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Wie organisiert man eine Drückjagd? Kai-Uwe Kühl von K&K Premium Jagd erklärt in einem Interview, worauf es wirklich ankommt

all4hunters.de: Herr Kühl, Sie als professioneller Anbieter von Jagden weltweit kennen das Geschäft nun schon sehr lange. Was halten Sie davon, dass in Deutschland immer mehr Drückjagden stattfinden?

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Die allgemeine Zunahme von Drückjagden ist die logische Konsequenz der sich in den letzten zwei Jahrzehnten wandelnden Jagdbedingungen.

Kai-Uwe Kühl: Diese Tatsache ist eine logische Entwicklung der sich in den letzten zwei Jahrzehnten veränderten Jagdbedingungen. Landwirtschaftliche Agrarsteppen und Monokulturen prägen heute unsere Felder, um der politischen Forderung nach erneuerbaren Energien und dem wachsenden Bedarf an Futtermitteln für die Fleischindustrie gerecht zu werden. Hinzu kommt die waldbauliche Umgestaltung unserer Wälder hin zu Mischwäldern die klimaresistenter sein sollen, als die Fichtenmonokulturen. Last but not least haben in den letzten Jahren Stürme erhebliche Schäden in den deutschen Wäldern angerichtet. Die neuen Aufforstungen und die Buchenverjüngungen sorgen für sichere und störungsarme Einstände. Derzeit werden die Fichtenbestände national vom Borkenkäfer vernichtet. Milliardenschäden sind nun mit Ansage entstanden. Auf diesen in Kürze aufgeforsteten Flächen entstehen wieder Dickungskomplexe und somit Einstände. Ein hoher Stickstoffeintrag, hohe Temperaturen, wegfallende Winter sowie Buchen-und Eichelmast sorgen für deutlich verbesserte Lebensbedingung für alles Schalenwild. Eine natürliche Mortalität gibt es z.B. kaum noch beim Schwarzwild. Wenn man all diese Punkte einmal betrachtet, dann wird schnell klar, dass Jagd, rein auf die Ansitzjagd fokussiert, die Wildbestände nicht einregulieren kann. Wenn dann noch jagdliche Konzepte fehlen, weil man sich bei der Aufforstung der Wälder keine Gedanken gemacht hat, wie man das Reh-, Rot- oder Schwarzwild in den Buchenverjüngungen bewirtschaften möchte, dann sind die Bewegungsjagden mit Hunden ein probates Mittel, um die jagdlichen Ziele, nach §1 Bundesjagdgesetz, bestmöglich zu erreichen. Mir fehlen im Moment die Vergleiche, wie viel Wild auf Ansitzjagden und wie viel Wild auf Bewegungsjagden erlegt wird. Ich schätze aber der Anteil wird bei 60 % zu 40 % liegen. Um Ihre Frage zu beantworten, sehe ich die Bewegungsjagden als eine wichtige Jagdart an, um den zeitlichen Aufwand zur Erreichung der Abschusspläne im Rahmen zu halten. Lieber kurze und harte jagdliche Schläge als ständigen Jagddruck auszuüben, erscheinen mir im Moment sinnvoll. Die wachsende Anzahl an Prädatoren – Wolf oder Luchs – haben unterschiedliche Auswirkungen. Im Harz hat der Luchs das Muffelwild komplett eliminiert und das Rehwild stark reduziert. In anderen Regionen wurden das Damwild und Muffelwild durch den Wolf ziemlich aufgerieben. Aber anscheinend hat der Wolf nicht so gravierende Auswirkungen auf den Rotwildbestand wie Anfangs befürchtet. Alles in allem erzielen wir in den kooperierenden Revieren der Bundesforste, trotz hoher Wolfsdichten, immer noch konstant hohe Drückjagdstrecken. Wahrscheinlich sind Nutz-und Weidetiere für ihn einfacher zu reißen.

Ausblick auf die Drückjagd-Saison 2018: Ein Interview mit Kai-Uwe Kühl vom K&K Premium Jagd.

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Die Sicherheit ist bei der Organisation und Durchführung einer Bewegungsjagd das wichtigste Thema. Ganz gleich, ob es sich um eine professionell organisierte Drückjagd oder eine Treibjagd unter Jagdfreunden handelt.

all4hunters.de: Thema Sicherheit. Das zentrale und wichtigste Thema, wenn man eine Bewegungsjagd organisiert. Aus ihrer Sicht gesehen: Was sollte man bei der Planung einer Drückjagd auf alle Fälle beachten?

