Das Modell Precision Rifle wurde erstmalig 2015 von Sturm, Ruger und Co. vorgestellt. Dabei handelt es sich um einen Repetierer, der sich durch seine Vielzahl an Verstellmöglichkeiten sowohl im sportlichen als auch im taktischen Bereich einsetzen lässt. Nur ein Jahr später erschien das Precision Rifle (PR) in der 2. Generation. Die konstruktiven Änderungen an der Gen2 betrafen den Handschutz und die Mündungsbremse. Aktuell gibt es vom Precision Rifle bereits die 4. Generation, wobei der Hersteller diese nicht als Gen4 bezeichnet, sondern nur mit dem ursprünglichen Modellnamen Precision Rifle. Die umfangreiche Kaliberauswahl startet bei der 6 mm Creedmoor und erstreckt sich hinauf bis zur .338 Lapua Magnum. Die Testwaffe im leistungsstarken Kaliber .300 PRC wurde vom Ruger-Importeur Helmut Hofmann aus Mellrichstadt zur Verfügung gestellt. Da es nach wie vor relativ wenig sportliche Fabriklaborierungen in diesem Kaliber gibt, griffen die Tester ausschließlich auf Handlaborierungen zurück.
Im Detail: Lauf und Handschutz des Ruger Precision Rifle
An der Mündung des Laufes hat Ruger ein 5/8“x24-Feingewinde eingeschnitten. Auf diesem ist standardmäßig die hauseigene Drei-Kammer-Mündungsbremse montiert. Deren Prallflächen sind so angeordnet, dass sich die Pulvergase im rechten Winkel zur Laufachse nach rechts und links verteilen. Dies reduziert zwar etwas die Effektivität, aber der Blast wird nicht direkt auf die Nachbarschützen geleitet, wie dies bei nach hinten angestellten Prallflächen der Fall ist. Für einen festen Halt der Bremse sorgt eine Kontermutter. Der Lauf misst direkt nach dem Gewinde bereits 22,2 mm im Durchmesser. Dieser Wert steigt gleichmäßig auf etwa 25,4 mm. Im Bereich der Laufwurzel beträgt der Durchmesser 30,5 mm. Im Inneren des kalt gehämmerten Laufs befinden sich fünf rechtsdrehende Züge und Felder im bekannten 5R-Profil. Die Dralllänge beträgt 229 mm (9"). Damit können klassische Match-Geschosse mit Bleikern bis zu einer Gewichtsklasse von etwa 245 gr sicher stabilisiert werden. Nur für die extra langen, 250 gr schweren A-Tip-Geschosse von Hornady wäre ein 1:8,5“-Drall erforderlich. Zwischen der Klemmmutter für den Lauf, der sogenannten Barrel Nut, und dem Rohr selbst befindet sich die äußerst massive Aufnahme für den Aluminium-Handschutz, bei Ruger als „Handguard Bushing“ bezeichnet. Sechs Schrauben und ein 12-eckiges Profil stellen eine stabile Verbindung zwischen Aufnahme und dem Handschutz her. Der Handschutz ist im Strangpressverfahren hergestellt worden, wurde anschließend spanend bearbeite und weist eine Cerakote-Beschichtung im Farbton „Smoked Bronze“ auf. In dem Teil befiden sich jeweils zehn M-Lok-Schnittstellen auf 6 und 12 Uhr sowie weitere neun M-Lok-Schlitze auf 3 und 9 Uhr. Zusätzlich ist unten eine 445 mm lange ARCA-Rail in den Handschutzkorpus eingefräst. Mit einem Querschnitt von 58 x 52 mm ist der Handschutz recht klobig, was allerdings wieder zu der über 120 cm langen Waffe passt.
System, Verschluss und Abzug: Ruger Precision Rifle
Unterhalb der Systemhülse sitzt die aus einer Aluminumlegierung gefräste Magazinschachteinheit, die das Magazin, den beidseitig bedienbaren Zwei-Stellungs-Sicherungshebel sowie den Pistolengriff aufnimmt und die Abzugsgruppe umhüllt. Um die Fertigung dieses Bauteils zu vereinfachen und somit kostengünstiger produzieren zu können, ist es zweiteilig. Der Magazinauslöser ist beidseitig bedienbar und sorgt beim Betätigen für ein frei fallendes Magazin. Der AICS-kompatible Tank besteht aus Stahlblech und fasst im Kaliber .300 PRC einreihig fünf Patronen. Der Pistolengriff Magpul MOE-K2-XL verfügt über die standardmäßige AR-Schnittstelle, so dass dieser auch gegen Aftermarket-Zubehör getauscht werden kann. Aus Sicht der Tester gibt es dafür jedoch keinen Anlass. Im Pistolengriff befindet sich ein kleines Staufach mit einer Ölflasche.

