Kahles K 525i DLR CCW 5-25x56: Das für dynamisches Long-Range-Schießen optimierte Zielfernrohr im Test

Das ursprünglich im März 2018 vorgestellte Zielfernrohr K 525i von Kahles wurde jetzt speziell auf das sportliche Long-Range-Schießen abgestimmt. Im Rahmen der Messesaison 2021 haben wir das Glas bei all4shooters.com schon vorgestellt. Nun folgt unser Test: Die Vergrößerung lässt sich okularseitig stufenlos über einen Verstellring von 5- bis 25-fach justieren. Es ergibt sich somit ein fünffacher optischer Zoom. Der Seitenverstellturm ist wahlweise links wie auch rechts erhältlich: So müssen Links- oder Rechtsschützen bei seitlicher Absehenverstellung nicht über das Glas greifen. Der Höhenverstellturm und die Parallaxe-Verstellung sitzen mittig und sind somit mit der rechten oder linken Hand gleichermaßen gut zu erreichen. Die Abdeckkappe des Seitenverstellturmes ist mit einem frei drehenden Schutz ausgestattet, bei Kahles als "Twist Guard" bezeichnet. Dies soll beim Hängenbleiben in der Kleidung oder beim Anschlagen der Waffe ein versehentliches Verstellen verhindern. Ein kleiner Inbusschlüssel, untergebracht im Deckel der Beleuchtungseinheit, ermöglicht das Nullen der Türme und ist somit immer mit an Bord.

Die neue DLR-Version des Kahles K525i im Detail:

Bedienelemente des K 525i DLR CCW 5-25x56 im Detail von links.
Das Steuerrad am Fuß des Turmes für die
Höhenverstellung ist für die schnelle Justierung der Parallaxe zuständig. Die Seitenverstellung gibt es wahlweise
rechts oder links.

Die aktuelle, speziell für das dynamische Long Range-Schießen weiterentwickelte Ausführung des K 525i hört auf die Bezeichnung K 525i DLR. DLR steht dabei für "Dynamic Long Range". Zu den Hauptunterschieden der DLR-Ausführung zählt ein vergrößertes Sehfeld, um beim dynamischen Schießen das Ziel schneller zu erfassen. Dieses beträgt beim K 525i 7,1 bis 1,5 Meter auf 100 Meter Zieldistanz, beim DLR sind es 7,7 bis 1,6 Meter. Die erste Zahl bezieht sich auf eine fünffache Vergrößerung, die letzte auf die Maximalvergrößerung. Größere und somit schneller ablesbare Klickeinstellungen an den Türmen ermöglichen eine schnelle Erfassung der aktuellen Einstellung. Dies bringt unter Wettkampfbedingungen natürlich Vorteile, da man hier unter Zeitdruck auf diverse Zieldistanzen schießt. Das Stellrad für die Vergrößerung bestückt Kahles mit einem Ring und einem langen Verstellhebel. Dadurch lässt sich die Vergrößerung schneller verändern, da nicht die ganze Hand um den Verstellring gelegt werden muss – den Hebel bedient man fix und bequem mit zwei Fingern. Die Schnellverstellung wurde mit dem sogenannten "Parallax Spinner" auch bei der Parallaxe-Verstellung konsequent umgesetzt. Bei diesem Stellring sorgen drei kleine Hebel im Winkel von jeweils 120 Grad zueinander für die schnelle Bedienung. Insgesamt offeriert Kahles beim K525i sieben Leuchtabsehen, alle in der ersten Bildebene. Die Bezeichnungen lauten: AMR, SKMR, SKMR4, MOAK, MSR2/Ki, Mil4+ und TREMOR 3. Die neue DLR-Variante des Zielfernrohrs ist mit dem speziell für das bewegte Schießen entwickelten SKMR4-Absehen ausgestattet. Im Gegensatz zum K 525i beträgt beim DLR eine volle Umdrehung der Verstelltürme genau einhundert Klicks. Der Turm der DLR-Version ist auch nur mit einer und nicht wie beim K 525i in zwei Ebenen mit Ziffern beschriftet, auch dies erhöht die Ablesegeschwindigkeit. Der maximale vertikale Verstellbereich beträgt 290 Zentimeter auf 100 m (29 mil). Beim DLR verteilt sich der gesamte Verstellbereich somit auf drei Ebenen am Höhenturm. Die aktuell eingestellte Ebene zeigt ein ausfahrbarer Stift mit rotweiß-roter Farbmarkierung an.

Mit dem Kahles K 525i DLR CCW auf dem Schießstand:

Kahles K 525i DLR CCW 5-25x56 komplett von links.
Schon an den Bedienelementen des Kahles K525i DLR ist zu erkennen: Hier ist alles für schnelle Bedienung eingerichtet.

