Praxistest: Vorstellung der Wärmbildkamera InfiRay Finder FH35R V2 mit unserem ersten Testeindruck aus dem Revier

Der neue InfiRay Finder FH35R V2 ist eine Weiterentwicklung des monokularen Wärmebildgeräts Finder FH35R mit integriertem Laserentfernungsmesser, wie das “V2“ für Version 2 in der Modellbezeichnung des neuen Geräts bereits verrät. Auf den ersten Blick hat sich zumindest außen gegenüber der ersten Modellgeneration nichts verändert. Das robuste mit 160 x 90 x 50 mm recht kompakte Kunststoffgehäuse ist gemäß Schutzklasse IP67 gegen eindringenden Staub geschützt und sollte demnach auch bis zu 1 m Tauchtiefe für mindestens 30 Minuten eindringendem Wasser widerstehen. Das Objektiv wird von einem griffigen Gummiring, der gleichzeitig zum Fokussieren dient, geschützt. Dieser wird nach vorn durch einen frei drehbaren Klappdeckel aus Kunststoff mit Magnetverschluss abgeschlossen. Das Okular besitzt neben einer runden Augenmuschel aus Gummi noch einen ebenfalls frei drehbare ovale Gummistulpe, die der Brillenträger bei Bedarf nach vorne umstülpen kann. 

Beim InfiRay Finder FH35R V2 sitzt der Dioptrienausgleich links vorm Okular.
Die Dioptrienverstellung sitzt beim InfiRay Finder FH35R V2 unmittelbar vorm Okular an der linken Gehäuseseite.

Unmittelbar vor dem Okular ist auf der linken Gehäuseseite ein gerieftes und mit einem Sporn versehenes Einstellrad für den Dioptrienausgleich angebracht. Dieses lässt sich ebenso bequem erreichen wie die insgesamt nur vier für die Bedienung des Finders nötigen Tasten. Die für die Menüsteuerung (M) befindet sich mit der Mess- und der Fototaste in einer Reihe, die Ein- und Ausschalttaste hat ihren Platz rechts neben der M-Taste. Sie alle liegen im Bereich der mit Längsrillen durchzogenen Kontaktflächen, die mit einer griffigen Hartgummiarmierung überzogen sind. Haptisch fühlen sich die Foto- und die Messtaste, die auch als Hoch- und Runtertasten für die Menüsteuerung dienen, etwas weicher an als beim Vorgänger. Was wohl an dem etwas höheren Silikonanteil liegt, den InfiRay an dieser Stelle bei dem neuen Finder V2-Modell einsetzt. 

Man fühlt sich sofort zuhause: Infiray hat beim Finder FH35R V2 viele bewährte Elemente des Vorgängermodells übernommen...

Blich auf die Oberseite des InfiRay Finder FH35R V2.
Alle vier Bedientasten sind beim InfiRay Finder FH35R V2 ergonomisch günstig auf der Oberseite des wasserdichten Gehäuses angebracht.
Der Schutzdeckel für die Objektivlinse des InfiRay Finder FH35R V2.
Ein Klappdeckel aus Kunststoff mit Magnetverschluss schützt beim Finder FH35R V2 von InfiRay Outdoor die empfindliche Germaniumlinse der Wärmbelkamera.

Und doch ist es ein viel leistungsfähigeres Gerät! Erst auf den zweiten Blick ist dann zu erkennen, dass jetzt der Klappdeckel, der die Germaniumlinse des Objektivs schützt, nicht mehr aus Alu, sondern Kunststoff besteht und nun durch einen Magnetverschluss geschlossen gehalten wird. Der Deckel sitzt unmittelbar am Fokussierring, ist aber selbst frei drehbar angebracht. Dadurch kann er stets so ausgerichtet werden, dass er die in Beobachtungsrichtung links vom Objektiv angebrachten Ein- und Ausgangsfenster für den Laserstrahl des Entfernungsmessers nicht verdeckt. Nach wie vor gibt es auf der Unterseite des Finder-Gehäuses eine ebenfalls längsgerillte, schwarzeloxierte Alu-Platte in deren Zentrum sich eine Aufnahme mit 1/4"-Stativ-Gewinde befindet. Außerdem verbergen sich unten am Gehäuse noch jeweils eine USB-C-Schnittstelle und ein HDMI-Anschluss unter einer Gummiabdeckung. Hinzu kommen noch zwei Ösen, an denen sich der mitgelieferte Trageriemen oder die ebenfalls im Set enthaltene Handschlaufe befestigten lassen. Jetzt fehlen eigentlich nur noch der Sensor für die automatische Displayabschaltung neben dem Okular und das Finder-Produktlogo vor dem Batteriefach an der linken Seite und das Äußere des neuen Finder FH35R V2 ist komplett beschrieben. Der große Unterschied zwischen dem Vorgänger der neuen Finder Generation von InfiRay Outdoor muss sich demnach im Inneren des monokularen Wärmebildgerätes verbergen − und das macht er auch...

