Anfang des Jahres präsentierte Walther zunächst einem ausgesuchten Fachpublikum und dann auf der Messe „Jagd & Hund“ in Dortmund einem breiten Publikum die neue RS3. Die Bezeichnung steht dabei für „Rifle – Short, Safe, Silent“. Dahinter verbirgt sich ein ultrakurzer Geradezugrepetierer mit Drehkopfverschluss. Das Thema Bullpup ist insofern interessant, da diese Konstruktion einige Vorteile, aber auch nicht unerhebliche Nachteile mit sich bringt. Es wundert daher nicht, dass dieses Design sowohl Befürworter als auch Kritiker hat. Nebenbei bemerkt: Walther selbst verwendet grundsätzlich niemals das Wörtchen „Bullpup“ im Hinblick auf den neuen Repetierer. Denn der Begriff wäre teilweise aufgrund von älteren Designs negativ behaftet, zum Beispiel aufgrund der schlechten Abzüge. Hat die Carl Walther RS3 einen schlechten Abzug? Dazu gleich mehr.
Um mit den Vorteilen anzufangen, seien zunächst die wichtigsten genannt: die Waffengesamtlänge und die effektive Lauflänge. Seitdem Schalldämpfer in Deutschland bei der Jagd genutzt werden dürfen, erfreuen sie sich großer Beliebtheit. Bei allen Vorzügen haben Schalldämpfer einen großen Nachteil. Je nach Konstruktion verlängert er die Waffe, meist um 100 bis 200 mm. Um dem entgegenzuwirken, bieten die meisten Hersteller inzwischen ihre Jagdbüchsen mit kürzeren und teilweise sehr kurzen Läufen an. Je kürzer der Lauf, desto geringer die Geschossgeschwindigkeit. Dies führt aufgrund der stärker gekrümmten Flugbahn nicht nur zu einer kürzeren GEE („günstigste Einschießentfernung“), sondern auch zu einer reduzierten effektiven Einsatzdistanz. Dies liegt daran, dass jedes Jagdgeschoss, gleich welche Materialien verwendet werden oder um welche Konstruktion es sich handelt, eine Mindestzielgeschwindigkeit benötigt, um im Wildkörper sicher zu deformieren oder Splitter abzugeben. Als Anhaltspunkt sollten klassische Bleikern-Mantelgeschosse eine Mindestzielgeschwindigkeit von 550 bis 580 m/s haben, bei den bleifreien Monolithgeschossen sollten es mindestens 620 bis 650 m/s sein, um sicher im Ziel anzusprechen.
Vor- und Nachteile des Bullpup-Designs
Hier kommt der größte Vorzug des Bullpup-Designs zum Tragen. Dadurch, dass Magazin und Verschluss hinter dem Abzug liegen, ist ein Bullpup-Repetierer von Haus aus deutlich kürzer. Damit kann nicht nur auf eine Laufkürzung verzichtet werden, sondern es können sogar längere Läufe als die üblichen Standardlängen verbaut werden. Bei der RS3 werden die Kaliber .308 Winchester und .30-06 Springfield mit einer Länge von 580 mm angeboten. Bei der .300 Winchester Magnum sind es dann 620 mm. Dadurch beträgt die Gesamtlänge nur 805 mm respektive 845 mm. Ein klassischer Repetierer mit gleicher Lauflänge liegt hier bereits bei etwa 1050 mm. Rechnet man nun noch etwa 200 mm extra für einen wirksamen Schalldämpfer hinzu, ist schnell eine Waffenlänge von 1250 mm oder mehr erreicht. Die Walther RS3 mit dem hauseigenen QSA-Schalldämpfer ist gerade mal 1040 mm lang, vergleichbar einem herkömmlichen Repetierer ohne Schalldämpfer.

