Walther GSP: Klassische Sportpistole mit Wechselsätzen, riesigem Zubehörmarkt und günstigen Gebrauchtpreisen

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Modelle Walther GSP
Frühe GSP-Modelle, von oben: 1968, noch 
mit Hebelsicherung hinter dem Abzug. Eine GSP in .22 l.r. von 1970, leicht veränderter Griff. Im Jahr 1971 kam die erste 32er GSP 
heraus. Ab 1973 wurde der Griff erneut verändert, ein Pärchen in .22 l.r. und in .32 S&W long WC.

Manche erfolgreichen Produkte kamen nicht schon zur Markteinführung perfekt und mit völlig neuem Denkansatz in den Handel. Es gleicht mehr einem Reifeprozess. Was sich nach und nach entwickelt, in Details und oft auch nach Kundenwünschen verbessert wird, setzt sich meist dauerhafter bei den Käufern durch und wird zum Klassiker. Die Walther-Sportpistole GSP, die wir diesmal als "Youngtimer" vorstellen, gehört eindeutig in diese Kategorie. 

Selbst wenn die im Jahr 1968 vorgestellte Wettkampfwaffe nach mehr als 50 Jahren schon lange nicht mehr von den weltbesten Schützen eingesetzt wird, aber immer noch in vielen Waffentresoren nicht nur in Deutschland lagert, dann ist dies ein Qualitätsmerkmal, das sie für andere Käuferschichten interessant macht. So etwa für Einsteiger, die nicht über 2000 Euro für ein heutiges Topmodell ausgeben wollen oder können. Oder als preiswerte gebrauchte und langlebige Vereinspistole, für die Kleinkaliber-Wettbewerbe der sonst auf Großkaliber ausgerichteten Verbände BDS, BDMP oder DSU ebenso wie als preiswerte Doppelkaliberwaffe.

Walther-Gebäude Ulm ab 1960
Mitten in Ulm, an der Karlstraße 33 und zwischen Hauptbahnhof und Ulmer Münster, stand einst das große Gebäude der Firma Carl Walther, in dem seit den 60er Jahren bis 2005 alle Sport-, Jagd- und Verteidigungswaffen produziert wurden  – auch die Walther GSP wurde hier geboren. 

Man kann natürlich auch zwei komplett eigenständige GSPs in beiden Kalibern kaufen, muss man aber nicht: Denn mit einer GSP in .32 S&W Long Wadcutter (kurz: WC) erwirbt man die Option mit, das Griffstück − ohne weiteren Voreintrag in die Waffenbesitzkarte (WBK) − mit einem Wechselsystem in .22 Long Rifle  auszustatten und so neben einer vollwertigen Matchpistole für viele Großkaliberdisziplinen auch noch eine bewährte KK-Matchpistole zu bekommen. Griff und Abzugsverhalten bleiben (falls gewünscht) gleich, während die Visierung, die ja mit dem Wechsel-Oberteil gekoppelt ist, auf die jeweilige Disziplin und das entsprechende Kaliber einjustiert ist. Es gab sogar ein Wechselsystem für die Patrone .22 short, um aus der GSP eine Olympische Schnellfeuer-Pistole zu machen. Aber seit der Regeländerung von 2004 ist die kürzere 22er Patrone obsolet, diese Disziplin wird ebenfalls in .22 long rifle geschossen. Wer noch so ein .22-kurz-Ding daheim (und vor allem noch auf der WBK  eingetragen) hat: Verschiedene DSB-Landesverbände bieten weitere OSP-Disziplinen mit der .22 short an, damit lässt sich das Bedürfnis für den Besitz auch weiterhin begründen, und Spaß macht es außerdem.

Um etwas vorwegzugreifen: Auch die in einigen Punkten veränderte, neue Walther GSP 500 ist mit Wechselsystemen von Klein- auf Großkaliber umrüstbar. Für Schnellfeuerpistole gibt es die komplett spezialisierte Walther GSP 500 Rapid Fire.

Walther GSP: Wer kam warum und wann auf diese Konstruktion?

GSP mit Wechselsätzen OSP
Der komplette Baukasten der Walther GSP: Oben das Grundmodell in .22 long rifle, daneben zwei 32er Magazine. In der Mitte die Wechselverschlüsse für .22 short und .32 S&W long Wadcutter, stets erkennbar an den dickeren Spannknöpfen. Unten ein OSP- und ein Trockentrainingsabzug plus drei KK-Magazine.