InfiRay Finder FH35R V2: 640 x 512 Pixel-Sensor mit 12 µm-Pitch und einem NETD-Wert von < 20 mK sorgt für sehr detailreiche Bilder

Hersteller InfiRay Outdoor verwendet auch im Finder FH35R V2 wieder einen Wärmesensor mit einer Auflösung von 640 × 512 Pixeln und einer Pixelgröße von 12 µm. Der neue und verbesserte Sensor besitzt jetzt aber eine deutlich höhere Wärmeempfindlichkeit und erreicht so einen NETD-Wert von unter 20 mK. Das sorgt im Zusammenspiel mit der Objektivlinse, die nun eine vergrößerte Blende von F0,9 besitzt und so mehr Infrarotlicht respektive Wärmestrahlung durchlässt, für eine viel detailliertere und auch bessere Abbildungsqualität als beim Vorgängermodell. Der neue Finder bietet ein Sehfeld von 10,5° Breite und 7,9° Höhe, was etwa 184 m x 138 m auf 1.000 m entspricht. Die maximale Detektionsreichweite auf die ein 1,7 x 0,5 m großes Ziel noch erfasst werden kann, beträgt rund 1.800 m.  Erfasst bedeutet hier, das bei dieser Entfernung und Zielgröße dann noch ein einzelnes heller als der Hintergrund leuchtendes Pixel im Display angezeigt wird. Die besagte Zielgröße entspricht übrigens etwa einem „spitz“ stehenden Rothirsch, und wird deshalb von vielen Wärmebildgeräteherstellern als Referenz angegeben.

Wärmebildaufnahme von einen weit entfernten Reh mit dem InfiRay Finder FH35R V2.
Der InfiRay Finder FH35R V2 half uns bei absoluter Dunkelheit dieses Stück Wild in gemessenen 290 Metern Entfernung in einem weitläufigen Feldrevier aufzuspüren und bei 2,5-facher Vergrößerung anhand dessen Habitus auch noch auf eine Entfernung von rund 400 m eindeutig als Rehwild anzusprechen. Ob es sich dabei um einen Bock oder eine Ricke handelte war auf diese Distanz natürlich nicht auszumachen. Das gelingt mit dem Finder aber noch auf Distanzen von bis zu 150 m.  Die obige Aufnahme erfolgte im Farbmodus Ironbow bei 2,5-facher Vergrößerung auf etwa 330 m Distanz.

Die Bildwiedergabe erfolgt über ein 1.024 x 768 px großes AMOLED-Display. Unmittelbar neben dem Okular befindet sich wie bereits erwähnt ein Sensor, der registriert, wenn das Gerät vom Auge abgesetzt wird und dann das Display energiesparend automatisch ausschaltet, sofern diese Funktion zuvor im Menü aktiviert wurde. Der Finder FH35R V2 bietet insgesamt sechs verschiedene Farbmodi: White Hot, Black Hot, Red Hot, Target Highlight, Ironbow und Rainbow. Darüber hinaus verfügt das neue InfiRay-Modell über diverse Optionen zum Anpassen der Bildschärfe, des Kontrast sowie der Farbtemperatur. Wer möchte, kann dem Gerät die von Zeit zu Zeit beim Beobachten nötige Kalibrierung automatisch überlassen, muss dann aber damit rechnen, das dieses auch in einem jagdlich ungünstigen Moment geschieht, etwa wenn das Wild von einem relativ einheitlichen vor einen kontrastreichen Hintergrund wechselt. Dann kann es passieren, das ein sich schnell bewegendes Objekt aus dem Sehfeld verschwunden ist, bis die Kalibrierung angeschlossen ist. 