Kai-Uwe Kühl: Allein dieser Punkt könnte eine eigene Abhandlung darstellen. Ganz klar: Safety first! Die Kernfragen sind, welche Wildarten vorkommen und auf welchen Wildarten das jagdliche Hauptaugenmerk liegt. Wenn Rot-, Schwarz-und Rehwild als Wildarten vorkommen, so ist eine Differenzierung der Stände kaum möglich, im Vergleich zu reinen Rehwildrevieren. Die Auswahl der Stände ist ein ganz wichtiger Punkt. Die Jagdbetriebskarte ist ein wesentliches Hilfsmittel, um eine Jagd zu planen. Anhand dieser werden die Standorte der Drückjagdeinrichtungen geplant. Dabei ist die Hauptwindrichtung zu berücksichtigen. Und diese werden unterschieden nach Ständen für Standschnaller und normalen Schützen. Entsprechend der Topographie und der vorkommenden Wildarten sowie der Bestockung der Jagdbögen werden die einzusetzenden Hunderassen geplant und eingeladen. Für Rotwild, Reh-, Muffel-, Dam-und Sikawild werden oft die Solojäger an Hunden wie Wachtel, Alpenländische Erzgebirgler Dachsbracken, Westfälische Dachsbracken, Kopov-, Tiroler- und Steirische Bracken, Olper Bracken und last but not least Teckel bevorzugt. Diese sollen das Rotwild z.B. langsam anjagen, so dass die Schützen dieses sauber ansprechen können. Je weniger Treiber oder Hundeführer sich im Treiben bewegen, umso geringer ist das Risiko.  Bei hohem Sauenanteil, gerade im Flachland, empfehlen sich auch eingejagte Meuten aus Jagdterriern, Heideterriern oder Westfalen Terriern, die von den Meuteführern geführt werden. Und wichtig ist, dass nach der Jagd genügend Schweißhunde für die rote Arbeit nach dem Schuss zur Verfügung stehen. Für die Revierleiter ist es wichtig, dass die Stände immer Kugelfang bieten. Ebenso, dass die Ansitzeinrichtungen und Drückjagdstände der UVV entsprechen und dass genügend Schussschneisen angelegt werden. Sicherheitssektoren, in die nicht geschossen werden darf, sind einzuzeichnen. Und ganz wichtig ist, dass genügend Ausweichstände zur Verfügung stehen, falls der Wind über Nacht wechselt und die Treiben umgestellt werden müssen.

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Die richtige Planung der Drückjagdeinrichtungen ist ein zentraler Aspekt bei der gesamten Organisation.

all4hunters.de: Der Kampf um gute Hunde und deren Führer ist voll entbrannt. Sie fangen ja direkt nach der Jagd mit der Organisation für das nächste Jahr an. Gute Hunde sind begehrt, denn mit den Hunden steht und fällt die Jagd. Sollte man lieber die Drückjagd absagen, wenn man keine guten Hunde an den Start bekommt?

Kai-Uwe Kühl: Um es vorweg zu sagen: Die sehr guten Hundeführer können sich heute die Jagden aussuchen, zu denen sie gehen. Jagd ohne Hund ist Schund! Dieser Spruch gilt heute mehr denn je. Normalerweise sollte jeder Jäger, der die räumlichen Gegebenheit und jagdlichen Möglichkeiten hat, einen durchgeprüften Jagdhund führen. Die ständig steigende Zahl an Bewegungsjagden erfordert auch eine immer höhere Qualität an Stöberhunden und entsprechenden Jagdhundeführern. Nicht zu vergessen, dass die Anzahl an Nachsuchen ständig steigt. Daher sind entsprechende Nachsuchen-Gespanne unabdingbar. Wenn nicht genügend durchgeprüfte Stöberhund für eine Jagd zu gewinnen sind, bleibt nur die Möglichkeit, diese durch eine Treiberwehr zu kompensieren. Dadurch erhöht sich aber das Risiko. Nachsuchen-Gespanne sind ein Muss. Jeder Anschuss sollte kontrolliert werden, weil es vorkommen kann, dass gewisse neue Geschosstypen keinen Ausschuss bringen und somit keine Anschusszeichen. In letzter Konsequenz muss der Jagdherr entscheiden, ob er eine Jagd durchführt, wenn nicht genügend qualifizierte Hunde während und nach der Jagd zur Verfügung stehen.