Die Beurteilung der optischen Leistungsfähigkeit eines Zielfernrohres ist äußerst komplex und bedarf zudem eines hohen apparativen Messaufwandes. Die Einstellung der Parallaxefreiheit mittels dafür vorgesehenem Verstellturm kann und muss jedoch individuell vom Schützen vorgenommen werden. Ist die Parallaxe korrekt eingestellt, so erscheint die Bildebene (Zielbild) direkt auf der Absehen-Ebene. Eine korrekt eingestellte Parallaxe lässt sich leicht überprüfen. Blickt der Schütze leicht schräg in das Okular ein, dann darf es keinen Versatz zwischen Bild- und Absehen-Ebene geben, da der Fokus identisch ist. Befinden sich die beiden Ebenen jedoch nicht auf identischem, axialen Fokus, so erscheint beim schrägen Einblick ins Okular ein Versatz. Das Absehen auf dem Ziel verschiebt sich entsprechend, obwohl die Waffe mit der fest montierten Optik nicht bewegt wird.

Weiter wirkt das Bild vor allem bei hohen Vergrößerungen zunächst etwas unscharf, bedingt durch den axialen Versatz der beiden Ebenen. Schaut der Schütze gerade in das Okular, ist der Versatz nicht zu erkennen, da beide Ebenen zwar versetzt zueinander sind, jedoch auf derselben Achse. Der Fehler lässt sich durch den Schrägeinblick jedoch schnell feststellen. Daher ist es zur Überprüfung der korrekt eingestellten Parallaxe immer ratsam, durch kurzes Auf und Ab sowie seitliches Bewegen des Kopfes die Parallaxe zu überprüfen: Bleibt das Absehen bei den Kopfbewegungen auf derselben Position des Zielbildes, ist die Parallaxe korrekt eingestellt. Die häufig eingravierten Ziffern sollten nur als grober Richtwert gelten: Die parallaxefreie Feineinstellung erfolgt über das Auge. Dazu blickt der Schütze gerade durch die Optik und dreht solang am Parallaxeturm, bis das Zielbild absolut scharf und beim Auf und Ab sowie seitlichem Bewegen der Augenposition das Fadenkreuz starr auf dem Zielpunkt bleibt. Beim K 525i DLR graviert Kahles das Parallaxe-Rad mit den Entfernungen 20, 25, 50, 100, 200, 300, 400, 500, 800, 1000 Meter und der Position unendlich. Bei der Überprüfung der Parallaxe konnten die Tester auf diverse Entfernungen zwischen 23 und 1070 Metern jeweils ein klares und scharfes Zielbild über das Parallaxe-Rad einstellen.

Das neue Kahles K525i DLR im Box-Test:

Testaufbau für das K 525i DLR.
Kahles K525i DRL: Für beste Bedingungen ging es mit einem präzisen Einzellader und der Premium-RWS-Patrone Target Elite Plus in den Test.

Ein wirklich aussagekräftiger Test, der die Qualität der Verstellmechanik betrifft, kann einfach und ohne großen Aufwand vom Anwender selbst durchgeführt werden. Dabei handelt es sich um den so genannten "Box-Test". Hierbei wird das ZF auf eine beliebige Entfernung eingeschossen, im konkreten Fall waren es 50 Meter. Ist die Waffe auf die gewünschte Entfernung justiert, wird die als Box bezeichnete geometrische Figur in Form eines Quadrates ermittelt. Dazu wird eine Dreier- oder Fünfergruppe bei gleichem Haltepunkt geschossen. Danach wird die Höhe am Höhenturm um beispielsweise 30 Klicks verändert. Nun schießt man eine weitere Gruppe. Dieser Vorgang wird solang wiederholt, bis eine Verstellung mittels Höhen- und Seitenverstellturm um jeweils 30 Klicks nach oben, nach rechts, nach unten und abschließend wieder nach links durchgeführt wurde. Findet sich die letzte Schussgruppe in der ersten Gruppe, Glückwunsch – Box-Test bestanden. Die Anzahl der Verstellklicks spielt eine untergeordnete Rolle. Es sollten jedoch mindestens 20 sein, damit sich die Abstände zwischen der mittleren Treffpunktlage der einzelnen Treffergruppen präziser ermitteln lässt. Ein geringer Messfehler wirkt sich bei einem größeren Abstand der Gruppen geringer aus. Mit einem Lineal misst man nun den Abstand des mittleren Treffpunktes der einzelnen Gruppen zueinander aus. Bei einer Klickverstellung von 0,1 Mil oder einem Zentimeter bezogen auf eine Distanz von 100 Metern, entspricht ein Klick 0,5 Zentimeter auf 50 Meter, somit sollte der direkte Abstand der Gruppen zu obigem Beispiel bei 30 Klicks Verstellung zirka 15 Zentimeter betragen. Dieser Test wird natürlich umso genauer und aussagekräftiger, je besser die Kombination aus Waffe und Munition schießt.

Box-Test-Ergebnis des neuen Kahles K525i DLR

Die Tester verwendeten daher eine Einzellader-Matchbüchse in .308 Winchester mit gehämmertem, 762 mm langem Lauf und Matchmunition des Typs RWS Target Elite Plus (154 gr). Diese lieferte aus der Matchbüchse Dreierstreukreise zwischen sechs und acht Millimeter. Die Start- und Ziel-Dreiergruppe, hier logischerweise insgesamt sechs Schuss, resultierte in einen Streukreis von acht Millimeter. Das Vermessen des geschossenen Quadrates ergab einen Abstand der einzelnen Gruppen von hervorragenden 15,2 bis 15,3 cm zueinander. Dieser Test wurde mit neuem und somit unbelastetem Zielfernrohr geschossen.

