Im Test: Sabatti Saphire Thumbhole – was kann die jagdliche Büchse im Kaliber 8x57 IS?

Sabatti – ein klangvoller italienischer Name, in dem Dolce Vita mitschwingt. Sabatti steht für eine lange Tradition in der Waffenherstellung. Das Unternehmen existiert seit dem frühen 18. Jahrhundert und hat seinen Sitz in Gardone val Trompia in der Nähe von Brescia. Dort sitzen auch Beretta und viele andere klangvolle Firmen. 

Sabatti nimmt eine besondere Stellung ein, denn es gehört zu den wenigen Waffenherstellern in Europa, die sich noch immer in Familienbesitz befinden. Die Anfänge lagen in der Fertigung von Steinschlosspistolen sowie der Herstellung von Läufen. Guiseppe Sabatti stellte Anfang des 19. Jahrhunderts dann auch Läufe aus Damast her. Antonio Sabatti trat ab 1946 in eine Kooperation mit dem Waffenhersteller Guiseppe Tanfoglio. Ab 1956 starteten die beiden die Produktion von Verteidigungspistolen. 4 Jahre später trennten sich die beiden wieder und die Söhne von Sabatti gründeten das Unternehmen neu. 

Aktuell wird das Unternehmen von den Enkeln geleitet und hat sich zum international auftretenden Hersteller von modernen Jagd- und Sportwaffen entwickelt. Und eben aus diesem modernen Segment kam eine Testwaffe zu all4hunters: Die Sabatti Saphire Thumbhole, die ein paar Neuerungen zum Vorgänger aufweist. Saphire steht übrigens nicht für die Farbe der Waffe. Das Unternehmen kürzt damit den Namen "Sabatti all purpose hunting Italien Rifle" ab. Eine Ansage zu den Einsatzzwecke der Waffe. Und Thumbhole verriet schon, dass die Waffe einen Lochschaft besaß.

Alles Multi: Die Sabatti Saphire Thumbhole und ihr Lauf

Die größte Besonderheit stellt bei der Saphire unzweifelhaft der Lauf dar. Die angelieferte Testwaffe verfügt über einen  Multiradiallauf. Noch nie gehört? Was sind eigentlich die Vorteile? Der Multiradiallauf wurde von Sabatti selbst entwickelt. Die Läufe mit Zügen und Feldern weisen ein charakteristisches Laufprofil auf. Fast möchte man es als kleine Gräben bezeichnen, die zwischen zwei breiteren Deichen liegen. 

Die Polygonläufe haben ein – wie der Name sagt – vieleckiges Innenleben. Der Multiradiallauf hat keine Ecken im Lauf, alles ist abgerundet. Dies entsteht durch zwei sich abwechselnde Radien. Sabatti gibt an, dass durch die Verwendung eines Multiradiallaufes der Geschossabrieb reduziert, somit eine höhere Austrittgeschwindigkeit erreicht werde und sich eine präzisere Geschossführung ergibt, da die Gase nicht am Geschoss vorbei gelangen können. Aber wie präzise kann so eine Waffe sein für unter 1.100 Euro? Zuerst galt es aber mal, das gute Stück von außen zu betrachten.

Der Verschluss aus der Waffe entnommen.
Verschluss der Sabatti Saphire Thumbhole mit drei Verriegelungswarzen. Die geteilte Picatinny-Schiene wurde aus dem Vollen gefräst.

Die Saphire von Sabatti mit Thumbole-Schaft: Technik und Kaliber

Die Testwaffe lieferte Frankonia im Kaliber 8 x 57 IS. Das Gesamtgewicht beträgt 3,22 Kilogramm. Weitere verfügbare Kaliber sind: .243 Winchester, .308 Winchester, 7 mm SAUM (Short Action Ultra Magnum) sowie 7 mm 08 Remington. Außerdem darf in der Auswahl nicht fehlen: .270 Winchester, 7 x 57, 7 x 64, 6,5 x 55 SE, .30-06 Springfield und die getestete 8 x 57 IS. Als Magnum- Kaliber stehen 7 mm Remington Magnum sowie .300 Winchester Magnum zur Verfügung. Was die Lauflänge betraf, so lag sie bei 60 Zentimetern; die Gesamtlänge betrug 113 Zentimeter. Am Lauf fand sich ein Mündungsgewinde. Das Metall-Einsteckmagazin fasst drei Patronen, eine weitere Patrone findet ihren Platz im Lauf.

Hinterschaftpartie der Sabatti-Repetierbüchse.
Modern gestalteter Hinterschaft mit Loch. Ergonomisch ist die Sabatti Saphire mit ihrem Thumbhole-Schaft sehr gut zu greifen.

Der Hinter- sowie der Vorderschaft bestehen aus Kunststoff und wurden matt überzogen. Der Lauf präsentiert sich schwarz brüniert. Der Hinterschaft schließt mit einer Schaftkappe aus Gummi ab. Die Aufnahme für einen Riemenbügel befindet sich im hinteren unteren Drittel des Schaftes. Dominiert wird der Hinterschaft durch ein Loch. Dieses dient dem Durchfädeln des Daumens, um so den Pistolengriff besser umfassen zu können und natürlich auch, um die Waffe besser in die Schulter einziehen zu können. 

