiert.

Die Entdeckung, dass eine geschliffene Glaslinse Lichtstrahlen bündeln kann und sich mit solchen Linsen entfernte Dinge vergrößert anzeigen lassen, ist bereits ein paar Jahrhunderte alt. Vom Brillenglas über ein Teleskop-Fernrohr bis zum modernen Fernglas, das durch ausgeklügelte Linsen in zwei parallelen Röhren ein scheinbar räumliches Bild bietet, hat sich am Grundprinzip nicht viel verändert. Beleuchtete Absehen in Zielvorrichtungen etwa gibt es bereits seit über 100 Jahren, Reflexvisiere mit Zielpunkt ebenso − auch wenn dieses lange Zeit Exotenstatus behielt oder jagdlich als "nicht waidgerecht" abgelehnt wurde − bis die Jägerschaft sich von den Vorteilen überzeugen ließ. 

Zwar haben sich durch modernste Reinraum-Fertigungsmethoden die Linsenbeschichtungen und die Glasqualitäten verbessert, was immer höhere Transmissionsraten und damit ein helleres,  schärferes, reflexfreieres und farbgetreueres Bild erlaubt. Aber erst die Kombination mit moderner Elektronik machte schließlich die nächsten Technologiesprünge möglich. 

Ferngläser und Spektive, mit Laser-Entfernungsmessung und Bildstabilisator, für besseren Durchblick und sicheres Ansprechen

SWAROVSKI Spektiv ST Balance
Spektive sind "einäugige" Fernrohre für höhere Vergrößerungen. Nur bräuchte man dann ein Stativ oder eine Auflage, um ruhigen Durchblick zu erhalten. Das  ST Balance 14-35x50 mit geradem Okular und einem Objektivdurchmesser von 50 mm von SWAROVSKI OPTIK hat einen Bildstabilisator, der klare Bilder aus freier Hand liefert. 

Neben der räumlichen Darstellung kam die aus der Fotokameratechnik entliehene Bildstabilisierung hinzu. Sie ermöglicht höhere Vergrößerungsraten aus der freien Hand, was wiederum den Einsatz auf größere Distanzen erlaubt. Wenn früher ein typisches Fernglas für den Nachtansitz eine 8-fache Vergrößerung bei einem 56-mm-Objektiv aufwies, kommt etwa das 2025 vorgestellte EL Range 12x42 von SWAROVSKI OPTIK auf eine 12-fache Vergrößerung. Um bei dieser hohen Vergrößerung noch ein möglichst ruhiges Bild zu liefern, verfügt dieses Fernglas neben einem integrierten Stabilisator auch noch über eine mechanische Stirnstütze. Wer noch genauer schauen will, ob als Jäger oder Sportschütze, nutzt ein Spektiv – auch diese gibt es mittlerweile mit Bildstabilisierung. 

Die bessere Erkennung nützt vor allem dem Jäger beim Ansprechen des Wilds, und durch die integrierten Laser-Entfernungsmesser ist auch die Distanzmessung zum Ziel exakter möglich, zumal auch Winkel einkalkuliert werden. Die Verbindung (meist über eine App im Smartphone) zu einem Ballistikrechner erleichtert dann den nächsten Schritt, das präzise Zielen und Treffen. Kleine Laserentfernungsmesser für die Tasche gibt es ja schon länger, nun werden Ferngläser mit Laser-Entfernungsmesser (international Laser Range Finder oder kurz LRF) mittlerweile von allen bedeutenden Herstellern angeboten. Während sich die frühen M;odelle solcher LRF-Ferngläser noch durch  die Form und ihr Gewicht von den herkömmlichen "Feldstechern" unterschieden, unterscheiden sie sich heute eigentlich nur noch durch die Anbindung an eine App zur Berechnung von ballistischen Daten davon. Mithilfe einer solchen App lassen sich etwa Geländepunkte oder der vermutliche Standort von getroffenem Wild (Anschuss) exakt bestimmen.

Zielfernrohre mit Rangefinder und Ballistik-Berechnung: die Kombination bewährter Technik spart auch Gewicht

Burris Eliminator 6
Mit dem ersten Laserscope revoiutionierte Burris 2010 die Zielfernrohr-Welt, das aktuelle Eliminator 6 hat deutlich mehr Elektronik.

Die Zusammenführung der Rangefinder-Technik und einer Zieloptik war eine logische Schlussfolgerung. Im Jahr 2010 brachte der US-Optikhersteller Burris die Zielfernrohr-Branche durch sein kantig anmutendes "Laserscope" in Schwung, das mittlerweile in der 6. Generation kaum noch von einem herkömmlichen Zielfernrohr zu unterscheiden ist und mit noch mehr Digitaltechnik als Burris Eliminator 6 4-20x52 vermarktet wird (hier der Test bei all4hunters.com). Auch Rangefinder gehören inzwischen zum Pflichtenheft für moderne Jäger, einige der Top-Zielfernrohre sind heute entsprechend ausgestattet. 

