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Varmint-Gewehre .308 Win.

Varmint, also der amerikanische Begriff für „Raubzeug“, kennzeichnet eine Waffengattung, die irgendwo zwischen einem schlanken Jagdrepetierer und einem sportlichen Großkalibergewehr angesiedelt ist. Um das Beste beider Welten zu erreichen, verwendet man dickere Läufe und meist überarbeitete Abzüge (oder gleich solche von Fremdanbietern). Dazu kommen Schäfte, die sich vor allem aufgelegt oder angestrichen verwenden lassen. 

In Deutschland erhalten solche Büchsen den Zusatz „Jagdmatch“, abgeleitet davon, dass etwa der Deutsche Jagdschutz-Verband (DJV) eigene Wettkämpfe für Gewehre ausschreibt und man dafür das Maximum des Regelwerks ausreizt. Andersherum können Sportschützen manche Modelle auch als günstige Einstiegswaffe für Großkaliber-Wettkämpfe nutzen. 

Aus der Preisklasse bis 1500 Euro wählte VISIER acht Repetierer in .308 Win. der schon aus einem anderen Test von .223-Gewehre bekannten Anbieter: Remington, Tikka, CZ, Savage, Marlin und Howa. Für jeden Geldbeutel dürfte etwas dabei sein - es beginnt bei 559 Euro.

Die Patrone .308 Winchester ist größer, schwerer und teurer als die .223 Remington. Ihr Rückstoß ist deutlich stärker. Sie bringt mehr als doppelt so viel Energie in das Ziel. Für den 100-m-Innenstand und Pappscheiben sicher zuviel des Guten, aber das Leben spielt sich ja nicht nur drinnen ab. 

Auf lange Distanzen bei den Zielfernrohrwettkämpfen ist sie windunempfindlicher als die .223-Remington-Patronen und kann mit den leichten Geschossgewichten auch recht rasant geladen werden. 

In regelkonform umgebauten Ordonnanzgewehren mit ZF wie dem K 98 legt sie Bestmarken vor.

Bei den Jägern hat sie als Universalpatrone gegenüber der .223 die Nase deutlich vorn. Somit punktet sie sowohl bei Sportschützen als auch bei den Waidmännern. Zudem gibt es genügend Wiederladekomponenten, um die „ideale Patrone“ für jede Büchse selbst zu entwickeln.

Testwaffen im Überblick

Alle Testwaffen traten im Kunststoffkleid an. Synthetikschäfte sind unempfindlicher und bei einigen der Waffen auch preiswerter. Die als Varmint ausgewiesenen Stücke kamen dementsprechend mit dicken Läufen. Dadurch sind sie vorderlastig und schwer, beim Rückstoß der .308 Winchester eine gute Idee. 

Zu den Varmintern nahmen die Tester noch folgende Waffen hinzu: die Marlin X7 als eine Standardausführung und die Remington 700 SPS TAC ACC mit einem 15 cm kürzerem „Heavy Short“-Lauf. Sollte es Unterschiede in der Präzision geben? 

Und erstmals setzte VISIER bei diesen Varmintern die seit Jahren in anderen Waffengattungen bewährte Punkte-Wertung ein. So ergibt sich am Schluss eine Rangfolge, aus der sich jeder Kunde gemäß seinem Geldbeutel bedienen kann.


Der Schaft

Synthetik (oder bei der CZ Kevlar) ist das Grundmaterial der Schäfte. In Sachen Volumen gab es dabei spürbare Unterschiede von griffig, aber zierlich bei der Remington Varmint bis deutlich voluminös bei der CZ im Bereich des Pistolengriffes. 

Die zum gezielten Schuss wichtige breite Vorderschaftauflagefläche fand sich bei allen Varmintern und bei der TAC, jedoch nicht bei den Marlins. Sie kamen mit dem identischen schmalen Schaft. Die Marlin X7 ist in der Gesamtgestaltung leicht, sie ließ sich bequem mit einer Hand halten - aber nicht schießen, denn sie kickte deutlich! 

Die Hinterschäfte haben durchweg weiche Gummikappen zur Absorbierung des Rückstoßes - von links: Marlin X 7, die Tikka T 3 mit symmetrischer Backe, die Savage 12, die Howa mit Hogue-Gummischaft, die in buntgefärbtes Kevlar geschäftete CZ 550 Varmint, der etwas festere Hinterschaft der Remingtonm TAC und schließlich die Remington 700. Riemenösen und aufgeraute Kontaktflächen am Pistolengriff und am Vorderschaft sind sozusagen Standardausstattung.