Der Pistolengriff steht relativ gerade und wirkt recht schlank. Zur Verbesserung der Haptik verfügt der Pistolengriff über Verschneidungen. Diese Fischhaut könnte durchaus etwas griffiger geschnitten sein, aber das ist rein subjektiv. Seitlich rechts neben dem Verschluss liegt die Zweistellungssicherung. Diese wirkt klassisch auf den Abzug. Drückt man den kleinen Pin in Richtung Schütze, erscheint ein weißer Punkt, der Verschluss kann nicht mehr geöffnet und auch der Abzug nicht betätigt werden. Wird der Pin in Richtung Laufmündung gedrückt, erscheint ein roter Punkt und die Waffe ist schussbereit. 

Dass die Waffe gespannt ist, wird ebenfalls sehr deutlich durch das Hervorstehen eines Teils am Verschluss. Diese Spannanzeige schließt nach Abgabe des Schusses wieder bündig ab. Der Kammerstängel mit Öffnungswinkel 60 Grad lässt sich angenehm bedienen. Der Repetiervorgang an sich fällt zu Beginn des Tests etwas hakelig aus, was sicher durch den Neuzustand der Waffe zustande kommt - das sollte sich aber mit dem Gebrauch und der richtigen Waffenpflege geben. Der Verschluss verfügt über drei Verriegelungswarzen. Das Abzugsgewicht liegt standardmäßig bei 1.200 Gramm.

Riemenbügelöse am Thumbhole-Schaft.
Riemenbügelöse vor der Schaftnase. Während des Testes der Sabatti Saphire Thumbhole fiel die Lautstärke extrem auf, wenn kein passender Riemen durchgezogen war.

Unterhalb des Systemkastens befindet sich die Öffnung für das Einsteckmagazin. Dieses fühlt sich wertig an und besteht aus Metall. Die Zuführung des Magazins war etwas schwierig. Es gleitet nicht gut in den Schacht, muss manchmal mehrmals neu angesetzt werden, um zu verriegeln. Sitzt das Magazin dann aber richtig, gibt es keine Zuführungsstörungen. Die Verriegelung für das Magazin ist im Abzugsbügel vorn unten. Der kleine Knopf lässt sich mühelos betätigen und funktioniert einwandfrei. 

Auf dem Systemkasten sitzt eine geteilte Picatinny-Schiene. Bereits bei der Fertigung des Systemkastens wird diese Leiste mit ausgefräst, wird also fest integriert und versteift das Gehäuse zusätzlich. Auch am Vorderschaft finden sich Fischhautmuster. Bei schlechter Witterung wäre es wünschenswert, wenn die "Verschneidung" rund um den Vorderschaft zu finden wäre, um hier einen guten Halt zu gewährleisten. Die Aufnahme für den Riemenbügel befindet sich an der Nase des Vorderschaftes. 

Wünscht man die Verwendung eines Zweibeins, ist dafür im Schaft bereits eine Bohrung vorgesehen, die mit etwas handwerklichem Geschick auch in häuslicher Kleinarbeit durchgeführt werden kann. Weiter verfügt die Waffe über Kimme und Korn. Die offene Visierung ist nur geschraubt, so dass ohne Weiteres ein Over-Barrel-Schalldämpfer verwendet werden kann. Die Sabatti Saphire Thumbhole kam mit einem Minox-Zielfernrohr im Verstellbereich 3 – 15 x 56 zum Test. Das Zielfernrohr wiegt inklusive der Montageringe 890 Gramm, somit hat die Waffe ein Gesamtgewicht von 4,11 Kilogramm. Was die Waffe praktisch zu leisten im Stande ist, sollte sich auf dem 100-Meter-Schießstand und auf der Jagd zeigen.

Abnehmbares Korn der Sabatti-Büchse.
Das Korn der Sabatti Saphire ist nur aufgeschraubt, so dass man einen Over-Barrel-Schalldämpfer verwenden kann.
Kimme der jagdlichen Büchse von Sabatti.
Alles dran: die Kimme auf dem Multiradiallauf der Sabatti Saphire Thumbhole.

Übersicht: Technische Daten, Preise und Details zur Sabatti Saphire Thumbhole

Modell:Sabatti Saphire Thumbhole
Preis:1.060,- Euro
Kaliber:8x57 IS (alle lieferbaren Kaliber stehen oben im Text)
Kapazität:3 + 1 Patronen
Länge:1130 mm
Lauflänge:600 mm
Dralllänge:1 / 9,5"
Abzugsgewicht:1.200 g
Gewicht:3.200 g
Links-/Rechts-Ausführung:rechts
Ausstattung:Multiradiallauf, Kimme und Korn, Mündungsgewinde mit Schraubdeckel, geteilte Picatinny-Schiene, Lochschaft, Zweistellungssicherung.

