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Dienstpistole Heckler & Koch P7 in 9 mm Luger

Magazinschacht der Heckler & Koch P7 Pistole
Bei abgenommener Griffschale kann man bei der Heckler & Koch P7 gut den geringen Winkel erkennen, den die Patronen benötigen um in das Patronenlager zu gelangen.

Als auschlaggebender Impuls für die Konstruktion der Heckler & Koch P7 dürfte dabei das Pflichtenheft der Polizei von 1975 gewesen sein, die nach dem Attentat der olympischen Spiele 1972 auf der Suche nach einer neuen Dienstpistole in 9 mm Luger waren.

Konstrukteur Helmut Wedele ging bei der Konstruktion ganz eigene Wege: denn im Gegensatz zu den Pistolen von SIG Sauer und Walther, die auf Aluminiumgriffstücke aufbauten, versah man die P7 von Anfang an mit einem Stahlgriffstück. Zweites, wichtigstes Unterscheidungsmerkmal ist der im vorderen Griffbereich angebrachte Spanngriff, der gleich zweierlei Funktionen in sich trägt. 

Zum einen wurde damit das interne Schlagsystem gespannt. Im Gegensatz zu konventionellen Spannabzugspistolen stellt sich so vom ersten bis zum letzten Schuss ein gleichmäßiges Abzugsgewicht ein. Außerdem fungierte die Griffleiste gleichzeitig zum Lösen des Verschlussfangs, sodass die P7 über keine außenliegenden Sicherung-, Verschlussfanghebel oder ähnlichem verfügt. 

Wie bereits schon bei der P9S setzten die Konstrukteure von Heckler & Koch auch bei der P7 von Anfang an auf einen feststehenden Polygonlauf. Feststehende Läufe bringen bekanntlich zwei große Vorteile mit sich: es ergibt sich aus ihnen keine Erstschussabweichung durch den unterschiedlichen Schließimpuls der ersten von Hand in den Lauf repetierte Patrone. Bei einigen abkippenden Browning-System und ihren Abkömmlingen ist dies der Fall. Zudem sind feststehende Läufe sehr unempfindlich gegen an der Laufmündung angebrachte Gewichte in Form von Kompensatoren oder Schalldämpfer.

Heckler & Koch P7: das Verschlusssystem

Auch beim Verschlusssystem ging der Konstrukteur eigene Wege, denn hier verrichtet ein kraftschlüssiger und zudem gasdruckgebremster Masseverschluss seine Arbeit. Eigentlich sind die sonst recht einfach gehalten Feder-Masseverschlüsse maximal bis zum Kaliber 9 mm Kurz oder der amerikanischen Bezeichnung .380 Auto zu verwenden, bei gasdruckstärkeren Patronen wie der 9 mm Luger oder darüber scheiden diese System aus. 

Heckler & Koch P7 Dienstpistole im zerlegten Zustand
Bei der zerlegten Heckler & Koch P7 erkennt man sehr gut den Gaskolben der mit dem Verschluss fest verbunden ist.

Hier hatte Helmut Wedele eine recht geniale, wenn auch nicht ganz neue Idee, den Verschluss mit dem entstehenden Gasdruck der Patrone zu dämpfen. Als Konstruktionshilfe könnte dabei die 1927 in Brüssel zum Patent angemeldete Gasbremse von John Destree als Pate gestanden haben, die aber nur in groben Zügen der Gasbremse der P7 ähnelt. 

Das Prinzip ist dabei recht schnell erklärt: Nach dem Patronenlager wird im unteren Teil des Laufes Gas abgezapft und in einen Zylinder eingeleitet. Der entsprechende Kolben ist halbstarr mit der Vorderseite des Verschlusses verbunden. Strömt jetzt Gas in den Zylinder wird der Verschluss kurzeitig am Öffnen gehindert, solange bis der Gasdruck sich wieder auf ein bestimmtes Maß abgebaut hat. Je höher der Gasdruck der Patrone ist, umso länger wird die "Verriegelung" aufrechterhalten. Je geringer der Gasdruck ausfällt, umso früher wird geöffnet, selbstredend in einem Geschwindigkeitsbereich der für das menschliche Auge nicht erfassbar ist. 