In den Anfangszeiten der GSP dachten die Walther-Konstrukteure in Ulm tatsächlich noch nicht an Großkaliber, sondern an die .22 short als Wechselkaliber. Vorgänger der GSP war nämlich die für die Disziplin Olympische Schnellfeuerpistole entworfene Walther OSP, die schon 1961 vorgestellt wurde. In ihr finden sich bereits die wesentlichen Features, von denen man annahm, dass sie zu einer kompromisslos auf Wettkampferfolge getrimmten Sport-Kurzwaffe gehören. Walther hatte schon seit den 1930er Jahren, noch in Zella-Mehlis in Thüringen, mit der Modellreihe Olympia eine seinerzeit erfolgreiche Sport-Kleinkaliberpistole gebaut, die allerdings nach Kriegsende in Lizenz von der Schweizer Firma Hämmerli gefertigt wurde. Sie bildete dort schließlich den Stammvater der jahrzehntelang erfolgreichen Hämmerli-Sportpistolen 208, 212 und 215 und lässt sich bis in die Hämmerli-X-Esse-Baureihe weiterverfolgen, also mittlerweile über gut neun Jahrzehnte. Auch die aktuelle Walther CSP, die wir hier schon vorgestellt haben, ist der bislang letzte Spross dieses Familienzweiges. 

Karl-Heinz Walther
Karl-Heinz Walther  (1923-1983) war der Enkel des Firmengründers Carl Walther und nach dem Tod seines Vaters Fritz Walther Firmenchef in Ulm. Mit ihm endete auch die Ära der Walther-Familienmitglieder in Chefposition.

Nicht nur wegen der Lizenzfrage „Wer darf es nutzen?“ hielt man in Ulm aber das ausgeliehene Olympia-Design und auch die Technik nicht mehr für ausbau- und konkurrenzfähig. Der Enkel des einstigen Firmengründers Carl Walther, Karl-Heinz Walther, war 1966, nach dem Tod seines Vaters Fritz Walther, neuer Firmenchef in Ulm geworden. Als begeisterter Sportschütze reiste er oft mit den Servicetechnikern mit zu internationalen Wettkämpfen, diskutierte eifrig mit den Aktiven. Sportwaffen waren fortan Chefsache bei Walther. Auch wenn es bis 1970 dauerte, bis sich die Walther OSP international einen Namen machen konnte (durch den Weltrekord des Italieners Giovanni Liverzani bei der WM in Phoenix/USA und viele weitere Erfolge bis in die 2000er Jahre), so bereitete die Schnellfeuerpistole den Weg auch für ihre neue Schwester GSP vor. 

Müller, Zanner, Bretschneider 2005
Anno 2005 (v.l.): Wolfgang Müller, zigfacher deutscher Meister, der ehemaliger Walther-Mitarbeiter und GSP-Konstrukteur 
Georg Zanner und Thomas Bretschneider, 
damals wie heute der Entwicklungsleiter Sportwaffen bei Walther. 

Das Kürzel GSP steht übrigens für „Gebrauchs- und Standardpistole“, nicht etwa für das oft vermutete „Gebrauchs-Sportpistole“ – das erklärte uns bei einem Firmenbesuch  im Jahr 2005 und noch im alten Walther-Gebäude an der Ulmer Karlstraße jemand, der bei der Namensgebung dabei war: Georg Zanner hatte im Jahr 1968 das Konstruktionsteam der GSP bei Walther geleitet. Als Rentner, traf er sich damals mit Thomas Breitschneider und mit Wolfgang Müller, der den Deutschen Rekord (595 von 600 Ringen) mit seiner GSP aufstellte – uneinholbar, denn die Form der damaligen Duellscheibe wurde später geändert.

Georg Zanner erinnerte bei diesem Treffen sich an die Planungsphase: „Das lief damals so ab, dass eine Idee vom Musterbau in eine Waffe umgesetzt wurde, die dann auf dem Schießstand ausprobiert wurde. Von den Mitarbeitern dort kamen dann Verbesserungsvorschläge, die wieder in die Konstruktion einflossen. Und gezeichnet wurde natürlich nicht mit CAD-Rechnern, sondern im weißen Kittel am Zeichenbrett.” 