Die jagdliche Sabatti Saphire in 8x57 IS in der Praxis

Bedienung der Sicherung auf der rechten Waffenseite.
Die Sicherung der Sabatti Saphire Thumbhole sitzt auf der rechten Seite.

Natürlich waren die Erwartungen an die Präzision ob der Vorteile des angepriesenen Multiradiallaufes relativ hoch, trotz der Preisklasse. Besonders erfreulich waren die Ergebnisse der GECO Plus, der RWS Teilmantel Rundkopf sowie der Norma Vulkan. Auch die anderen Ergebnisse lassen sich sehen.

Ein Test im jagdlichen Einsatz wurde angestrebt und somit die Waffe ins Revier ausgeführt. Mit der beim Test auf dem Schiessstand eingeschossenen Büchse ging es auf Reh- oder Schwarzwild. Die Munition der Wahl war in diesem Falle die Norma Vulkan. Der ausgesuchte Platz im Revier schien vielversprechend. Und nachdem es nun lange geregnet hatte und der Nachmittag trocken geblieben war, hatten wir die Hoffnung, dass Wild am angelegten Wildacker austreten würde. Die Zeit des Wartens schien geradezu endlos, da bewegten sich einige Stängel im Wildacker. Ein Geräusch war jedoch nicht zu vernehmen. Fuchs? Und so war es denn auch. Eine Fähe trat etwa einen Meter vor dem Sitz aus, wälzte sich genüsslich im Gras und schnürte dann den Weg entlang weiter ins Holz...

Gegen 21 Uhr gab es dann ein Rascheln etwa 50 Schritt links. Durch das Fernglas konnte ein mehrjähriger Bock angesprochen werden. Dieser war sicher nicht so alt geworden, weil er so unvorsichtig gelebt hat. Der Bock sicherte unentwegt. In unendlich vielen kleinen Bewegungen wanderte die Sabatti in Position, um dann einen Schuss anzutragen. Dieser ließ den Bock an Ort und Stelle zusammenbrechen. Waidmannsheil und Waidmannsdank! Praxistest für die Sabatti bestanden.

Testfazit: Das kann die Saphire von Sabatti

Die Waffe in der Komplettansicht von links.
Der lange Lauf der Saphire Thumbhole von Sabatti reicht weit über den Vorderschaft hinaus. Eine Riemenbügelöse ist an der Schaftnase verbaut.

Die Sabatti Saphire Thumbhole kann voll überzeugen. Das moderne Auftreten mit dem Lochschaft bietet eine sichere Handhabung. Obwohl der Hinterschaft inklusive Gummischaftkappe mit 36 Zentimetern recht lang ausfällt, kann die Waffe dennoch auch von Schützen mit kurzen Armen gut geführt werden, da durch den Lochschaft eine optimale Kontrolle der Waffe gewährleistet ist. Die Ausformung des Loches sowie die dazugehörige Stellung des Pistolengriffes ergeben ein stimmiges Gesamtbild und fühlen sich sehr gut an. 

Ob man mit einer Waffe mit Lochschaft auf einer Drückjagd - wie von Sabatti beworben - ganz besonders gut aufgestellt ist, mag jeder für sich selbst entscheiden. Ob man mit dem Ein- und Ausfädeln des Daumens zum Repetieren unbedingt viel schneller oder langsamer ist, mag auch dahingestellt sein. Ob der angepriesene Multiradiallauf im Vergleich zu "normalen" Läufen mit Zügen und Feldern nun unbedingt besser oder schlechter ausfällt, soll jeder für sich entscheiden. Die Bilder der Laufkamera zeigten deutliche Bearbeitungsspuren. Aber aufgrund der Schießergebnisse im Test lässt sich klar sagen, dass die Sabatti Saphire eine sehr gute Präzisionsleistung bringt. Mit einem etwas weniger kratzenden Abzug könnte das Erlebnis bestimmt noch etwas besser sein. Aber die erzielten Ergebnisse können sich gerade in dieser Preisklasse mehr als sehen lassen. 

Für einen Preis von unter 1.100 Euro bekommt man eine Waffe, die präzise schießt und gut funktioniert. Man muss eben den einen oder anderen Kompromiss eingehen, was die Verarbeitung betrifft. Gut und günstig könnte man zusammenfassend sagen. Es sei noch angemerkt, dass die Sabatti Saphire bei Frankonia unter dem Label Mercury Saphire (by Sabatti) läuft und standardmäßig eine Lauflänge von 52 Zentimetern aufweist und ein 15 x 1-Mündungsgewinde mitbringt – eben den deutschen Vorlieben geschuldet.


Text: Carola Rathjens und Alexander Losert

Dieser Test ist zuerst in der VISIER 09/2020 erschienen. Dort finden sich auch alle Schießergebnisse in einer Tabelle aufbereitet. Das Heft ist im VS Medien-Shop zudem als E-Paper verfügbar.

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