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Die sehr guten Hundeführer können sich heute die Jagden aussuchen, zu denen sie gehen. Stehen nicht ausreichend qualifizierte Hunde für die Durchführung einer Drückjagd zur Verfügung, muss der Jagdherr in letzter Konsequenz entscheiden, ob die Jagd stattfindet oder nicht.

all4hunters.de: Dieses Jahr waren die Wetterverhältnisse extrem, was man teilweise auch an den Streckenergebnissen sieht. Schwache Frischlinge finden in dem trockenen Boden wenig Nahrung. Nach diesem Jagdtag in Sachsen-Anhalt, wie sieht da ihre Prognose für das kommende Jagdjahr aus?

Kai-Uwe Kühl: Erschreckend war, dass die Frischlinge aus diesem Frühjahr in einem jämmerlichen Zustand waren. Es scheint so, dass in dieser Region die langanhaltende Trockenheit und der hart getrocknete Boden für wenig Nahrung beim Schwarzwild gesorgt haben. Die Bachen haben wenig laktiert und Milch geben können und wenn die Frischlinge dann kein tierisches Eiweiß finden, da die Böden knüppelhart sind, dann zeigt sich dieses Erscheinungsbild. Aber diese Not scheint noch nicht zu einer normalen Mortalität zu führen, welche bei der drohenden ASP hilfreich wäre. Und die Wölfe haben diese Kümmerlinge auch noch nicht gerissen. Für Schwarzwild ist Wasser unheimlich wichtig. Daher sind Regenfälle dringend nötig. Sollte jetzt ein harter Winter auf diesen trockenen Herbst folgen, der Regen ausbleiben, dann sieht es für unsere Wälder im nächsten Jahr katastrophal aus, den Borkenkäfer als weiteres Problem nicht vergessend.

all4hunters.de: Bleiben wir mal beim Wetter. Sie sagen ja, dass man auf die Windrichtung achten muss, wenn man so eine große Drückjagd organisiert. Was machen Sie eigentlich wenn der Wind über Nacht dreht und man am Morgen vor völlig neuen Gegebenheiten steht?

Kai-Uwe Kühl: Eine gute Jagdplanung ist auf solche wetterbedingten Veränderungen vorbereitet. Es gibt bei einer professionellen Jagdplanung genügend Sitze für Westwind und auch für Ostwind. Nichts ist schlimmer, wenn eine Jagd geplant ist, Jagdgäste von weither anreisen und beim Besetzen der Stände das Wild schon flüchtet, weil man mit dem Wind im Rücken die Stände anfährt. Die Ausrede, "ja, der Wind hat über Nacht gedreht", sollte nicht als Ausrede gelten. In solchen Fällen sollte eine Ersatzjagd angeboten werden.

all4hunters.de: Sie bieten ja auf Ihren Jagden auch immer ein entsprechendes Rahmenprogramm an. Dieses Mal war Gunnar Petrikat von RWS vor Ort und hat ihren Gästen interessante Fakten zum Thema Winkelschüsse und kurze Schussentfernung auf Drückjagden nahegebracht. Warum machen Sie das?

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Expertenwissen aus erster Hand: Gunnar Petrikat referiert über Winkelschüsse und kurze Schussentfernungen.

Kai-Uwe Kühl: Die Jagd hat sich in den letzten Jahren unheimlich entwickelt. Alle Trends kommen aus dem militärischen Bereich. Denken wir doch nur an die Entwicklung der Zieloptik vom Ziel 4 bis zu heutigen Hightech-Zielfernrohren, die die Entfernung, den Neigungswinkel und die Luftfeuchtigkeit messen und mit einem Parallaxeausgleich ausgestattet sind. Oder der Einsatz von Wärmebild-und Nachsichttechnik, ohne die diese hohen Sauenstrecken des letzten Jahres, verbunden mit dem hohen persönlichen Einsatz der Jäger, Tag und Nacht zu jagen, gar nicht erreicht worden wären. Dazu die nicht enden wollende Diskussion über den Einsatz von bleifreier Munition und von Schalldämpfern. All diese technischen Entwicklungen haben die Jäger mit Kusshand aufgenommen und diese Produktkategorien sind die Wachstumstreiber im Jagdfachhandel. Diese Entwicklung erfordert aber auch mehr technisches Know-how und Anwendungshinweise oder neue Erkenntnisse mit wissenschaftlichem Hintergrund. Daher bieten wir im Rahmen der K&K-Jagdveranstaltungen immer wieder unseren Partnern aus der Industrie oder Jagdwissenschaft die Möglichkeit, unseren Kunden neueste Produktentwicklungen oder Erfahrungswerte zu vermitteln. 

all4hunters.de: Ein Restrisiko bleibt immer. Niemand ist vor Unfällen sicher. Bei Ihren Jagden ist immer ein entsprechendes Nothilfe Team erreichbar. Was ist eine Notfallkette? Was gehört dazu?

