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Leichte Sportpistole: Aus dem Mastershop Sport kommt die SIG Sauer P220 X-Six Skeleton mit unter 1.300 g

Die Geschichte der SIG Sauer P220-X-Modelle:

Prototyp der SIG P220
Wie alles begann: Ein früher Prototyp der SIG P220 aus dem Jahr 1966-67.

Sicherlich kann die P220 nicht auf eine so lange, erfolgreiche Geschichte zurückblicken wie die altehrwürdige 1911, trotzdem ist die P220 auch schon seit 1975 auf dem Markt vertreten. Ihr Browning-Petter-SIG-System mit dem eckigen Riegelblock/Patronenlager und offener Steuerkulisse war damals eine Innovation und hat sich heute auf breiter Front als günstig zu produzierende, zuverlässige Verriegelung bei nahezu allen modernen Dienstpistolen durchgesetzt. Bei der heute noch von der Schweizer Armee als "Pistole 75" verwendeten Konstruktion mit Double-/Single-Action-Abzug und Entspannhebel berücksichtigte der SIG-Konzern auch gleich eventuelle Absatzchancen auf ausländischen Behörden- und Zivilmärkten, so dass sie neben 9 mm Luger auch in .45 ACP, .38 Super Auto, 7,65 Para und .22 l.r. erhältlich war. Heute wird die Dienstpistole ausschließlich bei der SIG Sauer an der nordamerikanischen Ostküste in den Kalibern .45 Auto und 10 mm Auto in unterschiedlichen Größen und Modellausführungen gefertigt.

Weil die P220 schon von Hause aus über eine lange Verschlussführung und ein ordentliches Präzisionspotential verfügte, lag es recht nahe, das Modell in modifizierter Ausführung auf dem Sportmarkt etablieren zu wollen. So wurde das klassische Leichtmetallgriffstück durch ein in der Dauerbelastung stabileres und zudem schwereres Stahlgriffstück ersetzt. Der mehrteilige Stahlblechprägeverschluss mit angeschweißter Mündungspartie und eingesetztem, stählernem Stoßboden wich einem aus dem vollen Stahlblock herausgearbeiteten Schlitten. Der Lauf wurde von 112 auf 139 mm verlängert und die aus dem Schlitten herausragende Mündungspartie von einem massigen Griffstückgewicht umkleidet, das auch das Scheibenkorn trug. Ein Mikrometervisier und ein Sportabzug rundeten das Paket ab und die P220 X-Zone war geboren. 

SIG Sauer P220 X-Zone
Die ersten Unternehmungen, der P220 mehr Sportlichkeit beizubringen, endeten in der P220 X-Zone, bei der das Griffstückgewicht das Korn aufnimmt.

Doch das Griffstückgewicht, das zur kompletten Reinigung der Waffe abgeschraubt werden musste, überzeugte auf Dauer nicht, was SIG Sauer wohl im Jahr 2008 dazu veranlasste, die P220 X-Six als konsequente Weiterentwicklung auf den Markt zu bringen. Der Lauf wurde nochmals auf 152 mm/6" verlängert und der Verschluss war nun mündungslang ausgelegt, so dass das Rahmengewicht der Vergangenheit angehörte. Die DA-/SA-Abzugskombination mit Entspannhebel als Dienstpistolenüberbleibsel wurde gegen einen reinrassigen Single-Action-Abzug mit beidseitig zu bedienender Sicherung im 1911er-Stil ausgetauscht. Gerade hier gelang den Konstrukteuren eine technische Raffinesse, die nur bei wenigen Großkaliber-Sportpistolen vorzufinden ist. Der Abzug ist in seinem Abstand zum Griffrücken, Abzugsgewicht und Durchfallweg nach der Schussauslösung ("Triggerstopp") einstellbar. Gerade von der letzten Verstellungsmöglichkeit sollte man allerdings als Einsteiger erst einmal die Finger lassen und der Werkseinstellung vertrauen. Denn ein zu knappes Einstellen des Triggerstopps kann nämlich dazu führen, dass die Waffe nicht auslöst oder gar doppelt. Alle Justierungen lassen sich zudem ohne Pistolendemontage von außen mit Sechskant- oder Torx-Schlüssel vornehmen. Der Griffsporn wurde verlängert und geschwungen ausgeführt und sorgte neben der geringeren Gefahr eines Hammerbisses, also dem Kontakt zwischen Hammer und Handgabel, auch dafür, dass die Pistole tiefer in der Hand lag. Zudem wurde das Mikrometervisier nicht mehr nur einfach auf den Verschluss aufgesetzt, sondern formschön und praxistauglich tief darin eingelassen. Bei den ganzen Veränderungen, die die P220 durchlebt hat, zieht sich ein Kernelement wie ein roter Faden durch die Modellpolitik von einst und heute. Die unter Eigenspannung stehende Auszieherkralle, wie man sie auch bei der 1911 findet. Alles in allem hatte die P220 X-Six nun das Zeug dazu, den etablierten 1911-Longslide-Modellen Paroli zu bieten.

