Verbot von Blei in Munition: Betroffene sollen nun bei der ECHA Stellungnahmen abgeben – aber ist das eine echte Konsultation? Oder sind Jagen + Sportschießen in Gefahr?

Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) lädt jetzt Betroffene ein, wissenschaftliche und technische Informationen über die Verwendung von Blei in Munition für die Jagd und das Sportschießen einzureichen. Eine sechsmonatige Konsultation wurde am 24. März 2021 gestartet und die Frist läuft bis zum 24. September 2021 – aber nur Infos, die bis zum 5. Mai 2021 eingereicht werden, können in der ersten Sitzung des RAC (Risk Assessment Committee) und SEAC (Socio-Econmic Analysis Committee) berücksichtigt werden.

Am 15. April 2021 fand eine Online-Informationssitzung zu der vorgeschlagenen Beschränkung (kurz "Bleiverbot" genannt) statt. Während des Webinars erläuterten die Experten der ECHA die spezifischen Fragen, die in der Konsultation gestellt wurden und erklärten, wie man Kommentare einreichen kann. Wie all4shooters.com-Leser bereits wissen, hat die ECHA in der Tat bereits ihren Vorschlag veröffentlicht, die Verwendung von Blei in Munition für die Jagd und das Sportschießen im Freien sowie in Angelgeräten weitestgehend zu verbieten. Im Grunde bittet man nun die Akteure in der EU, alle Informationen einzureichen, die sie zu den Themen für relevant halten, die RAC, SEAC oder ECHA – als Einreicher des Dossiers – identifiziert haben. Alle Informationen müssen natürlich mit Belegen versehen sein, und alle Kommentare und Infos müssen über die ECHA-Website unter diesem Link eingereicht werden.

Im Video unten können sie das ganze ECHA-Webinar anschauen und erfahren mehr über die Beratungsschritte und spezifischen Fragen.

Video: ECHA Webinar vom 15.05.2021. Konsultation zum geplanten Verbot von Blei in Munition


Kommentar von Piergiorgio Molinari, all4shooters.com zum geplanten Verbot von Blei in Munition durch die EU Kommission

Die ECHA will kein Blei in Munition innerhalb der EU.
In der EU soll es keine Bleimunitiongeben. Doch die alternativen Materialien für Schrot und Büchsengeschosse könnten noch schlechter für die Umwelt und die menschliche Gesundheit sein.

Eine öffentliche Konsultation über das, was die ECHA "Nachhaltiges Schießen im Freien" nennt: Das klingt gut, politisch korrekt und zutiefst demokratisch. Leider ist es nicht ganz so. Die Q&A-Seite, die nach dem Webinar für eine Stunde zur Verfügung gestellt wurde, gibt einen Einblick in die kritischen Punkte des Konsultationsprozesses und vor allem in die vorgeschlagenen Verbote. Zunächst einmal sind die Beweise, Daten und Quellen, auf die sich der Anti-Blei-Kreuzzug der EU stützt, bestenfalls vage und umstritten. Es wird immer wieder behauptet, dass "der Vorschlag nicht darauf abzielt, das Jagen, Schießen oder Fischen zu unterbinden, sondern Menschen und Umwelt zu schützen". Sicher, Blei ist giftig. Aber man fragt: "In welchen Mengen? Oder in welchen Partikelgrößen? Nehmen die Menschen wirklich genug Blei auf, um ihre Gesundheit zu gefährden?" Und wie sieht es mit der Bleibelastung von Sportschützen aus? Wir haben diese Fragen bereits auf all4shooters.com angesprochen. Es genügt hier zu sagen, dass alle wissenschaftlichen Studien belegen, dass es bei Wildbret keine besondere Belastung der Nahrung durch das bei der Jagd/Fischerei verwendete Blei gibt. Außerdem ist bewiesen, dass das metallische Blei in der Munition keine signifikanten Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit hat.

Zudem wird behauptet, dass "135 Millionen Vögel" jedes Jahr der Gefahr einer Bleikontamination ausgesetzt sind, wobei dann aber zugegeben wird, dass es sich hierbei nicht um reale Daten handelt, sondern nur um eine "begründete Annahme". Das bedeutet, dass man eine EU-weite Beschränkung von Blei vorschlägt, die auf groben "Schätzungen" basiert. Was die Alternativen zu Blei in Schrotpatronen angeht, schlägt die ECHA Stahl, Wismut und Wolfram vor. Aber Querschläger von Stahlkugeln könnten eine potenzielle Quelle für schwere Verletzungen bei Sportlern und Jägern sein, während wissenschaftliche Studien zeigen, dass Wolfram giftig für Bodenmikroben und Pflanzen ist und Wismut ein Humangift ist. Und niemand redet derzeit über eine vernünftige Alternative zu bleihaltigen Büchsenpatronen. Das Gegenteil ist der Fall: Die ECHA hat auch Kupfer und Zink auf der Liste der kritischen Materialien. Wohl wissend, dass fast alle bleifreien Deformationsgeschosse auf Kupfer basieren. Und nun? Heißt das, dass die EU nach Blei früher oder später auch all diese Materialien verbieten wird? Und wie sieht es mit den Folgen eines Bleiverbots auf das Olympische Sportschießen, auf die Jagd im Allgemeinen und die Kosten für die Munitionsindustrie aus? Es gibt keine klaren Antworten – nur "Annahmen". Oder liegt ein klares, aber verstecktes Ziel in der Luft: Ein totales Verbot des Sportschießens und der Jagd zu erreichen? Wir wissen es nicht – wir "vermuten" nur.

Abgesehen von diesen und vielen weiteren Zweifeln, ist es nicht seltsam, dass die ECHA die Interessengruppen nach der Ausarbeitung eines Beschränkungsvorschlags um Informationen zu wesentlichen Fragen bittet, statt vor der Ausarbeitung? Ein anonymer Webinar-Teilnehmer schrieb: "Dies scheint nicht wie eine tatsächliche Diskussion zu sein. Ihre Argumente sind manipuliert, es fehlen Quellen, sie basieren auf Vermutungen ("Schätzungen") und es fehlen harte Fakten. Sie fragen eigentlich nicht nach anderen Meinungen, sie haben bereits entschieden und diese ganze Scharade dient nur dazu, legale Waffenbesitzer weiter einzuschränken." Das klingt ein bisschen unhöflich. Aber es scheint möglicherweise etwas Wahres dran zu sein.


Alle Kommentare und Informationen müssen über die ECHA-Website unter diesem Link eingereicht werden. Die Frist für die öffentliche Konsultation läuft am 24. September 2021 ab.