Kai-Uwe Kühl: Wie oben schon erwähnt, hat sich die Durchführung von Gemeinschaftsjagden unheimlich professionalisiert. Es kann immer zu Unfällen schlimmsten Ausmaßes kommen. Ob beim normalen Schützen, einem durchgehenden Hundeführer oder einem Jagdhund. Daher gibt es in den Revieren markierte Notfallpunkte mit Koordinaten. Diese stehen auch auf den Anstellerkarten. Ferner sind alle Telefonnummern vom Jagdleiter über die Revierleiter, Ärzte und Tierärzte der Umgebung aufgeführt, damit im Notfall schnellstmöglich Erste Hilfe geleistet werden kann.

all4hunters.de: Bei dieser Drückjagd haben sie eine Jungjägerin zum Jagderfolg geführt. Ist das jetzt ein neues Angebot von Ihnen oder warum begleiten Sie nun auch Jungjäger?

Kai-Uwe Kühl: Ehre wem Ehre gebührt. Aber die Jungjägerin hat einen sauberen Schuss auf ein Bockkitz antragen können. Das war der Verdienst der Jungjägerin. Ich habe lediglich etwas beim Ansprechen geholfen. Diesen Ansatz der begleiteten Ansitzjagden oder Bewegungsjagden für Jungjäger verfolgen wir schon seit zwei Jahren. Ein großer Teil der heutigen Jungjäger haben in kürzester Zeit ihr "Grünes Abitur" ablegt. Dieses berechtigt zum Führen von Waffen. Das heißt aber nicht, dass der Jungjäger schon ein "Jäger" ist. Wir bei K&K Premium Jagd nehmen uns sehr gerne den Jungjägerinnen und Jungjägern an, insbesondere dann, wenn diese keine jagdliche Vorprägung und keine jagdlichen Kontakte haben oder in der heimischen Jägerschaft nicht Fuß fassen. Diesen bieten wir gerne eine jagdliche Heimat.

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Bei K&K Premium Jagd finden Jungjäger eine jagdliche Heimat und die professionelle Anleitung erfahrener Jäger.

all4hunters.de: Zum Abschluss noch mal die Frage nach der Sicherheit. Fehlverhalten führt zum Ausschluss. Was genau ist Fehlverhalten und womit muss der Gast einer Drückjagd rechnen, wenn er sich nicht an die Regeln hält?

Kai-Uwe Kühl: Zunächst sind alle Punkte relevant, die auf der Rückseite des Jagdscheines aufgeführt sind. Diese Punkte können je nach Reviergegebenheiten erweitert werden. Den Vorgaben der jeweiligen Jagdleitung ist unbedingt Folge zu leisten. Aber grundsätzlich wichtige Punkte sind sichere Waffenhandhabung, Einhaltung von Sicherheitssektoren, Kugelfang ist nur gewachsener Boden über dem Stück Wild, Signalkleidung ist am Körper zu tragen, kein Schuss in Richtung der Nachbarschützen, Treiberwehr, Hundeführer oder Durchgeschützen. 0-Promille während der Jagd. Einhaltung von jagdlichen Zeitfenstern und Aufbrechpausen. Angabe eines jeden Schusses auf Wild. Wer vorsätzlich den Mutterschutz missachtet und führende Stücke erlegt und somit den Tierschutzgedanken außer Acht lässt, muss ebenfalls mit Konsequenzen rechnen. Wer diese Punkte nicht einhält, wird konsequent von der Jagd ausgeschlossen. Wer grob fahrlässig handelt, muss mit noch drastischeren Konsequenzen rechnen. Dabei darf ich auch erwähnen, dass wir Jäger, die viel jagen, auch Fehler machen. Fehler passieren, das ist unvermeidlich. Ich bin der Letzte, der über andere Jäger richtet, sondern versuche selber bestmöglich fehlerfrei zu jagen. Keiner von uns ist fehlerfrei. Aber Ehrlichkeit ist dabei ein ganz wichtiger Punkt vor und nach dem Schuss. Der abschließende Satz trifft das Thema ganz gut. "Jagd verdirbt nicht den Charakter eines Jägers, sie zeigt ihn nur…".


Weitere Informationen zum Angebot von K&K Premium Jagd in 2018/19 finden Sie direkt auf der Webseite des Anbieters.

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