Die Precisison Rifle hat einen Direktabzug. Anwenderseitig kann der Abzugswiderstand laut Hersteller im Bereich von etwa 1.020 bis 2.270 Gramm justiert werden. Dazu wird ein 5/64“-Inbusschlüssel benötigt. Dieser befindet sich praktischerweise im hinteren Teil des Verschlusses. Über eine Bohrung im Bereich des Magazinschachtes lässt sich der Abzug dann einstellen. Der durchschnittliche Abzugswiderstand der Testwaffe lag bei 9,4 N (≈ 942 g). Ruger empfiehlt, in regelmäßigen Abständen, etwa alle 1.000 Schuss oder wenn der Abzugswiderstand ohne vorheriges Verstellen spürbar härter wird, die Abzugsgruppe zu reinigen. Dazu wird die Baugruppe ausgebaut, mit einem technischen Teilereiniger von Öl und Verschmutzungen befreit und an den Achsen und beweglichen Teilen wieder leicht eingeölt. Das Ruger Manual beschreibt Ausbau, Reinigung und den abschließenden Einbau der Abzugsgruppe im Detail.

Der Verschluss verriegelt mit drei Warzen − also mit einem Öffnungswinkel von 60 Grad − direkt in der Systemhülse. Auf deren Oberseite befindet sich eine vierfach verschraubte Picatinny-Schiene mit 30 MOA Vorneigung. Mit der Unterseite ist die Marksman Adjustable-Abzugsgruppe verschraubt. Die Kammer der Ruger Precisison Rifle ist sehr lang und aus einem vorvergüteten Werkzeugstahl gefertigt. Kammerkopf und Spannkurve werden daher nicht induktiv gehärtet, da es ansonsten zu einem Härteverzug kommen könnte. Der Verschlusskopf trägt konventionell einen gefederten Ausstoßerstift und einen gefederten Auszieher. Es befindet sich nur eine Gasentlastungsbohrung auf der rechten Seite, dies für den Fall eines Durchbläsers. Die Kammer weist eine polierte Oberfläche auf, laut Hersteller mit einer DLC-Beschichtung versehen. Kammer und Verschlusswarzen haben den gleichen Durchmesser, daher ist eine Freimachung der Kammerbohrung im System nicht notwendig.

Der geschraubte Griff des Kammerstängels kann bei Bedarf gegen andere Handhaben getauscht werden. Hinter dem Kammerstängel schließt sich eine Kammerverlängerung oder Schlagbolzenmutterabdeckung aus eloxiertem Aluminium an, die da eindringen von Schmutz oder Fremdkörpern verhindern soll. Am hinteren Ende der Abdeckung befindet sich ein Kunststoffdeckel, darunter der Inbusschlüssel für die Abzugseinstellung. Die Schlagbolzenmutter wird über zwei um 180 Grad versetzte Spannkurven gesteuert. Dadurch ergibt sich ein symmetrisches Kräfteverhalten, was ein Verkanten verhindert. Die Zwei-Stellungs-Sicherung wirkt nur auf den Abzug. Aufgrund der Bauweise mit der Abdeckung wäre eine Schlagbolzensicherung deutlich aufwendiger umzusetzen. Zu guter Letzt handelt es sich beim Verschluss um einen sogenannten Sekundärauszug. Um die abgeschossene Hülse besser aus dem Patronenlager repetieren zu können, macht die Kammer beim Öffnen einen kleinen axialen Weg. Damit wird das Losbrechmoment der Hülse im Lager erreicht. Beim Primärauszug wird dies durch Schrägen an den Verschlusswarzen erreicht, beim Sekundärauszug über den Kammerstängel und eine Schräge im Systemgehäuse.

