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Test: SIG Sauer MCX Virtus Sport in .223 Remington

AR-15 – man liebt sie oder man kann sie bald nicht mehr sehen. Dennoch muss auch den Leuten gesagt werden, die diesen Black Guns nicht nur freundlich gegenüberstehen: Der Markt bekommt, was der Markt will. Die Frage aber lautet – und das durchaus auch zu Recht – was kann es denn da noch Neues geben? Und: Man kann immer etwas besser machen, auch im Segment des AR-15. Das stand wohl auch als Grundidee dahinter, als SIG Sauer seine neue MCX Virtus präsentierte.

Unsere Fragen zum Konzept der neuen MCX Virtus (Modell 2019):

VISIER ließ sich vom Hersteller eine Testwaffe schicken, die das AR-15 System auf ein "neues Level" heben soll. Wie es sich beim journalistischen Handwerk gehört, ergaben sich nach der Betrachtung auch ein paar Fragen, die wir Ihnen hier noch vor der Lektüre des Tests näher bringen wollen. Dr. Armin Dobat, Senior Director Product Management bei SIG Sauer, hat die Antworten für uns und für Sie:

VISIER: Was macht die neue SIG Sauer Virtus zu etwas Besonderem?

Armin Dobat: "Das sind einige Punkte, die dieses Modell zu etwas Besonderem auf dem Markt machen. So hat die MCX Virtus kein Pufferrohr. Dadurch ergibt sich ein besseres Rückstoßverhalten. Oder anders ausgedrückt: Die Waffe schießt sich angenehmer. Außerdem macht es die Waffe leichter und flexibler. Auch haben unsere Konstrukteure die Verriegelungswarzen des Verschlusses überarbeitet und sie konischer gestaltet. Das gewährleistet einen sanfteren und materialschonenderen Repetiervorgang. Der Lauf der MCX Virtus ist freischwingend und außerdem geschmiedet und nicht nur kaltgehämmert. Dadurch gewährleistet die MCX Virtus, dass die Auflageposition nicht die Trefferlage beeinflusst. Und es gewährleistet eine höhere Festigkeit und eine signifikant höhere Energieausbeute".

VISIER: Gibt es schon praktische Erfahrungen aus dem Markt? 

Armin Dobat: "Aus dem zivilen Markt gibt es erstes Feedback, schließlich ist die MCX Virtus erst Anfang 2019 in Europa eingeführt worden. Die Reaktionen, die wir bekommen, sind durchweg positiv. Gerade auf dem behördlichen Markt hat sich die MCX Virtus schon bewährt: als neue Mitteldistanzwaffe ist sie unter anderem bei den Polizeieinheiten in Schleswig-Holstein und Berlin im Einsatz. Auch die London Metropolitan Police führt das Gewehr".

VISIER: Die ursprüngliche MCX gab es nur in den Vereinigten Staaten von Amerika. Wo liegen die Unterschiede zur aktuellen Generation der MCX?

Armin Dobat: "Die MCX Virtus ist in ihrer jetzigen Form passender für den europäischen Markt. Der KeyMod-Vorderschaft des Vorgängers wurde durch einen moderneren M-LOK-Vorderschaft ersetzt, genauso wie der Hinterschaft jetzt flexibler ist. Außerdem wurde der militärisch harte Standardabzug durch einen präzisen Match-Abzug ausgetauscht".

SIG SAUER MCX Virtus mit Optik von links.
Neuinterpretation des AR-15-Systems von SIG Sauer in Form der MCX Virtus. Technische Innovation trifft hier auf vollendetes Design.

VISIER: Der Modellname unserer Testwaffe endet ja mit dem Wort "Sport". Doch auch Jäger können diese Waffe kaufen. Ist das ein Zukunftsmarkt für SIG Sauer?

Armin Dobat: "Was wir beobachten, ist ein steigendes Interesse der Jägerschaft an Halbautomaten. Wir sind zuversichtlich, dass auch die MCX Virtus Jäger von ihren Eigenschaften überzeugen und ihren Platz bei ihnen finden wird. Ganz egal ob Sportschütze oder Jäger: Einmal damit geschossen, lässt einen die Faszination nicht mehr los".

Bei SIG Sauer zeigt man sich sehr überzeugt von der Waffe – wie es sich für einen Waffenhersteller auch gehört. Aber es ging uns natürlich auch darum, dass wir uns die Waffe selbst ansehen wollten, um uns ein eigenes Urteil zu bilden. Gesagt, getan:

Die "nackten Fakten" zur neuen MCX Virtus von SIG Sauer

SIG SAUER MCX Virtus Sport mit eingeklapptem Hinterschaft.
Klappbar: Die SIG Sauer MCX Virtus Sport verfügt über einen Tele-Fold-Hinterschaft.

VISIER bekam von SIG Sauer eine MCX Virtus mit einem 16,6 Zoll langen Lauf im Kaliber .223 Remington zum Test. Daneben gibt es auch noch eine kürzere Variante mit einem 11,5 Zoll langen Lauf. Bei beiden Längen werden die Läufe innen hartverchromt und außen phosphatiert. Die Laufwurzel ist konisch und der Durchmesser an der Mündung misst 16,5 Millimeter. Das Gewicht von 3,13 Kilogramm (ohne Magazin und Optik) verteilt sich auf eine Gesamtlänge von 901 mm. Der Schubschaft lässt sich, wie der Name schon sagt, in der Länge variieren. Tele-Fold heißt dieses Ausstattungsdetail und lässt sich auf fünf Positionen arretieren. Den Abschluss des Schaftes bildet eine 1-cm-Gummischaftkappe. Dazu lässt sich der Hinterschaft auch noch seitlich beiklappen, wodurch sich die Virtus auch bequem am Sling tragen lässt – Aufnahmen dafür sind vorhanden. 

Upper und Lower werden mit zwei Schubschrauben zusammengehalten. Die Verbindungsstellen sind massiv gearbeitet und der Blick auf die mechanische Abzugseinheit zeigte den gewohnten AR-15-Minimalismus, aber bei der Virtus in erstklassiger Qualität ohne auch nur den Hauch von Werkspuren. Am Lower finden sich darüber hinaus auch noch die beidseitige Sicherung, der Magazinlöser, der Pistolengriff mit dem Verschlusskäppchen mit Firmenbranding, das ein Staufach im Griff verschließt.

Der Blick auf den Upper fällt ähnlich positiv aus wie der auf den Lower. Die durchgehende Picatinny-Schiene mit der versetzbaren Aufklappvisierung gehört zum Standard der Waffe ab Werk. Ebenso dazu gehört der M-LOK-Vorderschaft und der Feuerdämpfer. Erster weist stark abgerundete Ecken auf. So lässt sich die MCX Virtus mit und ohne Handschuhe schön greifen – auch wenn sich dann alles etwas "grob" anfühlt. Wem dieser Handschutz aber nicht zusagt, dem stehen ja glücklicherweise massenhaft andere Möglichkeiten offen. Gasabnahme und Ähnliches fallen AR-15-typisch aus. Der Spannhebel lässt sich beidseitig bequem mit Mittel- und Zeigefinger nach hinten ziehen. Dieser Hebel lässt sich auch nach dem Aufkippen samt dem Verschluss entnehmen. Die Verschlusswarzen wiesen – wie beschrieben – eine konischere Form auf, als dies bei anderen AR-15 üblich ist. Die Doppelfedern samt ihrer Führung und allen anderen Bestandteilen sind ohne Grate, Spuren oder sonstigen Auffälligkeiten. Man kann wirklich sagen, dass Lower und Upper Reciever von wirklich überzeugender Qualität sind.

Technische Daten der SIG Sauer MCX Virtus Sport:

ModellSIG Sauer MCX Virtus Sport
Preis€ 2349,-
Kaliber.223 Remington
Gewicht3120 g
Länge617 bis 914 mm
Lauflänge421 mm
AbzugSingle Stage Standard
Laufdicke16,5 mm (Durchmesser)
Drall1:6"
Kapazität10 + 1 Patronen
LaufprofilZüge und Felder
MaterialKunststoff/Metall
SicherungDrehhebel, Schlagbolzen
Verschluss und Spannhebel der SIG SAUER MCX Virtus Sport.
Spannhebel, Verschluss und Plastikkäppchen der Virtus. An keinem Teil – selbst am Kunststoffverschluss – gab es seitens der Tester etwas zu kritisieren.
Gasabnahme einer SIG SAUER MCX Virtus Sport.
Handschutz ab: Blick auf die verstellbare Gasabnahme der Virtus Sport.

Mit der MCX Virtus auf dem Schießstand:

Für den Praxisversuch ging es wieder auf den Schießstand der SLG Niederweimar, wo es auf die Distanz von 100 Metern ging. Als Optiken kamen das Romeo4 und das Juliet4 von SIG Sauer zum Einsatz. 5 Sorten Munition sollten durch die Waffe gehen. Zum Schießen allgemein lässt sich sagen, dass die Waffe ruhig im Schuss liegt. Der Trigger der Virtus löst bei einem Gewicht von etwas über 2,4 kg aus. Den Tagessieg sicherte sich NORMA mit dem 56-grs-Geschoss und einem Streukreis von 32 mm. Auf den Plätzen folgten die RWS Target Elite Plus (77 grs; 35 mm) und die Hornady-Munition (55 grs; 36 mm). Auffällig, dass bei der Siegerlaborierung Störungen beim Nachladen auftraten. Nachfragen bei SIG Sauer ergaben, dass dies ein Plastikproblem war. AR-15 neigen wohl dazu, etwas zickig zu sein, wenn es um das Verschießen von Geschossen mit Kunststoffspitzen geht – und eben genau solche wies die NORMA-Munition auf. Die anderen Sorten verdaute die Waffe aber völlig klaglos – und Freude machte das Schießen in jedem Fall. Alle Details dazu finden Sie in der VISIER 4/2019.

Unser Test-Fazit zur SIG Sauer MCX Virtus Sport:

SIG SAUER MCX Virtus von rechts, mit geladenem Magazin außerhalb der Waffe und Munition in .223 Remington.
Sportlich und noch mehr: Für die MCX Virtus gibt es unterschiedliche Magazine. 

Abgesehen davon, dass sich die Tester vielleicht noch ein Zielfernrohr gewünscht hätten, lief der Test wie erwartet ab. Qualitativ gibt es an der Virtus absolut nichts auszusetzen – nicht umsonst befindet sie sich weltweit schon im Einsatz. Die Präzisions-Ergebnisse waren für diese Kombi in unserem Test  "zufriedenstellend". Auch wenn der Name der Virtus auf "Sport" endet, muss dies nicht das einzige Einsatzfeld bleiben. Jagdlich genießen diese "schwarzen Waffen" bekanntlich bei traditionell orientierten Jägern keinen besonders guten Ruf, dennoch sind sie für die Jagd zugelassen. Gewicht und Technik vereinen sich in dieser Waffe zu einem guten Gesamtkonzept, das mit einer entsprechenden Jagdoptik auch einen waidgerechten Schuss ermöglicht. Auf der Drückjagd und auch bei der Ansitzjagd können wir uns das Modell sehr gut vorstellen - eben wegen der Stärken dieses Systems. Der einzig "kritische" Punkt in diesem Zusammenhang war das sportlich orientierte Kaliber: .223 Remington. Es eignet sich nur für eine sehr begrenzte Wildauswahl. Als AR-10 in .308 Winchester würde die Sache deutlich besser aussehen. Aber was nicht ist, kann ja vielleicht noch werden.

Wie wir aus Insiderkreisen noch erfahren haben, ist es seitens SIG Sauer angedacht, für diese Waffe das Kaliber .300 AAC Blackout anzubieten – fest steht dies allerdings noch nicht. Auf die Nachfrage vieler Jäger, die gerne einen Schalldämpfer einsetzen möchten, hat SIG Sauer schon reagiert und einen 5,56 Taper Cap-Montagering in den Handel gebracht. Dieser ermöglicht die Montage eines Schalldämpfers an der MCX Virtus im Kaliber .223 Remington. Die UVP für den Montagering beträgt 12,- EURO und er ist ab sofort im Handel verfügbar.


Weitere Informationen erhalten Sie auf der Internetseite von SIG Sauer.

Den ausführlichen Test mit allen Schießergebnissen finden Sie in VISIER 4/2019. Diese Ausgabe ist im VS Medien-Shop auch digital verfügbar.

Ein weiteres, preiswertes AR-15 aus dem Hause SIG Sauer ist das M400 TREAD.

Noch mehr von SIG Sauer gefällig: all4shooters.com hat auch schon einen Blick auf die neuen Pistolenmodelle aus dem SIG Sauer Mastershop geworfen. Das ist für alle Fans einen Klick wert!

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