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Test & Technik: Desert Eagle XIX IMB in .357 Magnum und .44 Magnum

Die Desert Eagle spielt seit ihrem Erscheinen im Jahre 1983 in einer besonderen Liga. Mit ihrer vergleichsweise aufwendigen Technik, ihren großen Abmessungen und der Auslegung für die Magnum-Revolverpatronen .357 Magnum und .44 Magnum (später auch .50 AE) hob sie sich klar vom Standard im Pistolenbau ab – und das tut sie auch heute noch.

Die neuen IMB-Pistolen von Desert Eagle

Die neuen Desert-Eagle-Modelle der XIX-Reihe sind an der Zusatzbezeichnung IMB, was für "Integrated Muzzle Break" (integrierte Mündungsbremse) steht, zu erkennen. Diese sollen das Schussverhalten des schweren Selbstladers verbessern, indem sie den Hoch- und Rückschlag abmildern.

Magnum Research Desert Eagle XIX 6” IMB
Magnum Research Desert Eagle XIX 6” IMB gibt's bei Waffen Ferkinghoff
Magnum Research Desert Eagle XIX 5” IMB Lightweight
Magnum Research Desert Eagle XIX 5” IMB Lightweight

Die sechszöllige Desert Eagle bringt im Bereich der Mündungspartie beidseitig vier länglich-ovale Einfräsungen mit. Dies geht natürlich auch zulasten der eigentlichen Lauflänge der Pistole. Denn das Geschoss wird beim Durchqueren der Mündungsbremse bereits nicht mehr drallführend vorangetrieben. Diese Entfernung (also die Flugbahn durch den Kompensator) beträgt immerhin rund 2,75 Zentimeter. Dieser Wert müsste somit von der genannten Lauflänge von 152 Millimetern (sechs Zoll) abgezogen werden.

In der Fünf-Zoll-Ausführung im Kaliber .357 Magnum kommt ein komplexer aufgebauter Kompensator zum Einsatz: Zwar finden sich auch hier beidseitig der Mündungspartie vier Einfräsungen, diese sind aber wiederum mit der darüber liegenden Kammer verbunden, die die Gase nach vorne aus der Mündung abgibt. 

Unterhalb der Mündung liegen vier weitere Kammern, von denen lediglich die oberen beiden mit den darüber liegenden Expansionskammern kombiniert sind und somit auch Gas nach vorne aus der Waffe ableiten. Die beiden unteren Kammern sind nicht an den Kompensator angeschlossen und wurden entweder aus Gewichtsgründen oder der Optik halber in die Mündung gefräst. 

Wie schon die 44er-IMB-Version muss auch diese IMB-Pistole mit knapp drei Zentimetern weniger Lauflänge auskommen. Bei dem ohnehin nur 127 Millimeter langen Lauf bleiben somit weniger als zehn Zentimeter übrig – nicht gerade üppig und zum Nachteil der Geschossgeschwindigkeit und der Energiewerte. Ältere Desert-Eagle-Modelle setzten noch auf einen vor der Mündung angeschraubten Kompensator. Dieser kürzt somit nicht die vorhandene Lauflänge, sorgt aber auf der Gegenseite für noch mehr Gewicht und ließ die Größe der ohnehin nicht gerade zierlichen Waffe noch einmal kräftig anwachsen.

Desert Eagle XIX IMB: technische Eigenschaften der Pistolen 

Seltenheit im Pistolenbau: Die Desert Eagle Pistolen verriegeln mittels eines Drehwarzenverschlusses...
Seltenheit im Pistolenbau: Die Desert Eagle Pistolen verriegeln mittels eines Drehwarzenverschlusses...
... direkt hinter dem Patronenlager.
... direkt hinter dem Patronenlager.

Der Rest der Technik ist von den XIX-Modellen schon bekannt. Auch bei den IMB-Eagles handelt es sich um Gasdrucklader, die mittels eines Drehwarzenverschlusses verriegeln. Nicht weit im Lauf, sondern am Übergangskonus (Patronenlager-Lauf) wird über eine kleine Bohrung das Gas nach der Patronenzündung abgezapft. Danach strömen Teile des Gases durch die Öffnung und bewegen sich durch eine Röhre innerhalb des Laufmantels Richtung Waffenmündung. Hier trifft das Gas auf ein Piston, das den Schlitten gegen den Druck der Schließfeder zurückwirft. Mit ihrem Drehwarzenverschluss und der Gasdruck-/Piston-Konstruktion ist die Desert Eagle im Pistolenbereich ein wahrer Exot.

Unter dem Polygonlauf finden sich neben dem Gasströmungsröhrchen auch das Piston und die Schließfedereinheit. Auch diese ist anders als in regulären Gebrauchspistolen doppelt ausgeführt. Es arbeiten hier im Endeffekt zwei Schließfedern, die miteinander gekoppelt wurden. 

