
Bei uns in Deutschland sind großkalibrige Ruger-Pistolen recht selten auf dem Schießstand anzutreffen, in den USA sieht das jedoch anders aus. Laut AFMER (Annual Firearms Manufacturing and Exportation Report) wurden 2023 – neuere Zahlen wurden noch nicht veröffentlicht – von Ruger rund 133.000 Pistolen im Kaliber 9 mm Luger hergestellt. Damit konnte man sogar Smith & Wesson mit knapp 125.000 Pistolen in dieser Kalibergruppe geringfügig überbieten. Beide zusammen konnten aber gerade mal ein Viertel von dem herstellen, was SIG Sauer mit rund 793.000 Pistolen fabrizierte. Rund zehn Jahre ist es nun schon her, dass Ruger die RAP (Ruger American Pistol) auf dem Markt lancierte, seitdem ist es in dieser Sparte beim Hersteller mit dem roten Adler als Markenzeichen recht ruhig geworden. 2024 unternahm Sturm, Ruger & Co. Inc. einen weiteren Vorstoß, eine neue Polymerpistole zu etablieren. Dabei machte man keinen Hehl daraus, sich an dem österreichischen Klassenprimus technisch und auch optisch zu orientieren. Allerdings handelt es sich bei der Ruger RXM keinesfalls um eine reine Kopie, denn man hat der Polymerrahmen-Schlagbolzenschloss-Pistole durchaus eine eigene Note verliehen.
Ruger RXM: Kooperation mit Magpul

Ruger hat bei Entwicklung der RXM eng mit dem populären US-Hersteller Magpul Industries kooperiert, der bestens bekannt ist als Lieferant von Nachrüst- und Tuningteilen für verschiedene Waffenplattformen, Magazinen und Ausrüstungsgegenständen. Von Magpul stammt das EHG-Enhanced Grip-Polymergriffstück, das durchaus interessant gestaltet ist. Es kommt ohne Fingerrillen aus, so wie es bei GLOCK seit der Gen5 wieder Standard ist. Versehen wurde es zudem mit einem umlaufenden Magazintrichter. Die Zugänglichkeit zum kurzen Magazinknopf wurde durch eine Auskehlung verbessert. Dieser ist allerdings nicht umsetzbar, damit muss man als Linkshänder leben. Eine feine, aber durchaus praktikable Strukturierung, die der Hersteller selbst „TSP-Texture“ nennt, sorgt für die notwendigen Griffigkeit. An beiden Seitenflächen im vorderen Rahmenbereich finden sich auch Indexpunkte für den Daumen der jeweiligen Unterstützungshand. Unsere Testwaffe mit grauem Griffstück kommt mit 102 mm Lauflänge und 15 + 1 Patronen Fassungsvermögen. Rund 14 Modelle, die sich hauptsächlich durch Größe und Farbe des Griffstückes sowie Standard- und überstehende Schalldämpferläufe mit Mündungsgewinde voneinander unterscheiden, sind über den neuen deutschen Ruger-Importeur, Helmut Hofmann aus Mellrichstadt, auf Wunsch bestellbar. Im Rahmeninneren sitzt ein herausnehmbares FCI (Fire Control Insert), ein Edelstahlkäfig, der alle Abzugsteile aufnimmt und auch die Waffennummer trägt. Dieses Konstruktionsmerkmal kennt man beispielsweise von der SIG P250/320, Springfield Echolon, ZEV OZ9 oder HK SFP 9 CC. Es bietet die Option, das waffenrechtlich relevante FCI in frei verkäufliche Griffstücke in unterschiedlichen Konfigurationen einzusetzen. Denn neben dem Kompaktrahmen unserer Testwaffe wird auch noch ein Full-Size-Griffstück für Magazine mit 17 Patronen sowie ein Subkompaktrahmen für Magazine mit 12 Patronen angeboten. Gefüttert wird die RXM natürlich standesgemäß mit Magpul PMag-Magazinen. An den originalen GLOCK-Magazinen gibt es nichts zu beanstanden, sie arbeiten zuverlässig und sind günstig zu beschaffen. Doch die PMag-Magazine lassen sich zur Reinigung leichter zerlegen als die österreichischen Varianten. Natürlich können in der Ruger RXM auch die GLOCK-Magazine zum Einsatz kommen. Beim Abzugssystem der RXM orientierte man sich an dem typischen, teilvorgespannten System der GLOCK mit all seinen Vor- und Nachteilen. Somit wird nur ein Teilbetrag der zum Entfachen des Zündhütchens benötigen Energie bei der Vorwärtsbewegung des Verschlusses in die Schlagbolzenfeder eingebracht. Den Restbetrag bringt der Bediener dann mit seinem Abzugsfinger ein, sodass diese Technik naturgemäß ein höheres Abzugsgewicht erforderlich macht.