Der interne Speicher von 32 GB bietet genügt Platz für mögliche Foto- und Videoaufnahmen für letztere hat das Gerät auch ein übers Menü zuschaltbares Mikrofon mit an Bord. Die Wiedergabe kann über das Display des Finders oder aber über die HDMI-Schnittstelle auf einem externen Monitor und mit Hilfe der integrierten WLAN-Funktion und der InfiRay Outdoor App auch auf dem Smartphone oder Tablett erfolgen. Die App gibt's für Android- und IOS-basierte Geräte kostenlos. 

An der Stirnseite des  InfiRay Finder FH35R V2 sitzen die Fensteröffnungen für den Laser-Entfernungsmesser.
Neben der Objektivschutzklappe sind hier das Ausgangs- und Eingangsfenster (u.)  des Laser-Entfernungsmessers zu erkennen, der im InfiRay Finder FH35R V2 integriert ist.

Wie das Vorgängermodell bringt auch der neue Finder FH35R V2 einen integrierten Laser-Rangefinder mit, der ± 1 Meter genaue Messungen bis zu einer Distanz von 800 m erlaubt. Dieser verfügt über eine hinreichend schnelle Reaktionszeit, die neben Einzelmessungen auch kontinuierliche, exakte Messungen im Scan-Modus erlaubt. In unserem Test führten wir mehrere Messungen auf Objekte in bis zu 750 m Entfernung durch und glichen diese dann mithilfe eines Laser-Rangefinders eines anderen Herstellers ab, ohne dass hier nennenswerte Abweichungen bei den Messwerten auftraten. Aller Ergebnisse blieben in dem vom Hersteller angegeben Toleranzbereich von ± 1 m. Eine gelungene Ergänzung zum Entfernungsmesser stellen der im Finder V2 enthaltenen Digitalkompass und die Option den Neigungs- und Verkantungswinkel mit im Display anzuzeigen dar. 

Der InfiRay Finder FH35R V2 wird mit zwei InfiRay IBP-2-Akkus samt eines externen Ladegeräts, in dem beide Akkus gleichzeitig geladen werden können, geliefert. Darüber hinaus kann er auch über die USB-C-Schnittstelle des Finders im Gerät geladen werden. Alle Ladearten funktionieren natürlich auch mit einem entsprechenden 5V-Spannungswandler am Bordnetz des Fahrzeugs oder einfach per Powerbank. Betrieben wird der Finder FH35R V2 lediglich mit einem dieser hauseigen InfiRay-Akkus. Die Laufzeit pro Akku beträgt bis zu 5,5 Stunden, sodass der Jäger mit zwei vollen Akkus auch eine komplette Nacht lang „durchsitzen“ kann. Mit eingesetztem Akku bringt der kompakte Finder rund 450 g auf die Waage. Außerdem gehören noch eine Tasche, ein Trageriemen, eine Halteschlaufe ein Optiktuch sowie ein HDMI und ein USB-C-Kabel zum Lieferumfang.

Die Arretierung des Akkus beim InfiRay Finder FH35R V2 erfolgt per Klapphebel.
Der Auszieh- und Arretierungshebel am InfiRay IPB-2-Akku lässt sich hochklappen. Hier ist der Akku bereits bis zu seiner O-Ring-Dichtung aus dem Fach heraus gezogen zu sehen. 
Akkuwechsel beim InfiRay Finder FH35R V2.
Beim InfiRay Finder FH35R V2 helfen rote, korrespondierende Markierungen beim Einsetzen des Akkus.