SWAROVSKI OPTIK ZF Z8i
Mit dem Throw Lever am Okular kann man beim SWAROVSKI OPTIK Z8i+ 5-40x46 P bequem und einfach die Vergrößerung wechseln.

Eine weitere technische Ausweitung der Leistungsfähigkeit von modernen Zielfernrohren besteht darin, dass sich variable Modelle durchgesetzt haben, die mit immer höheren Zoomfaktoren universeller als früher einsetzbar sind. Damit wird die Bandbreite zwischen der kleinsten und der größtmöglichen Vergrößerung eines ZFs ausgedrückt. Der Zoomfaktor berechnet sich nach der Formel "maximale Vergrößerung geteilt durch minimale Vergrößerung". Einen sechsfachen Zoomfaktor hat etwa ein Drückjagd-Zielfernrohr mit 1- bis 6-facher Vergrößerung, aber auch ein 2- bis 12-faches oder 3- bis 18-faches ZF. Die Top-Modelle für Schüsse auf weite Distanzen weisen mindestens einen 4- oder 5-fachen Zoomfaktor auf und gehen hoch bis zu einem 8- oder gar 10-fachen Zoom, dies zum Beispiel bei der Z8-Serie von SWAROVSKI OPTIK oder bei den bei Militär wie im Long-Range-Sportschießen verwendeten Zielfernrohren der japanischen Firma March, die als Top-Modell etwa das March 6-60x56 Genesis mit 10-fachem Zoomfaktor anbieten.

Moderne Wärmebildtechnik verändert die Jagdoptik und den Zielfernrohr-Bau grundlegend

Pard Osprey
Dieses futuristische Multispektrum-Binokular Osprey von Pard vereint drei optische Kanäle in einem Gerät – Wärmebild, Tageslicht, Nachtsicht und Picture-in-Picture – flexible Wildbeobachtung und ein Beispiel, was technisch alles möglich ist.

Die Technik, auch nicht für das menschliche Auge sichtbare Licht zur Fern-Erkennung zu nutzen, ist schon über 200 Jahre alt. William Herschel entdeckte die Infrarotstrahlung im Jahr 1800, Samuel Langley erfand 1880 das Bolometer, quasi den Urvater heutiger Thermalsensoren. Aber erst zur letzten Jahrtausendwende ließen sich Sensoren, die nicht gekühlt werden mussten und ohne bewegliche Teile auskamen, herstellen, was den Einbau in tragbare Geräte erlaubte. Der Mensch kann Licht in Wellenlängen zwischen rund 400 Nanometern (nm) und 780 nm mit dem Auge erfassen und Strukturen und Farben erkennen. Nicht sichtbare Strahlung heißt in diesem Fall, dass sie oberhalb dieses Bereichs, genauer im mittleren bis langwelligen Infrarotbereich zwischen etwa 3,5 und 15 μm liegt. Man kann aber, einfach vereinfacht gesagt, ihre Reflektion von Gegenständen und Lebewesen auch aus größeren Entfernungen messen, umwandeln und als Bild darstellen. Wir können in einem solch kompakten Artikel nicht bis ins Detail auf Funktionsweisen und Unterschiede der verschiedenen Konzepte eingehen und verweisen auf die diversen Testberichte und Videos zu einzelnen Geräten (Links wie immer unter diesem Beitrag). 

Nachtsichtmodus Hikmicro
Der Nachtsichtkanal im Hikmicro Habrok 4K HX60L zeigt eine Sau mit Frischlingen auf 71 Meter Entfernung – das nur äußerlich einem Fernglas ähnelnde Handheld-Gerät hat fünf Funktionen vereint: Wärmebild oder Nachtsicht, Tagesfernglas (über Display), Rangefinder und Videoaufnahmen. Der Preis: knapp 6000 Euro.
Fusion-Ansicht Hikmicro
Ein digitaler Bildstabilisator wurde im verbesserten Multifunktionsgerät Hikmicro Habrok 4K HX60L integriert, der bei großen Zoomstufen bis 22-facher Vergrößerung ein ruhiges Bild liefert.
Habrok 4K HX60L
Hikmicro Habrok 4K HX60L: Allround-Fernglas mit robustem Magnesiumgehäuse, Wärmebild und Nachtsicht, Video und Laser-Range Finder (Messbereich bis zu 1.000 m).

