Walther PDP Steel Frame FS 4,5" in 9x19 für die Production Optics Division − Erfahrungsbericht eines IPSC-Schützen

Manchmal muss etwas Neues her, das gilt auch im Sportschießen. In diesem Fall trug ich mich mit dem Gedanken, von meiner alten IPSC-Pistole auf ein aktuelleres Modell zu wechseln  –  nur auf welches? Da bot sich auf der IWA  2026 die Option zum Vergleich: Es waren alle bekannten Waffenproduzenten vertreten, natürlich auch die Firma Carl Walther, und zwar mit einem sehr großen Stand. An dem wurden alle Modelle präsentiert, natürlich auch die PDP in all ihren Variationen. Schließlich entschied ich mich für eine Ausführung aus dieser Modellreihe  –  und die sei hier näher besprochen.

Die Walther PDP wurde 2021 als Nachfolgerin der Walther PPQ eingeführt. Das Unternehmen fertigt die PDP in diesen Basis-Ausführungen Full Size, Compact und die speziell für Schützinnen und Schützen mit kleineren Händen konzipierte F-Series. Die Full Size und Compact gibt es als Steel Frame (Vollstahl) oder als Polymer-Version, die Pistolen der F-Series nur in Polymer-Bauweise. Alle Waffen haben das Kaliber 9  mm Luger und ein nominelles Abzugsgewicht von 2.500 Gramm.

Lieferumfang der Walther PDF Steel FS 4,5" in 9 mm Luger:

Nach reiflicher Überlegung und einigem Hin- und Her bezüglich der Kaufquelle erstand ich meine Wunsch-PDP bei Filiale von  Frankonia in München-Aschheim. Eine PDP Full Size, Steel Frame, mit einer Lauflänge von 4,5" und dem Dynamic Performance Trigger genannten Match-Abzug mit gerade geformten Züngel − die unverbindliche Preisempfehlung (UVP) des Herstellers liegt aktuell bei 1.899,- Euro. Bei Frankonia gab's die Waffe allerdings zum Angebotspreis von 1.599,- Euro. Die Pistole kam in der originalen Kunststoff-Box von Walther, darin lag folgender Inhalt:

Lieferumfang der Walther PDP Steel Frame.
  • 1  Waffe mit eingestecktem Magazin,
  • 2  Ersatz-Magazine,
  • 1  Ladehilfe.
  • 1  Sicherheitsfahne,
  • 1  Manual,
  • 1  Original-Abzug "Performance Duty Trigger" (wohl als Ersatzteil).

Zu den drei  vorhandenen Magazinen bestellte ich noch zwei weitere, um mit ausreichender Kapazität für die anstehenden Wettkämpfe ausgerüstet zu sein. Der Preis der Magazine liegt bei derzeit knapp 60,- Euro (UVP) pro Stück für die 18-Schuss-Variante. Die verlängerte Version mit 18+2 Patronen Kapazität kostet jeweils rund 10 Euro mehr.

Die wichtigsten technischen Details zur Walther PDP Steel Frame:

Die Walther PDP Full Size in Steel Frame-Ausführung, eine Schlagbolzenschloss-Pistole im Kaliber 9 mm Luger. Im Gegensatz zu den PDP-Modellen mit Polymergriffstück, kommt die Steel Frame mit dem Dynamic Performance Trigger mit geradem Züngel.

Grundsätzlich weisen die Polymer-und Steel-Frame-Ausführungen dieser Modellreihe von außen den gleichen Schlittenaufbau aus, lassen sich aber nicht untereinander austauschen. Die Schlittenführung und der Fangschlittenmechanismus sind unterschiedlich konstruiert. Die hier zur Diskussion stehende Waffe mit dem aus einem Stück Metall gefrästen Griffstück wiegt 1.145  Gramm, sie maß in Länge, Höhe und Breite 201  x  145  x  35  mm. Die Länge ihres mit Polygon-Profil versehenen Laufes betrug 114 mm. An Sicherungen gab es

