
Die Hermann Historica GmbH mit Sitz in Grasbrunn (bei München) ist eines der weltweit führenden Auktionshäuser, das sich auf die Bereiche antike Waffen und Rüstungen, Feuerwaffen, Antiquitäten, Orden und Ehrenzeichen, historische Objekte, Militaria und Jagdsammlungen spezialisiert hat. Für das Jahr 2026 hat es sich ebenfalls viel vorgenommen und veranstaltet wieder seine erste allgemein hin als "Frühjahrsauktion" bekannte Auktionsreihe, die diesmal am 19. Mai beginnt und am 23. Mai endet. Der erste Tag ist ausschließlich Kunstobjekten außerhalb der Welt der Waffen gewidmet, während sich die folgenden drei Tage mehr auf das Sammeln von Waffen und Militaria konzentrieren. Die Links zu den Onlinekatalogen zu allen in diesem Beitrag genannten Auktionen finden Sie übrigens am Endes dieses Beitrages.
Am 19. und 20. Mai wird die Versteigerung historischer und moderner Schusswaffen diejenigen begeistern, die auf der Suche nach einzigartigen Stücken sind, mit denen sie ihre Sammlung bereichern können. Am 21. Mai werden antike Waffen und Rüstungen die Herzen der Sammler höher schlagen lassen. Der 22. und 23. Mai sind dem militärischen Sammeln gewidmet und bieten jeweils "Militaria und Orden bis 1919" und "Militaria und Orden nach 1919". Auch hier stehen Lose mit absolutem Sammlerwert zur Versteigerung, und es werden bereits sehr hohe Preise für unglaubliche Stücke wie ein seltenes Exemplar der Enigma-Chiffriermaschine Typ I von 1945 erwartet, die von den Deutschen im 2. Weltkrieg zur Ver- und Entschlüsselung von geheimen Nachrichten genutzt wurde.
Die Versteigerungen finden am Hauptsitz von Hermann Historica in Grasbrunn bei München statt. Dort können die Lose während des Vorverkaufs vom 12. bis 15. Mai 2026 jeweils von 11 bis 17 Uhr besichtigt werden können. Hierzu sollten Interessierte allerdings vorher einen Termin vereinbaren. Die Auktion kann auch online verfolgt werden. Auf der Website von Hermann Historica finden Sie alle Informationen, die Sie benötigen, um bequem und diskret an der Auktion teilzunehmen.
Aber beginnen wir mit unseren Highlights und starten mit der Hermann Historica-Auktion Nr. 108 vom 19. und 20. Mai 2026:
Los 2004 ist eine Perkussions-Revolverflinte von Johann Conrad Fischer (Schaffhausen, 1773-1854). Dieses interessante Gewehr im Kaliber .55 (Schwarzpulver) hat die Seriennummer 21. Der Lauf ist 75 cm lang und trägt oben eine sich zur Mündung hin verjüngende Visierschiene mit einem Perlkorn. Diese Schiene reicht nach hinten über den Lauf hinaus und verläuft oberhalb der Trommel bis sie an das Gehäuse reicht. Der Lauf wurde nachträglich gebräunt. An der kannelierten Fünf-Schuss-Trommel finden sich Reste der ursprünglichen Bläuung; die Pistons sind nicht mehr vorhanden. Die Trommel wird nach hinten von einem am Systemkasten befestigten Funkenschild abgeschlossen, nach vorne werden die jeweils vier offenen Trommelkammern von einer Blechscheibe verschlossen.