Unterschiedlich fiel die Gestaltung der Oberfläche und der Vorderschaftausführung aus. Das Kevlar der CZ zum Beispiel war nicht glatt, eher angenehm angeraut, die Oberfläche bei der Remington Varmint rau und mit Einlagen noch griffiger gestaltet - dafür vorn recht schmal. Durch robustes Gummi fielen die TAC und die Howa 1500 aus dem Rahmen. Diese Schäfte des bekannten Zulieferers Hogue waren warm und griffig.

Ausgehend vom Verwendungszweck „eher aufgelegt als freihand“ bekamen die zwei Marlins, die Savage und die Remington 700 Varmint sieben der zehn möglichen Punkte, die anderen je acht.

VISIER-Bewertung für Howa 1500, Remington 700 SPS Varmint, Remington 700 SPS TAC AAC-SD und CZ 550 Varmint
VISIER-Bewertung für Savage 12 FVSS, Tikka T 3, Marlin X7HV und Marlin X 7
Varmint-Schäfte als Kompromiss zwischen Führigkeit und breitem Vorderschaft zum Auflegen - von links: Tikka T 3, Savage 12, Howa 1500, dann die CZ 550 Varmint mit dem breitesten Vorderschaft. Im rechten Bild: die beiden Marlins X 7 und X 7 VH, deren gerundeter Vorderschaft wenig Platz zum Auflegen bietet. Dann folgt die Remington 700 SPS Varmint mit vorn verbreiteter Auflagefläche und zwei Ösen (für Riemen und Zweibein) und ganz rechts die kurze Remington 700 SPS Tactical mit dem Hogue-Kunststoffschaft in "Ghillie Green".

Dicke „Varmint“-Rohre 

Der Mündungsdurchmesser reichte von 20 mm bei der Tikka bis zu 22 mm bei der CZ. Je nach Herstellerangebot kamen die Läufe in Stainless (Savage) oder brüniert. Zur Ausnutzung der Treibladungspulver gab es Längen von 600 bis 650 Millimeter. 

Varmint-Läufe sind dicker als normale Jagdrohre und liefern Präzision auch über längere Serien.

Die Mündungen waren immer abgesetzt, sei es stufig hinterdreht oder tellerartig wie bei der Tikka und der Remington Varmint. Die TAC weist ein Gewinde für einen Schalldämpfer auf (sofern man eine Genehmigung besitzt). Hier ist die Mündung plan abgeschlossen und das Gewinde mit einer Schutzkappe versehen. 

Die kurzläufige Remington TAC legte wegen der fehlenden 1,5 cm Lauf viel Pulver als Mündungs-feuer in die Standluft. Wer sie wählt, kann ruhigen Gewissens auf das vorhandene Mündungs-gewinde einen ja erlaubten Feuerdämpfer schrauben. Die Waffe fällt sowieso deutlich auf. Hier spielt der in Deutschland eher unübliche Laufzusatz dann keine anstößige Rolle mehr, nimmt aber dem sonst sehr praktischen Gewehr sein Manko.

Die Abzüge

Der klassische Flintenabzug mit Druckpunkt scheint ausgedient zu haben. Den Eindruck

vermitteln Abzugsbezeichnungen wie X-Mark Pro. Tatsächlich aber wird der Flintenabzug bei allen Testwaffen verbaut.

Die CZ 550 Varmint besitzt einen Kombi-Abzug. Die hintere Position zeigt die Druckpunktstellung. Durch Druck des Züngels nach vorn aktiviert man den Stecher.

Die CZ hat zusätzlich einen Stecher, zu aktivieren per Vordrücken des Abzugszüngels. An der Savage und den Marlins findet sich eine weitere Sicherung in Form der mittlerweile öfters anzutreffenden Zusatzsperre im Abzugszüngel; dieses gibt durch sein Eindrücken auf das Niveau des eigentlichen Züngelchens dessen Betätigung erst frei. 

Die Abzüge an sich wiesen deutliche Unterschiede auf, was aber nicht immer der Waffenkonstruktion zuzuordnen ist. Der Abzug kann vom Hersteller oder Importeur auf gute Werte voreingestellt zum Test kommen oder gemäß der Furcht vor Haftungsklagen “hart“ aus der Produktion auf dem Schießtisch landen. Tipp: Beim Kauf den Verkäufer nach den Abzugsverstellmöglichkeiten fragen oder ihn selber Hand anlegen lassen, bis alles gefällt.