In Sachen Sicherungen gibt's hier drei  eingebaute automatische Varianten: eine im Abzugszüngel integrierte Sicherung, eine Schlagbolzensicherung und eine Fallsicherung. Zum Abzug: Ab Werk verbaut war der oben genannte Dynamic Performance Trigger, alternativ ließe sich der mitgelieferte originale Abzug Performance Duty Trigger einsetzen. Das Abzugsgewicht lag bei 2.500  Gramm, was für die Abzugsspezifika einer zur IPSC-Disziplin Production vorgesehenen Waffe genügt. Bleibt noch das Magazin: Die Kapazität eines jeden betrug hier 18  Patronen; die Magazine sind an der Rückseite gelocht, um die genaue Anzahl der geladenen Patronen ablesen zu können.

Walther charakterisiert die 5 wesentlichen Merkmale der PDP so:

  1. Performance Duty Trigger: exaktes Brechen des Schusses am Druckpunkt, bei 25 Newton; kurzer Reset.
  2. Ergonomie und Zielaufnahme: optimale Griffigkeit durch die Tetraeder-Struktur der Griffschalen; Durchladerillen (Serrations) vorne und hinten am Schlitten; perfekte Balance der Waffe; Magazinauslöseknopf sehr gut bedienbar.
  3. Optics Ready: mit einem tiefen Profil zur Aufnahme eines Reflexvisiers (Co-Witness).
  4. Modularität: drei  Lauflängen, Optics Ready, optionaler Magazintrichter, Griffschalen sowie die Visierelemente Kimme und Korn lassen sich wechseln, unterschiedliche Magazinkapazitäten.
  5. Sicherheit: Dazu sind ab Werk drei Sicherungssysteme integriert.

Unsere Konfiguration der Walther PDP Steel Frame für die IPSC-Division "Production Optics": 

Eine Kurzwaffe ab Werk oder Out of the Box zu kaufen, ist an sich ein sehr gutes Konzept, es passt aber nicht immer zu den persönlichen Wünschen. An der Waffe selbst musste in diesem Fall nichts geändert werden, aber die Anpassung an die Production Optics Division erforderte die Installation eines Reflexvisiers. Aber welches denn? Der Markt bietet eine ganze Reihe von Visieren an, in einer Preisspanne von zirka 200 bis 800  Euro, mitunter kosten sie noch mehr. Nun kommt ein Ausstattungsmerkmal der PDP mit ins Spiel. Der Schlitten verfügt über ein sehr tiefes Profil zur Aufnahme eines Reflexvisiers oder Leuchtpunktgeräts. Das ermöglicht bei passendem Produkt die Mitnutzung von Kimme und Korn, was auch als "Co-Witness"-Prinzip bezeichnet wird. Dabei bleiben bei eingesetztem Reflexvisier bestimmter Hersteller Kimme und Korn sichtbar, dafür sorgen die Konfiguration des Leuchtpunktvisiers an sich und der Umstand, dass dieses wegen des speziellen Profils im Schlitten besonders tief liegt. Folgende Reflexvisiere lassen sich ohne Adapterplatte und Co-Witness-tauglich auf die Walther PDP montieren:  das  Holosun SCS-Walther PDP-GR Reflexvisier,   das Holosun SCS PDP mit Punkt-, Kreis- und Punkt-Kreis-Darstellung in Grün sowie das Vector Optics SCRD-83 Frenzy Walther PDP.

Auch dieses gehört zur Wettkampfausrüstung: das ­Kydex-Holster für die Walther PDP. Auf der Pistole erkennt  man hier das Rotpunktvisier Leupold DP Pro und unmittelbar dahinter am Schlittenende die Kimme der erhöhten Schalldämpfervisierung von Walther, mit der die Co-Witness-Funktion gewahrt bleiben soll.