Der Hinterschaft des Ruger Precision Rifle

Die Schulterstütze besteht aus einem massiven Profil einer hochfesten Aluminiumlegierung. Die Schaftkappe lässt sich auf Knopfdruck in einer Führung um insgesamt etwa 32 mm in sechs Positionen verstellen. Zum Einstellen der Schaftlänge muss zunächst eine Art Flügelmutter gelöst werden, indem diese um knapp 90 Grad gedreht wird. Damit wird die Klemmung aufgehoben. Mit Druck auf die Flügelmutter wird die Arretierung aufgehoben und das Schaftende kann in seiner Führung bewegt werden. Der maximale Verstellweg beträgt dabei etwa 91 mm in Schritten zu einem Viertelzoll (6,35 mm). Dies lässt sich auch liegend oder sitzend im Anschlag bewerkstelligen. Dazu wird der Verstellweg am besten komplett ausgefahren und anschließend bei gedrückt gehaltener Mutter mit der Schulter die Schaftkappe soweit eingeschoben, bis der Abstand zwischen Auge und Okular der Optik passt.
Die Schaftbacke bietet eine Höhenjustierung von zirka 20 Millimetern in 0,4-mm-Schritten. Zum Verstellen muss eine griffige Rändelmutter unterhalb der Backe gedreht werden. Die Schaftbacke ist zusätzlich axial in einem Dutzend Positionen zu jeweils ¼-Zoll um insgesamt 70 Millimeter in der Länge verstellbar. Damit bietet die Schulterstütze alle Verstellmöglichkeiten, um eine individuelle Schützenadaption zu erlauben.
Der Klappschaft legt sich an die linke Waffenseite an. Der Entriegelungsknopf dazu ist leichtgängig und gut erreichbar. Das Scharnier für den Klappmechanismus ist sauber gearbeitet und sowohl axial wie radial spielfrei. Zum Ausklappen muss lediglich nur seitlich an der Schulterstütze gezogen werden. Ein Hakenverschluss arretiert den Schaft ebenfalls spielfrei.

Auf 100 und 300 Meter: Schießstandbesuch mit dem Ruger Precision Rifle
Bevor es an die Präzisionsermittlung auf einem offenen 300-Meter-Schießstand im Erzgebirge ging, mussten die Tester eine entsprechende Optik montieren. Die Wahl fiel auf ein Zeiss LRP S3 636-56. Mit einem sechsfachen Zoom und einer Maximalvergrößerung von 36-fach eignet sich das LRP besonders für weitere Distanzen. Im Gegensatz zum älteren Zeiss V8 mit 36-facher Vergrößerung bietet das LRP S3 mit 32 Mrad (320 cm auf 100 Meter) einen mehr als doppelt so großen Verstellbereich in der Höhe. Der zentrale Zielpunkt in der Absehenmitte hat auf 100 Meter ein Deckungsmaß von gerade einmal 0,4 mm und verdeckt daher fast nichts vom eigentlichen Zielpunkt. Die Anbindung an die Waffe stellte eine Blockmontage von ERATAC mit variabler Vorneigung von 0 bis 25 Mrad dar. An die ARCA-Schiene des Handschutzes wurde mit entsprechendem Adapter ein äußerst stabiles Fortmeier-Zweibein montiert. Die Messung der mündungsnahen Geschossgeschwindigkeit übernahm wieder das Garmin Xero C1 Pro. Angenehm überrascht waren die Tester vom Rückstoßimpuls. Obwohl die Handlaborierungen die Geschosse mit Mündungsenergien bis knapp 6.000 Joule auf die Reise schickten, merkten die Tester davon wenig. Subjektiv fühlte sich der Rückstoß eher wie jener einer .308 Winchester an. Der Grund dafür liegt zum einen in dem relativ hohen Waffengewicht, komplett mit Optik, Montage und Zweibein, und zum anderen an der wirksamen Mündungsbremse. Effektiv macht die Bremse vor allem die Größe der Prallflächen. Die Treibladungsgase, die sich nach Verlassen des zylindrischen Geschossführungsteils an der Mündung schlagartig entspannen, prallen mit noch hohem Druck und hoher Strömungsgeschwindigkeit auf die Prallflächen. Dieser Impuls wirkt dem Rückstoßimpuls entgehen und schwächt diesen ab. Bei langen Läufen wie demjenigen der Testwaffe ist der Mündungsgasdruck bereits stark abgesunken. Somit fällt auch der Impuls der Gase geringer aus, dem kann man jedoch mit größeren Prallflächen entgegenwirken.