Die Abzugsbügel und Züngel-Grundstellung sollten erlauben, dass man auch mit einem Handschuh auslösen kann. Von oben: Marlin X 7 VH, dann die CZ 550 Varmint (Züngel wahlweise Druckpunkt oder Stecher), die Tikka T 3 und unten die Savage 12 FVSS mit einem "AccuTrigger"-Züngel.

Bei der Bewertung setzte sich die CZ 550 Varmint klar mit neun Punkten an die Spitze, weil sowohl der Druckpunkt- wie der Stecherabzug sauber auslösten. Die mit nur sieben Punkten abschließenden Modelle litten alle unter kratzender und schleifender Charakteristik, während die zwei Remingtons und die Marlin X 7 VH mit je acht Zählern eine durchaus matchtaugliche Charakteristik präsentierten. 

Die neuen X-Mark Pro-Abzüge an den 700er Remingtons, die seit einigen Jahren in den bereits 50 Jahre alten Klassiker eingebaut werden, haben den Vorteil, dass man den Widerstand von außen durch die Madenschraube, die im Züngel eingesetzt wurde, verändern kann.


Visierung

Varmint-Gewehre bestellt man „oben ohne“ und dann ein Zielfernrohr samt Montage dazu. 

Beim Repetieren wirft die Savage die Hülsen sicher aus. Das hier montierte Leupold-ZF sitzt auf einer Prismenschiene mit einer seitlichen Aussparung, so dass die Ladeöffnung zum Einlegen oder auch Herausrepetieren von Patronen genutzt werden kann.

Einige Hersteller unterstützen dies durch das Mitliefern von Montagebasen, eine ins Systemgehäuse integrierte (etwa bei der Tikka) oder auch mitgelieferte Prismenschiene bei der CZ. Beide Gewehre kassierten daher drei der möglichen fünf Punkte. 

Die anderen Kandidaten sind durch Gewindebohrungen in den Systemgehäusen vorbereitet und holten je zwei Punkte - die vollen fünf Punkte hätte etwa ein Set-Angebot mit ZF und Montage eingeheimst. Im Test benutzte VISIER auf allen acht Kandidaten das Hawke Sidewinder

30 IR 8-32 x 56, das zur Verfügung gestellt wurde von Steinadler Optik aus Krefeld.


Durchblick mit Finesse

Für diesen Test der Varmint-Gewehre stellte die Firma Steinadler Premium Optik zwei Hawke-Zielfernrohre zur Verfügung. Das Modell Sidewinder 30 Side Focus 8-32 x 56 kam mit dem speziellen „20x 1/2 Mil Dot“ (UVP 515 Euro) und besitzt linksseitig einen dritten Turm mit Doppelfunktion: zum einen für das in je fünf Stufen rot oder grün beleuchtbare Absehen, zum anderen für den Parallaxeausgleich von 25 bis unendlich. Mit einer speziellen Hawke-Ballistiksoftware lassen sich Flugbahnkurven passend zum Absehen berechnen. 

Zum Test bereitgestellte Zielfernrohre.

Das 43 cm lange ZF mit 30-mm-Tubus hat Türme mit 1/4-MOA-Klicks, die für die Rastung angehoben werden. Die optische Qualität der 56er Lichtriesen passte zum guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Info: Steinadler Premium Optik, Ernst-Velten-Str. 20, 47809 Krefeld, (02151) 53 58 21, www.steinadleroptik.de, E-Mail: info@steinadleroptik.de

System und Funktion

Der Aufbau der Waffen in .308 Winchester entspricht ihren kleinen Brüdern in .223 Remington. Einige Produzenten unterscheiden in den Systemmaßen nicht nach Kalibern. Andere teilen das System für die .308-Patrone als „Medium-System“ ein. 

Laden und Entladen sind wichtige Vorgänge beim Repetierer. Die Schwachstelle der Marlin X 7 (oben) ist das fehlende Magazin. Bei der Tikka T 3 ist das Vier-Schuss-Magazin (einreihig) leicht entnehmbar, bei der Remington 700 kann man zumindest über die Bodenklappe als "Notausstieg" entladen.