Man kann aber auch fast jedes andere Reflexvisier hernehmen, braucht dann freilich eine passende Adapterplatte, um das jeweilige optronische Gerät befestigen zu können. In diesem Fall hatte ich mich für das Leupold Deltapoint Pro (UVP: 639,- Euro) entschieden, mit passender Adapterplatte (Walther Typ 04, UVP: 49,99 Euro). Das Delta Point Pro nutzt eine CR2032-Batterie, die sich sehr leicht ohne Abbau des Leuchtpunktgeräts wechseln lässt. Aber einen Pferdefuß gibt es dabei: Nun ist die Co-Witness-Eigenschaft weg. Um diese wieder zu erlangen, kann man das originale Kimme-Korn-Pärchen gegen ein erhöhtes Set austauschen. Die höhere "Schalldämpfervisierung" von Walther schlägt für die PDP mit rund 65 Euro zu Buche. Die Kimme kann aus dem Schlitten getrieben und die neue wieder eingepresst werden. Das geht mit der nötigen Vorsicht und Erfahrung auch ohne Spezialwerkzeug. Zum Austausch des Korns braucht man einen entsprechenden Schlüssel, da die Schraube sehr flach ist und schwer zugänglich innen an der Unterseite des "Schlittendaches" sitzt. Voilà, nun hat man wieder die Co-Witness-Eigenschaft, die einige Vorteile bringt. Anmerkung: Das neue Korn sollte man mit einem Schrauben­sicherungsmittel wie Loctite fixieren, sonst fliegt es alsbald auf und davon.

Eindrücke vom Einschießen der Walther PDP Steel Frame FS im Kaliber 9 mm Luger und einige praktische Tipps dazu:

Dabei sollte man zuvor folgende Punkte beachten (wie auch bei meiner PDP geschehen): Zunächst die Waffe zerlegen und Lauf ausbauen. Dann den Lauf entfetten, leicht einölen und dann mit mehreren Putzfilzen wieder trocken putzen. Die ab Werk gut geölte Waffe soweit von überflüssigem Öl befreien, dass nur eine leichte, dünne Schicht übrigbleibtAlle gewünschten Anbauteile (Reflexvisier, gegebenenfalls erhöhte Visierteile Kimme/Korn) installieren und anschließend die Waffe wieder zusammensetzen. 

Die beim Einschießen ausprobierten Fabriklaborierungen mit 124-gr-Geschossgewicht wie etwa die S&B 124 grs FMJ lagen gemäß dem nach der Geschwindigkeitsmessung errechneten Wert über dem geforderten Mindestwert von 125 für den Minor-Faktor.

Nun kann es zum Schießstand gehen. Als IPSC-Schütze habe ich die Waffe auf 10  Meter Fleck eingeschossen. Dazu nutzte ich einen Einschießbock, um möglichst akkurat auf die definierte Mitte zu kommen. Das installierte Reflexvisier musste vertikal wie horizontal justiert werden. Das geht Schritt um Schritt. Letztendlich waren zirka 20  Schuss nötig, um das definierte Ergebnis zu erreichen. Nebenbei machte ich Geschwindigkeitsmessungen, um sicherzugehen, dass meine Fabrikmunition auch tatsächlich dem im Regelwerk geforderten Minor-Faktor von 125 entspricht. Der errechnete Faktor lag bei 135. Als Munition benutze ich Magtech FMJ mit einem Geschossgewicht von 124  Grains. Andere Munitionssorten wie etwa die Sellier  &  Bellot mit ebenfalls 124 Grains bringen fast identische Werte. Bei wiedergeladener Munition muss man naturgemäß mehr messen, da hier eine Faktorunterschreitung zu Problemen in einem Match führen kann. Apropos Streukreis: Hier machte ich keinen ausführlichen Munitionstest, weil nach meiner Erfahrung alle Fabrikpatronensorten präzise genug sind, um damit IPSC Handgun zu schießen. Der Streukreis bei der Magtech FMJ lag auf 10  Meter Distanz bei zirka 30 mm. Vor dem ersten Wettkampfeinsatz unterzog ich die Waffe zwei Trainingseinheiten bei uns im Verein. Die Pistole lief gut, es gab keine Störungen und die Treffer lagen da, wo sie sein sollten. Und als rein subjektive Wahrnehmung kam es mir so vor, dass die PDP sanfter reagierte als meine CZ Shadow  2. Das Rückschlagverhalten und das Handling erschienen weicher und angenehmer.