Doch auch die Abstriche einer Bullpup-Konstruktion sollen nicht unerwähnt bleiben. Durch die Positionierung des Verschlusses weit hinten am Schaft muss die Funktion des Abzuges über eine Abzugsstange nach hinten zum Schloss übertragen werden. Diese Abzugsstange muss eine gewisse Steifigkeit aufweisen, um eine gleichmäßige Bewegung beim Durchziehen des Züngels zu gewährleisten. Weiterhin muss die Abzugsstange nach hinten entsprechend geführt und frei beweglich sein, andernfalls droht eine schlechte Abzugscharakteristik. Daher weisen die meisten Bullpups eine schlechte Abzugscharakteristik auf. Anders bei der Walther RS3. Dies liegt daran, dass Walther seit Jahrzehnten Abzüge konstruiert und fertigt, die im behördlichen, jagdlichen und sportlichen Bereich Einsatz finden. Ein weiteres Manko von Bullpups ist die Präzision. Bei konventionellen Repetierern sitzt die Montage mit Optik direkt auf dem System oder wie beispielsweise bei der Blaser R8 direkt auf dem Lauf. Bei Bullpups ist dies nicht möglich. Die Optikaufnahme muss hier über eine Brücke stattfinden, die aber keine direkte Anbindung an den Lauf oder das System hat. Die Optikaufnahme via Brücke führt dazu, dass der Abstand zwischen Lauf- und Optikachse größer wird. Dies liegt daran, dass sich die Wangenauflage oberhalb des Verschlusses befindet und somit die Basen für die ZF-Montage diese Differenz überbrücken müssen. Der Abstand zwischen der ZF- und Laufachse beträgt bei dem auf der Testwaffe montierten Swarovski mit 42 mm Objektivdurchmesser bereits 75 mm. Letzter Punkt: die Position von Patronenlager und Magazin. Beide sind weit hinten angeordnet, was im Vergleich zu einem konventionellen Repetierer eine etwas umständlichere Handhabung und Bedienung zur Folge hat.
Das System und der Abzug der Walther RS3
Das System der RS3 fällt deutlich größer aus als bei einem herkömmlichen Repetierer. Die einteilige Konstruktion ist 64 cm lang und besteht aus einer hochfesten Aluminiumlegierung. Damit soll eine möglichst hohe Verwindungssteifigkeit erreicht werden. Walther nennt dieses Element auch „Single Frame“- oder „Monocoque“-Systemgehäuse. Es ist an zahlreichen Positionen mit unterschiedlich großen Bohrungen versehen. Damit sollen Gewicht eingespart und der Schwerpunkt der Waffe zum vorderen Ende des Abzugsbügels verlagert werden. Der Verschluss ist als Geradezugrepetierer ausgelegt. Der Öffnungswinkel der drei Verschlusswarzen beträgt 60 Grad. Da der Kammerstängel beim Öffnen des Verschlusses gerade nach hinten gezogen wird, übernimmt eine Steuerkurve die Rotation des Verschlusskopfes. Der Kammerstängel wird in der vordersten Position über einen Kugelsitz arretiert.

Beim Abzug der RS3 setzt Walther auf einen Direktabzug. Der Abzugswiderstand soll laut Hersteller bei 800 g liegen. Mit der Lyman-Abzugswaage konnten die Tester einen durchschnittlichen Widerstand von 787 Gramm messen. Die eigentliche Charakteristik ist für einen Bullpup-Repetierer hervorragend. Hier zeigt sich die jahrzehntelange Erfahrung der Ulmer. Es gibt keinen separaten Sicherungshebel: Die RS3 ist ein Handspanner. Das Handspannelement ist in den Pistolengriff integriert. Beim Eindrücken des Schiebers wird die Waffe gespannt und ist somit sofort schussbereit. Zum Entspannen muss der Schieber leicht nach unten geschoben werden, um zu entriegeln. Er fährt dann von selbst in die Entspannposition. In der entspannten Position wird die Kammersperre aktiviert, die somit eine Transportsicherung ist. Ein leichtes Eindrücken des Spannelements um zwei, drei Millimeter deaktiviert die Kammersperre.
Lauf und Schalldämpfer des Geradezugrepetierers Walther RS3

Die Läufe mit vier Feldern/Zügen produziert Walther im sogenannten Knopfziehverfahren. Obwohl die Lauflänge laut Hersteller 580 mm beträgt, maßen die Tester vom Stoßboden bis zur Mündung der Testwaffe nur 562 mm. Die Laufwurzel wird mit vier Schrauben in einem teilgeschlitzten Bereich des Systemgehäuses geklemmt. Ein Laufwechsel oder -austausch ist nicht vorgesehen. Die vordere Hälfte des Laufes ist mit einem Kohlefaserrohr ummantelt. Dieses trägt mit dem typischen Karbonmuster zur Optik bei und reduziert das Hitzeflimmern im Zielfernrohr bei heißgeschossenem Lauf. An die Mündung selbst ist ein Trapezgewinde mit einer Steigung von 1,5 Millimetern gefräst. Hier finden sich auf dem Gewinde drei Freimachungen im Abstand von jeweils 120 Grad. Eine dieser Freiflächen ist breiter als die beiden anderen, das Gegenstück am Walther-Schalldämpfer korrespondiert dazu. Dadurch ist die Befestigung des SD nur in einer Position möglich. Eine sicht- und fühlbare Bohrung am Schalldämpfer zeigt die richtige Position zum Ansetzen. Der Suppressor wird in dieser Stellung auf die Laufmündung geschoben und dann um zirka 60 Grad gedreht: Jetzt ist der Dämpfer arretiert, und zwar immer in der gleichen Position. Damit ist die Treffpunktverlagerung mit und ohne montierten Schalldämpfer wiederholgenau identisch.
Neben dem Trapezgewinde sorgt zusätzlich ein Anlagebund mit Fase für eine genaue Zentrierung. Der Vorteil dieser „Zerolock“-Schnellkupplung ist eine sehr schnelle Befestigung des Schalldämpfers. Allerdings passen im Moment auf diese spezielle Mündungskupplung nur Walthers hauseigene Jagdschalldämpfer namens QSA. Letzterer besteht aus einer hochfesten, schwarz harteloxierten Aluminiumlegierung und bringt 350 Gramm auf die Waage. Der QSA verlängert die RS3 von 805 auf 1040 mm. Der Schalldämpfer ist für den Waffenschwerpunkt wichtig. Ohne QSA wäre die RS3 sehr hecklastig, was das Schießen in der Bewegung erschwert. Daher werden alle RS3 Modelle mit dem QSA-Schalldämpfer ausgeliefert. Für Länder, in denen SD verboten sind, oder für Sportschützen wird anstelle des Dämpfers ein gleich langer und schwerer Kompensator angeboten. In beiden Fällen liegt dann der Schwerpunkt der RS3 ungefähr am vorderen Ende des Abzugsbügels und somit zwischen beiden Händen.