Am Systemkasten sitzt ein rechtsseitiges Hahnschloss mit rückliegender Feder. Der Hahn weist einen feinen Haarriss auf. Auf der Schlossplatte findet sich die Marke "J.C. Fischer Schaffhausen". Das Gewehr hat einen dunklen, lackierten Nussbaumschaft mit ausgeprägter Maserung, der mit einer deutschen Backe und einer fein geschnitten Fischhaut aufwartet. Nach hinten abgeschlossen wird der Schaft von einer stählernen Kappe, zudem ist er mit Riemenbügeln bestückt. Der Ladestock wurde nachträglich angefertigt. Bei diesem System muss die Trommel nach Spannen des Hahns in die Sicherheitsrast kräftig nach hinten Richtung Stoßboden gezogen werden, damit sie manuell weitergedreht werden kann und dann federbelastet wieder nach vorne gedrückt wird und einrasten kann. Diese Rarität ersten Ranges wurde leicht überarbeitet. Johann Conrad Fischer (Schaffhausen, 1773-1854) hatte laut "Der Neue Stöckel", Band 2, Kontakt zu bedeutenden europäischen Büchsenmachern. Er soll Samuel Pauly und Henri LePage in Paris sowie Joseph Egg in London aufgesucht haben. Bei diesem Los handelt es sich um eine absolute Seltenheit, die sich in ausgezeichnetem Zustand befindet. Weitere ähnliche Exemplare sind derzeit nicht bekannt. Der Startpreis liegt bei 6.800,- Euro.

Los 2289 ist eine Korriphila HSP 701 Pistole, bekannt als 'Weltmeisterpistole', einer der Höhepunkte der modernen deutschen Waffenproduktion, verbunden mit Edgar Budischowsky und der Marke Intertex. Mit dieser Pistole gewann Dieter Krause zwei Weltmeistertitel: 1997 (Auto Match, Unclassified) und 1998 (BDMP 1500). Ein Einzelstück von großem technischen, historischen und sportlichen Wert. Die für das sportliche Schießen auf höchstem Niveau konzipierte Pistole im Kaliber 9 mm Luger hat einen spiegelblanken 5-Zoll-Lauf und einen deutschen Beschuss von 1997. Die Seriennummer, die auf allen Teilen gleich ist, lautet 0702. Die Pistole verfügt über einen Single-Action-Abzug und hat eine Magazinkapazität von 9 Patronen. Von großem Interesse ist die verstellbare Aristocrat Tri-Set-Kimme mit drei wählbaren Voreinstellungen zur schnellen Anpassung des Treffpunkts.
Auf der linken Seite des Schlittens befinden sich das Korriphila-Logo und die Aufschrift "Mod. HSP 701 / Made in Germany / by Intertex", auf der rechten Seite "Budischowsky-System". Die Pistole wurde werkseitig überholt und ist mit einer Hochglanzbrünierung versehen, wobei die Laufoberseite mattiert ist.
Die punzierten Griffschalen aus Nussbaumholz befinden sich in tadellosem Zustand werden durch eine zweite originale Giffschalengarnitur aus glattem Edelholz ergänzt. Der Signalstift ist nicht montiert. Der Zustand ist wie neu. Zum Set gehört ein Zahlenschloss-Waffenkoffer des italienischen Herstellers Emmebi aus braunem Leder, ausgeschlagen mit grünem Filz. Der Deckel weist allerdings eine kaum erkennbaren Sprung auf. Ebenfalls dabei sind der originale Herstellerprospekt zur Waffe sowie Zeitschriftenartikel zur Waffe und über Dieter Krause sowie eine mit dem Schriftzug "Korriphila / Team" bestickte Kappe.

Los 2307 ist eine weitere der besten (und begehrtesten) Pistolen, die jemals hergestellt wurden: eine halbautomatische Pistole von Korth im Kaliber 9 mm Luger mit der Seriennummer P096, einem blanken 4-Zoll-Lauf und einem 10-Schuss-Magazin. Die Pistole wurde dem Beschussstempel und der Jahresverschlüsselung "JK" nach 1989 in Kiel beschossen. Die Kimme ist verstellbar. Das System der Pistole basiert auf einem starren Lauf und einem Schwenkriegelverschluss, hier bereits vereinfacht im Vergleich zu der bei der P090 (siehe unten) verwendeten Lösung. Auf der linken Seite des Schlittens ist das Korth-Logo in einem Kreis und der Schriftzug "9 mm PARA" eingeprägt; auf der rechten Seite befinden sich vorn die dreizeilige Herstellerangabe "MADE IN W.GRMANY", WAFFENFABRIK KORTH", "RATZEBURG/LBG" und in der Mitte die Seriennummer.
Die nummerngleiche Pistole besitzt noch die matte Originalbrünierung, die allerdings kleine Mängel im Bereich des Griffrückens aufweist. Auch am Magazinboden befindet sich eine kleine blanke Stelle. Zur Pistole gehören Griffschalen aus Nussholz mit griffiger Fischhaut und auch eine Nussholzeinlage am Griffrücken. Auch der Originalkarton mit der Seriennummer der Korth-Pistole ist noch vorhanden, weist jedoch stärkere Gebrauchsspuren auf und wurde auch schon einmal mit Paketklebeband umwickelt, zudem riecht er durch zu feuchte Lagerung etwas muffig, was auch auch den noch darin liegenden Kort-Aufnäher gilt. Vom Zustand her ist Pistole bis auf die angesprochenen kleinen Mängel neuwertig. Sie eignet sich als Sammelobjekt auch in Kombination mit der ebenfalls im aktuellen Auktionskatalog zu findenden Korth P090 (Losnummer 2306, Startpreis 4.800,- Euro) sehr gut, um die Entwicklung der Waffen von Willi Korth zu dokumentieren. Der Startpreis für die Korth P096 beträgt 5.200 €.
Los 3046 ist ein interessantes Beispiel für die baskischen Produktionen, die von der Mauser C96 inspiriert wurden und typisch für die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen sind. Die Beistegui Royal MM 31, zweite Version, ist eine in Spanien hergestellte halbautomatische Pistole im Kaliber 7,63 mm Mauser, mit der Seriennummer 30546 auf allen wichtigen Teilen, einschließlich der Griffschalen. Es handelt sich um die Variante mit einem 20-Schuss-Magazin. Der 180 mm lange Lauf hat eine matte Oberfläche, das starre Korn wird hier von einer verstellbaren Schiebekimme ergänzt, die von 50 bis 1000 Meter eingestellt werden kann, wie man es auch von der Mauser C96 her kennt. Der Beschussstempel stammt aus dem Jahr 1931. Auf der linken Seite des Laufs erscheint als einzige Markierung der Schriftzug "MM 31" in einem Oval, was auf das Militärmodell von 1931 hinweist; die Waffe wurde bei Beistegui Hermanos in Eibar hergestellt. Die Pistole ist wahrscheinlich schon einmal neu brüniert worden und weist an manchen Stelle feinste Flecken auf, während der Hahn und das Gehäuse grau gebeizt wurden. Die dunkelbrauen Nussbaumgriffschalen besitzen Querrillen. Der Fangriemenring ist nicht mehr vorhanden und die Reihenfeuerfunktion wurde deaktiviert. Der Startpreis beträgt 1.900,- Euro.



Los 3402 ist eine Mauser C96 Pistole im Kaliber 7,63 mm aus dem Jahr 1932 ("Mod. 712"), die hier mit Anschlagkasten/Holster mit sehr seltener Belederung angeboten wird. Die Pistole wartet mit nummerngleichen Teilen auf besitzt die Seriennummer 92118. Der Lauf, 140 mm lang und in ausgezeichnetem, blankem Zustand, die Kimme ist von 50 bis 1000 Meter einstellbar. Gestempelt ist die Pistole mit dem Beschusszeichen "Krone überm U" und der standardmäßigen Herstellerbeschriftung samt Mausertonne. Der Hahn und der Abzug weisen die typische graue Beizung auf, während die ursprüngliche Brünierung noch vorhanden ist, wenn auch mit normalen Gebrauchsspuren.

Die lackierten Nussbaumgriffschalen sind gut erhalten und die Pistole ist mit einem herausnehmbaren 20-Schuss-Magazin ausgestattet. Der Fangring fehlt und die Reihenfeuerfunktion wurde deaktiviert. Vorhanden ist der passende Anschlagschaft respektive Anschlagkasten mit Mausertonne auf der linken Seite. Dieser hat allerdings an der Unterseite einen Riss, der mithilfe von Querverstrebungen instandgesetzt wurde.
Außergewöhnlich bei diesem Los ist auch die bereits erwähnte, seltene Belederung (ohne Herstellermarken), komplett mit zwei aufgesetzten Magazintaschen und Tragesystem. Das Set enthält außerdem vier zusätzliche Magazine, zwei mit 10 und zwei mit 20 Schuss Kapazität, was das Ganze komplettiert. Alles in allem handelt es sich um ein seltenes und faszinierendes Ensemble, vor allem wegen des Vorhandenseins des sehr raren Originalzubehörs, was das Interesse der Sammler entsprechend erhöhen sollte. Der Startpreis beträgt 4.000,- Euro.
Los 3355 ist ein echter "Heiliger Gral" für Militärwaffensammler, denn das ist dieses Stück in der Tat, auch wenn man es auf den ersten Blick für ein schlichtes Jagdgewehr halten könnte. Es handelt sich um ein seltenes und faszinierendes Exemplar des Sauer & Sohn M30 "Luftwaffendrilling", das komplett mit seinem Originalkoffer und in wirklich außergewöhnlichem Zustand angeboten wird. Es war eine spezielle Version des M30 Drillings, der von J.P. Sauer & Sohn für die Luftwaffe während des Zweiten Weltkriegs hergestellt wurde. Im Grunde war es keine "Kriegswaffe" im klassischen Sinne, sondern ein Überlebensgewehr für deutsche Flugzeugbesatzungen, insbesondere für solche, die an entlegenen Fronten wie etwa in Nordafrika operierten. Die Idee war einfach, aber sehr clever: Abgestürzten Piloten sollte eine vielseitige Waffe zur Verfügung gestellt werden, mit der sie sich nicht nur Nahrung beschaffen, sondern sich auch verteidigen konnten, während sie auf ihre Rettung warteten. Zu diesem Zweck wurde das Drilling-System (drei Läufe) gewählt, das zwei glatte Flintenläufe im Kaliber 12/65 für das Erlegen von kleinerem Wild und Vögeln mit einem gezogenen Büchsenlauf im Kaliber 9,3x74R für die Jagd auf größeres Wild oder auch zur Verteidigung kombiniert.

Die Läufe des bei Hermann Historica zum Verkauf stehenden Exemplars sind 65 cm lang, innen blank und die Originalbrünierung des Laufbündels ist vollständig erhalten − ein Detail, das dieses Stück allein schon zu den Sammlerstücken von hohem Niveau macht. Das Perlkorn au der fein guillochierte und sich zur Mündung hin verjüngenden Visierschiene wird durch eine klappbare Kimme ergänzt; auf der Laufschiene ist die Kaliberangabe "9,3 x 74 R" und an den Seiten der Schrotläufe jeweils "Krupp-Laufstahl" zu lesen, während auf dem Kugellauf in der Nähe des Patronenlagers der Luftwaffenadler zu sehen ist. Auf der Unterseite der Patronenlager sind die jeweiligen Kaliberangaben eingeschlagen. In diesem Bereich befindet sich das Suhler Beschusszeichen und die Angabe "9/41", die auf den September 1941 verweist.

Die Bunthärtung an der stählernen Basküle ist außerordentlich gut erhalten. Die Verriegelung erfolgt über eine doppelten Laufhaken in Verbindung mit einem Greener-Querriegel; der hinter Haken trägt die Abnahmemarke der Luftwaffe. Der Schieber für die Umschaltung von Schrot auf Kugel befindet sich auf der Scheibe am Kolbenhals, dahinter die Marke "W.St" für Waffenstelle. An der linken Seite des Kolbenhalses ist der Schieber der Greener-Sicherung angebracht. Der Drilling hat einen Doppelabzug mit Rückstecher für den Kugellauf im vorderen Abzug. Der Schaft aus Nussbaumholz mit Fischhaut, Pistolengriff und klassischer deutscher Backe trägt auf der rechten Seite zusätzlich einen Luftwaffenadler. Eine schwarze Gummischaftkappe mit Sauer & Sohn-Logo und Riemenbügel am Laufbündel und am Hinterschaft vervollständigen das Set. Die Gesamtlänge des Gewehrs beträgt 108 cm.
Was dieses Exemplar noch interessanter macht, ist das Vorhandensein des originalen, grün lackierten Aluminiumkoffers mit den Maßen 69 x 19 x 11 Zentimeter und der Aufschrift "Drilling M 30 mit Munition und Zubehör". Das Inneneinteilung ist sehr gut erhalten und verfügt sogar über das innen im Deckel angebrachte Inhaltsverzeichnis. Der Trageriemen, das Reinigungsset mit dreiteiligem Putzstock und Waffenöl sind ebenso enthalten wie eine leere Originalschachtel für 9,3x74R-Munition. Der Startpreis liegt bei 12.000,- Euro.
"Rüstungen, Blankwaffen & antike Feuerwaffen" werden im Rahmen der 108. Auktion bei Hermann Historica am 21.5.2026 versteigert
Werfen wir nun einmal eine Blick auf auf die Auktion, die am 21. Mai stattfindet und sich speziell um antike Waffen dreht. Unter den 1129 Losen des Auktionskatalogs für diesen Termin finden wir hauptsächlich Blankwaffen und traditionelle Waffen aus verschieden Kulturen sowie seltene Bücher. Auch wenn dies nicht zu den Themen gehört, mit denen wir uns normalerweise befassen, möchten wir dennoch einige sehr interessante Stücke vorstellen, wie etwa das mit der Losummer 4103, eine osmanische Schaschka aus der Zeit um 1870.

Die osmanische Schaschka ist ein aus dem Kaukasus stammender Säbelvariante, die sich durch eine leicht gebogene Klinge und das Fehlen einer ausgeprägten Parierstange auszeichnet, wodurch sie im Kampf äußerst wendig und schnell ist. Die Schaschka wurde vor allem von der Kavallerie verwendet, um schnelle und wirksame Schläge vom Rücken des Reittiers aus nach unten zu führen. Das von Hermann Historica angebotene Exemplar wurde per Niello-Technik verziert. An der Basis der Klinge sind auf beiden Seiten noch schwache Spuren einer heute schwer lesbaren Gravur zu erkennen. Der Griff hat eine Silbermontierung in tscherkessischer Tradition mit dem charakteristischen geschwungenen Knauf, der hier etwas locker sitzt. Die Scheide aus Silberblech ist reich und gleichmäßig mit Gravuren, Niellierungen und Teilvergoldungen verziert: Sie weist geometrische Felder, Rauten, netzartige Motive und raffinierte Pflanzenornamente auf. Auf der Rückseite befindet sich eine Kartusche mit arabischen Schriftzeichen. Die Gesamtlänge beträgt 93 cm. Der Startpreis für diesen exotischen Säbel liegt bei 6.000,- Euro.

Los 4856 besteht aus einem Paar Radschlosspistolen für Mannschaften der kursächsischen Leibtrabanten. Es handelt sich um ein Paar sehr ähnlich gestaltete sächsische Radschlosspuffer (zweites Modell, um 1580-1590) mit glatten Läufen im Kaliber 16 mm: eine mit achtkantigem und die andere mit rundem Lauf. Einer der Läufe trägt auf der Pulverkammer die Jahreszahl 1588 zusammen mit einem Jagdhornstempel, der zweite ist mit dem Monogramm "NH" gekennzeichnet. Die Läufe weisen leichte Narben auf und sind teilweise etwas fleckig, was aber durchaus dem Alter der Pistolen entspricht. Die Puffer haben komplett gekapselte Radschlösser und eine Klappsicherung. Die federbelastete Pfannendeckel springen auf Knopfdruck auf. Auf der Schlossplatte der einen Pistole findet sich auch die Jagdhorn-Marke und auf der der anderen eine hammerförmige Punze, die sich jeweils zeitgenössischen sächsischen Büchsenmachern zuordnen lassen. Die Schäfte aus geschwärztem Nussbaumholz sind mit gravierten und geschwärzten Beineinlagen verziert. Die Knaufkugeln tragen eingelegte Silberplaketten mit fein geätzten Kriegerköpfen zwischen Blattranken Originell sind auch die hölzernen Ladestöcke mit gravierten Doppern aus Bein. Die Gesamtlänge der Radschlosspuffer beträgt jeweils 56,5 cm. Historisch gesehen handelt es sich um ein besonders interessantes Set: Weil eine große Anzahl dieser Pistolen für die sächsische Trabantengarde benötigt wurde, mussten mehrere Büchsenmacher beauftragt werden, die Waffen dann nach einem standardisierten Muster anfertigten. Der Startpreis für dieses Los beträgt 18.000,- Euro.
Los 5048 ist ein seltenes Paar Windpistolen, System Girandoni, gefertigt von Störmer in Herzberg um das Jahr 1820.

Dieses Pistolenpaar hat gezogene Achtkant-Läufe im Kaliber 9 mm mit acht Zügen. Messingkorn und stählerne Klappkimme sitzen in Schwalbenschanzführungen. An der Seite befindet sich das Magazinrohr für die Rundkugeln mit dem gefederten Ladeschieber. Die Schlossplatten mit Spannhahn tragen jeweils die Signatur "Störmer", die Gegenplatten mit den Sicherungshebeln sind mit "Herzberg" graviert. Rahmen aus Messing mit verschraubten, lederbesetzten Druckkolben; bei einem Exemplar ist die Belederung nicht mehr vollständig. De Beschläge wurden aus Messing gefertigt; bei einer Pistole fehlt der Abzugsbügel. Auch der mit einem aus Bein gefertigten Dopper bestückte Putzstock, der normalwersei unter dem Lauf in den Schaft eingeschoben wird, ist nur noch bei einer Waffe vorhanden. Die Pistolen sind jeweils 38 cm lang. Das von Bartolomeo Girardoni 1779 entwickelte Druckluftsystem mit rohrförmigem Seitenmagazin und Hinterladung, das hier als Vorbild diente, ermöglicht eine sehr schnelle Schussabgabe. Ernst August Störmer (1776-1857) wurde 1802 zum königlichen Büchsenmacher in der Herzberger Waffenfabrik ernannt und fertigte zahlreiche Kurz- und Langwaffen auf der Grundlage von Bartolomeo Girardonis Windbüchsen-Konstruktion. Der Startpreis für dieses höchst ungewöhnliche Paar beträgt 7.500,- Euro.
Abschließend laden wir Sie ein, die Website von Hermann Historica zu besuchen und Ihre persönliche Rangliste der interessantesten Waffen in dieser Auktion zu erstellen: Alle Kataloge sind bereits online, auch in einer Blätterversion. Wir werden auf das Thema zurückkommen, sobald die Verkaufsergebnisse vorliegen. Bleiben Sie also dran!
Hier kommen Sie direkt zu den Online-Blätter-Katalogen:
Hermann Historica 108. Auktion "Historische und moderne Schusswaffen"
Hermann Historica 108. Auktion "Rüstungen, Blankwaffen & antike Feuerwaffen"