Erster großer persönlicher Test der Walther PDP Steel Frame FS beim Match bei der Airbase Open Handgun 2026 in Wiechlice 

Auf der polnischen Airbase Range in Wiechlice gab es Ende  April 2026 ein Handgun Match (Prematch) mit 16  Stages (=  Parcoursabschnitten) und einem Minimum von ungefähr 320  Schuss. Dabei sollte sich zeigen, ob die Entscheidung zum Umstieg auf eine Walther PDP richtig war. Weil im Prematch nicht so viele Schützen starteten wie im Hauptmatch, ging es erst um 9:30 Uhr los, und zwar mit einem Medium Course (24  Schuss). Ich startete als Nummer  1. Startsignal, erster Schuss auf einen Popper, der einen Schwinger auslöste. Der Popper fiel, der Pendel kam gemütlich aus der Versenkung und bekam seine 2  Treffer ab. Links rum in die sichere Richtung, weiter direkt auf 2  Scheiben zu, rechts rum, links und rechts weitere Scheiben beschossen, dann erneut innerhalb der Begrenzungsmarkierungen (Fault Lines) nach links und den Rest, bestehend aus Steel Plates und weiteren Scheiben, beschossen. Die Zeit war nicht phänomenal, aber diese erste Übung überstanden meine PDP und ich selbst als Schütze gut: Vertrauen muss aufgebaut werden, somit war der Start gelungen.

Der mit der PDP Steel Frame FS im Match abgegebene erste Schuss erfolgte auf ein Stahlklappziel des Typs Popper. Hinter dem Reifenstapel lässt sich das weiße Pendel erahnen, das durch einen Treffer auf dem blauen Popper ausgelöst wird.

Da unsere Squad (Schützenrotte) nur 5  Starter umfasste, ging es flott voran und die nächsten Übungen ließen nicht lange auf sich warten. Eher unüblich für eine Level III Match, mussten die Fertigkeiten von "Strong Hand Only" und "Weak Hand Only" (also dem Schießen nur mit starker respektive nur mit schwacher Hand) auch ausgetestet werden. Zugegebenermaßen war das Handling mit der PDP doch etwas anders als mit der Shadow 2 und ich musste mir Zeit lassen. In diesem Fall kann man sagen, dass es einer gewissen Eingewöhnungszeit bedarf, um diese Handhabung mit einer Hand zu optimieren. Das tolle Match bot so ziemlich alles, was man in einem Level III-Wettkampf erwarten würde. Viel Stahl, viele Schwinger, schwierige Abläufe, die einer guten und aufmerksamen Planung bedurften. Für das als "Walk-thru" bekannte Vorab-Begehen des jeweiligen Parcours gab es genügend Zeit, sodass sich Strategien gut manifestieren konnten. Jedes große Match ist eine Herausforderung, aber mit einer neuen Waffe zu starten, macht die Angelegenheit doch spannender.

Fazit des Testers nach seinem ersten Wettkampfeinsatz der PDP Steel Frame Fullsize in der IPSC Production Optics Division:

Die Walther PDP ist eine absolut empfehlenswerte Pistole. Sowohl die Qualität der Waffe als auch das Handling und die Präzision sind erste Klasse. Als Production- oder Production Optics-Waffe reiht sie sich ein in die Reihe der sehr guten Match-Waffen wie etwa eine Phoenix oder eine CZ Shadow  2. Der Preis liegt im Mittelfeld vergleichbarer Waffen. Das Handling, also das Laden, Fertigmachen, Ziehen und Schießen, ist von der Haptik her sehr gut, der Hochschlag beim Schießen mäßig. Wenn man sie gut festhält, bleibt sie auch ohne Abweichung im Punkt und im Ziel. Kurz: Ich würde sie wieder kaufen, die Walther PDP.


Dieser  Erfahrungsbericht erschien auch in der August-Ausgabe von VISER. Dort sind noch einige eindrucksvolle Szenen vom Einsatz der Walther PDP Steel Frame FS beim Match zu sehen. Die VISIER-Ausgabe 08/2026 können Sie im VS Medien-Shop online erwerben. Dort steht es auch als ePaper in digitaler Form zur Verfügung.