GSP mit Wechselsätzen
Erst ab der Walther GSP Nr. 67001 (1976) klappt der Umbau. Das OSP-Oberteil (Mitte) verschießt die .22 Short. Das Oberteil in .22 l.r. darunter passt auch auf 32er Griffstücke. 

Dieses erstmals bei Walther eingeführte Baukastensystem war zwar lange geplant, wurde allerdings erst im Jahr 1976 tatsächlich umgesetzt: Im Jahr 1971 wurde die GSP im Kaliber .32 S&W Long WC vorgestellt, mit der man regelgetreu „Sportpistole Großkaliber“ bei DSB wie UIT/ISSF „Centerfire“ schießen konnte. Statt einer kompletten zweiten Pistole im anderen Kaliber konnte man ab der Seriennummer 67001 auch Wechselsysteme verwenden in .22 Short, .22 l.r. und .32 S & W Long WC. Damit man den Griff mit einem günstigeren, „steileren“ Winkel zur Laufachse und mit weniger Durchmesser für kleinere Hände auslegen konnte, wanderte das GSP-Magazin wie schon bei der OSP aus dem Griffschacht nach vorn vor den Abzug – angeblich auf eine Anregung eines schwedischen Top-Schützen hin. Denn beim Magazin im Griff bleiben konstruktionsbedingt nur wenig Gestaltungsmöglichkeiten, weil der Schacht den Griff-Mindestdurchmesser bestimmt. So wurde die Pistole auch vorderlastiger. Angeblich diente sogar die Mauser C96 als Vorbild.

Walther GSP, die Gebrauchs- und Standardpistole – aber warum wurde dieser Name gewählt?

Walther-Gebäude Karlstraße
Die GSP Expert, die letzte Ausführung der eigentlichen Walther GSP: oben die Kleinkaliber-Version in .22 long rifle, darunter die ansonsten baugleiche Großkaliberwaffe in .32 S&W Long Wadcutter.
Herstellungsdaten Walther GSP bis 2022
Herstellungsdaten der Walther GSP bis Modell Expert, nach Firmenangaben, ergänzt von all4shooters.com

Die Standardpistole, das ist bis heute, neben der sogar olympisch ausgetragenen OSP, die einzige mehrschüssige Kleinkaliber-Disziplin, die bei den Herren international zu Meisterehren führt – ebenfalls auf 25 Meter, ebenso fünf Patronen pro Magazin, aber geschossen werden in anderen Zeitrhythmen mit 150, 20 und schließlich 10 Sekunden für je fünf Schuss. Die heute wohl beliebteste deutsche Mehrschuss-Disziplin „Sportpistole“ gab es in dieser Form damals noch nicht. Weltweit geschossen wurde „Center Fire“, also Zentralfeuer mit Pistolen und ab und zu Revolvern in Kalibern zwischen .30 und .38. Der 1961 wiedergegründete Deutsche Schützenbund DSB tat sich die ersten Jahrzehnte schwer mit Großkaliber-Wettkämpfen. Also bot man den gleichen Ablauf an, aber zunächst eben mit Klein- statt Großkaliber. Der Weltverband UIT (heute ISSF) erlaubte dann aber den Damen ab 1970, den Kombiwettbewerb mit Präzision und Duell auch mit Kleinkaliber-Pistolen zu bestreiten. Da kam die Walther GSP gerade recht, zumal die Ulmer auch mit männlichen Kunden für den deutschlandweiten Bedarf rechneten.

Dass durch das vorverlegte Magazin der GSP-Lauf stark gekürzt werden musste auf 115 Millimeter, damit die Sportpistole laut Regelwerk die 300-mm-Längenmarke nicht überschreitet und in den Prüfkasten passt, hielt man seinerzeit für verzeihbar: Die Zehn der 25-Meter-Disziplin maß in der ersten Wettkampfhälfte „Präzision“ fünf Zentimeter, darin ließ sich eine typische Fünf-Schuss-Gruppe bequem unterbringen, ohne dass Ringverluste drohten. Und die internationale Scheibe für den „Duell“-Teil, in dem üblicherweise bei gleich guten Schützen die Entscheidung fällt, war damals rechteckig-hochkant und besaß sogar ovale Ringe, mit einer Zehn von zehn Zentimetern Breite, aber fünfzehn Zentimetern Höhe. Da ließen sich Höhenabweichungen der Treffer beim raschen Hochschwenken des Haltearms verschmerzen (je drei Sekunden Zeit pro Schuss, dann wieder sieben Sekunden Pause). 

