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Stellungnahme britischer Munitionshersteller: Blei- und kunststofffreie Munition in fünf Jahren? "UNMÖGLICH"

Über das Thema "Blei in Munition" haben wir hier bei all4shooters.com und all4hunters.com bereits ausgiebig berichtet, wie unsere treuen Leser wissen (zum Beispiel hier; die Position der ISSF finden Sie hier). Unter Berufung auf zweifelhafte Umwelt- und Gesundheitsfragen will die EU im Grunde innerhalb weniger Jahre ein vollständiges Verbot von Blei in Munition durchsetzen, was schwerwiegende Auswirkungen nicht nur für die Munitions- und Waffenindustrie, sondern auch für die Umwelt selbst hätte.

Die British Association for Shooting and Conservation (BASC) schloss sich vor einigen Tagen an und forderte "innerhalb von fünf Jahren das Verschwinden von Blei und Einwegkunststoff in Schrotmunition, wie sie von Jägern verwendet wird."

Als Antwort darauf haben die führenden britischen Hersteller von Schrotflintenpatronen Eley Hawk, Gamebore, Hull Cartridge und Lyalvale Express – eine Erklärung herausgegeben, die wir im folgenden in ihrer Gänze zitieren.

Die Stellungnahme von: Rodrigo Crespo von Eley Hawk, Paul James von Gamebore, David Bontoft von Hull Cartridge und Roger Hurley von Lyalvale Express.

Wismut-Munition
Wolfram- und Wismutwerkstoffe sind in ihrer Verfügbarkeit sehr begrenzt und in der Herstellung deutlich teurer als Stahl.

"Wir, die führenden britischen Hersteller von Schrotpatronen, nehmen hiermit Stellung zur Verlautbarung der BASC und anderer Organisationen vom Montag, dem 24. Februar, in der diese 'innerhalb von fünf Jahren das Verschwinden von Blei und Einwegkunststoff in Schrotmunition, wie sie von Jägern verwendet wird', fordern.

Zunächst einmal ist zu sagen, dass die BASC und die anderen Organisationen sich vor der Veröffentlichung ihrer Verlautbarung NICHT mit den britischen Herstellern von Schrotflintenpatronen beraten haben.

Diese Hersteller haben den Sachverhalt nun gemeinsam erörtert. Unserer Ansicht nach haben sich die Organisationen mit einer begrenzten Anzahl von Produkten befasst und sind davon ausgegangen, dass diese eine brauchbare Lösung für das vorliegende Problem darstellen. Leider ist das nicht der Fall.

Für uns handelt es sich aus mehreren Gründen um ein großes Problem. Diese Gründe hätten wir den Organisationen vor der Veröffentlichung ihrer Verlautbarung gern erklärt, wenn wir die Gelegenheit dazu gehabt hätten.

Rottweil Schrotmunition
Ein Wechsel von Blei- zu Stahlschrot für den Großteil der britischen Schrotmunition wird unweigerlich den Druck auf den Rohstoffmarkt erhöhen. Dies würde kurzfristig zu einer weiteren Verknappung führen und den Preis in die Höhe treiben.

In Europa herrscht derzeit Stahlmangel. Wenn ein Großteil der britischen Schrotflintenmunition von Blei- auf Stahlschrot umgestellt würde, entstünde unweigerlich mehr Druck auf den Rohstoffmarkt. Dies würde kurzfristig zu weiteren Engpässen führen und den Preis in die Höhe treiben, da die Stahlschrothersteller in den Kapazitätsausbau investieren.

Die Beispiele auswärtiger Märkte, die erfolgreich auf Stahlschrot umgestellt wurden (Dänemark und der Wasservogelsektor in den USA) sollten nicht als Beweis dafür herangezogen werden, dass diese Lösung überall funktioniert. Denn die in diesen Märkten verwendete Stahlmunition ist in großem Umfang mit Kunststoffpfropfen ausgestattet. Darüber hinaus erlauben die US-amerikanischen und dänischen Vorschriften Stahlpatronen mit viel höherer Leistung als in Großbritannien, weshalb die Garbe eine stärkere Wirkung hat.

Die derzeit in Großbritannien geltenden Leistungsbeschränkungen für Stahlmunition bedeuten, dass wir bei der Entwicklung von wirksamem Stahlschrot im Vergleich zu den im Ausland verwendeten Munitionstypen vor größeren Herausforderungen stehen. Wenn dann noch bedacht wird, dass die Kunststoffpfropfen auch verschwinden sollen, sind wir bei der Leistung noch stärker eingeschränkt. Bevor wir mit der Entwicklung von ausreichend effektiven Ladungen für saubere und humane Tötungen in den in Großbritannien üblichen Jagdarten beginnen können, würden wir gern eine Lockerung dieser Leistungsbeschränkungen sehen.