Erster Box-Test des neuen Kahles K525i.
Anschussscheibe des ersten Box-Tests mit neuem Kahles K 525i DLR CCW 5-25x56.
Box-Test nach dem Belastungstest.
Auch die Ergebnisse des Tests nach 600 Schuss präsentierten sich als herausragend.

Box-Test-Ergebnis: Kahles K525i DLR nach 600 Patronen verschiedener Kaliber

Bedienelemente des K 525i DLR CCW 5-25x56  von rechts.
Die Wiederholgenauigkeit der Verstellung des
Kahles K 525i DLR CCW 5-25x56 konnte sich durchaus sehen lassen.

Um eine gewisse Alterung oder Gebrauch der Optik zu simulieren, wurden das Zielfernrohr auf unterschiedliche Waffen im Kaliber 6,5 Creedmoor, .308 Winchester und .338 Lapua Magnum montiert und insgesamt zirka 600 Patronen verschossen. Im Anschluss daran wurde das Kahles wieder auf der 308er Matchbüchse montiert und ein neuer, diesmal komplexerer Box Test in Angriff genommen. Diesmal wurden neun Einzelschüsse mit jeweils einer Höhen- und oder Seitenverstellung nach jedem Schuss abgegeben. Der erste Schuss wurde mittig auf die Scheibe gesetzt. Für Schuss Nummer Zwei wurde die Mechanik um 30 Klicks nach rechts verstellt und wieder geschossen. Schuss Drei sah eine Seitenverstellung von 60 Klicks nach links vor. Schuss Eins bis Drei lagen somit auf einer horizontalen Ebene mit 30 Klicks Abstand zueinander. Für den vierten Schuss wurde die Höhe um 30 Klicks nach oben verstellt. Schuss Fünf und Sechs wurde jeweils um 30 Klicks nach rechts verstellt. Auch hier ergibt sich wieder eine horizontale Linie der drei Schüsse. Für den siebten Schuss wurden die Verstelltürme um 60 Klicks nach unten und links verstellt. Schuss Acht und Neun wieder jeweils um 30 Klicks nach rechts. Im Idealfall sollte der Abstand in Richtung der X- und Y-Achsen jeweils 15 cm zwischen den Einschusslöchern betragen. Beim 5-25x56i DLR ergab das Ausmessen einen Abstand zwischen 15,0 und 16,5 Zentimeter. Angesichts der großen Verstellwege und jeweils nur einem abgegebenen Schuss sind dies sehr gute Werte.

Daten und Preis des neuen Kahles Long-Range-ZFs K525 i DLR

Modell:Kahles K 525i DLR
Preis:3550 ,- Euro
Objektiv:56 mm
Länge:377 mm
Mittelrohr:34 mm
Absehen:SKMR4
Klickverstellung:1 cm /100 Meter; 0,1 mrad
Höhenverstellung:290 cm/100 Meter; 29 mrad
Seitenverstellung:30 cm/100 Meter; 13 mrad
Parallaxe-Einstellung:20 m - ∞
Gewicht:979 g

Unser Test-Fazit: Kahles K 525i DLR CCW 5-25x56

Unterm Strich ist das neue Kahles 525i DLR eine sehr durchdachte und funktionale Optik für den dynamischen Schießsporteinsatz. Das neue Modell 2021 zeichnet sich durch ein klares und scharfes Bild aus - wir waren absolut zufrieden. Auch der Preis von 3.550 Euro ist aus unserer Sicht für die Leistung absolut gerechtfertigt. Alle für den Wettkampf wichtigen Verstelleinheiten sind leicht und schnell zu verstellen. Eine klare und große Beschriftung der Klickeinstellung und eine 100-Klick-Verstellung für eine volle Umdrehung des Turmes erleichtern die Verstellung - auch unter Zeitdruck im Wettbewerb. Unsere durchgeführten Box-Tests zeigen die große Wiederholgenauigkeit der Verstellungen. Auch das hat uns überzeugt. Ein Setzen und somit ein Verstellen der Einstellung nach dem ersten Schuss wurde nicht festgestellt. 

 Das hat uns gefallen:

 Das fanden wir weniger gut:

Klares und scharfes Bild
-
Ergnomische und schnelle Verstellung für dynamische Disziplinen

Große Wiederholgenauigkeit im Box-Test


Text: Christopher Hocke und Hamza Malalla

Dieser Test ist auch in der VISIER 10/2021 erschienen. Sie können das Heft im VS Medien-Onlineshop bestellen. Dort ist das Heft auch als Digitalausgabe verfügbar.

Weitere Informationen zum K525i und weiteren Optiken, bekommen Sie auf den Seiten von Kahles.