Kleinkaliber-Selbstlader im Test: Die superleichte Ruger Custom Shop 10/22 Carbon Fiber

Unter den Randfeuer-Halbautomaten ist das 1964 auf dem Markt eingeführte Ruger 10/22 "der" Klassiker schlechthin. Sturm, Ruger & Co., Inc. offeriert es im Standard- und Custom Shop-Programm aktuell in den sechs Gruppen „Standard“ mit 18 Modellen, "Carbon Fiber" mit 7 Modellen, "Competition" mit 4 Modellen, "Scoped" mit 2 Modellen, „250th Anniversary“ mit 3 Modellen und SBR (Short Barreled Rifle) mit 2 Modellen, so dass man total auf 36 verschiedene 10/22er ab Werk kommt. Zum besseren Verständnis: In der "Scoped"-Gruppe handelt es sich beispielsweise lediglich um Standardmodelle, die ab Werk mit einem Viridian Eon-Zielfernrohr in 3-9x40 ausgeliefert werden und in der jungen "250th Anniversary"-Sparte entdeckt man drei 10/22er-Sondermodelle mit speziellen Ausstattungsmerkmalen anlässlich des 250-jährigen Bestehens der USA im Jahr 2026. Zu den wohl auffälligsten Neuerscheinungen zählt sicherlich das hier vorgestellte Ruger Custom Shop-Modell 10/22 Carbon Fiber in einem Leichtmetallchassis mit klappbarer Schulterstütze des Spezialisten Grey Birch und einem hauseigenen Karbonmantellauf mit Mündungsbremse. Mittlerweile hat sich Grey Birch auf die Fertigung von Leichtmetallchassis für unterschiedliche Randfeuer- und Zentralfeuergewehre wie Ruger American Rifle Gen 2, Remington 700, Ruger 10/22 und 10/22 Takedown, CZ 457 und Tikka T1X spezialisiert.

Ruger 10/22 Carbon Fiber im Detail 

Kleinkaliber-Selbstlader im Test: Die superleichte Ruger Custom Shop 10/22 Carbon Fiber
Um den Hinterschaft der Ruger Custom Shop 10/22 verstellen zu können, sollten man immer Werkzeug dabei haben
Kleinkaliber-Selbstlader im Test: Die superleichte Ruger Custom Shop 10/22 Carbon Fiber
Durch das Grey Birch-Leichtmetallchassis mit klappbarer Schulterstütze wird das Packmaß der superleichten Ruger 10/22 Carbon Fiber von rund 93 cm auf 65 cm reduziert, was beispielsweise im Revier durchaus von Vorteil sein kann.

Das nur rund 690 Gramm schwere und sauber verarbeitete Grey Birch Ghost Mountain-Chassis aus 6061-T6-Aluminium besitzt alle Ausstattungsmerkmale, die das Custom Shop-Gewehr auch für das dynamische PRS Long Range-Schießen in der Kleinkaliberklasse tauglich machen. Die Schaftkappe und Wangenauflage der klappbaren Schulterstütze lassen sich mit einem Inbusschlüssel in Länge und Höhe verstellen. Der Abstand zwischen Kappe und Abzug lässt sich in der Länge von 330 bis 368 mm variieren. Die Schnittstelle für den freistehenden Pistolengriff ist AR-kompatibel, so dass hier unzählige Nachrüstgriffe auf dem Markt zur Verfügung stehen. Der 10“/254 mm lange Handschutz weist M-LOK-Schnittstellen und eine ARCA-Schiene auf. Dazu gesellen sich weitere durchdachte Details wie ein Magazinschachtausschnitt für flüssige Magazinwechsel oder beidseitige Montagepunkte für Schnellwechsel-Riemenbügelösen.

Kleinkaliber-Selbstlader im Test: Die superleichte Ruger Custom Shop 10/22 Carbon Fiber
Der Lauf wird einfach in das 10/22-Systemgehäuse eingesteckt, durch die untere Schräge zentriert und angezogen sowie durch eine obere Schraube fixiert.