Von der Ur-GSP "System Zanner" ist nach mehr als 150.000 Exemplaren aller Versionen heute nichts mehr übrig. Jedes Detail wurde irgendwann verändert: die Laufform, die Länge und die Art der Befestigung. Die Magazine wurden umgestaltet und der Magazinschacht, die Verschlussfeder, der Verschluss selbst, der Abzug (gleich mehrfach) und seine Befestigung, die Kimme und das Korn, die Griff-Form sowie seine Befestigung am Rahmen, die zunächst vorhandene Sicherung, der Verschlussfanghebel – es handelte sich um eine rundum erneuerte Waffe. 

Walther GSP: Details zu System, Lauf, Griff und Abzug

Sondermodelle Walther GSP
Sondermodelle wie 1994 zur 25-Jahr-Feier (nur 1.000 Stück) oder zur Olympiade in Atlanta
1996 freuen den Sammler. Aus der Sonderreihe “Expert” wurde die letzte  Normalausführung, in .22 wie in .32.
Earl Sheehans GSP-Carbine
Earl Sheehan, der damalige US-Vertreter von Walther, stellte seinen GSP-Umbau zum KK-Gewehr 1997 vor, ab 1998 lieferte Walther
die Teile in Serie. Auch als Freie Pistole mit langem Lauf wurde die GSP eingesetzt, der Rücklauf dann blockiert.

Die zunächst nur als Sondermodell im Jahr 2000 lancierte GSP Expert löste langsam die ersten GSP-Generationen ab, und das aus praktischen Gründen: Die Gussform für das Griffstück zeigte alters- und gebrauchsbedingte Lunkerstellen, so dass man keine glatten Oberflächen mehr garantieren konnte. Bei der limitierten „First Edition“ der Expert wurde das noch geschickt durch ein geriffeltes Oberflächenmuster kaschiert, aber die Expert, die bis zur Modelleinstellung 2022 gebaut wurde (siehe Tabelle „Herstellungsdaten“), glänzte selbstbewusst durch zahlreiche Innovationen. Etwa das auf den vorne kunststoffummantelten Rundlauf aufgeschobene Vordergewicht mit zwei Dämpfungspuffern. Oder durch die nach hinten, zum Schützenauge hin versetzte Visierung aus Kimme und Korn, die die im Regelwerk erlaubten 220 Millimeter voll ausnutzt. 

Demontage, Umrüsten: Als Basis für die GSP dient ein Aluminium-Griffstück mit vier integrierten Bedienelementen: Der über Federdruck wirkende Magazinhalter ist mittig unten am Magazinschacht angebracht, für Links- und Rechtshänder gleich gut bedienbar. Ein schwenkbarer Haltehebel an der linken Waffenseite, gesichert durch eine Federklemme, arretiert über eine Halbwelle das ansonsten nur aufgeschobene Verschlussgehäuse. Ebenfalls von links kann die mit Schraubenschlitz versehene Welle gedreht werden, die das Abzugsmodul festklemmt. Auf der rechten Seite sitzt, verlockend in Reichweite des Abzugsfingers, der gewinkelte Verschlussfanghebel. Er kam ins Rennen, nachdem Top-Schützen wünschten, dass doch alle fünf Schüsse die gleiche Waffenreaktion hervorrufen sollten. Also entfernte man den automatischen Verschlussfang wieder, welcher den Verschluss bei leerem Magazin bisher hinten festhielt. Nimmt man das komplette Verschlussoberteil nach vorn ab, lässt sich die Abzugseinheit (nach Lösen der Haltewelle) nach oben herausnehmen. 

Walther GSP 32
Die Walther GSP im Kaliber .32 S&W long Wadcutter begann mit der Seriennummer 10.000, immer erkennbar an den dicken Spannknöpfen. Denn auch die 32er Pistole besaß nur einen unverriegelten Masseverschluss, dessen Gewicht den stärkeren Rückstoß im Vergleich zur KK-Patrone abfedern musste.

