Test und Video: SIG Sauer P320 M17 in 9x19 mm − was leistet die Zivilversion der US-Army-Dienstpistole?

SIG Sauer P320 M17 in rechter Seitenansicht
Optisch und technisch ist die SIG Sauer P320 M17 nah am Original. Sogar die Seriennummer beginnt mit "M17".

Vor der Entscheitung der US Army musste sich die SIG Sauer P320 einem umfassenden Auswahlverfahren stellen. Daran nahmen auch reichlich namhafte Konkurrenten teil. Unter den zahlreichen Mitbewerbern des MHS-Kontraktes (Modular Handgun System) waren:  Beretta mit der APX, FN Herstal  mit der FN509, GLOCK mit G17 und G22 und Smith & Wesson mit ihrer M&P9 neben weiteren Branchengrößen vertreten. Zunächst gelangte SIG Sauers P320 in die Vorauswahl – die sogenannte Down-Selection – um dann im Januar 2017 als Gewinner aus der großen Ausschreibung hervorzugehen. Und "groß" ist der MHS-Auftrag tatsächlich: er umfasst 238.000 Pistolen (231.000 M17 und 7.000 der kompakten Ausführung M18) für die Army und das Army Special Operations Command und noch einmal 224.000 Pistolen für Navy, Marine Corps und die Air Force. Insgesamt geht es somit um knapp eine halbe Million Pistolen.

Das ist unsere Testwaffe − die SIG Sauer P320 M17:

Die zerlegte SIG Sauer P320 M17 
Die SIG Sauer P320 M17 mit ihren aufgereihten Baugruppen (von oben): Schlitten, Lauf, Schließfeder, Polymer-Griffstück und das 17-Schuss-Magazin.

Bei der SIG Sauer P320 M17 handelt sich um eine Selbstladepistole mit Schlagbolzenschloss und einem Single-Action-Abzugsmechanismus mit einem recht gleichbleibenden Abzugswiderstand. Die Verriegelung erfolgt nach dem Browning-Petter-SIG-Prinzip per Patronenlager-Block im Auswurffenster des Schlittens. Der 120 mm lange Lauf weist 6 Felder/Züge auf. Auch die M17 beinhaltet – wie die regulären P320 Modelle – die multifunktionale Abzugseinheit samt Schlittenführungsschienen. Dieses aus Stahl bestehende Multifunktionschassis beherbergt bei der M17 auch die neue Drehflügelsicherung und das Bauteil trägt die Waffennummer. Denn die P320-Griffe sind frei erwerbbar. So können die P320-Schützen zu Griffen in unterschiedlichen Farben und Größen greifen, nur müssen sie ihre Abzugseinheit stets mitnehmen. Was unterscheidet die M17 aber nun von einer regulären P320? Zunächst einmal die Farbe. Die M17 kommt im Desert-Look. Es handelt sich hierbei um eine schützende PVD-Beschichtung namens Coyote Tan. Daneben erkennt man die M17 und ihre kompakten M18-Geschwister (98 mm Lauflänge) an den kleinen, außenliegenden und beidseitig vorhandenen manuellen Sicherungsflügeln. 

SIG Sauer P320 M17 mit schwarzen Bedienelementen
Die Zivilversion der M17 lässt sich an ihren schwarzen Bedienhebeln erkennen.

Zwar kommt die P320 ohne eine Abzugssicherung, im Inneren arbeitet indes eine zusätzliche Schlagbolzensicherung. Des Weiteren unterscheidet sich die M17 durch ihre Optikschnittstelle auf der Schlittenoberseite von einer regulären Fullsize-P320. Die M17 trägt hier eine schwarze Metallplatte (die auch gleichzeitig die seitlich driftbare Kimme aufnimmt) auf dem hinteren Schlittenbereich. Unter dieser finden sich Montagevorbereitungen für ein Leupold DeltaPoint Pro. Es ist derzeit das einzige Rotpunktvisier, das mit der M17 kompatibel ist. SIG Sauer kündigte indes an, neue Reflexvisiere für 2019 auf den Markt zu bringen, die dann wiederrum auch mit der M17-Schnittstelle kompatibel sein sollen. Die Stahlvisierung besteht aus einer 3-Punkt-Anlage. An der Front sitzt ein 3,5 mm breites Korn und hinten findet sich eine Kimme mit 3,9 mm breitem Rechteckausschnitt mit 2 Punkteinlagen. Bei den Kontrastpunkten soll es sich um die nachleuchtenden "SIGlite night sight"-Typen handeln. Im Metallchassis der SIG Sauer P320 M17 sitzt die Abzugsgruppe. Hierbei handelt es sich um einen Single-Action-Abzug, der während des Repetiervorgangs jeweils erneut vorgespannt wird. Das Abzugsgewicht beträgt im Mittelwert rund 2.550 g, was im Mittelfeld moderner Behördenpistolen zu verorten ist. Der Druckwiderstand ist über den Abzugsweg recht gleichbleibend und der kurze Reset nach der Schussabgabe sollte bei Bedarf eine zügige Schussabfolge garantieren.