Bei dem ebenso typischen, etwas länger ausfallenden Abzugsweg maßen wir ein Abzugsgewicht von rund 2.100 Gramm. Ruger spendiert der RXM übrigens eine gerade Abzugszunge, ein Feature, das bei vielen Pistolen immer beliebter wird. Die schwarze Beschichtung des Verschlusses nennt der Hersteller selbst Black FNC Nitride und hierbei handelt es sich um eine recht abriebsfeste Salzbad-Nitrocarburierung.
Optikmontage auf der Ruger RXM: Ohne Adapterplatte

Bei der „Direct Cut“-Leuchtpunktvisierschnittstelle auf der Verschlussoberseite entdeckt man eine gewisse Artverwandtschaft mit der Springfield Echelon. Nach der Abnahme der Abdeckplatte offenbaren sich eine ganze Reihe von Gewindebohrungspaaren und Sacklöchern im Verschluss. In der Bedienungsanleitung wird verraten, wo die beiliegenden Steckbolzen eingesetzt werden müssen, um den Ausschnitt kompatibel mit Trijicon RMR, Leupold Delta Point/Pro und Shield RMSc zu machen. Somit kann man viele Leuchtpunktvisiere ohne Adapterplatte direkt und tief in den Verschluss einsetzen. Zudem spendiert man der neuesten Pistole des 1949 gegründeten US-Traditionsunternehmens gleich eine etwas höherbauende, mechanische Visierung. Ob die eine Übereinstimmung mit dem Leuchtpunkt (Co-Witness) erlaubt, hängt von der Bauhöhe des jeweiligen Leuchtpunktvisieres ab. Wer die mechanische Visierung nutzt, der wird sicher über die reflexmindernde Querriffelung an Kimme und Korn erfreut sein. Der Lauf weist an der Schnittstelle zum Stoßboden eine Auskehlung auf, die den Ladezustand der Waffe offenbart, zumindest, wenn genug Licht im Spiel ist. Diese nicht besonders praktikable Lösung ist die wohl einfachste Möglichkeit den strengen und teilweise irrationalen, kalifornischen Waffengesetzforderungen gerecht zu werden. Die sechs Felder/Züge dürften durch rationelles Hämmern eingebracht worden sein, das Ruger bei vielen Waffenläufen als Herstellungsmethode wählt. Sie winden sich mit einem typisch „europäischen“ Drall von 1-250 mm durch den Lauf. Bei der Federführungsstange verwendet Ruger die hochkant gewickelte Flachdrahtfeder, wie sie GLOCK bis zur 3. Generation nutzte und in der aktuellen 6. Generation wieder einsetzt. Dieses Bauteil ist wie viele andere Kleinteile mit der GLOCK der 3. Generation kompatibel, was natürlich auch auf Nachrüstteile des Zubehörmarkts zutrifft.
Exkurs mit Details zum Leuchtpunktvisier Bushnell RXS 100:

Ruger und US-Optikriese Bushnell haben eines gemeinsam. Beide haben für wenig Geld viel zu bieten. Das trifft auch auf das kleinste Leuchtpunktvisier des Hauses zu, das bereits für 159,- Euro den Besitzer wechselt. Ein Blick auf die Unterseite des schwarz eloxierten Aluminiumgehäuses verrät, dass das nur 36 Gramm schwere RXS 100 aus China stammt. Mit 45 x 28 x 28 mm (LxBxH) bei rund 26 mm Bilddiagonale gehört es zu den kleinsten Leuchtpunktvisieren seiner Art. Der 4 MOA große Punkt deckt auf 25 Meter rund 30 mm ab. Der Punkt erscheint geringfügig etwas ausgefranst, aber gleichmäßig, sodass er nicht unrund erscheint. Gespeist wird er von einer 2032-Batterie, die in der mittleren Beleuchtungsstufe rund 5.000 Betriebsstunden ermöglichen soll. Wer das Ausschalten vergisst, braucht sich keine Gedanken zu machen. Nach 12 Stunden erlischt der Punkt automatisch. Allerdings besitzt der kleine Preiskracher keine „Shake Awake“-Funktion, die bei der Bewegung der Waffe den roten Punkt wieder zum Leben erweckt. Bei dem Low-Budget-Gerät muss man auf Nachtsichteinstellungen verzichten, womit die meisten Nutzer aber gut klarkommen dürften. Die hellste der acht Leuchtstufen lässt sich bei Tageslicht noch gut erkennen, kommt bei grellem Sonnenlicht aber an ihre Grenzen. Auf den für Kurzwaffen üblichen Distanzen gab es nur sehr geringe Parallaxenfehler. Die Leuchtintensität lässt sich über ausreichend weit auseinanderliegende, gummierte Tasten gut einstellen.

Die Verstellung der Treffpunktlage erfolgt über eine Klickverstellung in 1-MOA-Schritten, was 7,5 mm auf 25 m entspricht. Viel zu klein geraten ist die Beschriftung der Drehrichtung, die kaum zu erkennen ist.
Bushnell setzt beim RXS 100 auf den populären Delta Point Pro-Fußabdruck. Trotz des geringen Preises besitzt das Modell eine beschichtete Glaslinse und der Hersteller legt auch noch eine Aluminium-Montagebasis samt Werkzeug für eine Picatinny/Weaver-Schiene hinzu. Beim Schießstandbesuch zeigte Bushnells kleinstes Leuchtpunktvisier keine Schwächen. Eine Veränderung der Treffpunktlage bei den nicht unerheblichen G-Kräften gab es nicht zu verzeichnen. Beim Umgreifen des Leuchtpunktvisieres bei Verschlussmanipulationen wurde die Helligkeit nicht versehentlich geändert. Als kleiner Allrounder für den schmalen Taler schneidet es also gar nicht so schlecht ab. Für den rein sportlichen Bereich würden wir aber zum größeren Bushnell RXS 250 tendieren.
Die Polymerpistole Ruger RXM auf dem Schießstand
Sitzend aufgelegt unter Verwendung eines Schießgestells überprüften wir auf der 25-Meter-Distanz mit acht Munitionssorten mit Geschossgewichten von 95 bis 147 Grains das Präzisionspotential der Ruger RXM. Die CCI Blazer mit dem 147 Grains FMJ machte hier das Rennen mit 39 mm. Danach folgte die GECO UTHP mit 49 mm und die GECO 124 Grains Vollmantel mit 64 mm. Matchpräzision konnte man somit der neuesten Pistole aus dem Hause Ruger nur selten entlocken. Fairerweise muss man allerdings auch sagen, dass sie dafür nicht entwickelt wurde. Somit gehen die meisten Präzisionsergebnisse auf der sportlichen 25-m-Distanz durchweg in Ordnung. Viel wichtiger ist aber die sichere Funktion und da gab es trotz einiger stumpfnasiger Geschosse und mitunter kurzen Patronenlängen bei rund 400 Schuss keine Funktionsstörung. Die Strukturierung des Griffstücks erwies sich bei den anschließend geschossenen Dot-Drills als praxisgerecht.
Die technischen Daten und Preis der Ruger RXM
| Modell: | Ruger RXM |
Kaliber: | 9 mm Luger |
Magazinkapazität: | 15 Patronen |
Griffstück: | Polymer, mit herausnehmbarer FCI |
Verschluss: | Stahl, nitrocarburiert |
Lauflänge/-profil: | 102 mm/6x Feld-Zug-Profil |
Kimme: | 4,4 mm, seitlich driftbare, geriffelte Kimme |
Korn: | 3,85 mm, mit weiß/grüner nicht nachleuchtender Punkteinlage |
Visierlänge: | 165 mm |
Sicherung: | Abzugssicherung, abzugsgesteuerte Schlagbolzensicherung |
Abzugssystem/-gewicht: | teilvorgespannt/2.086 g |
Gesamtgewicht: | 657 g |
Maße (LxBxH): | 182 mm x 31 mm x 135 mm |
Preis (UVP): | 699,- Euro |
| Ausstattung: | Hartschalenkoffer mit einem Reservemagazin, Kabelschloss |
Ruger RXM: Das Fazit zur in Deutschland über den Importeur Helmut Hofmann GmbH im Fachhandel erhältlichen 9-mm-Pistole
Unserer Meinung nach ist die Ruger RXM die beste großkalibrige Polymerpistole, die Ruger je auf den Markt gebracht hat. Allein am österreichischen Vorbild liegt es aber sicherlich nicht, denn man hat sich doch etwas mehr einfallen lassen als nur abzukupfern. Vor allem die universelle Direktschnittstelle für Leuchtpunktvisiere ohne Adapterplatten ist ein gelungenes Konstruktionsdetail der Ruger RXM. Ruger-Waffen gelten im Allgemeinen als erschwinglich, da macht die RXM mit einem Listenpreis von 699,- Euro keine Ausnahme. Nach Deutschland kommt die Waffe über den Großhändler Helmut Hofmann GmbH , der jedoch ausschließlich den Fachhandel und Behörden, jedoch keine Endverbraucher beliefert.
Dieser Test erschien in der caliber, Ausgabe 5/2026. Dort sind auch alle Ergebnisse der acht Testlaborierungen als Tabelle enthalten. Das Heft können Sie im VS Medien-Shop online kaufen. Dort steht es auch als ePaper zur Verfügung.
Weitere Informationen zur Ruger RXM finden Sie beim deutschen Importeur, der Helmut Hofmann GmbH und natürlich direkt beim Hersteller Ruger. Mehr über das kompakte Red Dot Sight erfahren Sie auf der RXS-100-Produktseite von Bushnell.