Das System: Das GSP-System besteht aus dem Verschlussgehäuse, in dem das Verschluss-Stück mit Schlagbolzen, Auswerfer und Verschlussfeder hin- und hergleiten kann. Das quer in den Verschluss eingeschobene Spannstück wird durch einen Schlitz im Verschlussstück geführt, so dass der Schütze daran den Verschluss bequem spannen kann, am einfachsten von oben oder unten mit dem Daumen und Zeige- oder Mittelfinger der nicht-schießenden Hand. Bei der 32er Variante wurden einfach die seitlichen Blöcke des Spannstücks vergrößert, so dass sich die Verschlussmasse auf diese Weise erhöht und kein schwerer Verschluss benötigt würde. Eine manuelle Sicherung besaßen die GSP's nicht, dieses für den Export in die USA notwendige Detail bekam erst die aktuelle GSP 500 wieder spendiert.

Abzugsprüfung
Die hohen Stückzahlen der Walther GSP führen einerseits zu einem passablen Angebot an Gebrauchtwaffen (die allerdings oft stark abgenutzt sind) und zu einer guten Ersatzteillage. Viele Büchsenmacher sind geschult in der Wartung des GSP-Systems.

Der Lauf: Um innerhalb der Maximallänge von 300 Millimetern zu bleiben, kann man bei Sportpistolen mit Magazin vor dem Abzug nur hinten am Griff oder vorn an der Lauflänge kürzen. Der GSP-Lauf begann 1968 bei 115 Millimetern Länge, wurde für ein paar Jahre auf 107 Millimeter gekürzt, um am Griff eine bequemere Handlage zu erzielen. Zum Schluss maß der Expert-Lauf zwar wieder 115 Millimeter – die aktuellen Konkurrenten wie etwa die Pardini-Modelle weisen hier aber das maximal erlaubte Maß von 150 Millimeter auf und kamen in vielen Tests meist auf engere Schussbilder als die GSP. Die Zehn der heute verwendeten Scheiben misst sowohl bei Präzision wie Duell 50 Millimeter. Allerdings wird bei internationalen Wettkämpfen (für die Damen sogar seit 2008 olympisch) heute nur elektronisch ausgewertet, und im Finale der besten acht geht es sogar ausschließlich auf Punkte. Dafür muss frau mit jedem Finalschuss mindestens eine 10,2 treffen – alles darunter zählt als Fehler. Folglich spielt die Präzision durch engste Trefferbilder eine wichtige Rolle. Den letzten deutschen Erfolg bei den Damen mit einer GSP konnte Munkhbayar Dorjsuren 2002 verbuchen, als sie in Finnland Weltmeisterin wurde. Aber wie eingangs schon geschrieben: Eine GSP hat heute eine völlig andere Kunden-Zielgruppe als vor 20 Jahren.

Kimme GSP 500
Moderne Kimmen von Sportpistolen, hier die GSP 500, können die Breite wie die Tiefe des Kimmeneinschnitts stufenlos verändern, was bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen hilfreich sein kann.

Griff und Visierung: Seit die GSP Expert mit ihrer geänderten Griffbefestigung ausgeliefert wurde, wies der neue Schichtholzgriff für die meisten Schützen eine ausgezeichnete Handlage auf. Die Handkantenauflage wird nun durch zwei Innensechskantschrauben gehalten, die Fingerrillen wurden ausgeprägter, die punzierte Oberfläche der Halteflächen rutschfest. Wer sich also eine gebrauchte Walther GSP zulegen möchte, sollte bei allen Kandidaten aus der Vor-Expert-Zeit eine ausgiebige Griffprobe machen, ob ihm die Möglichkeiten ausreichen. Bei der Visierung setzt das Regelwerk die Grenzen. Kimme und Korn dürfen maximal 220 Millimeter weit voneinander entfernt sein. Die Kimme darf nur mit einem Werkzeug einstellbar sein. Trotzdem wären moderne Details wie ein breitenverstellbarer Kimmeneinschnitt hilfreich, mit dem man den Lichteinfall auf unterschiedlichen Schießständen regulieren könnte. Nicht bei der klassischen GSP,  hier konnte man bloß das Kimmenblatt gegen eins mit anderem Einschnitt tauschen. Beim Korn hat sich ein Tuning-Zubehör bewährt: Ein Klappkorn statt des fixen Standardkorns erlaubt das schnelle Verändern des Zielpunkts nach dem Präzisionsschießen. Hier zielt man in den hellen Raum unterhalb des Scheibenspiegels, beim Duellschießen aber mitten ins Zentrum. 

