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Das NOBLEX GLOCKsight: Mini-Reflexvisier für M.O.S Modelle von GLOCK im Test und Video

NOBLEX, früher bekannt als Docter Optics, kennen Schützen wie auch die Jägerschaft seit vielen Jahren als Hersteller von ultrakompakten Reflexvisieren der Baureihe Doctersight. Diese wurden von Anfang an nicht nur auf Büchsen und Flinten montiert, sondern häufig auf Kurzwaffen. Die kleinen Doctersights werden bei NOBLEX in Eisfeld nach wie vor produziert, heute freilich unter dem neuen Branding. Die Montagefläche der NOBLEX Sights, sozusagen ihr "Fußabdruck", ist heute wohl die gängigste Version für Adapterplatten, die in die Schlittenausfräsung von entsprechend vorbereiteten Pistolen eingesetzt werden. Dieses Muster wird auch von anderen Optikherstellern verwendet. Üblicherweise messen die Sichtfenster von MRDS (Mini Red Dot Sight) in etwa 25 x 20 mm in Höhe mal Breite. Manche fallen etwas kleiner aus, andere einen Hauch größer. Anders beim neuen GLOCKsight: Die Linse der winzigen Optik aus Eisfeld fällt mit 8 x 18 mm nochmals vor allem in der Höhe erheblich kleiner aus, man müsste eigentlich von einem Nano Red Dot Sight sprechen. Der Grund für die Mini-Bauweise liegt auf der Hand, oder eigentlich in dem angedachten Verwendungszweck. Denn Pistolen, die nicht nur für Spaß und Sport auf dem Stand ausgeführt, sondern zur Verteidigung verdeckt im Holster geführt werden, sollen sich auch eng am Körper noch bequem tragen lassen. Und dabei bereitet die maximale Bauhöhe vielen Nutzern eher Probleme als die Länge einer Kurzwaffe.

"Tiefbau" auf der GLOCK - was bringt das NOBLEX GLOCKsight?

Visierbild durch das auf GLOCK montiertem Noblex Glocksight.
Alles im Blick: Das GLOCKsight sitzt direkt im M.O.S.-Schlitten und passt in der Höhe zum Plastik-Werksvisier.

NOBLEX umschifft beim neuen Visier das Problem des Höhenwachstums zunächst einmal durch eine extraflache Linse. Maximal 11 mm hoch sitzt das Visier über dem Schlitten. Komplett mit den kleinen Schutzöhrchen überragt der aus Stahl gefertigte Rahmen des GLOCKsights die Oberkante der originalen Kimme um gerade mal 5 mm, wobei die Werkskimme bereits zu den flacheren Visieren typischer Pistolen gehört. Das Gehäuse des NOBLEX-Sights inklusive Batterie und Stellmechanik entspricht in seinen Konturen exakt der Schlitten-Aussparung einer GLOCK mit M.O.S.-Fräsung. Doch für eine Platte als Adapter für das Nano-Leuchtpunktvisier reicht die Höhe nicht mehr aus. 2 Schrauben halten die kleine Optik direkt im Schlitten. Die Batterie wird von oben eingesetzt, das Visier kann für einen Batteriewechsel auf der GLOCK bleiben. Einen Ein-/Ausschalter oder eine Intensitätsregelung von Hand für den 5-MOADot (Minute of Angle: Winkelminuten) gibt es bei dem Winzling aus Eisfeld nicht, der Sensor regelt die Helligkeit. Bei regulärem Gebrauch spricht der Hersteller von bis zu 26.000 Stunden Einsatzbereitschaft. Den Löwenanteil muss das Visier davon aber im Dunkeln verbringen, denn sonst reagiert ja der Sensor auf Umgebungslicht und schaltet den Rotpunkt ein. Die Oberfläche des Stahlgehäuses wird zum Schutz vor Schäden nitrocarburiert und chemisch oxidiert. Das Visier soll auf einer GLOCK montiert wasserdicht sein. Ein Wort zu passenden Holstern: Rund 13 mm hinter dem Patronenlager der abgebildeten GLOCK 34 M.O.S. befindet sich die Vorderkante der Linse – etwa 4 cm vor der Standardkimme. Viele für GLOCK Pistolen passgenau konzipierte Holster sollte dies nicht vor Probleme stellen. Aber manche Pistolenholster umschließen in diesem Bereich noch die Oberseite des Schlittens, und dann kann es Probleme geben, die mit GLOCKsight aufgerüstete Pistole zu holstern.