In jedem Fall braucht man für die um 71 mm lange Patrone im Vergleich zur .223 ein größeres Auswurffenster, mehr „Hub“ am Kammerstängel und mehr Platz im Magazin. Wenn dieses herausnehmbar und so bequem zu füllen ist wie bei der CZ 550 oder der Tikka, dann vergaben die Tester die vollen fünf Punkte (bei der Tikka wäre eine andere Lade- und Entlademethode wegen des engen Fensters auch problematisch). 

Konnte man die Büchse wenigstens über eine Bodenklappe schnell entladen, gab’s noch vier Punkte. Bei den zwei Marlins muss man Patrone für Patrone aus dem Auswurffenster herausrepetieren. Das kostet Zeit und Nerven, auch wenn der Auswerfer die Patronenspitze stets vorbildlich nach rechts ausschwenken ließ, so dass man zugreifen konnte - das Geduldspiel brachte nur drei Punkte ein. 

Bei dieser Handling-Prüfung wurde zugleich das System überprüft: Hakt der Kammerstängel? Ist die Sicherung definiert und ohne Hakeln zu bedienen? Hier setzten sich die Tikka T 3 und

die Savage 12 FVSS mit einem Punkt Vorsprung vor fünf andere Modelle, die acht von zehn Punkten bekamen. Von diesen kam allein die CZ 550 Varmint mit einem Mauser-Verschluss, erkennbar am überlangen seitlichen Auszieher - technisch gesehen aber ohne Unterschied zu den kompakteren moderneren Verschlüssen. 

Sicherungen an Jagdgewehren sollten zuverlässig bedienbar und möglichst leise sein. Der Schieber an der Savage 12 weist drei Positionen auf (gesichert, gesichert zum Entladen und entsichert).

Das Stainless-System der Savage zeigte sich in vielen Belangen hochwertiger - bei den massiven Doppel-Verschlusswarzen („Floating Bolt Head“), die sich unabhängig vom anderen Warzenpaar drehen und besser verriegeln lassen. Oder beim Sonnenschliff auf dem Verschlusszylinder, der die Gleiteigenschaften verbessert oder bei der leichtgängigen Dreistellungssicherung. 

Die Tikka verriegelte ebenso problemlos, ohne Hakelei und ohne dass der Kammerstängel in der Offenposition die Finger gegen die ZF-Montage quetschte. Dies war nämlich bei beiden Marlins der Fall. Alternativ kann man nur eine höhere Montage wählen oder mit spitzen Fingern repetieren. 

Die Marlins mit seitlichem Schieber weisen zwei Positionen auf. Die X 7 VH-Sicherung ließ sich nur mit Kratzen bewegen: Das brachte einen Minuspunkt.

Die Marlin X 7 VH besaß zudem einen ruppig gleitenden Sicherungsschieber. Er hat eigentlich nur zwei Positionen; man musste aber mehrmals nachdrücken, um sicherzugehen, dass der Schieber wirklich die gewünschte Endposition „entsichert“ oder „gesichert“ erreicht hatte




Auf dem Schießstand

Zum Präzisionstest ging es mit ausgesuchter Präzisionsfabrikmunition. Als Leichtgewicht die schnelle und wegen ihrer Genauigkeit bekannte Sako Super Range mit 102 Grains HPBT Geschoss, Mittelgewichtiges um 154 Grains und dann einiges, was einen guten Namen in der Klasse um 168 Grains hat. Beim Schießen wurde deutlich, dass die .308 Winchester mehr Leistung als die .223 Remington hat - dankbar waren die Tester über jedes Gramm Waffengewicht als Rückstoßdämpfer. Präzise ist die .308 aus den Varmintern auf jeden Fall. 

Gruppen um zehn Millimeter mit vier Schuss sind bei fast allen Waffen machbar. Und fast alle Waffen legten eine 15-mm-Gruppe mit fünf Schuss Fabrikmunition hin. Das zeigt Potential, bei einer abgestimmten Handladung und guten Wiederladekomponenten auch mehr als die besagten vier Schuss unter einem Zentimeter zu schießen. 

In Sachen Munition fiel auf, dass einige Sorten quer durch die Waffen gleichmäßig gut schossen. Leider sind diese Marken auch teuer. Ihr Hülsenmaterial kann allerdings gleich feuergeformt für Handladungen verwendet werden. Die anderen Munitionssorten schossen dafür aus einzelnen Waffen präzise und waren preiswerter. 