GSP-Abzüge
Der Uralt-Abzug der GSP (l.) litt unter seinen dünnen Blechwänden und der dadurch ungleichmäßigen Auslösecharakteristik und wurde 1988 durch den “Zweiteiler” (oben rechts) mit anderem Züngel ersetzt. Das danach verwendete Abzugsmodul bis hin zur GSP Expert ist schwarz. 

Der Abzug: „Der GSP-Abzug im Laufe der letzten 50 Jahre“, das wäre ein eigenes Thema für eine wissenschaftliche Arbeit. Er ist in jedem Fall auch ein Beleg für die stetige Weiterentwicklung und den Einfluss des sportlichen Wissens. Zunächst vom Regelwerk auf mindestens 1.360 Gramm Widerstand und direkt auslösend justiert, änderte Walther zunächst das Verhältnis von Vorzug und Druckpunkt. Heute zieht man den Großteil des auf 1.000 Gramm festgelegten Widerstands auf dem Vorzugsweg weg, am Druckpunkt selbst wird fast bewegungslos nur der Druck erhöht – so überträgt man keine Schwankungen durch den Abzugsfinger auf die Pistole. Den seinerzeit speziell erhältlichen Trockentrainingsabzug (klickt fünfmal, statt auszulösen) nutzten nur wenige Schützen; allenfalls Großkaliberschützen haben noch ein zweites Abzugsmodul mit anderer Auslösecharakteristik im Gepäck. Der GSP-Abzug der Expert-Generation war in allen Bereichen gut justierbar.

Die Walther GSP 500 sollte die Legende weiter fortsetzen – aber die Konkurrenten sind bereits vorbeigezogen

Walther GSP 500
Die 2022 herausgebrachte Walther GSP 500, hier in der Kleinkaliber-Version. Trotz ähnlicher Bauform wie die Ur-GSP wuchs die Lauflänge auf 123 mm. Neben der Version in .22 long rifle wird auch eine GSP 500 in .32 S&W long Wadcutter angeboten, ebenso eine eigenständige GSP 500 Rapid Fire sowie entsprechende Wechselsysteme.
Walther GSP 500 Rapid Fire
Die auf die speziellen Anforderungen der Disziplin Olympische Schnellfeuerpistole ausgelegte Walther GSP 500 Rapid Fire im Kaliber .22 long rifle

Mit dem geplanten Nachfolger Walther SSP, die auch mit Elektronik-Abzug geliefert werden konnte, wollte das Ulmer Unternehmen in den frühen 2000er Jahren die GSP-Erfolge fortsetzen. Das klappte nur bedingt, weil die mit einem von oben einzuschiebenden Mittelmagazin ausgestattete Pistole den meisten Kunden zu kompliziert und störungsanfällig erschien. Im Jahr 2022 brachte Walther daher die neue GSP 500 auf den Markt, zu der Sie hier bei all4shooters.com einige ausführlichere Berichte finden (Links siehe unten), ebenso zur Schnellfeuervariante GSP 500 Rapid Fire. Bei den weltweit besten Schützen und Schützinnen konnte sich die neue 500er allerdings nicht mehr an die Favoritenposition schieben. Diese nimmt seit Jahren fast unangefochten die italienische Marke Pardini ein, mit denen sowohl bei den Damen mit der Sportpistole (Pardini SP) wie bei den Herren (Schnellfeuerpistole Pardini SP Rapid Fire) meist alle Finalisten starten.

Die betagte Walther GSP hingegen kann dank ihrer zahlenmäßig unvergleichlichen Verbreitung mit einer Zweitkarriere punkten. Sie ist ohnehin im Besitz von tausenden von Sportschützen weltweit, die Gebrauchtpreise liegen oft um 50 Prozent unter den Neupreisen heutiger Top-Pistolen, die jenseits der 3.000 Euro liegen. Und es gibt (noch) ausreichend Ersatzteile, sodass eine gut gepflegte Walther GSP oder GSP Expert (mit Blick auf die oben erwähnten Prüfkriterien) als Gebrauchtwaffe empfohlen werden kann.