X-Six 2.0 − SIG Sauers Sportpistole in aktueller Konfiguration:

Nach knapp 10 Jahren Bauzeit hat SIG Sauer die X-Six 2018 noch einmal überarbeitet. Wenn auch ein großer Teil der SIG Sauer Pistolen mittlerweile in den USA gefertigt wird, so stammt die X-Serie nach wie vor aus der deutschen Produktionsstätte in Eckernförde, Schleswig-Holstein. Ein Großteil der Änderungen ist kosmetischer Natur. Da fällt zum einen die geänderte Kontur des Verschlusses mit angefasten Seitenflächen und der schnittigen Mündungspartie auf.

Oben die P220 X-Six Classic, darunter die PPC-Ausführung.
Oben die P220 X-Six Classic, darunter die PPC-Ausführung.

Die Schließfederrinne ("Dust Cover") des Griffstücks wurde vorne leicht geschrägt und trägt eine neue, modifizierte Montageschiene, so wie sie bereits bei der P226 X-Six in 9 mm Luger zu finden ist. Hier lassen sich beispielsweise die hauseigenen Zusatzgewichte von 160 oder gar 275 g anbringen. Ob man das unbedingt braucht, ist zum einen eine Frage des persönlichen Rückstoßempfindens und zum anderen eine Frage, ob es die Sporthandbücher der verschiedensten Verbände/Disziplinen erlauben. Beim Deutschen Schützenbund (DSB) kommt beispielsweise nur das kleine Gewicht in Betracht, um die 1.500 g Marke nicht zu überschreiten. Beim BDS (Bund Deutscher Sportschützen) ist man bei den Standard- und Mehrdistanzdisziplinen sogar auf 1.400 g limitiert, so dass man hier mit den Zusatzgewichten recht wenig anfangen kann. Und genau das war einer der Gründe für den SIG Sauer Mastershop Sport die P220 X-Six nun in einer gewichtsreduzierten Variante mit skelletiertem Verschluss, Abzugszüngel und Hammer herauszubringen. So bringt es die oben gezeigte SIG Sauer P220 X-Six Skeleton in .45 ACP auf nur 1.256 g Gewicht und sollte für eine Vielzahl der Disziplinen zugelassen sein.

Die P220 X-Six Skeleton von SIG Sauer − Preise und Fakten

Modell:SIG Sauer P220 X-Six Skeleton
Preis:3.749,- Euro (UVP DE)
Kaliber:.45 ACP (auch in 9 mm Luger)
Magazinkapazität:8 Patronen (9 in 9 mm Luger)
Lauflänge:6"
Züge:
6
Visierung:Micrometervisier
Abzugssystem, -gewicht:verstellbarer SA-Abzug / 1.000 - 1.600 g
Gesamtgewicht (inkl. Magazin):1.256 g (1.242 g in 9 mm Luger)

Weitere Informationen zur P220 X-Six Skeleton erhalten sie beim Hersteller SIG Sauer.

Mehr zu den Wechselsystemen der X-Serie erfahren Sie hier und hier erhalten Sie weitere Informationen zu den verstellbaren Abzugssystemen der X-Serie.

Andere neue Modelle aus dem SIG Sauer Mastershop haben wir uns bereits auf der IWA näher angesehen.

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