Eine Handladung aus der Savage basierte auf der Standardlaborierung Vihtavuori N140 und dem Lapua GB 422 167 grs - sie stresste nur einen Tester: Nachdem er vier Schuss in ein Loch von 9 mm geschossen hatte, verlor er beim fünften Schuss die Nerven und setzte ihn auf 15 mm ab. Der Faktor „Schütze“ spielt eben immer eine wichtige Rolle bei der Präzision. 

Zum Thema „Lauflängen-Vergleich“ und damit der Umsetzung der Patronenleistung schoss VISIER aus der Remington Varmint und der deutlich kürzeren Remington TAC neben den Präzisionspatronen noch jagdliche Munition in Form der RWS 150 Grains „KS“ und der RWS TM 184 Grains „EVO“. Die TAC erbrachte eine geringere Mündungsgeschwindigkeit, wenn auch nicht mit 30 bis 50 m/s so ausgeprägt wie bei einigen Präzisionspatronen. 

Neben der Lauflänge entscheidet die Patronenkonzeption mit Geschossgewicht und Pulvereigenschaften. Dementsprechend kann man nicht pauschal je Zentimeter “weniger“ Lauflänge die Summe X an Geschwindigkeit abziehen. Die X 7 mit dünnem Lauf erbrachte ein 15-mm-Schussbild. Das ist für eine derart handliche Waffe eine sehr gute Leistung. Der Sportschütze wird aber sicher den schweren Lauf der HV-Version als Rückstoßdämpfer begrüßen, zudem das Rohr auch recht überzeugende Vier-Schuss-Gruppen lieferte.

Die Testpatronen von Nummer 1 bis 12, wie sie auch in der Tabelle (oben) aufgelistet sind.

Verarbeitung

Alle acht Testkandidaten zeigten sich beim Finish von Stahl und Kunststoff gut in Form. Als die Tester eine Büchse nach der anderen inspizierten, blieben zunächst jeweils volle zehn Punkte übrig. Bei der Tikka und den zwei Marlins lagen allerdings die Vorderschäfte stellenweise am Lauf an. 

Wie die Schießergebnisse zeigten, wurde die Präzision zwar nicht nachweisbar tangiert. Aber schön ist es nicht, wenn diese Grundvoraussetzung einer präzisen Büchse nicht gegeben ist. Bei der Tikka waren zudem Kunststoffreste am Vorderschaftende, nach dem Motto „Hier schaut eh niemand rein ...“ - doch, VISIER. Und daher gab’s dreimal eben neun statt zehn Verarbeitungs-punkte.

Waffeninformationen: Savage 12 FVSS Varmint, Howa Series 1500, Marlin Model X 7 VH und Remington 700 SPS Varmint
Waffeninformationen: Marlin Model X 7, CZ 550 Varmint Kevlar, Tikka T 3 Varmint und Remington 700 SPS Tactical AAC-SD

In der Schlussabrechnung kamen beide Marlins auf 86 Zähler, dann folgten gleich drei Büchsen mit je 89 Punkten: die Howa 1500, die Remington 700 Varmint und die Savage. 

Einen Punkt mehr und damit das Ticket für die „Ausgezeichnet“-Klasse schaffte die zweite Remington 700 mit dem Zungenbrecher-Kürzel SPS TAC AAC-SD. Mit 91 Punkten kam die finnische Tikka T 3 auf den zweiten Platz. Und den Sieg heimste die tschechische CZ 550 Varmint mit klaren 93 Punkten ein - Glückwunsch! 

Die reine Punktzahl ist allerdings bei VISIER-Tests immer nur die halbe Miete. Für den Kunden ist ja auch das Preis-Leistungs-Verhältnis wichtig, also salopp formuliert: Was bekommt man fürs Geld? 

Angesichts der großen Preisspanne von 559 bis 1500 Euro und der immer noch eng beieinander liegenden Punktzahlen hat man die freie Auswahl. Daher verlieh VISIER den beiden Marlins auch das fehlende sechste „Fadenkreuz“ und wertete sie von „sehr gut“ zu „ausgezeichnet“ auf.

Für 559 und 569 Euro bieten die Amis nämlich eine Menge Qualität für fast ein Drittel des Preises des Testsiegers CZ 550 (1499 Euro). Da kann man eigentlich nichts verkehrt machen, und da wäre auch noch ein besserer, vielleicht vorn breiterer Zubehör-Schaft drin. 

