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Wichtige Ausrüstung und Zubehör zum Long-Range-Schießen im Überblick

Die Gewehr-Auflage − Sicherer halt für Ihr Long-Range-Gewehr:

Die Gewehrauflage ist natürlich das "A und O" beim Long-Range-Schießen. Denn nur ein Gewehr, welches ruhig im Anschlag liegt, eignet sich auch für Long Range. Für den Vorderschaft bieten sich viele Optionen an. Als erstes ein stabiles Zweibein, dann eine Benchrest-Auflage oder auch ein einfacher Rucksack, eine Decke und so weiter. Die Möglichkeiten und Optionen sind durchaus vielfältig, um den Vorderschaft sicher und ruhig zu betten. Der Hinterschaft wird da meistens deutlich vernachlässigt. Doch diesen sollte der Schütze nicht außer Acht lassen. Die bekannteste Variante ist das Monopod (Einbeinstütze). In der Praxis ist dieses aber nicht für jeden geeignet, da sich Schwingungen wie Herzschlag etc. ungefiltert weiter geben. Besser wäre da entweder ein Kissen, wie sie bei Benchrest-Auflagen dabei sind oder eben etwas Selbstgebasteltes und auch äußerst Kostengünstiges. Eine selbstgebaute "Schieß-Socke" etwa. Dies ist eine Socke, gefüllt mit Reis oder Granulat, verknotet und umgestülpt. Es empfiehlt sich, bei Schießsocken mehrere Größen und "Härtegrade" zu basteln, um dann in der Praxis herauszufinden, welche einem am besten passt. Wenn man das mit verschiedenfarbigen Socken macht, kann man die Härtegrade auch besser auseinander halten. Und es klingt genau so einfach, wie es ist. Einfach herumprobieren, bis alles passt. Der Hinterschaft wird auf die Schießsocke gestellt, mit Druck sinkt das Gewehr ein, drückt die Socke zusammen, hebt sich der Hinterschaft. Somit kann man sein Gewehr sanft auf das Ziel einrichten.

Eine rosa Schießsocke und einem Gewehrhinterschaft
Eine stabile Hinterschaftauflage für präzise Schüsse. Durch seitlichen Druck auf die Socke lässt sich der Hinterschaft in der Höhe positionieren.
Eine grüne und eine rosa Schießsocke.
Einfach eine Socke mit gewünschtem Granulat oder Reis füllen, zubinden (links) und umstülpen (rechts). Fertig ist die ultimative Hinterschaftauflage.

Auflage für den Schützen − Wie man sich bettet, so schießt man:

Natürlich sollte nicht nur die Waffe sicher gebettet sein. Der Schütze sollte hinter seiner Waffe ohne Anstrengungen "ruhen" können. Damit dies möglich ist, sind Schießmatten sehr hilfreich, wie etwa die "Backblast Mat" von Helikon-Tex. Das ist eine kompakte, eingerollte Schießmatte, die einfach zu transportieren ist. Sie ist aus Cordura, was auch bei steinigen Untergründen nichts durchpieksen lässt. Natürlich funktionieren ebenso schlichte Schieß- und Yogamatten oder auch einfach nur Wiese. Aber spätestens bei nassem Untergrund wird der Schütze dankbar sein für etwas zwischen sich und dem Gras. Des Weiteren oft unterschätzt ist eine Schießunterlage für den Ellbogen. Der Ellbogen der Abzugshand sollte bequem positioniert werden. Eine weiche Version einer Schießsocke unter dem Ellbogen kann hier viel Ruhe bringen und daher die Präzision des Long-Range- Schützen durchaus erhöhen.

Gewehrausrichtung − Die Waffe vor dem Verkanten schützen:

Schusswinkelkompensator
Der Winkelkompensator zeigt den Cosinus an. Beispiel: 1000 m, cos von 91 = 91% von 1000 m also zu rechnende Entfernung von 910 m.

Da selbst ein leichtes Verkanten des Gewehrs beim Long-Range-Schießen definitiv einen Fehlschuss zufolge hat, sind kleine Hilfsmittel wie ein Bubble Level am Zielfernrohr recht hilfreich. Dies ist eine Art Wasserwaagen-Libelle, die auf oder neben dem Glas montiert wird und bei der Installation des Glases ausgerichtet wird. Wenn der Schütze im Anschlag liegt, kann er noch prüfen, ob sein Gewehr gerade steht oder verkantet. Wenn bergab oder bergauf geschossen wird, muss man natürlich auch noch wissen, wie weit denn nach "oben" oder "unten" geschossen wird. Dafür gibt es zum Beispiel einen Schusswinkelkompensator. Dieser ist ebenso an der Seite des Zielfernrohrs angebracht und zeigt den Cosinus des Winkels an, mit dem die Ablage korrigiert werden kann. Das gibt es sowohl einzeln als auch schon an anderen Geräten mit eingebaut, wie beispielsweise in vielen im Handel erhältlichen Entfernungsmessern. Hiermit kann man nicht nur die direkte Entfernung zum Ziel, sondern auch die Höhe, den Cosinus und die reale für die Ablage benötigte Entfernung zum Ziel ausgeben. Das erspart weiteres Rechnen.

