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Drückjagd auf Schwarzwild in Thüringen mit Tom von Jäger TV

Ende Oktober 2017 zog es mich nach meiner ersten Drückjagd in Thüringen wieder in die Thüringer Wälder. Wieder hatte mich ein Arbeitskollege eingeladen, zusammen mit ihm auf Drückjagd zu fahren. Es hatte sich in dieser kurzen Zeit ordentlich abgekühlt und trotzdem tat es meiner großen Freude keinen Abbruch.

"Diesmal müsste es doch mit einer Sau klappen!“, dachte ich mir belustigt, als ich wieder zusammen mit meinem Kumpel Jonas die Einrichtung bezog. Wir saßen direkt an zwei Dickungen, die durch einen 5 m breiten Weg getrennt waren. In die Jungbestände konnten wir nicht schauen und somit hieß es für uns beide: "Leise sein und Ohren spitzen!". 

Sauen satt auf der Drückjagd

Die Zeiger der Uhr standen auf 10 und somit war der Hahn frei. Das erste Hundegeläut ließ nicht lange auf sich warten und auch die ersten Schüsse brachen durch den Wald. Plötzlich vernahm ich schnelle Schritte, die sich aber weit weg anhörten. Und es stimmte! Auf ca. 140 m sah ich zwei Überläufer durch den Hochwald brechen. Leider parallel von uns weg, doch der erste Anblick war da und meine Sinne schärften sich noch mehr!

Schwarzwild-Wechsel
Schwarzwild wechselte bei der Drückjagd in Thüringen an Tom vorbei.

Ich schaute abwechselnd nach links und rechts, damit mir keine Chance entging. Unerwartet tippte mir Jonas auf die Schulter und zeigte auf den Weg, der die beiden Bestände voneinander trennte. 

Eine kleine Rotte wechselte auf vielleicht 50 m an uns vorbei und ehe ich die Waffe in Anschlag gebracht hatte, waren 3 Sauen schon wieder im schützenden Dickicht verschwunden. Ich betete, dass noch ein Nachzügler die Schneise überqueren wollte und richtig: Ein 3. Frischer wechselte aus dem Buschwerk und ich ließ die Kugel fliegen. Er verschwand beschossen im Unterholz. Ich repetierte sofort nach und konzentrierte mich wieder auf die Schneise. Ich hörte es noch leise knacken im Gehölz, doch dann wurde es wieder still. Jonas schaute mich fragend an: "Hat das Schwein den Schuss oder nicht?". 

Wir unterhielten uns leise über die gerade passiert Situation, da schnürte Reinecke leise über den Weg. Füchse waren bei der Jagd nicht offen und so freuten wir uns auch so über den Anblick. 

Eine knappe Stunde verging und mein Freund Paul schrieb mir aufgeregt, dass an seinem Stand gerade eine 11-köpfige Rotte die kleine Waldwiese überfallen hatte. Er konnte 2 Überläufern einen Schuss antragen, doch beide sind trotzdem noch im Bestand verschwunden. 

Dieses Gefühl der Ungewissheit kennen viele Jäger, die oft auf Drückjagd gehen. Der Jäger darf ja den Stand nicht vor Ende der Jagd verlassen und doch will jeder wissen, ob das Stück einen sauberen Schuss hat.

11-köpfige Rotte Wildschweine
Eine 11-köpfige Rotte Schwarzwild wechselte bei der Drückjagd über. Hier heißt es schnell sein.

Der Keiler kam zum Schluss

Motiviert durch den vielen Anblick, zwang ich mich weiter aufmerksam zu bleiben. Es ist nämlich nicht so einfach 3 Stunden lang die Konzentration hoch zu halten. Vor allem wenn es am Ende ruhiger wird, keine Treiber und Hundegeläut hört und die Kälte langsam unter die Sachen zieht.

Eine Ricke mit einem Kitz überfiel lautlos den Weg und die beiden verschwanden so schnell, wie sie gekommen waren in der Fichtendickung. Hinter mir grenzte noch ein lichter Kiefernbestand an die Dickung und ich vermutete, dass die beiden dort langziehen würden. Das war auch der Fall, doch leider spitz von mir weg. Da half auch kein Fiepen oder Pfeifen. Schmunzelnd drehte ich mich wieder um und sah gerade noch die Lunte vom Fuchs im Gebüsch verschwinden. 