Die technischen Daten des NOBLEX GLOCKsight:

Modell:NOBLEX GLOCKsight
Preis:€ 440,−
Maße (L x B x H):45 x 26 x17 mm
Display (B x H):8 x 18 mm
Gewicht:30 g
Punktgröße:5 MOA
Batterietyp:CR2032

Wir stellen Ihnen das NOBLEX GLOCKsight im Video vor:

Praxis-Test: Das NOBLEX GLOCKsight im Einsatz

Geht man mit der GLOCK (hier mit der GLOCK 34) in den Anschlag, dann sieht man im unteren Drittel der kleinen Linse tatsächlich den Kimmenausschnitt und das Korn der Standardvisierung. Kimme und Korn helfen dabei, so schnell wie möglich den auf der mechanischen Visierung aufsitzenden Leuchtpunkt zu finden und mit dem Ziel in Übereinstimmung zu bringen. Ob man nun mit dem Leuchtpunkt genauer visieren kann als mit Kimme und Korn, ist eine individuelle Angelegenheit für jeden Schützen und hängt natürlich auch von der Größe und passenden Leuchtintensität des Punktes wie auch der Machart und Qualität von Kimme und Korn ab. Rein subjektiv punktet das GLOCKsight von NOBLEX vor allem bei größeren Pistolendistanzen. Bei möglichst schnellen Schussfolgen auf sehr kurze Entfernungen um 5 m bringt das Reflexvisier keine Nachteile, aber auch kaum Vorteile gegenüber einem normalen GLOCK Visier. Man zielt halt schnell und grob über Kimme und Korn, der Rotpunkt innerhalb des kleinen Sichtfensters hilft nicht viel, stört aber auch nicht. Auf 25 m hilft die Werksvisierung, Ziel und Rotpunkt innerhalb der Linse zu zentrieren. Das geht mit dem GLOCKsight im ersten Anlauf vielleicht eine Spur langsamer als mit Kimme und Korn, aber dafür angenehmer für müde Augenmuskeln oder bei Fehlsichtigkeit. Auf mittlere Distanzen zügig geschossen, inklusive Schuss-Serien mit Zielwechsel klappt mit dem winzigen Reflexvisier subjektiv nicht so gut wie mit Kimme und Korn oder aber mit einem normal gewachsenen MRDS mit größerem Sichtfeld. 

Frontalansicht des Noblex Glocksight, auf einer GLOCK montiert.
Obwohl das winzige Reflexvisier die Kimme kaum überragt, kann es je nach Holster beim Verstauen zu gewissen Schwierigkeiten führen.
Linke Seite der GLOCK 34 mit Noblex Glocksight.
Die GLOCK, hier ein Sportmodell 34, nimmt in Höhe und Gewicht mit dem montierten Noblex- Visier nur minimal zu. Zudem ist das Visier immer eingeschaltet.

Unser Test-Fazit zum GLOCKsight von NOBLEX:

Das GLOCKsight macht in Verarbeitung und Funktion einen feinen Eindruck. Zudem vergrößert es eine GLOCK kaum mehr als eine große Kimme. Und es ist kleiner als die Werks M.O.S.-Lösung. Wie die größeren MRDS auch bietet das neue NOBLEX-Visier zusätzlich Optionen für präzise Schüsse auf größere Distanzen sowie bei ungünstigem Licht oder nachlassenden Sehfähigkeiten des Schützen. Der Komfort fällt allerdings gegenüber regulären MRDS mit entsprechend größeren Linsen merklich ab. Dafür stört das GLOCKsight auch beim verdeckten Führen nicht und kann mit dem flachen Originalvisier kombiniert werden. Die Entscheidung für die Nachrüst- oder M.O.S.-Werkslösung basiert also in erster Linie auf dem Einsatzzweck.


Dieser Test erschien zuerst in der VISIER 3/2019, sie ist auch digital verfügbar. Diese und weitere Ausgaben können sie bequem im VS Medien-Shop bestellen.

all4shooters.com hat sich auch weitere Neuheiten von NOBLEX angeschaut.

Neben der GLOCK 34 M.O.S. haben wir auch andere Carry-Optics-Pistolen unter die Lupe genommen.

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