Beim Abzug der Eagle handelt es sich um ein Single-Action-System, das hier auf ein außenliegendes Hahnspannsystem trifft. Der Abzug der IMB-Stainless-Version bricht im Test nach dem Überwinden eines Auslösegewichts von etwas mehr als 2,6 Kilogramm. Subjektiv empfunden liegt der Auslösewert aber deutlich niedriger, was wohl auf den schon kräftigen Vorzug mit einem Dauerwert von knapp zwei Kilogramm zurückzuführen ist. 

Auf dem Druckpunkt steht der Abzug vergleichsweise trocken. Die schwarze Fünf-Zoll-Eagle löst bereits nach 2072 Gramm laut TriggerScan-Messung aus, hält aber auf einem Teil der Vorzugsstrecke von rund zwei Millimetern ebenfalls einen Vorzug von permanent knapp zwei Kilogramm. Vielleicht scheint auch aus diesem Grund ihr Abzug nicht so trocken auf dem Druckpunkt zu stehen, wie der Trigger der Sechs-Zoll-Version.

Desert Eagle XIX IMB auf dem Schießstand 

Während der IMB der 44er nur auf seitliche Öffnungen setzt, nutzt der IMB der 357er auch die Front.
Während der IMB der 44er nur auf seitliche Öffnungen setzt, nutzt der IMB der 357er auch die Front.

Zuerst galt es die beiden Desert Eagles aus der Hand zu schießen, um danach noch den Präzisionstest und die Geschwindigkeitsmessung aus der Ransom-Rest-Schießmaschine durchzuführen. Der erste Eindruck: ziemlich zahm. Magnum Research leistete bei den Kompensatoren gute Arbeit, sie nehmen einiges an Druck weg. Hoch- und Rückschlag der beiden großkalibrigen Pistolen ist absolut beherrschbar und spürbar milder, als erwartet. Allerdings kamen bei den Testlaborierungen keine besonders kräftigen Ladungen zum Schuss. Denn eine hart geladene .44 Desert Eagle ohne Kompensator kann auch anders. 

Das eigentlich recht hohe Abzugsgewicht der beiden Pistolen von immerhin über 2.000 Gramm zeigte sich im Schießtest als – subjektiv beurteilt – nicht zu hoch.  Um ein reibungsloses Repetierverhalten der .357 Desert Eagle mit dem fünf Zoll langen Lauf zu garantieren, empfiehlt es sich somit, zu den kräftig geladen Patronensorten zu greifen. Bei der sechszölligen Desert Eagle kam es nur mit den schwach geladenen S & B-Patronen zu einer Störung, sämtliche anderen Laborierungen ließen die Pistolen tadellos arbeiten. 

An einer Desert Eagle ist alles etwas größer dimensioniert. Das fängt beim Hahn an und macht auch an der Schließfeder nicht halt: ein duales System mit zwei Federn.
An einer Desert Eagle ist alles etwas größer dimensioniert. Das fängt beim Hahn an und macht auch an der Schließfeder nicht halt: ein duales System mit zwei Federn.

Bei der Präzision liegt die Sechs-Zoll-Version vorn: Die American Eagle JHP stanzten einen ausreißerfreien 55-Millimeter-Streukreis in das Prüfpapier. Sämtliche anderen Laborierungen erzeugten entweder einen Ausreißer, der ihren Streukreis aufgehen ließ, oder sie lagen im Bereich von über 90 Millimetern. Das 357er-Modell schoss insgesamt unpräziser als die größere Version. Die PMC-Bronze-Patronen mit ihrem 158 Grains schweren Geschoss schafften einen 59 Millimeter großen Streukreis. Mit den kräftig geladenen Remington HTP Patronen arbeitete die kurze Desert Eagle sehr zuverlässig, dafür zeigte sich die Präzision mit den Patronen nicht von der besten Seite.

Fazit des Tests der neuen IMB-Pistolen von Desert Eagle

Magnum-Kaliber: Die Präzision liegt im Rahmen, kann sich aber nicht mit einer großkalibrigen Sportpistole messen. Das hohe Gewicht und die bauartbedingte Größe des Griffstücks führen zu Einbußen in der Ergonomie. Aber mit den neuen integrierten Kompensatortypen gelang es Magnum Research, das Schussverhalten der Pistolen spürbar zu verbessern.

Die beiden Testwaffen kamen vom Importeur Waffen Ferkinghoff – dafür ein Dankeschön! Hier können Sie die Waffen auch online bestellen. Aber immer mit dem bekannten Service - auch vor Ort in Würzburg.


Fans von Desert Eagle Pistolen aufgepasst! Neben den neuen IMB-Versionen der XIX-Reihe gibt es von Magnum Research noch ein besonders Highlight:  die Magnum Research Mark XIX Apocalyptic Desert Eagle - die Pistole für die Zombie-Apokalypse. Wir zeigen euch im Video, was die Waffe im ausgefallenen Look alles kann:


Den ausführlichen Artikel zum Praxis-Test der neuen Desert Eagle IMB-Pistolen finden Sie in der VISIER 11/2017. Die Ausgabe der VISIER können Sie ganz bequem im VS Medien Online-Shop bestellen.

Hier kommen Sie direkt zur digitalen Version der VISIER 11/2017.

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