Geschosstempo messen und Ballistik berechnen

Windmesser mit zwei Fingen in den Wind gehalten
Ein Windmesser, der von allen Seiten angeströmt werden kann, macht eine Messung einfacher und unkomplizierter, erfordert aber danach eine Windrichtungsbestimmung.

Auch wichtig: Die Geschwindigkeit. Eines der wichtigsten Geräte, um überhaupt eine Ablage auf weite Entfernungen zu kennen, ist ein v0-Messgerät für die Ermittlung der Geschwindigkeit des Geschosses. Hier funktionieren auch einfache Chrony-Modelle oft präzise. Die genauesten Werte liefert derzeit das "LabRadar", was eher ein Doppler-Radar als ein einfaches Messgerät darstellt. Dieses zeigt zum Prüfen der Berechnungen ebenso v20, v50 und so weiter an. Vor allem nimmt es nicht viel Platz weg, befindet sich nicht vor der Mündung und bietet auch weitere Vorteile. Jedoch versehen auch die klassischen Lichtschranken hier ihren Dienst zuverlässig.

Eine Flasche Windikator zur Windrichtungsbestimmung
Ein simples, aber funktionierendes Tool zur Windrichtungsbestimmung. Ob wie hier fertig gekauft oder mit Babypuder nachgefüllt.

Ein Ballistikrechner gehört zum Long Range einfach dazu. Ohne seine Werte zu kennen, braucht man nicht den Versuch zu starten, auf über 1000 m zu schießen. Dafür braucht der Schütze ein Data-Book mit allen Berechnungen oder auch Erfahrungen der abgegebenen Schüsse bei verschiedenen Situationen wie Windrichtungen, Windstärken, Höhenmeter, Luftdruck, Schusswinkel, Richtung usw. Heutzutage gibt es dafür Ballistikrechner und Apps, die einem dabei helfen können. Die berühmteste, und das durchaus zu Recht, ist die App "Strelok". Diese ist mittlerweile in 3 verschiedenen Versionen erhältlich. Die Gratis-Version "Strelok Ballistic Calculator" bietet einfache Features, die für Mid-Range-Schießen noch ausreichen. Sie rechnet mit "G1-B.C." und berechnet ebenso Wind wie auch Schusswinkelkompensation unter Berücksichtigung von Höhenmeter, Temperatur und Luftdruck. Die nächste Version "Strelok+" ist eine kostenpflichtige Version und bietet mehr Absehen, Zieldarstellungen etc. Die für das Schießen auf die ganz großen Distanzen interessanteste Version ist "Strelok Pro". Diese App kann mit dem genaueren "G7-B.C." rechnen, hat kleinere Erweiterungen, wie Berücksichtigung der Luftfeuchtigkeit oder Bluetooth-Anschluss an einen Kestrel-Windmesser. Das viel Wichtigere ist, dass "Strelok Pro" ebenso Multi-BC, den Drall des Laufes, den Coriolis-Effekt und Spin Drift berücksichtigt. Diese Werte sind für das Long-Range- Schießen absolut wichtig – vor allem, je mehr die Entfernung zunimmt. Wenn man seine Daten in diese App korrekt eingepflegt hat, sind diese Werte zuverlässig.

Worauf schieße ich im Wettbewerb? Und was eignet sich? Das Ziel:

2 Männer bauen 1 Ziel auf
Das Steel Target von Helikon lässt sich einfach transportieren und aufstellen. Sein Stahlständer ist mit Erdspornen versehen, damit das Ziel nicht umkippen kann.

Es gerät gern schnell in Vergessenheit: das Ziel. Als Ziel für das Long-Range- Schießen empfehlen sich ganz klar solche aus Stahl, aber nur auf den dafür zugelassenen Schießanlagen. Denn selbst mit den besten Spektiven ist ein Einschussloch in Papier auf über 1000 m Entfernung nicht mehr zu erfassen oder eben nur sehr, sehr schwer. Stahl hat den Vorteil, wie jedes reaktive Ziel, dass man den Treffer akustisch vernimmt und dazu noch optisch mehr als ein Einschussloch sieht. Ein Beispiel wäre das Helikon-Tex Hardox600 Steel-Target inklusive Halterung. Der Stahl bewegt sich beim Treffer, das Geschoss macht einen großen dunklen Lackabplatzer (3-4 cm) auf dem weiß lackierten Hardox-Stahl und dazu hört man den berühmten "Gong". Das ist sowohl optisch als auch akustisch am Schnellsten zu begreifen. Vor dem nächsten Schießen einfach mit weißem Sprühlack wieder überlackieren und schon ist das Stahlziel wieder nutzbar. Wichtig ist, einen sehr harten Stahl wie Hardox600 oder AR500 zu nutzen, da es sonst nur einmal zu verwenden ist und auch die Klangqualität bei einem Durchschuss nicht so hoch ausfällt wie bei einem harten Stahl, der dem Geschoss standhält. Natürlich kann man sich auch Fallscheiben aufstellen, die aber eben auch den Umwelteinflüssen ausgeliefert sind.

Waffentasche und weiteres Zubehör:

German Gun Bag mit Ausrüstung
Ratsam: Ausrüstung wie Databook oder Munition gesammelt am Schützen haben, um nicht aus dem Anschlag gehen zu müssen.

Um das ganze Zubehör auch griffbereit und kompakt dabei zu haben, empfiehlt sich natürlich eine passende Waffentasche, auch Range-Bag genannt. Hier findet sich nahezu ein undurchdringliches Angebot an verschiedenen Varianten und Herstellern in vielen Größen. So gibt es etwa den German Gun Bag, der eine Langwaffentasche inklusive Rucksack ist, oder auch von First Tactical einen Rucksack, der zur Not auch als Waffenauflage dienen kann. Man kann den Rucksack neben sich legen und alle Utensilien sofort nutzen. Ob man dieses in einem Rucksack oder einer externen Tasche hat, ist nicht so relevant – wichtiger ist, alle Hilfsmittel kompakt zusammen zu haben.

Zu weiterem nötigen Zubehör gehört definitiv auch die Kleidung des Long-Range-Schützen. Statt Jeans mit ordentlich eingestecktem Hemd zu tragen, sollte hier eher auf Bequemlichkeit geachtet werden. Man achte darauf, dass die Kleidung im Anschlag nicht einengt, zwickt oder sonstwie in der Bewegung hindert. Der Sportler entspannt hinter seinem Gewehr liegen. Wenn man so relaxt durch das auf das Ziel gerichtete Zielfernrohr schauen kann, dass man ein kleines Nickerchen halten könnte, dann macht man alles richtig. Dazu gehört natürlich auch die Anpassung der Wangenauflage oder halt ein selbstgebautes Kissen über dem Hinterschaft. Auf die passenden Schuhe sollte der Schütze ebenfalls ein Auge haben. So bequem Turnschuhe sind, auf unebenem Untergrund, in hügeligem Gelände, auf rutschigen Hängen sollte man nicht am Schuhwerk sparen. Ebenso sind stabile Stative zu empfehlen. Einmal für den Spotter (Zielbeobachter), dass er ebenso ruhig auf dem Ziel bleiben kann, dann auch zum Beispiel für den Windmesser. Er sollte leicht vor dem Schützen platziert werden, so dass dieser nicht aus dem Anschlag gehen muss, um bei Windveränderungen die Geschwindigkeiten abzulesen. Bei Spektiven sollte man ebenso beachten, den Zoom zurückzunehmen (zirka 20-fach). Denn beim Long-Range-Schießen kann die Trace, also Luftverwirbelung des Geschosses, besser verfolgt werden als der reine Einschlag, wenn der Schuss nicht auf dem Ziel sitzt. Weiter erscheint es ratsam, auch etwas Werkzeug bei sich zu haben. Dann führe man natürlich keinen ganzen Werkzeugkoffer mit, sondern vielleicht ein Multitool, mit dem sich leicht Konfigurationen am Gewehr, an der Optik vornehmen lassen oder mit dem man kleineren Störungen zu Leibe rücken kann. Eine Extratasche für die Munition kann durchaus auch sinnvoll sein, vor allem bei wechselhaftem Wetter, so dass die benötigten Patronen trocken bleiben, aber immer griffbereit sind.


Weiteres Wissen zum Long-Range-Schießen erhalten Sie aus VISIER Special 86 "Long Range" und VISIER Special 90 "Long Range II".

Eine Einführung in den Long-Range-Sport finden Sie hier auf all4shooters.com.

Viel von diesem Zubehör ist auch bei der Jagd auf weite Distanzen nützlich.

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