Rideout Arsenal Dragon − Wettkampfpistole in 9x19 mit innovativem Verschlusssystem und extrem tiefem Lauf

Die zweite Innovation des Dragon ist die N-ROC Optikmontageplattform, die in das Chassis integriert ist, aber die es ermöglicht, das Rotpunktvisier zum Durchladen zu verwenden.

In den letzten Jahren sind eine Reihe von extrem gut konstruierten Pistolen auf den Markt gekommen, die speziell für Wettkämpfe und insbesondere das dynamische Schießen entwickelt wurden. Besonderes Augenmerk legten die Konstrukteure dabei vornehmlich auf die Kontrollierbarkeit der Pistole im Schuss und die Minimierung des Hochschlages, um das schnelle erneute Ausrichten der Pistole auf das Ziel bis an die Grenze des Machbaren zu treiben. Und gerade mit Blick auf diese Grenze gibt die Dragon derzeit wohl den Maßstab in diesem Gebiet vor.

Bei der Konzeption der Rideout Arsenal Dragon lag der Fokus  − eher branchenuntypisch − auf einer rein wettkampforientierten Waffe. Sie wurde weder als Dienstpistole für die Polizei noch für Sicherheitskräfte konzipiert und erfüllt auch nicht die üblichen Parameter, die man in ihrem Heimatland USA an eine Waffe für den täglichen Gebrauch richtet. 

Ein Blick auf die Mündung der Dragon zeigt die Position des feststehenden Laufs, der dadurch extrem tief in der Hand liegt. Dies führt zu einer minimalen Mündungserhöhung.

So arbeitet das Verschlusssystem der Dragon von Rideout Arsenal:

Die Dragon bildet hier eine eigene Kategorie, und das zeigt sich nicht nur bei dem zum Patent angemeldeten hebelverzögerten Rücklaufsystem im vorderen Teil der Waffe.

Ein an der Stirnseite des Verschlusses angebrachter Hebel ist mit dem Verschlussträger verbunden. Wenn eine Patrone abgefeuert wird, drückt das sich ausdehnende Gas gegen den Stoßboden und löst eine Rückwärtsbewegung aus.

Die Geometrie und Anordnung des Hebels führt mechanisch dazu, dass sich die Rückwärtsbewegung des Verschlusses verzögert. Der Hebel schwenkt und überträgt die Kraft auf den Verschlussträger, wodurch das scheinbare Gewicht des Verschlusses vervielfacht wird. Während der Verzögerung kann der Druck im Lauf auf ein sicheres Niveau sinken, bevor der Verschluss entriegelt wird und sich bewegt. Sobald die Krafteinwirkung auf den Hebel weit genug gesunken ist, bewegen sich dann der Verschluss und der Verschlussträger gemeinsam nach hinten, wobei die leere Hülse ausgeworfen und anschließend im Vorlauf wieder eine neue Patrone zugeführt wird.

Alle Komponenten des hebelverzögerten Systems sind aus S7-Werkzeugstahl gefertigt. Daraus lässt sich auf eine zuverlässige und langlebiges Funktion des Systems schließen. Bei Bedarf sind die drei kleinen Komponenten des Hebelsystems leicht austauschbar.

Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass dieses vollmechanische Verriegelungssystem quasi kalt funktioniert und viel länger sauber bleibt als Systeme, bei denen die Verzögerung durch abgeleitete (heiße) Treibladungsgase erfolgt.  Zudem ist das System der Dragon so auch nicht anfällig für Fehlfunktionen, die durch Bleianhaftungen verursacht werden.

Bei der Rideout Arsenal Dragon liegt die Seelenachse des Pistolenlaufs extrem niedrig in der Schusshand

Die Besonderheiten der Dragon beschränken sich jedoch nicht nur auf das Verschlusssystem, das nur ein Element der Gleichung ist, sondern auch auf die extrem niedrige Höhe der Laufseelenachse im Verhältnis zum Griffstück, die durch die Tatsache ermöglicht wird, dass der Lauf feststehend ist. Bei einer 9-mm-GLOCKK-Pistole beträgt die Laufhöhe gemessen von einer gedachten horizontalen Linie, die die Unterseite des Griffhorns tangiert, +32 mm, bei einer 2011er sogar +44 mm. Bei der Dragon beträgt die Laufhöhe -3,3 Millimeter, d.h. die Laufmündung liegt hier sogar tiefer als der Griffsporn. Daraus resultiert beim Schießen ein Mündungsanstieg respektive Hochschlag von nicht mehr als 5° im Vergleich zu etwa 15° bei einer 9 mm Pistole mit herkömmlich hoch verbautem Lauf.