Dieses Funktionsprinzip fand man später auf der mittlerweile auch nur noch auf dem Gebrauchtwaffenmarkt erhältlichen Steyr GB. Der Waffenproduzent Carl Walther aus Ulm hat dieses System aber vor einigen Jahre für die Kompaktpistole CCP für sich entdeckt. Die HK P7 wurde bereits von der Konstruktionsseite auf hohe Zuverlässigkeit ausgelegt, worauf zum einen die 17 längsseitig angebrachten und vom Gasdruck unterwanderten Rillen im Patronenlager hindeuten, die die Hülse nicht über die ganze Fläche reiben lassen und so den Auszugswiderstand verringern. Das Magazin sitzt zudem recht steil im mit 110 Grad geneigten Griffstück, so dass die Patronen mit einem recht flachen Winkel und ohne große Kletterpartien in den Lauf gleiten können. 

Alles in allem sicherlich ein Haufen interessanter technischen Lösungen, die mit Hilfe der Heckler & Koch typischen Verarbeitungsqualität eine zuverlässige Waffe schufen.

Von der Heckler & Koch PSP zur P7 M8

Bereits im Mai 1976 konnte Helmut Wedele die neue Griffspanner-Pistole der Konzernleitung in Oberndorf vorstellen. Man geht heute davon aus, dass etwa 250 Pistolen mit der Modellbezeichnung PSP hergestellt wurden, danach ging man nach der Einführung bei einigen Länderpolizeien dazu über, die Waffen nur noch mit der Bezeichnung P7 auszuliefern. Heute sind die ersten PSP Zeitzeugen gesuchte Sammlerstücke geworden.

Pistole HK P7
Die Heckler & Koch P7 ist als Ganzstahlpistole noch heute Dienstpistole bei der Bayerischen Polizei

Bayern war eines der ersten Bundesländer die die ab Mai 1979 gefertigte P7 einführten und bis heute beibehalten haben. Allerdings forderten sie gleich eine Änderung des unten am Magazinschacht angebrachten Magazinauslösers. Dieser kleine, außenliegende Haken hatte eine gewisse Affinität zu den Gurtschlössern der bayerischen Dienstfahrzeuge: sie wurden immer wieder ungewollt ausgelöst. Das brachte dem Magazinauslöser den Namen "Bayernfalle" ein. 

Neben den verschiedenen Länderpolizeien interessierte sich auch die Bundeswehr für den Newcomer aus Oberndorf, obwohl von vornherein nicht an eine flächendeckende Ablösung der Walther P1 gedacht war. Aber immerhin bekundeten die Feldjäger Interesse an der zierlichen Ganzstahlwaffe und orderten in Oberndorf Testwaffen. Am 12. März 1984 ging dann die erste P7 an das Feldjägerdienstkommando Düsseldorf, andere Feldjägereinheiten folgten dem Beispiel. Dort blieb die HK P7 Dienstwaffe bis 1997 bis schrittweise die Ablösung durch die leichtere und zudem doppelreihige P8 aus gleichem Hause erfolgte. 

Insgesamt wurden in Oberndorf seit Mai 1979 rund 79.700 Stück der Heckler & Koch P7 hergestellt. 2007 kam aber dann das Ende der grazilen Ganzstahlwaffe deren Produktion mit den 54 Einzelteilen viel zu teuer wurde. Somit trug die letzte gefertigte P7 M8 die Seriennummer 16-135048 und beendete damit eine 30 jährige Tradition solider Ganzstahlwaffen aus dem schwäbischen Traditionshaus. 

Heute sind Ganzstahlwaffen für den täglichen Streifendienst scheinbar zu schwer und vor allen Dingen zu teuer. Bayern bildet hier noch die rühmliche Ausnahme. Anderswo haben heute kostengünstigere und leichtere Polymerwaffen das Zepter übernommen.


Weitere Informationen zu Pistolen von Heckler & Koch finden Sie direkt auf der Webseite.

Hier bei all4shooters.com finden Sie einen Test der Heckler & Koch SFP 9 SF im Kaliber 9 mm Luger.

Lesen Sie auch unseren Beitrag über Polizeipistolen bei all4shooters.com.

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