"Kurz vor Ende wird es nochmal spannend", zwinkerte ich Jonas zu und wir beide horchten gespannt in die Stille des Waldes. 

Wildschwein Keiler beim Wechsel
Ein ordentlicher Keiler kam aus der Dickung und Tom machte große Augen.

Leises Knacken im Unterholz kündigte Wild an. Ich hatte mich gerade fertig gemacht, da überfiel schon die Leitbache den Weg. Dahinter folgten 7 Frische mit je ca. 20 – 25 kg. Ich zog auf der kurzen Schneise mit und ließ Fliegen. Leider sah ich, wie die Kugel im Dreck einschlug. Ich repetierte schnell nach und zwei weitere Frösche (vielleicht 8 kg) wechselten rüber. Ich zog mit und krümmte erneut den Finger. Der Schuss ging wieder hinter der Sau ins Grün und ich nahm die Waffe runter. 

Da überflog förmlich ein ordentlicher Keiler die Freifläche und meine Augen wurden groß. So etwas hatte ich noch nie in meinem jungen Jägerleben gesehen. Jonas schaut auch nicht schlecht drein, eine 11-köpfige Rotte auf 50 Meter. 

Wir sahen uns kurz den Videoclip an, um sicher zu gehen, dass die zwei Schüsse nicht ihr Ziel gefunden hatten. Ich suchte dann prompt den Fehler, warum ich nicht getroffen hatte und nach kurzer Zeit dämmerte es mir. Ich war immer mitgegangen und dann kurz vorm Bestandbeginn abgestoppt, um dann der Sau den Schuss anzutragen. Durch die 5 Meter Schneise war eben sehr wenig Platz und es wäre besser gewesen, die Sau reinlaufen zu lassen.

Ich lerne jedes Mal mit und ein Jäger, der noch nie vorbeigeschossen hat, gibt es nicht. Trotzdem ärgerte es mich, dass aus dieser Chance nicht mehr geworden ist. Kurz vor Ende der Jagd wechselte noch eine einzelne Bache in den Fichtenbestand, die ich aber passieren ließ, da diese Stücken zu schonen waren.

Hahn in Ruh und Nachsuche der Drückjagd in Thüringen

RWS .30-06 mit H-Mantel
Die RWS im Kaliber .30-06 Spring. mit H-Mantel Geschoss ist von Tom die erste Wahl bei der Jagdmunition.

Gegen 13 Uhr leerte ich die Waffe und ging dann zum Anschuss. Kurzes Ausarbeiten der Schweißfährte war erlaubt und so fand ich den Frischen 20 Meter im Bestand. Er hatte einen tiefen Blattschuss und so erwies sich wieder das H-Mantel Geschoss von RWS als gute Wahl. Nach dem Aufbrechen des Stückes sah ich nämlich, dass Splitter des Vollzerlegers das Leben zerstört hatten.

Ich verlud dann mit Jonas den Frischen im Auto und zusammen mit meinem Nachbarschützen ging es zum Streckenplatz. Paul hatte auch seine beiden Schweine 30 Meter im Bestand gefunden und somit lagen 12 Wildschweine und ein Reh auf der Strecke.

Für das Revier ein tolles Ergebnis und für alle Jäger ein schöne Drückjagd. Wir ließen den Jagdtag mit einem ordentlichen Schüsseltreiben am Feuer ausklingen und gegen Mitternacht ging es mit vielen Eindrücken und Erlebnissen nach Hause.

Waidmannsheil!

Euer Tom von Jäger TV

Pirschfreund aus Leidenschaft

Jagdstrecke an Schwarzwild
Die Jagdstrecke bei der Drückjagd auf Schwarzwild in Thüringen mit Tom.

Begleitet Pirschfreund Tom auf Widschweinjagd im Winter.

Die Fallenjagd auf Raubwild: Fuchs, Marder und Waschbär ist auch im Winter ein großes Thema. Pirschfreund Tom hat ein paar Tipps für euch.

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