Der im Verschlusskasten gelagerte, kaltgehämmerte 16,1“/409 mm lange Edelstahllauf mit 1-16“-Drall wird von einem Mantel aus Kohlenstofffasern umkleidet und besitzt an der Mündung ein 1/2x28-Gewinde mit darauf sitzender Mündungsbremse mit multiplen Gasentlastungsbohrungen. Diese Entlastungsbohrungen sind im Winkel nach vorne ausgerichtet. Dies sorgt dafür, dass die Gase vom Geschoss wirkungsvoll in alle Richtungen weggelenkt werden. Das Geschoss wird so vor störenden Gasverwirbelungen komplett geschützt.  Von daher könnte man den Mündungsaufsatz auch als „Separator“ bezeichnen. Auf der Systemkastenoberseite thront eine Optikmontageschiene mit 30 MOA-Vorneigung.

Im Gehäuse sitzt der zwischen 1.134 und 1.361 Gramm einstellbare Ruger BX-Matchabzug, der ein gemessenes Abzugsgewicht von 1.300 Gramm bei sauberer Charakteristik mit minimalem Durchfallweg und positivem Rückstellweg ("Trigger Reset") aufwies. Auch wenn das Abzugsgewicht werksseitig am oberen Limit einreguliert war, fühlte sich der Abzug aufgrund seiner ausgezeichneten Gesamtcharakteristik subjektiv leichter an. Gefüttert wird der Halbautomat mit dem seit Jahrzehnten bewährten Kastenmagazin mit internem Trommelmechanismus und Kapazität für 10 Patronen. Die Demontage des kompakten KK-Selbstladers ist recht simpel, nur der Zusammenbau kann sich etwas aufwendiger gestalten, weil es Fingerspitzengefühl bedarf, den Verschluss bei komplett nach hinten gezogenem Ladehebel gegen die Kraft der Schließfeder in seiner korrekten Position wieder einzusetzen.

Mit dem Kleinkaliber-Selbstlader Ruger 10/22 Carbon Fiber auf dem Schießstand 

Kleinkaliber-Selbstlader im Test: Die superleichte Ruger Custom Shop 10/22 Carbon Fiber
Der Kompensator der Ruger 10/22 Carbon Fiber lenkt störende Gase wirkungsvoll vom Geschoss weg.

Wir statteten die Ruger 10/22 Carbon Fiber mit Franz Müller-Montageringen mit den ebenso praktischen wie markanten Kunststoffeinlagen sowie einem via dem Großhandelsunternehmen Helmut Hofmann GmbH erhältlichen Bushnell-Zielfernrohr Match Pro 5-30x56 aus. Wie man auf den Bildern oben erkennen kann, wurde das Glas so niedrig wie möglich über der Laufseelenachse montiert, was im Praxistest dazu führte, dass wir kaum noch die Schaftbackenhöhe anpassen mussten. Das auf Minimalgewicht ausgelegte Gewehr ist für Outdoor-Abenteuer oder dynamische Disziplinen wie beispielsweise Steel Challenge konzipiert und sorgt in diesem Einsatzbereich für jede Menge Schießspaß. Im Rahmen eines Präzisionstests ist es gar nicht so einfach, die 10/22 aufgrund ihres Fliegengewichtes und der minimalistischen Gesamtkonstruktion stabil im statischen/aufgelegten Anschlag zu halten. Hat man aber eine stabile Position gefunden, bringt die Waffe auch aufgrund des effektiven Kompensators nichts aus der Ruhe.

Kleinkaliber-Selbstlader im Test: Die superleichte Ruger Custom Shop 10/22 Carbon Fiber
Das Systemgehäuse der Ruger 10/22 Carbon Fiber in der linken Seitenansicht. Die linksseitige Anordnung des Ladehebels und Auswurffensters ist für Rechtshänder eine durchaus praktische Sache.