Während der rund 120 verschossenen Patronen konnten weder bei der Patronenzuführung noch beim Hülsenauswurf irgendwelche Schwächen oder technische Probleme festgestellt werden. Apropos fest, wie immer überprüften die Tester nach Abschluss der Testreihe, ob alle vor dem Schießen an der Schulterstütze vorgenommenen Einstellungen ihre Position behielten und fest waren. Auch hier gibt es keinerlei Grund für Beanstandungen. Was den Testern allerdings störend auffiel, war der Abzug, genauer der „Trigger Release“. Dieser befindet sich mittig im eigentlichen Abzugszüngel und ist diesem vorgelagert. Der Trigger Release muss somit zuerst betätigt werden, bevor der Abzugsfinger das eigentliche Züngel erreicht. Zieht der Schütze den Schießfinger nicht axial nach hinten, sondern leicht verkantet, kratzt der Trigger Release am Abzugszüngel, was die ansonsten gute Abzugscharakteristik stört. Was noch auffiel, allerdings hat dies nichts mit der Ruger Testwaffe zu tun, betrifft die ARCA -Schiene. Der Adapter zwischen Zweibein und Rail verfügt über eine Klemmbacke. Obwohl diese fest angezogen war, löste sie sich immer wieder. Im Gegensatz zur Weaver- oder Picatinny- Schiene bietet die ARCA-Rail keine zusätzliche Verzahnungsmöglichkeit für einen Querstollen. Daher sollte die Klemmung vor allem bei starken Kalibern regelmäßig kontrolliert werden.
Technische Daten und Preis der von der Helmut Hofmann GmbH importierten Ruger Precision Rifle in .300 PRC:
Modell: | Ruger Precision Rifle |
Kaliber: | .300 PRC (Precision Rifle Cartridge) |
Kapazität: | 5 + 1 Patronen |
Länge: | 1.230 / 1.015 mm |
Lauflänge: | 664 mm |
Dralllänge: | 229 mm (9") |
Abzugsgewicht: | 962 g / 9,4 N |
Gewicht: | 6.900 g |
Links-/Rechts-Ausführung | Sicherung beidseitig bedienbar |
| Preis: | 3.149,- Euro |
Ausstattung: | Klappschaft, verstellbare Schulterstütze, Blechmagazin, Top Rail, 30 MOA, einstellbarer Direktabzug, Lauf gehämmert, Handschutz mit ARCA-Schiene und M-Lok-Aufnahmen, Mündungsbremse. |

Fazit: Das kann das Ruger Precision Rifle in .300 PRC
Die Ruger Precision Rifle in der aktuellen Generation bietet für eine unverbindliche Preisempfehlung von 3.149,- Euro viel fürs investierte Geld. Mit Kalibern wie der .300 PRC oder der .338 Lapua Magnum kann die Waffe auf Long Range-taugliche Distanzen bis etwa 1.500 Meter treffsicher eingesetzt werden. Wem nur eine 300-Meter-Bahn zur Verfügung steht, kann sich die RPR auch in den kleineren Kalibern der 6- und 6,5-mm-Klasse zulegen. Freilich können diese Kaliber auch sicher auf Entfernungen von 800 bis 1.000 Meter und teils darüber hinaus eingesetzt werden. Die Schulterstütze bietet zahlreiche Verstellmöglichkeiten, sodass jeder Schütze hier sie bestmöglich auf sich anpassen kann. In Sachen Präzision gibt es nichts zu meckern, mit sechs der zehn Laborierungen konnte eine Präzision unter 0,75 MOA auf 100 Meter erreicht werden. Mit einer Laborierung gelangen sogar hervorragende 13 mm auf 100 Meter. Einziger Wermutstropfen ist der Trigger Release, der jedoch nur stört, wenn der Schießfinger leicht verkantet am Züngel zieht. Bei Bedarf ließe sich die Abzugsgruppe aber auch durch Teile anderer Aftermarket-Hersteller auswechseln.
Text: Christopher Hocke
Redaktion: Hamza Malalla
Dieser Artikel erschien auch in der VISIER, Ausgabe 04/2026. Dort ist auch die detaillierte Schießtabelle mit 10 Handladungen enthalten. Das Heft können Sie im VS Medien-Shop online kaufen. Dort steht es auch als ePaper zur Verfügung.
Weitere Informationen zum Ruger Precision Rifle erhalten Sie beim Importeur, der Helmut Hofmann GmbH und natürlich direkt beim Hersteller. Abgabe nur über den Fachhandel.