Das Batteriefach befindet sich auf der linken Gehäuse Seite. Darin wird der Akku in einem Bajonettsockel per 45°-Drehung arretiert. Dazu muss dieser allerdings zuvor in einer bestimmten Position in das Fach eingeführt werden, damit er sich beim Einschieben nicht verkeilt. Hierzu befindet sich eine rote Pfeilmarkierung am Gehäuse, die mit einer ebenfalls roten Linie am Akku übereingebracht werden muss. Im Hellen ist das kein Problem. Für den Wechsel bei Dunkelheit bedeutet dies aber, dass der Jäger dieses zuvor ein paar Mal geübt haben muss, damit er weiß, in welcher Stellung der hoch klappbare Auszieh- und Arretierungshebel des Akkus stehen muss, um ihn sauber einsetzen zu können. 

Der InfiRay Finder FH35R V2 beim Beobachten mit der linken Hand gehalten.
Bei dem kompakten und handlichen Finder FH35R V2 handelt es sich um die verbesserte Version des bekannten Finder-Modells von InfiRay Outdoor. Das Gerät wiegt nur knapp über 450 g und lässt sich auch mit der linken Hand gut halten und bedienen.

Technische Daten und Preis − Wärmebildkamera InfiRay FH35R V2

Modell:

InfiRay Finder FH35R V2

Thermalsensor-Auflösung:

640 × 512 px

Pitch:

12 μm

NETD-Wert:

≤ 20 mK

Bildwiederholrate:

50 Hz

Objektiv:

35 mm / F0,9

Sichtfeld (H × V):

10,5° × 7,9°

Optische Vergrößerung

2x bis 8x

Digitaler Zoom:

1,0x, 1,5x, 2,0x, 2,5x, 3,0x, 3,5x, 4,0x

Dioptrienverstellung:

-5 bis +5 dpt

Maximale Detektionsreichweite:

1800 m

Displaytyp

AMOLED

Displayauflösung:

1024 × 768 px

Batterietyp:

austauschbarer Li-Ionen-Akku (Typ InfiRay IPB-2)

Maximale Batterielaufzeit (bei 22 °C):

5,5 h (pro Akku)

Reichweite Laser-Entfernungsmesser:

800 m ± 1 m

Staub- und Wasserdichtigkeit:

Schutzklasse IP67

Schnittstellen:

USB-C und HDMI

Fotoaufnahmen:

ja

Audio-/Videoaufnahmen:

ja

Automatische Displayabschaltung:

ja

Interner Speicher:

32 G

WLAN:

ja, Anbindung über InfiRay Outdoor App

Gewicht:

455 g (mit Akku)

Abmessungen:

160 mm × 90 mm × 50 mm

Preis (UVP):

2.399,- Euro

Das all4hunters-Fazit: Der neue Infiray Finder FH35R V2 macht jetzt einen gewaltigen Sprung in Sachen Bildqualität und Benutzerfreundlichkeit. Der Wärmebild-Sensor des FH35R V2 wurde aufgerüstet, um eine höhere Empfindlichkeit zu bieten, während das Objektiv jetzt mit einer größeren Blende ausgestattet ist. Diese Wärmebildkamera von Infiray ist eine gute Wahl für den anspruchsvollen Jäger, der erstklassige Leistung und ein praktisches, handliches Design erwartet! Mit dem neuen Finder FH35R V2 schiebt InfiRay Outdoor also einen würdigen Nachfolger für das Vorgängermodell dieser Baureihe nach.

Zur Einordnung im Wettbewerbsumfeld: Der neue leistungsstärkere Thermalsensor mit seinem deutlich niedrigeren NETD Wert von unter 20 mk lässt das neue Modell technisch zu den Topgeräten dieser Klasse aufschließen und ermöglicht nun detailliertere Bilder als das Vorgängermodell. Nachdem der Hersteller die vom Vorgänger bewährten Features übernommen hat, kann der Nutzer hier problemlos auf das neue Modell umsteigen. Aus jagdlicher Sicht erfüllt der neue Finder alle an ihn gestellten Anforderungen, sodass angesichts seiner Ausstattung und des mitgelieferten Zubehörs auch sein Preis von 2.399,- aus unserer Sicht fair kalkuliert ist. Wenn der Hersteller hier noch etwas verbessern möchte, dann sollte er sich eine komfortablere Lösung für das Einsetzen des Akkus überlegen. Ansonsten gab es in unserem Praxis-Check nichts zu mäkeln.

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