Ein paar Worte zur Laufreinigung: Bei Bullpup-Repetierern ist der Ausbau des Verschlusses etwas aufwendiger als bei klassischen Designs. Die Waffe muss entspannt sein. Danach wird die Schaftkappe in der T-Nutführung nach unten entnommen. Nun den Verschluss öffnen und die Schaftrückeneinheit aus ihrer Arretierung entnehmen. Danach wird die Staubschutzkappe über dem Patronenauswurffenster entfernt, diese hält ein Magnet an ihrer Position. Den Kammerstängel in die hinterste Position bringen und den Verschluss mit einem vertikal beweglichen Sperrelement festsetzen. Abschließend wird der Kammerstängel wieder in die vordere Position bewegt, durch die Arretierung entkoppelt dies den Verschlussträger vom Kammerstängel. Der Verschluss kann jetzt nach hinten aus der Führung entnommen werden.
Die Walther RS3 kommt in unterschiedlichen Schaftausführungen


Die RS3 wird in vier unterschiedlichen Schaftausführungen angeboten. Bei der Heritage Fourstar und Heritage Sevenstar setzt der Hersteller klassisch auf Nussbaumholz, einmal der Holz-Kategorie 4 und einmal der Kategorie 7. Dies schlägt sich natürlich im Preis nieder. Die Fourstar-Ausführung kostet 5.399 Euro und die Sevenstar 6.999 Euro, beide inklusive QSA-Schalldämpfer. Deutlich günstiger bekommt man die Walther-Büchse mit Synthetikschaft. Jeweils 3.999 Euro (inklusive SD) werden für die RS3 Pro Pine und Pro Chestnut aufgerufen. Der Unterschied bei den beiden Kunststoffschäften ist die Farbe. Beim Pro Pine ist dieser dunkelgrün, beim Pro Chestnut dunkelbraun. Alle vier Schäfte haben im Bereich der Vorderschaftunterseite und am Pistolengriff schwarze, griffige Elastomer-Einlagen. Auch sind Form und Kontur bei allen vier Schaftvarianten identisch. Der Abstand zwischen Schaftkappe und Abzug beträgt bei allen Ausführungen einheitlich 368 mm. Zum Jahresende soll es voraussichtlich unterschiedliche Schaftkappendicken geben, um dieses Maß noch zu variieren. Auch beim Pistolengriff gibt es im Moment eine Standardgröße.
Alle RS3-Schäfte sind einteilig, unabhängig vom verwendeten Schaftmaterial. Das Bild oben zeigt den Holzschaft der Testwaffe bei ausgebautem System. Gut zu erkennen ist die sehr aufwendige, hervorragende Verarbeitung auch bei nicht sichtbaren Teilen. Die Übertragung des Rückstoß-Impulses auf den Schaft übernimmt konventionell ein Rückstoßstollen. Beim Schaftrücken handelt es sich um ein im Spritzgussverfahren gefertigtes Kunststoffteil. Der Rücken bildet somit die Wangenauflage, welche jedoch in Höhe und Position nicht verstellbar ist.
Das Testwaffen-Set-up: RS3 Heritage Fourstar mit SWAROVSKI OPTIK Z8i 1,7-13,3x42 P