Die Rideout Arsenal Dragon verwendet die gleichen Magazine wie die Springfield Echelon. Diese fassen in Abhängigkeit zu den jeweiligen rechtlichen Vorgaben dann 15 bis 20 Patronen im Kaliber 9 mm Luger.
Derzeit ist die Rideout Arsenal Dragon-Pistole für Rotpunktvisiere mit Trijicon RMR-Footprint vorbereitet. N-ROC-Module, die für andere Footprints geeignet sind, sind bereits in Planung.

Weitere technische Details zur Rideout Arsenal Dragon in 9x19:

Durch den modularen Aufbau der Dragon von Rideout Arsenal lässt sich die Pistole problemlos an die jeweiligen Bedürfnisse des Wettkampfschützen anpassen. Hier ist ein optionaler Kompensator die Stelle der standardmäßigen Vorderteils des Rahmens gerückt.

Die Rideout Arsenal Dragon ist eine vollständig modular aufgebaute Pistole: Das Griffstück wird aus 7075-T651-Aluminium in Luft- und Raumfahrtqualität gefertigt; am hinteren Ende des Rahmens, also oben auf den Griffstückende befindet sich die Plattform für die Montage von Rotpunktvisieren. Diese ist so konstruiert, dass das Visier nach dem Abfeuern der Waffe nicht mit dem Verschluss zurückläuft, sondern stehenbleibt, was die erneute Zielaufnahme wesentlich erleichtert. Diese als N-ROC (Non-Reciprocating Optics Carrier) bezeichnete Montageplattform ist zum Patent angemeldet. Das N-ROC-System verriegelt während des Schusses automatisch am Chassis und verhindert so jede Bewegung der Optik. Für die Verwendung des N-ROC zum Durchladen ist keine spezielle Handhaltung und auch kein Knopfdruck erforderlich. Zudem kann der Schütze die Optik bei Bedarf auch weiterhin als Griffpunkt zum Repetieren es des Verschlusses nutzen. Das N-ROC-System stellt ein zentrales Merkmal der Dragon-Pistole dar und nimmt derzeit Visiere mit Trijicon RMR-Footprint auf.

Die Rideout Arsenal Dragon in ihre Hauptkomponenten zerlegt. Die Pistole ist vollständig modular aufgebaut.

Die Abzugsgruppe der Dragon besitzt einen Abzug im Stil der M 1911. Allerding ragt hier ein als automatische Sicherung fungierendes Mittelzüngel daraus hervor. Das  Abzugsgewicht beträgt laut Herstellerangaben rund 1.300 Gramm.

Die Abzugsgruppe kann im Handumdrehen und ohne Werkzeug entfernt und ausgetauscht werden, ebenso wie das Griffstück, der Griffrücken und der kleine Magazintrichter, der das Einsetzen des Magazins erleichtern soll. Auf beiden Seiten des Gehäuses befinden sich zwei speziell texturierte Bereiche ("gas pedals"), die das sichere Erfassen und Ausrichten der Waffe erleichtern und eine Daumenauflage für die starke oder schwache Hand bieten. Die manuellen Bedienelemente (Schlittenfang und Verschlussauslöser) sind an beidseitig an der Pistole angeordnet.

Die Dragon wird aus zweireihigen Magazinen gespeist, die wahlweise mit einer Kapazität von 15, 17 oder 20-Schuss zur Verfügung stehen und mit den Magazinen der Springfield  Echelon-Pistolen kompatibel sind.

Die Rideout Arsenal Dragon von hinten betrachtet. Das Chassis ist aus eloxiertem Aluminium gefertigt, während die Stahlteile eine DLC-Beschichtung haben.

Die Lauflänge der Rideout Arsenal Dragon beträgt 5 Zoll (125 mm) bei einer Gesamtlänge der Waffe von 231 mm und einem Gewicht von 960 Gramm. Die ersten 100 Exemplare des Dragon sind bereits alle vorab verkauft und befinden zum Teil noch in der Produktion.

Der Listenpreis in den USA liegt bei 3.500 bis 3.600 Dollar, je nach Ausstattung, die eine Reihe exklusiver Zubehörteile wie einen Kompensator, eine Schalldämpferhalterung, ein N-ROC-Modul mit Metallvisier, verschiedene Rotpunkt-Footprints und übergroße Bedienelemente umfassen kann.

Vorerst sind keine Varianten in anderen Kalibern geplant. Ob das so bleibt, wird die Zeit zeigen. Ebenso ist derzeit noch nicht abzusehen, ob und wenn, wann diese innovative Pistole ihren Weg auch über den "großen Teich" finden wird.


Weitere Informationen zu der 9-mm-Wettkampfpistole Dragon finden Sie auf der  Website von Rideout Arsenal

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