Im Unterschied zur Thermal- oder Wärmebildtechnik steht die Nachtsicht- oder (in Verbindung mit einer Zieloptik) Nachtzieltechnik. Das ist insbesondere in Deutschland aus rechtlichen Gründen streng zu trennen, auch wenn es inzwischen aus praktischen und jagdlichen Erwägungen heraus Vorstöße zu einer Neuregelung gibt.  Nach aktueller deutscher Gesetzeslage sind Wärmebild- oder Nachtsichtgeräte mit Zieloptik für die Jagdpraxis noch nicht zugelassen, während in anderen europäischen Ländern wie Österreich diese Systeme bereits legal eingesetzt werden dürfen. 

Hierzulande erlaubt sind hingegen sogenannte Nach- und Vorsatzgeräte, weil sie keine eigene Zielvorrichtung besitzen. Um ein bereits vorhandenes, optisch gutes und daher auch teures Tageslicht-Zielfernrohr rund um die Uhr nutzen zu können, wählt man daher etwa ein "Clip-on", was vor das Objektiv geklemmt wird. Meist sind diese Clip-ons auch "dual use", man kann sie abgenommen auch als separates Beobachtungs-Wärmebildgerät aus der freien Hand einsetzen.  

Vergleich Wärme-Monokulare Hikmicro Lynx
Die verschiedenen Modelle der neuen Wärmebild-Monokulare von Hikmicro aus der Lynx 3.0-Reihe. In der Übersicht sind auch die jeweils empfohlenen Revierverhältnisse und die Sensorgrößen für die einzelnen Geräte dargestellt.

Bei der Auswahl muss man sich mit bisher unbekannten Messeinheiten und -größen auseinandersetzen. Es gibt keine einfache Faustregel, aber ein paar Punkte sind prinzipiell zu beachten. Die Thermalsensoren, auch Detektorzellen genannt, werden mit der Einheit Mikrometer im Quadrat (µm) definiert. Detektoren mit 320x240 Pixel Auflösung haben meist 25 µm oder 17 µm Pixelabstand (Pitch). Bei Detektoren mit einer Auflösung von 640x480 Pixel jedoch ist ein Pitch von 12 µm eine gute Wahl. Die Detektorempfindlichkeit (angegeben in Millikelvin, mk) beschreibt die Temperatursensibilität, die entscheidende Kennzahl zur Beurteilung der Leistungsfähigkeit eines Detektors. Je kleiner diese Kennzahl, desto kontrastreicher das Bild, desto klarer werden feinste Temperaturunterschiede dargestellt. Diese Werte werden auch oft als NETD (Noise Equivalent Temperature Difference) angegeben. Schließlich sollte man, wie beim TV auch, die Bildwiederholfrequenz beachten. Sie entscheidet, wie flüssig das Display Bewegungen wiedergibt oder wie lange man für ein klares Bild ruhig halten müsste. Um "live" einen sicheren und waidgerechten Schuss abzugeben, sollte sie nicht wie bei einfachen Systemen 9 hz (Hertz), sondern mindestens 25, besser noch 50 Hertz betragen. 

Wärmebild-Vorsatz oder (wo es rechtlich erlaubt ist) ein Thermal-Zielfernrohr? Oder alles in separaten Geräten?

Wärmebild vs Thermalzielfernrohr
Die italienischen Kollegen von all4hunters.com haben ein HIKMICRO Thunder 3.0 Wärmebild-Clip-On auf einer Benelli-ARGO-Selbstladebüchse mit einem Noblex NZ8-Tagzielfernrohr (vorn) und ein HIKMICRO Stellar 3.0 Thermal-Zielfernrohr auf einer Remington 700 gegenübergestellt (Link zum Test unter diesem Beitrag).

Da die Zielfernrohr-Länge durch ein Clip-on natürlich vorn steigt, man aber andererseits keine hochempflindliche Dämmerungsleistung des Zielfernrohrs mehr benötigt, weil diesen Job die Thermaltechnik übernimmt, hat die Wärmebildtechnik zu einem Wandel bei der ZF-Wahl geführt. Heute gefragte Zielfernrohre für den Jagdeinsatz sind kürzer, schlanker und dadurch auch leichter, was wiederum die Führigkeit und die Belastung auf der Pirsch oder im Gebirge verringert. 

Die meist auch mit einer App konfigurierbaren Clip-ons zeichnen oft auch Videos auf und helfen auch bei der Treffpunktbestimmung, was sonst mit einem Wärmebild-Zielfernrohr direkt möglich wäre.

Der Deutsche Bundesrat hat im Sommer 2025 eine Änderung des Waffengesetzes angeregt, nach der Nachtzielgeräte für Jagdscheininhaber erlaubt werden sollten, weil sie sicherheitstechnisch keine Gefahr darstellen, aber jagdliche Vorteile bieten. Entscheiden müsste der Bundestag durch eine Waffengesetz-Änderung – da aber ohnehin gerade eine Waffengesetz-Überprüfung ("Evaluierung") läuft, wurde diese Einzelregelung zunächst bis zu einer Änderung oder Neufassung des Waffengesetzes aufgeschoben.