Die Tester konnten sich über den Büchsenmachermeister Tino Adlung von der Waffen- und Wildbrethandlung Adlung im sächsischen Hainichen aus der ersten Auslieferung eine Testwaffe sichern. Dabei handelt es sich um die luxuriöse Ausführung RS3 Heritage Fourstar mit Nussbaumholz der Kategorie 4. Auf den Basen zur Optikaufnahme fand sich eine Walther Fixlock-Montage für SWAROVSKI-OPTIK-Zielfernrohre mit Innenschiene, darauf montiert ein Z8i 1,7-13,3x42 P. An der mündungsseitigen Zerolock-Schnellkupplung war der standardmäßige Schalldämpfer QSA von Walther befestigt. Passend zum vorwiegend jagdlichen Einsatz des neuen, extrakurzen Geradezüglers beschafften die Tester noch 20 jagdliche Laborierungen. Die Auswahl umfasst sowohl bleifreie Munition als auch solche mit konventionell bleihaltigen Geschossen, letztere mit klassischem Geschossmantel sowie Solid-Geschosse. Die Spannweite der Geschossmassen erstreckte sich von leichten 7,8 Gramm (120 gr) bis hin zu 12,0 g (185 gr).
Der Bullpup-Geradezugrepetierer Walther RS3 auf dem Schießstand

Für die Präzisions- und Funktionsüberprüfung schossen die Tester auf die jagdlich relevanten Distanzen von 100 und 200 Meter. Insgesamt wurden etwas mehr als 200 Patronen verschossen. Hierbei traten keinerlei Störungen in der Zuführung der Patronen aus dem Magazin in das Patronenlager auf. Der Auswurf der abgeschossenen Hülsen funktionierte ebenfalls ohne Störungen. Nur bei den Laborierungen von Sellier & Bellot musste etwas stärker am Kammerstängel gezogen werden, um den Verschluss zu öffnen. Dies liegt jedoch nicht an der RS3, sondern am Liderungsverhalten der S&B-Hülsen. Die erreichte Präzision ist für eine Bullpup-Konstruktion gut bis sehr gut. Rund ein Drittel der Testlaborierungen schoss auf die 100-Meter-Distanz besser als eine Winkelminute (1 MOA entspricht 29 mm/100 m). Unter jagdlichen Gesichtspunkten erreichten alle 20 Laborierungen auf 100 Meter eine gute Präzision. Die besten Ergebnisse bewegten sich sowohl auf 100 als auch auf 200 Meter für Fünf-Schuss-Gruppen im Bereich von 2/3 MOA. Bei größeren Schussserien wie bei unserer Streukreisermittlung hatte sich bei der Testwaffe der Schalldämpfer nach etwa 20 bis 30 Schüssen gelockert. Im jagdlichen Einsatz wird dies wohl kaum vorkommen. Dennoch sollte beim Trainieren im Schießkino sporadisch der feste Sitz des Schalldämpfers kontrolliert werden. Abschließend soll der hervorragend arbeitende Direktabzug von Walther nicht unerwähnt bleiben. Der gemessene Abzugswiderstand entspricht mit knapp 800 Gramm den Herstellerangaben. Und trotz konstruktionsbedingt langer Abzugsstange ist die Abzugscharakteristik hervorragend.
Walther RS3: Technische Daten und Preis
Modell: | Carl Walther RS3 Heritage Fourstar |
Kaliber: | .308 Winchester |
Kapazität: | 6 + 1 Patronen |
Länge | 805 bzw. 1040 mm |
Lauflänge: | 562 mm |
Drall: | 1-11“ (1-279 mm), Rechtsdrall |
Abzugsgewicht: | 787 g / 7,7 N, Direktabzug |
Gewicht: | 3.960 g (mit SD) |
| Preis: | 5.399,- Euro |
Ausstattung: | Geradezugrepetierer mit Drehkopfverschluss, Handspanner, einreihiges Einsteckmagazin. |
Fazit: Das kann die Carl Walther RS3
Die Walther RS3 punktet mit ihrer sehr guten Verarbeitung sowie der technisch aufwendigen Konstruktion. Der Abzug des Geradezüglers ist hervorragend, die Präzision sehr gut mit ausgesuchter Munition im Sub-MOA-Bereich. Ob nun Bullpup oder Kurzgewehr, wer sich mit einem solchen Design identifizieren kann, für den ist die RS3 ganz sicher sehr interessant. Es empfiehlt sich als Neuling jedoch, die Waffe einmal vorher ausgiebig auf einem Schießstand zu testen, da Handhabung und Schussverhalten sich deutlich von einem konventionellen Repetierer unterscheiden.
Test: Christopher Hocke
Redaktion: Hamza Malalla
Dieser Test erschien auch in der VISIER, Ausgabe 07/2026. Dort ist zusätzlich die ausführliche Tabelle mit den Ergebnissen aller 20 Testlaborierungen enthalten. Das Heft können Sie im VS Medien-Shop online kaufen. Dort steht es auch als ePaper zur Verfügung.
Weitere Informationen zur Walther RS3 erhalten Sie außerdem direkt auf der Webseite des Herstellers.










