Außergewöhnliche Sammlerstücke gehören bei Hermann Historica zum Programm. Doch die TARN-Pistole aus der kommenden 109. Auktion "Historische und moderne Schussswaffen" ist selbst in diesem Umfeld eine Rarität. Die Selbstladepistole im Kaliber 9 mm Luger wird unter der Losnummer 5177 mit einem Startpreis von 6.500 Euro angeboten.
Entwickelt wurde die TARN für die Piloten der polnischen Luftwaffe im britischen Exil. Die Swift Rifle Company in London fertigte sie 1940 in einer Kleinstserie. Über die Stückzahl gehen die Angaben allerdings auseinander: Genannt werden neun Exemplare. Nach manchen Quellen könnte die letzte Seriennummer jedoch 109 gewesen sein, was auf insgesamt zehn gefertigte Pistolen hindeuten würde.

Vom spartanischen Entwurf zum begehrten Sammlerstück
Die von Teofil Tarnowski entworfene und von de Lubicz-Bakanowski patentierte TARN war als Dienstpistole für polnische Piloten vorgesehen. Später hielt man eine speziell für diesen Einsatzzweck entwickelte Pistole jedoch für überflüssig. Die Fertigung endete nach der kleinen Serie mit den Seriennummern 100 bis 108 oder möglicherweise 109. 1945 soll die britische Armee die TARN erprobt, wegen ihres übermäßigen Rückstoßes und ihrer geringen Präzision jedoch umgehend abgelehnt haben. Die Konstruktion war einfach, geradezu rudimentär. Sie sollte vor allem eine schnelle und besonders kostengünstige Fertigung ermöglichen. Hinsichtlich konstruktiver Raffinesse und Leistung konnte die TARN daher nicht mit Pistolen wie der Luger 08 oder der Colt 1911 mithalten. Dennoch wurde sie zu einer der bei Sammlern begehrtesten Kurzwaffen.

Seriennummer 101: ein außergewöhnliches Sammlerstück
Die angebotene Pistole trägt die Seriennummer 101 und ist das zweite gefertigte Exemplar. Sie ist für das Kaliber 9 mm Luger eingerichtet und besitzt einen 122 mm langen Lauf. Die TARN arbeitet mit einem unverriegelten Verschluss und einem Schlagbolzenschloss. Das einreihige Magazin fasst acht Patronen. Links befindet sich ein kombiniertes Bedienelement für Schlittenarretierung und Sicherung. Zur weiteren Ausstattung gehören ein Fangriemenring und Nussbaumgriffschalen mit Fischhaut.
Auf der linken Schlittenseite steht die Aufschrift „No. 101 / T A R N 9 MM“. Rechts auf dem Griffstück findet sich die paradoxe Angabe „Notenglishmake“, also „Nicht aus englischer Fertigung“. Die Pistole trägt britische Beschusszeichen. Das beiliegende brünierte Magazin ist nummerngleich und besitzt neun Sichtöffnungen.

Von der Vergessenheit zur Legende...
1953 verkaufte das britische Versorgungsministerium die neun TARN-Pistolen an den US-amerikanischen Händler Martin B. Retting. Ein Schreiben dokumentiert diesen Verkauf. Die hier angebotene Pistole ist eines von nur zwei Exemplaren, deren Verbleib in Europa bekannt ist. Die übrigen blieben in den Vereinigten Staaten. Das Schreiben hält außerdem fest, eine oder mehrere dieser Pistolen seien im Kaliber .25 ACP (auch als 6,35 mm Browning bekannt) gefertigt worden. Diese Angabe macht die Geschichte der TARN noch rätselhafter.
Heute ist die TARN 9 mm ein Zeugnis technischen Einfallsreichtums und der Geschichte der polnischen Streitkräfte im Exil. Sie zeigt zugleich, welche anhaltende Faszination außergewöhnlich seltene Feuerwaffen ausüben. Die Rekordpreise, die polnische Pistolen wie die VIS 35 bei früheren Auktionen erzielten, lassen auch bei der 109. Auktion spannende Bietergefechte unter Sammlern erwarten. Weitere interessante Stücke aus dieser Auktion werden wir Ihnen in Kürze vorstellen.

Die 109. Auktion von Hermann Historica findet an mehreren Tagen vom 16. bis zum 26. November 2026 statt. Die verschiedenen Themenkataloge umfassen Kunstgegenstände sowie antike und moderne Waffen. Militärischen Sammlerstücken sind zwei separate Kataloge gewidmet, die bereits auf der Website von Hermann Historica abrufbar sind.