Es gibt in der Tat eine Handvoll Möglichkeiten für bleifreie Munition mit biologisch abbaubaren Pfropfen. Doch in der derzeitigen Lage ist es unmöglich, diese rentabel zu machen. Wir können ohne erhebliche Investitionen in die Produktion nicht innerhalb von fünf Jahren vollständig auf diese Erzeugnisse umstellen. Die BASC und die anderen Organisationen haben kein Verständnis für diese Herstellungsverfahren und können daher nicht abschätzen, wie lange diese Entwicklungsprozesse dauern.

Wolfram und Wismut sind seltene Rohstoffe und in der Produktion erheblich teurer als Stahl. Aufgrund der hohen Rohstoffpreise kommen enorme Kostensteigerungen auf Schützen zu, die kleinere Kaliber verwenden und keinen Stahl verwenden können. Viele Schützen werden den Sport daher aus Kostengründen an den Nagel hängen müssen.

Wir müssen uns jetzt entscheiden, was wir verbannen wollen: Blei oder Kunststoff. Auf beides können wir nicht verzichten. Gegenwärtig sind die einzigen kommerziell möglichen Optionen Bleischrot mit Faserpfropfen, Stahl mit Kunststoffpfropfen oder bleifreie Premium-Munition, die kaum zu bezahlen ist. Schützen und Landbesitzer werden diese Optionen in Betracht ziehen und dann entscheiden müssen, welche davon vorzuziehen ist.

Wir müssen dabei klar Stellung beziehen und die Organisationen darüber beraten, was realistisch und erreichbar ist. Obwohl bei der Entwicklung blei- und kunststofffreier Alternativen ein Anfang gemacht ist, wird es noch geraume Zeit dauern, bis den Schützen eine vollständige Palette von Möglichkeiten zur Verfügung steht. Es handelt sich um einen langen Prozess, der umfangreiche Forschungs- und Entwicklungsarbeit sowie Investitionen erforderlich macht.

Wir sind uns darüber einig, dass die Branche sich weiterentwickeln muss, um umweltfreundlicher zu werden. Wir gehen davon aus, dass das auch geschehen wird, da größere Industriebereiche auch weiterhin in Alternativen zu Kunststoff investieren. Davon werden natürlich auch kleinere Branchen wie unsere profitieren. Die Großen sind in einer besseren Position für diese Entwicklungsarbeit, aber wir Kleinen werden folgen. Es ist unrealistisch, von einer relativ kleinen Branche zu erwarten, dass sie dabei eine Pionierrolle übernimmt.

Wir werden auch weiterhin die Verwendung von Stahlschrot fördern, wo dies erforderlich ist. Aber in diesem frühen Stadium sprechen wir uns für die Verwendung von Blei mit Faserpfropfen aus, um den Kunststoff zurückzudrängen. Wo bleifreie Munition erforderlich ist, fordern wir die Schützen auf, ihre gebrauchten Kunststoffpfropfen möglichst aufzusammeln und zu entsorgen. Viele tun das bereits.

Und schließlich sind wir entschlossen, in Alternativen zu investieren. Unser gemeinsames Ziel ist die Entwicklung von Hochleistungsmunition für alle Flinten und alle Kaliber unter Verwendung nachhaltiger Materialien, um die Zukunft des Schießsports und der Jagd zu sichern. Wir bitten die Organisationen und die einzelnen Schützen und Jäger lediglich um eins: Nehmen Sie zur Kenntnis, dass es schlichtweg UNMÖGLICH ist, [Großschreibung und Fettdruck wie im Original, d.Red.] dies ohne umfangreiche Unterstützung innerhalb von fünf Jahren zu leisten."

Lesen Sie hier auch die Stellungnahme der RUAG Ammotec (RWS, Rottweil) zum Thema Bleiverbot bei Munition. Die Einschätzung aller internationalen Hersteller von Munition ist absolut identisch. Nicht weil man sich abspricht, sondern weil es zu Blei in Munition in vielen Bereichen keine geeignete Alternative gibt. Es wird aktuell viel geforscht und getestet. Beschichtete bzw. gecoatete Bleischrote können ein erfolgversprechender Weg sein, die überlegenen ballistischen Eigenschaften von Blei zu erhalten und die Auswirkungen auf die Umwelt (Aufnahme von Bleischroten mit der Nahrung durch grundelnde Wasservögel) zu eliminieren. Wir bleiben am Ball.

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