Man kann eine Präzisionsserie in wenigen Sekunden absolvieren und dabei durch das Glas beobachten, wie die Projektile im Ziel einschlagen. Als wir die Büchse zum ersten Mal in der Hand hielten, hatten wir eigentlich bedenken, was das Auswurffenster auf der linken Seite betraf. Allerdings zeigte sich im Test, dass die Bedienung auf der linken Seite sogar deutliche Vorteile hatte, denn man konnte mit der linken Hand, die bei dieser Waffe praktisch kaum etwas im liegenden Anschlag zu tun hatte, bequem für die Bedienung des Ladehebels nutzen. Nach dem Test waren wir von der linken Bedienseite sogar absolut begeistert. Ebenso von der Präzision, denn wenn die Waffe richtig eingestellt ist und man einen stabilen Punkt hinten im Sandsack gefunden hat, dann schießt die Büchse schon fast von ganz alleine. Den sprichwörtlichen Vogel schoss die RWS R50 ab, mit der wir eine 9 mm-Gruppe in die Scheibe lochen konnten. Doch selbst mit günstiger Trainingsmunition wie der RWS Semi Auto oder der Sellier & Bellot Club realisierten wir sehr überzeugende Streukreise.

Ruger 10/22 Carbon Fiber: Technische Daten und Preis

Modell:

Ruger Custom Shop 10/22 Carbon Fiber

System:

Rückstoßlader mit kraftschlüssigem Masseverschluss

Kaliber:.22 l.r.
Magazin:Kastenmagazin aus Kunststoff mit Rotationsmechanismus und Kapazität für 10 Patronen

Lauf:

16,1“ bzw. 409 mm langer, kaltgehämmerter Karbonmantellauf mit 1/2x28 UNEF-Mündungsgewinde und Kompensator

Drall:1-16“

Schaft:

Grey Birch-Leichtmetallchassis mit klappbarer sowie längen- und höhenjustierbarer Schulterstütze, freistehendem Pistolengriff und Leichtmetall-M-LOK-Handschutz mit ARCA-Montageschiene

Abzug:

BX Matchabzug, gemessenes Abzugsgewicht: 1.300 Gramm

Sicherung:

Zwei-Positionen-Druckknopfsicherung direkt vor dem Abzugsbügel die direkt auf den Abzug wirkt

Länge:

65,1 cm (eingeklappt) bis 93,5 cm (ausgeklappt, bei maximal ausgefahrener Schaftkappe)

Gewicht:

1,9 kg

Preis:

1.499,- Euro

Fazit: Das kann die 10/22 Carbon Fiber aus dem Ruger Custom Shop

Die superleichte Ruger 10/22 Carbon Fiber aus dem hauseigenen Custom Shop liefert jede Menge Schießspaß im unterhaltungsgünstigen Kaliber .22 l.r. und dürfte vor allem im Revier als Werkzeug für die Kleinwildjagd oder auf dem Schießstand für dynamische Disziplinen wie Steel Challenge, Speed oder Fallplatte geeignet sein. Angesichts der sauberen Gesamtverarbeitung, Funktionszuverlässigkeit und Schussleistung geht der Anschaffungspreis von 1.449,- Euro voll in Ordnung.


Text: Stefan Perey, Michael Fischer

Dieser Test erschien auch in der caliber, Ausgabe 06/2026. Das Heft enthält zusätzlich die ausführliche Tabelle mit den Ergebnissen aller 9 Testlaborierungen. Sie können es im VS Medien-Shop online kaufen. Dort steht es auch als ePaper zur Verfügung.

Weitere Informationen zur Ruger 10/22 Carbon Fiber bekommen Sie auf der Webseite des Herstellers. Außerdem beim deutschen Importeur, der Helmut Hofmann GmbH, der jedoch ausschließlich den Fachhandel und Behörden, aber keine Endverbraucher beliefert.