Das Korn der SIG Sauer P320 M17 
Obwohl die P320 M17 nur einen rund 40 mm langen und recht schmalen Repetierstreifen hat, ist dieser sehr griffig.
Die Kimme der SIG Sauer P320 M17
Der Kimmenapparat besteht aus Metall und beherbergt 2 weiße Zielmarken und einen Rechteckausschnitt.

Die technischen Daten der SIG Sauer P320 M17 im Überblick:

Modell: SIG Sauer P320 M17
Preis: 1.089,- Euro
Kaliber: 9 mm Luger
Maße (L x B x H): 205 x 39 x 143 mm
Lauflänge: 120 mm
Visierlänge: 167 mm
Abzugsgewicht: 2.550 g
Gewicht: 812 g
Ausstattung: Polymer-Pistole mit Schlagbolzenschloss, Single-Action-Abzug, Laufsteuerung
über offene Steuerkulisse und Verriegelung per Block im Auswurffenster,
Stahlvisierung mit weißen Punkteinlagen: Kimme starr, Korn seitlich driftbar,
beidseitige Drehhebelsicherung am Griffstück, taktische Zubehörschiene, Ersatzmagazin.

Was leistet die SIG Sauer P320 M17 auf dem Schießstand?

SIG Sauer P320 M17 im Schuss
Die P320 M17 im Schuss – zwar ruckt der Lauf etwas hoch, insgesamt aber lässt sich die Waffe gut beherrschen.

Wir feuerten die SIG Sauer P320 M17 zur Ermittlung ihrer Präzision und der Geschossgeschwindigkeiten auf einer 25-m-Schießbahn vom Sandsack aus ab. Dabei gaben wir pro Patronensorte 5 Schüsse ab und maßen deren Streukreise anschließend aus. Die Magtech -Vollmantel-Patronen mit den leichtesten Geschossen im Testfeld stanzten den kleinsten Streukreis in die Prüfscheibe (59 mm). Die übrigen Laborierungen lagen allesamt einige Millimeter dahinter. Insgesamt zeigt der ermittelte Präzisionsdurchschnitt, dass es sich um reguläre Dienstpistolen-Ergebnisse handelt, wie sie von vielen Polymer-Pistolen-Typen heute erzeugt werden. Die Handlage der M17 ist für eine mittelgroße Hand gut, der Griff zeigt sich ergonomisch ausgeformt und unterstützt die Handinnenflächen, ohne dass die Punzierung zu scharf mit der Haut umgeht. Obwohl es sich um eine Schlagbolzenschloss-Pistole handelt, gerät die Laufseelenachse der M17 recht hoch. Wohl auch daher wandert der Lauf im Schuss leicht stärker nach oben, als bei Polymer-Pistolen mit einer niedriger liegenden Laufachse Usus. Trotzdem ist das Schussverhalten mit den Test-Patronen sehr angenehm und die Bedienung der Waffe gelingt fast schon intuitiv. Auch die neue Drehhebelsicherung lässt sich trotz ihrer kompakten Ausgestaltung ziemlich gut durchschalten. Der Abzug passt von seiner Charakteristik her ebenfalls zum Pistolentypus. Er löst recht trocken aus, gibt eine ordentliche Rückmeldung und zeigt einen kurzen Rückstellweg. Die P320 M17 arbeitete den gesamten Test hindurch vorbildlich und ohne eine Störung.

Unser Testurteil zur zivilen Version der M17 − lohnt sich der Kauf?

SIG Sauer P320 M17 Abdeckplatte für Reflexvisiere
Die Abdeckplatte unter der Kimme besteht ebenfalls aus Metall: Darunter kann bei Bedarf ein Reflexvisier montiert werden.

SIG Sauer bringt mit der M17-Zivilversion nun ein Stück zukünftiger Geschichte zum Anfassen (und Schießen) auf den Markt. Interessant ist die Waffe vor allem für Anhänger oder Sammler von Armeepistolen, außerdem für Schützen, die eine P320 mit manueller Extra-Sicherung suchen. Die Qualität der in den USA produzierten M17 ist bekanntermaßen gut: Etwas Spiel weist der Schlitten auf, aber Laufgruppe und Stahlbaugruppen sitzen toleranzarm eingepasst. Auch die Oberflächenvergütung ist durch die Bank weg ordentlich aufgebracht. Besonders Sammler seien an dieser Stelle noch an die M17-Commemorative aufmerksam gemacht: Hierbei handelt es sich um eine auf 5.000 Pistolen limitierte Serie der M17, so wie sie an die US-Armee ausgeliefert wird. Ihre Bedienelemente sind daher auch im Coyote Tan gehalten und sie kommt mit den verlängerten 21-Schuss-Magazinen. Daneben bietet SIG Sauer in den USA die P320 M17 Bravo an. Sie ist eine komplett in Schwarz gehaltene M17-Variante.


Weitere Informationen zur M17 und zur P320 M17 erhalten Sie auf der Homepage von SIG Sauer.

Eine Nummer sportlicher: SIG Sauer P320 X-Five im Test.

Noch keine WBK oder kein Platz mehr drauf und trotzdem Lust auf eine P320 M17? Wir haben die SIG Sauer P320 M17 CO 2 in 4,5 mm getestet.

Diesen Artikel gibt es auch in dieser Sprache: