Im Rahmen des 500-jährigen Jubiläums von Beretta rückt nicht nur die beeindruckende Geschichte des traditionsreichen Unternehmens in den Mittelpunkt, sondern auch der Blick in die Zukunft. Beretta verbindet seine jahrhundertealte Herkunft zunehmend mit modernen Technologien – und zeigt dabei, wie stark Themen wie Künstliche Intelligenz, Digitalisierung und neue Formen der Kommunikation inzwischen auch in einer klassischen Industrie angekommen sind. Und darüber haben wir mit Carlo Gussalli Beretta gesprochen.
Ein besonders eindrucksvolles Beispiel dafür war bereits im Jubiläumsumfeld zu sehen: Bartolomeo Beretta, der Gründer des Unternehmens, wurde mithilfe von KI visuell und stimmlich rekonstruiert – so, wie er vor 16 Generationen ausgesehen haben könnte. Über dieses Projekt haben wir bereits berichtet. Im Interview erklärt Carlo Gussalli Beretta, wie diese KI-Präsentation entstanden ist, welche Rolle Künstliche Intelligenz heute im Unternehmen spielt und warum sie nicht nur für Fertigung und Prozesse, sondern auch für Medien, Marketing und Content-Erstellung immer wichtiger wird.
Künstliche Intelligenz bei Beretta: Wie KI Marketing, Fertigung und Unternehmensprozesse verändert

all4shooters.com: Wir haben Ihnen zugehört, als Sie über KI gesprochen haben, und wir würden gerne wissen: Abgesehen vom Waffengeschäft – hat KI auch Einfluss auf unser Geschäft oder auf digitales Marketing?
Carlo Gussalli Beretta: Überall! Überall im Unternehmen – nicht nur in einem Medienunternehmen, nicht nur im Marketing. KI kann überall eingesetzt werden.
Das ist der Grund, warum wir einen Ansatz gewählt haben, bei dem wir nicht nur eine Person haben, die im Unternehmen für KI-Projekte verantwortlich ist. Stattdessen hat bei uns jede Abteilung – von der Fertigung über Forschung und Entwicklung bis hin zu Marketing und Kommunikation sowie Personalwesen – ein eigenes Team von Menschen, das an KI-Projekten arbeitet.
Und dieses KI-Team arbeitet im Grunde mit zwei Perspektiven. Es muss immer jemanden geben, der sagt: Okay, wie kann ich KI nutzen, um diesen Prozess zu verbessern oder mein Problem zu lösen? Und auf der anderen Seite braucht es ein technisches Gegenüber – ein IT-Team –, das sagt: Okay, das sind die Werkzeuge, mit denen wir das umsetzen können, das sind die Daten, die dafür benötigt werden, und so weiter.
Das ist also der Prozess, den wir intern entwickelt haben, um KI-Projekte im gesamten Unternehmen voranzubringen – 360 Grad.
Und das andere Thema, an dem wir sehr intensiv arbeiten, ist der Versuch, die Kultur der Menschen zu verändern, damit sie verstehen, wie wichtig es ist, dass KI Teil ihrer täglichen Arbeit wird. Es darf nicht nur etwas sein, bei dem man den ganzen Tag seine Arbeit macht und dann vielleicht am Ende des Tages fünf Minuten darüber nachdenkt: Wie kann KI meine Arbeit besser machen? KI muss von Anfang bis Ende Teil des Prozesses sein.
Aus kultureller Sicht ist das nicht immer einfach, aber es ist sehr wichtig. Deshalb entwickeln wir im Moment Programme in Form von Seminaren und Unterrichtseinheiten. Wir haben laufend Schulungen dazu, wie man KI nutzt – KI-Prompting, KI-Engineering und all das –, was extrem wichtig ist.
Gleichzeitig schauen wir uns konkrete Praxisbeispiele an. Also andere Unternehmen: Wie haben sie KI genutzt, um Prozesse zu verbessern?
Wir haben letzte Woche Philip Morris besucht, um zu sehen, wie sie KI in ihrer Produktion einsetzen. In der Woche davor haben wir mit einem Innovationszentrum gesprochen, um zu sehen, in welche Start-ups sie investieren und woran diese arbeiten – um zu prüfen, ob wir etwas von dem, was wir gelernt haben, auch bei uns anwenden können.
Das ist also extrem wichtig. Ich weiß, dass es in Ihrer Welt – in der Medienwelt, für all4hunters und all4shooters – von großem Wert ist, wenn es auf die richtige Weise eingesetzt wird. Es wird viele Prozesse vereinfachen und ganz sicher bei der Content-Erstellung helfen. Aber auch intern, für ein produzierendes Unternehmen, wird es wirklich sehr viele Dinge verändern.

Bartolomeo Beretta: Wie das AI-Abbild des Beretta-Gründers entstand

all4shooters.com: Okay, wir haben noch eine Frage. Die Präsentation – also die Person, die zu Beginn gesprochen hat. Wie ist das entstanden?
Carlo Gussalli Beretta: Ja, mit Bartolomeo. Das haben wir zusammen mit PWC entwickelt.
Wir haben, glaube ich, acht Familienmitglieder eingebracht – mich, meinen Onkel, meinen Vater, meinen Großvater. Wir haben Bilder und Gemälde früherer Familienmitglieder zur Verfügung gestellt, und wir haben auch unsere Stimmen aufgenommen, um es so realistisch wie möglich zu machen.
Was Sie gesehen haben, kommt also sehr wahrscheinlich – natürlich nicht exakt, aber doch ziemlich nah – dem nahe, wie unser Vorfahre vor 16 Generationen ausgesehen haben könnte, ausgehend davon, wie wir heute aussehen.

Carlo Gussalli Beretta zum Thema KI im Marketing und im (Fach-)Journalismus

all4shooters.com: Okay, dann kommen wir zur letzten Frage: Wenn wir es aus unserer Perspektive betrachten, wird sich sehr viel verändern, weil man Inhalte heute viel schneller produzieren kann als früher. Glauben Sie, dass Menschen, die aus der „alten Welt“ kommen, sich verändern müssen?
Carlo Gussalli Beretta: Absolut! Ich denke, es hängt davon ab, welche Art von Inhalten man erstellen möchte. Auf der einen Seite ist das ein gewaltiges Werkzeug, das die Arbeitsweise der Branche verändern wird. Gleichzeitig bleibt der kreative Teil extrem wichtig.
Denn wenn alle KI verwenden und immer dieselben Prompts nutzen, wird am Ende alles gleich aussehen – und niemand wird sich für das fertige Ergebnis interessieren.
Je nachdem also, wer der Kunde ist und welche Art von Video man erstellen möchte, ist es extrem wichtig, KI so effizient wie möglich einsetzen zu können. Aber die kreative Seite muss weiterhin von uns kommen, denn gerade in dieser Hinsicht ist KI nicht unbedingt am stärksten.
Und ich glaube weiterhin, dass es in Ihrer Branche – in den Medien – viele Menschen geben wird, die nach wie vor physische Produkte möchten. Ein schönes Buch, vielleicht ein Coffee-Table-Book, mit wunderschönen Bildern. Diese Art von Dingen wird nicht durch KI ersetzt werden.
Aber bei der Content-Erstellung, beim Schreiben und in ähnlichen Bereichen wird sie definitiv sehr hilfreich sein.
all4shooters.com: Vielen Dank für das Gespräch!
Weitere Informationen rund um das 500-jährige Jubiläum des italienischen Herstellers, erhalten Sie (in italienischer und englischer Sprache) auf der Webseite "500 Jahre Beretta".