Die .308-Varminter stehen ihren kleinen .223-Brüdern in der Präzision also nicht nach. Die Bandbreite an Munition erlaubt Schussbilder wie bei einer Matchbüchse, ohne das „Jäger-Design“ zu vernachlässigen.


So testet VISIER

Auch Großkaliber-Repetiergewehre (nur Serienwaffen) durchlaufen das VISIER-Testprogramm. Maximal sind 100 Punkte erreichbar, die sich aus folgenden Einzelprüfungen addieren:

  • Präzision: Von einer Benchrest-Auflage aus werden Fünf-Schuss-Gruppen mit mehreren Laborierungen auf 100 Meter geschossen. Gemessen wird die Distanz der Mitte der äußeren Schusslöcher. Im Kaliber .308 (= 7,62 mm) gibt es volle 50 Punkte für eine FünferGruppe bis 24 mm, aufgerundet entsprechend dem dreifachen Kaliberwert. Pro Millimeter mehr wird ein Punkt abgezogen. Eine (äußerst mäßige) Gruppe von 40 mm bekäme also nur 34 Punkte).
  • Schäftung: Maximal sind zehn Punkte zu verteilen. Beurteilt werden neben der Gesamtform der Pistolengriff, die Kappe und Backe (beide verstellbar?) sowie die Art der Kontaktflächen für Hände, Schulter und Wange (Fischhaut, Gummi, rutschiger Kunststoff?). Auch die Qualität der Bettung, also der Verbindung zwischen System und Schaft, wird begutachtet.
  • Abzug, ebenfalls maximal zehn Punkte. Neben der Abzugscharakteristik (trocken oder schleifend?) und der Einstellbarkeit, auch von außen, geht es hier um die Form des Züngels und die Größe des Abzugsbügels: Kann man den Abzug, etwa im Winter, auch mit Handschuhen auslösen?
  • Magazin und Handhabung: Das Laden und Entladen spielt bei Repetiergewehren eine wesentliche Rolle. Hier werden maximal fünf Punkte verteilt. Ist ein herausnehmbares Kas- tenmagazin vorhanden oder nur ein eingebautes Mittelschaftmagazin (nur durch die Ladeöffnung mühsam zu entladen)? Wieviel Platz haben die Finger, wenn eine Visierschiene die Ladeluke überdeckt?
  • Visierung, maximal fünf Punkte: In der Regel werden GK-Repetierer ohne offene Zielhilfen wie Kimme und Korn ausgeliefert, weil der Kunde ein Zielfernrohr montiert. Dabei spielt eine große Rolle, wie die Waffe vom Hersteller für eine ZF-Montage vorbereitet ist: Ist die Systemhülse unbearbeitet oder gibt es bereits Gewindebohrungen — gar eine mitgelieferte Prismenschiene oder Montageringe, die im Preis enthalten sind?
  • System und Funktion: Um die möglichen zehn Punkte in dieser Wertung zu sammeln, muss der Verschluss die Patronen sauber zuführen und sich ruckfrei und ohne unnötiges Spiel bewegen lassen. Die Sicherungen müssen leicht und eindeutig erkennbar bedient werden können — bei Jagdgewehren zudem möglichst leise.
  • Verarbeitung, maximal zehn Punkte: Diese stets letzte Prüfung begutachtet die Qualität der Holz-, Kunststoff- und Metallteile, die Passungen und etwaige Bearbeitungsspuren.

Maximal sind 100 Punkte zu erreichen, und unabhängig von der reinen Punktzahl bis zu sechs „Prädikate“. Diese winzigen Fadenkreuze honorieren auch das Preis-Leistungs-Verhältnis des Produkts. Für ein besonders gutes Preis-Leistungs-Verhältnis erhält die Waffe bis zu zwei Zusatzprädikate (aber maximal sechs). Ist sie für ihre Leistung dagegen zu teuer, bekommt sie bis zu zwei Prädikate abgezogen und rutscht möglicherweise in eine untere Klasse ab. Die Klassen im einzelnen:

  • 100 bis 90 Punkte: „ausgezeichnet“
  • 89 bis 80 Punkte: „sehr gut“
  • 79 bis 70 Punkte: „gut“
  • 69 bis 60 Punkte: „zufriedenstellend“ (weniger Punkte wurden bislang nie vergeben ...)

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